Hirntumorerkrankungen stellen für die Betroffenen eine erhebliche Belastung dar, sowohl in physischer als auch in psychischer Hinsicht. Ein häufiges und oft unterschätztes Problem ist das Auftreten von Depressionen nach der Operation. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze von Depressionen bei Patienten nach einer Hirntumoroperation.
Einführung
Die Diagnose und Behandlung eines Hirntumors ist ein einschneidendes Erlebnis, das bei vielen Patienten zu psychischen Problemen führen kann. Depressionen sind eine häufige Begleiterscheinung, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Es ist wichtig, diese psychischen Auswirkungen frühzeitig zu erkennen und adäquat zu behandeln.
Ursachen von Depressionen nach Hirntumoroperation
Die Entstehung von Depressionen nach einer Hirntumoroperation kann verschiedene Ursachen haben:
Direkte Auswirkungen des Tumors auf das Gehirn: Tumoren, insbesondere im Stirnlappen (präfrontaler Kortex), können direkt Bereiche des Gehirns beeinträchtigen, die für die Steuerung von Stimmung, Antrieb und Kognition verantwortlich sind. Ein Tumor im linken Frontallappen kann beispielsweise zu Antriebslosigkeit und Schwierigkeiten beim schlussfolgernden Denken führen.
Operation und nachfolgende Behandlungen: Die Operation selbst, aber auch Strahlentherapie und Chemotherapie, können das Gehirn schädigen und zu neurologischen und psychischen Problemen führen. Die Forscher bemerken, dass OP und Radiotherapie grundsätzlich mit dem Risiko für lokale Schäden einhergehen und potenziell neurologische Manifestationen verschlimmern.
Lesen Sie auch: Revolutionäre Umbrüche durch Demenz und Depression?
Hormonelle Veränderungen: Tumoren im Bereich der Sella turcica (Türkensattel), einer Region an der Schädelbasis, können die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) beeinträchtigen und zu hormonellen Störungen führen. Diese Störungen können wiederum Depressionen auslösen. Direkt neben der Sella liegt die Sehnervenkreuzung, die das optische Signal der Augen nach hinten zum Sehzentrum leitet. Wenn das Meningeom eine bestimmte Größe hat, wird die Region beim Entfernen zerstört.
Medikamentöse Behandlung: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Hirntumoren eingesetzt werden, wie z.B. Corticosteroide oder Antiepileptika wie Keppra (Levetiracetam), können als Nebenwirkung Depressionen verursachen. Ich vermute einfach auch irgendwie, dass das Keppra Mitauslöser der Depression ist. Immerhin steht es ja mehrfach in der Packungsbeilage als mögliche Nebenwirkung.
Psychische Belastung: Die Diagnose Krebs, die Angst vor dem Tod, die Veränderungen im Körperbild, die Einschränkungen im Alltag und die Sorge um die Zukunft stellen eine enorme psychische Belastung dar, die zu Depressionen führen kann. Angst, Niedergeschlagenheit und Verzweiflung sind Gefühle, die viele Kranke und ihre Angehörige nach einer Krebsdiagnose empfinden. Angesichts des unsicheren Verlaufs und der tiefgreifenden Lebensveränderungen, die mit der Krankheit und Behandlung verbunden sein können, ist es ratsam, um geeignete psychotherapeutische Unterstützung zu bitten.
Verlust der Selbstständigkeit: Infolge der Erkrankung und Behandlung kann es zu einem Verlust der Selbstständigkeit kommen, was die psychische Gesundheit zusätzlich belasten kann. Infolge dessen kann der Patient seine Selbstständigkeit einbüßen.
Symptome von Depressionen nach Hirntumoroperation
Die Symptome von Depressionen nach einer Hirntumoroperation können vielfältig sein und sich von Patient zu Patient unterscheiden. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
Lesen Sie auch: Demenz und Depression im Vergleich
Anhaltende Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit: Eine tiefe und anhaltende Traurigkeit, die das Denken, Fühlen und Handeln des Betroffenen beeinträchtigt. Ich bin noch krank geschrieben, bin lustlos, sehe keine Zukunft, kann mir nicht vorstellen, wieder arbeiten zu gehen, bin hoffnungslos und einfach traurig. Depressiv eben.
Verlust von Interesse und Freude an Aktivitäten: Das Interesse an Dingen, die früher Freude bereitet haben, geht verloren.
Antriebslosigkeit und Müdigkeit: Ein Gefühl von ständiger Müdigkeit und Erschöpfung, selbst nach ausreichend Schlaf. Weil eine Mittfünfzigerin antriebslos und apathisch ist, glauben ihre Ärzte an eine Depression. Aber Medikamente helfen nicht, es kommen bald Gedächtnislücken und Konzentrationsprobleme hinzu.
Schlafstörungen: Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen, oder ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Die Patientin war apathisch, niedergeschlagen, schlaflos: Mit 54 Jahren litt sie plötzlich an einer Depression.
Appetitveränderungen: Appetitlosigkeit oder übermäßiges Essen, verbunden mit Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme.
Lesen Sie auch: Depression und das Gehirn: Eine detaillierte Analyse
Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisprobleme: Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, Entscheidungen zu treffen oder sich Dinge zu merken.
Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld: Ein negatives Selbstbild und das Gefühl, eine Last für andere zu sein.
