Im fortgeschrittenen Alter stellen Depressionen und Demenz die häufigsten psychiatrischen Erkrankungen dar. Oftmals treten sie gemeinsam auf, was die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen erheblich beeinträchtigt. Es ist wichtig, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden Erkrankungen zu verstehen, um eine angemessene Diagnose und Behandlung zu gewährleisten.
Altersdepression: Mehr als nur Traurigkeit
Experten schätzen, dass etwa 10 bis 20 Prozent aller Rentner über 65 von einer Depression betroffen sind. Im Vergleich dazu liegt die Quote in der Gesamtbevölkerung bei etwa fünf bis zehn Prozent. Während bei jüngeren Menschen häufig Probleme im Job eine psychische Krise auslösen, sind es bei älteren Menschen primär Gesundheitsprobleme, körperliche Beschwerden oder Einsamkeit.
Symptome und Ursachen der Altersdepression
Die Symptome einer Altersdepression ähneln denen in jüngeren Jahren, können aber auch alterstypische Besonderheiten aufweisen. Zu den Hauptsymptomen gehören:
- Antriebsverlust und erhöhte Ermüdbarkeit
- Interessensverlust und Freudlosigkeit
- Niedergeschlagenheit
Zusätzlich können Schlaf-, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Appetitlosigkeit, vermindertes Selbstvertrauen, Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle bis hin zu Suizidgedanken auftreten.
Ältere Menschen neigen dazu, Gefühle von Niedergeschlagenheit und Freudlosigkeit nicht offen zu zeigen. Stattdessen klagen sie eher über körperliche Beschwerden ohne eindeutige Ursache.
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Die Ursachen für Depressionen im Alter sind vielfältig und umfassen genetische Faktoren, neurobiologische Faktoren sowie entwicklungs- und persönlichkeitsbedingte Faktoren. Hinzu kommen oft belastende Ereignisse wie schwere Erkrankungen, Rollenveränderungen durch den Auszug der Kinder oder den Renteneintritt sowie der Verlust nahestehender Menschen. Chronische körperliche Erkrankungen, nachlassende geistige Leistungsfähigkeit und eingeschränkte Mobilität können ebenfalls Risikofaktoren sein.
Diagnose und Behandlung der Altersdepression
Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um eine gezielte Behandlung einzuleiten. Der Hausarzt kann beurteilen, ob psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe erforderlich ist.
Bei leichteren Depressionen genügt oft eine Psychotherapie. Bei mittleren bis schweren Beschwerden kann eine Kombination aus Psychotherapie und Antidepressiva eine spürbare Besserung erreichen. Entspannungs- und Meditationskurse sowie regelmäßige Bewegung können ebenfalls hilfreich sein.
Es ist wichtig zu beachten, dass depressive Störungen im Alter durch Sprech- und Denkhemmung, Konzentrationsstörungen und Gedächtnisstörungen Ähnlichkeiten mit einer Demenz aufweisen können (depressive Pseudodemenz). Daher ist eine sorgfältige Abgrenzung erforderlich.
Demenz: Ein schleichender Verlust der kognitiven Fähigkeiten
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Verlust der kognitiven Fähigkeiten einhergehen. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz.
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Symptome und Ursachen der Demenz
Die Symptome einer Demenz entwickeln sich schleichend und umfassen:
- Desorientiertheit
- Gedächtnisstörungen
- Sprach- und Bewegungsstörungen (Aphasie und Apraxie)
- Verlust von Alltagskompetenzen
Im Gegensatz zu depressiven Patienten neigen Demenzkranke dazu, ihre Beschwerden zu kaschieren oder zu bagatellisieren.
Die genauen Ursachen der Demenz sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und Lebensstilfaktoren eine Rolle spielen.
Diagnose und Behandlung der Demenz
Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Kognitive Leistungstests wie der DemTect und der MMST sowie bildgebende Verfahren wie CT und MRT können bei der Diagnose helfen.