Suizidgedanken: Gedanken an den Tod oder Selbstmord. Nach einer Behandlung mit Cortison bekam ich eine handfeste Depression mit suizidalen Gedanken.
Angstzustände: Häufig treten Depressionen in Kombination mit Angstzuständen auf. Angst, Niedergeschlagenheit und Verzweiflung sind Gefühle, die viele Kranke und ihre Angehörige nach einer Krebsdiagnose empfinden.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jedes Gefühl von Traurigkeit oder Mutlosigkeit nach einer Krebsdiagnose gleich eine Depression ist. Wenn die Symptome jedoch über einen längeren Zeitraum anhalten und das normale Leben des Betroffenen beeinträchtigen, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Diagnose von Depressionen nach Hirntumoroperation
Die Diagnose von Depressionen nach einer Hirntumoroperation erfolgt in der Regel durch ein ausführliches Gespräch mit einem Arzt oder Psychologen. Dabei werden die Symptome, die Krankengeschichte und die aktuelle Lebenssituation des Patienten erfasst. Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen, wie z.B. hormonelle Störungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten.
In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie CT oder MRT des Gehirns durchgeführt werden, um andere organische Ursachen für die Symptome auszuschließen. Leidet ein Patient unter Depressionen, stehen bei der Diagnostik die psychischen Veränderung im Vordergrund. Bildgebende Verfahren wie CT oder Kernspin gehören zufolge der aktualisierten Versorgungsleitlinie in Deutschland nicht dazu. Nach Auskunft der DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde) wird hierzulande erst dann eine Bildgebung veranlasst, wenn sich die Depression trotz Medikamenten nicht verbessert oder andere Symptome hinzukommen.
Behandlung von Depressionen nach Hirntumoroperation
Die Behandlung von Depressionen nach einer Hirntumoroperation kann verschiedene Ansätze umfassen, die oft in Kombination eingesetzt werden:
Medikamentöse Behandlung: Antidepressiva können helfen, das gestörte Gleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn wiederherzustellen und die Symptome der Depression zu lindern. Ärztlich verordnete wirksame Medikamente helfen, das bei einer Depression gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen. Es ist wichtig, die Medikamente regelmäßig einzunehmen und die Anweisungen des Arztes genau zu befolgen.
Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann dem Betroffenen helfen, die seelischen Ursachen der Depression zu erkennen und zu bearbeiten. Eine psychotherapeutische Behandlung konzentriert sich auf die seelischen Aspekte der Depression und hilft dem Betroffenen, etwaige zu Grunde liegende Konflikte zu erkennen und zu lösen. So unterstützt sie ihn dabei, mit Niedergeschlagenheit, Schmerz und Angst umgehen zu lernen und Trauer besser zu bewältigen. Verschiedene Therapieformen wie kognitive Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie oder Gesprächspsychotherapie können eingesetzt werden.
Weitere unterstützende Maßnahmen:
- Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Stimmung verbessern und Stress abbauen.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann die körperliche und psychische Gesundheit unterstützen.
- Soziale Kontakte: Der Austausch mit anderen Menschen kann helfen, sich weniger isoliert zu fühlen und Unterstützung zu erhalten.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und die Entspannung zu fördern. Du kannst Meditationskurse oder Entspannung nach Jacobson machen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe kann sehr hilfreich sein.
- Kreative Therapien: Musiktherapie, Kunsttherapie oder Tanztherapie können helfen, Gefühle auszudrücken und Stress abzubauen. Tanzen ist suuuper!
Es ist wichtig, einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen, der auf die Bedürfnisse und Wünsche des Patienten zugeschnitten ist. Die Behandlung sollte von einem erfahrenen Arzt oder Psychologen begleitet werden.
Der Fall der 54-jährigen Frau: Ein Meningeom als Ursache für Depressionen
Ein Fallbericht aus der Universitätsklinik in Caen, Frankreich, verdeutlicht, wie ein Hirntumor Depressionen verursachen kann. Eine 54-jährige Frau litt unter Antriebslosigkeit, Apathie und Konzentrationsproblemen. Antidepressiva zeigten keine Wirkung. Erst als ihr Ehemann auf Gedächtnislücken hinwies, veranlassten die Ärzte weitere Untersuchungen. Eine Computertomographie und Kernspinaufnahmen des Kopfes zeigten mehrere Meningeome, die auf das Gehirn drückten. Nach der Operation verschwanden die depressiven Symptome der Frau vollständig.
Dieser Fall unterstreicht die Bedeutung einer gründlichen Diagnostik bei Depressionen, insbesondere wenn die Symptome ungewöhnlich sind oder nicht auf eineStandardbehandlung ansprechen.
Die Rolle der Angehörigen
Angehörige spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Patienten mit Depressionen nach einer Hirntumoroperation. Sie können dem Betroffenen zuhören, ihn ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, und ihn im Alltag unterstützen. Wichtig ist das Verständnis der nahestehenden Menschen in der Umgebung des Patienten. Sie sollten in Kontakt mit dem Betroffenen bleiben, ihm zuhören, wenn er sprechen mag, und ihn darin bestärken, fachliche Hilfe anzunehmen.
Es ist auch wichtig, dass Angehörige auf ihre eigene psychische Gesundheit achten und sich bei Bedarf Unterstützung suchen. Die Betreuung eines Menschen mit einer schweren Erkrankung kann sehr belastend sein.
tags: #depression #nach #hirntumor #op