Es gibt keine Heilung für Demenz, aber verschiedene Therapien können die Symptome lindern und den Krankheitsverlauf verzögern. Dazu gehören Medikamente, Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie.
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Die schwierige Unterscheidung: Depression oder Demenz?
Die Diagnose, ob primär eine Depression oder eine Demenz vorliegt oder beides, ist nicht immer einfach, da sich die Symptome oft überschneiden.
Einige Unterscheidungskriterien sind:
- Erkrankungsbeginn: Demenz beginnt schleichend, während eine Depression einen raschen Beginn hat.
- Leistung: Die Leistungsfähigkeit sinkt bei Demenz konstant, bei einer Depression schwankt sie stark.
- Selbstbild: Depressive klagen mehr über ihre Symptome, Demenzkranke kaschieren ihre Beschwerden.
- Orientierung: Der depressive Patient ist orientiert und sucht Hilfe, der Demenz-Patient ist desorientiert und nicht in der Lage, Hilfe zu suchen.
Bei Unsicherheiten kann eine umfassende Diagnostik durch einen Facharzt Klarheit bringen.
Die Rolle der Pseudodemenz
Depressionen können die kognitiven Fähigkeiten so stark beeinträchtigen, dass sie wie eine Demenz wirken (Pseudodemenz). Im Gegensatz zu einer echten Demenz sind die Gedächtnisprobleme bei einer Pseudodemenz jedoch oft nur phasenweise vorhanden und werden unter Zeitdruck deutlicher. Zudem nehmen depressive Menschen ihre Ausfälle deutlich wahr und leiden stark darunter.
Depression und Demenz: Wechselwirkungen und Risiken
Depressionen und Demenzen beeinflussen sich gegenseitig. Depressionen erhöhen das Risiko für Demenzen, und umgekehrt ist auch das Risiko für depressive Störungen bei Menschen mit Demenz deutlich erhöht.
Depressive Störungen beeinträchtigen die kognitiven Fähigkeiten, Alltagsfunktionen und soziale Kompetenz von Menschen mit Demenz zusätzlich und lassen sie noch "dementer" erscheinen.
Suizidgefahr im Alter
Im Alter besteht ein erhöhtes Suizidrisiko, insbesondere bei alleinlebenden älteren Männern. Risikofaktoren sind Einsamkeit, finanzielle Not, familiäre Konflikte sowie ausgeprägte körperliche Beschwerden und andauernde Schmerzen.
Es ist daher sehr wichtig, ältere Menschen, bei denen man Suizidgedanken vermutet, konkret darauf anzusprechen und professionelle Hilfe zu holen.
Was können Angehörige tun?
Für Freunde und Angehörige ist es wichtig, die Anzeichen einer Depression oder Demenz wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Sie können den Betroffenen dabei helfen, die Erkrankung als solche zu erkennen und ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung zu suchen.
Der Umgang mit einem erkrankten Menschen kann für Angehörige anstrengend sein. Deshalb sollten sie gut auf sich selbst achten und sich nicht überfordern. Angehörige können die Betroffenen im Rahmen der Behandlung unterstützen, aber sie sollten nicht versuchen, selbst zum Therapeuten zu werden.
Einige Tipps für Angehörige:
- Dasein und Zuhören ist wichtig.
- Nehmen Sie Ängste und Sorgen ernst.
- Motivieren Sie den Betroffenen, seine Beschwerden ärztlich abklären zu lassen.
- Nehmen Sie Hinweise auf Suizidgefährdung immer ernst.
- Suchen Sie gemeinsam mit dem Betroffenen sinngebende Ziele und helfen Sie ihm dabei, diese zu verfolgen.
- Vermeiden Sie Phrasen wie "Du musst positiv denken".
- Fördern Sie soziale Kontakte und Bewegung.
- Schaffen Sie Sicherheit und vermeiden Sie große Veränderungen.
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