Diazepam Zäpfchen bei Fieberkrämpfen im Kindesalter: Dosierung, Anwendung und Notfallmaßnahmen

Fieberkrämpfe sind ein häufiges Phänomen bei Kindern, das Eltern oft große Sorgen bereitet. Sie treten typischerweise im Alter zwischen sechs Monaten und sechs Jahren auf. Obwohl die meisten Fieberkrämpfe harmlos sind und keine bleibenden Schäden verursachen, ist es wichtig, die Symptome zu erkennen und richtig zu handeln. In vielen Fällen wird Diazepam in Form von Zäpfchen als Notfallmedikation eingesetzt, um den Krampfanfall zu durchbrechen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Fieberkrämpfe, die Rolle von Diazepam Zäpfchen bei der Behandlung und gibt praktische Hinweise für Eltern.

Was ist ein Fieberkrampf?

Ein Fieberkrampf ist ein Anfall, der im Zusammenhang mit Fieber auftritt, jedoch ohne eine gleichzeitige Infektion des zentralen Nervensystems (ZNS) oder vorhergehende Anfälle ohne Fieber. Etwa 4 % aller Kinder erleiden mindestens einmal einen Fieberkrampf, meist im Alter zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 6. Lebensjahr, mit einer Häufung um das 2. Lebensjahr.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache für Fieberkrämpfe ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass bei Fieber die "Isolierung" der Nervenzellen weniger gut funktioniert, was die Erregung ganzer Hirnregionen begünstigt und sich als Krampfanfall entlädt. Die Geschwindigkeit des Fieberanstiegs scheint dabei eine größere Rolle zu spielen als die absolute Höhe des Fiebers.

Risikofaktoren:

  • Genetische Veranlagung: Studien haben eine genetische Komponente aufgedeckt. Kinder mit Verwandten, insbesondere Geschwisterkindern, die bereits Fieberkrämpfe hatten, haben ein erhöhtes Risiko. Mutationen im Gen STX1B könnten eine Rolle spielen.
  • Frühgeburt: Frühgeborene oder Kinder, die als Neugeborene längere Zeit krank waren, haben häufiger Fieberkrämpfe.
  • Infektionen: Virusinfektionen, insbesondere das Dreitagefieber, erhöhen das Risiko.
  • Impfungen: In seltenen Fällen können Impfungen Fieberkrämpfe auslösen.

Symptome und Verlauf

Ein Fieberkrampf ereignet sich oft während des ersten Fieberanstiegs bei einem Infekt. Typische Symptome sind:

  • Anfall: Meist ein Grand-mal-Anfall mit Steifwerden, Muskelkrämpfen am ganzen Körper und Bewusstseinsverlust. Es sind aber auch andere Anfallsformen möglich.
  • Dauer: Der Krampf hört normalerweise nach wenigen Minuten von selbst auf.
  • Nachwirkungen: Das Kind ist danach zunächst schläfrig oder "jammerig", reagiert aber nach 15-30 Minuten wieder wie gewohnt oder schläft ein.
  • Teilnahmslosigkeit: Das Kind lächelt nicht mehr, reagiert kaum oder gar nicht auf Ansprache, verdreht die Augen.
  • Inaktivität: Das Kind lässt sich nicht aufwecken, bleibt nicht wach oder wacht nur nach längeren Aufweckversuchen auf. Häufig verliert es das Bewusstsein.
  • Erinnerungslücken: Anschließend wirkt das Kind apathisch, hat keine Erinnerung an die letzten Minuten und schläft oft mehrere Stunden tief und fest.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist wichtig, in bestimmten Situationen sofort einen Arzt aufzusuchen:

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  • Wenn Ihr Kind erstmalig einen Fieberkrampf hat.
  • Wenn der Krampf anders ist als bei vorangegangenen Anfällen, insbesondere bei starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit oder Lichtscheue (Hinweis auf Hirnhautentzündung).
  • Wenn Ihr Kind auffallend inaktiv und bewegungslos ist.
  • Wenn Ihr Kind nicht ansprechbar ist, blass wird, die Augen verdreht, den Körper versteift und krampfartig zuckt.
  • Wenn die Muskulatur völlig erschlafft, die Atmung langsamer wird und der Körper blau anläuft.
  • Wenn Ihr Kind Lähmungserscheinungen zeigt.
  • Wenn der Fieberkrampf länger als 15 Minuten dauert oder sich innerhalb derselben fieberhaften Erkrankung wiederholt.

In diesen Fällen ist das nächstgelegene Kinderkrankenhaus die richtige Adresse. Am sichersten ist der Transport durch den Notarzt.

Diagnose

Um sicherzustellen, dass dem Krampfanfall nichts anderes als Fieber zugrunde liegt, führt der Arzt verschiedene Untersuchungen durch:

  • Körperliche Untersuchung: Um die Ursache des Fiebers zu finden.
  • Urinuntersuchung und Röntgenaufnahme der Lunge: Um andere Infektionen auszuschließen.
  • Blutbild: Um Aufschluss über die Ursache des Fiebers zu erhalten.
  • Lumbalpunktion: In Zweifelsfällen, insbesondere bei Kindern unter 18 Monaten, bei komplizierten Fieberkrämpfen oder bei Vorbehandlung mit Antibiotika, um eine Hirnhautentzündung auszuschließen.
  • CT oder MRT: Nur in Ausnahmefällen, z. B. wenn das Kind nach dem Anfall längere Zeit nicht zu sich kommt, um andere Ursachen wie Abszesse, Fehlbildungen oder Tumoren auszuschließen.
  • EEG: Nach ungefähr 2 Wochen, um Hinweise auf die Ursache zu erhalten.

Behandlung von Fieberkrämpfen

Die Behandlung von Fieberkrämpfen umfasst sowohl Akutmaßnahmen während des Anfalls als auch vorbeugende Maßnahmen.

Akutmaßnahmen

  • Erste Hilfe: Entfernen Sie das Kind von Treppen oder anderen gefährlichen Orten. Rufen Sie den Notarzt, wenn es der erste Fieberkrampf ist. Legen Sie das Kind nach dem Anfall in die stabile Seitenlage. Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind während des Krampfes nicht verletzt und polstern Sie harte Gegenstände in der Nähe mit Kissen oder Decken.
  • Beruhigung: Bleiben Sie bei Ihrem Kind und beruhigen Sie es. Schütteln Sie Ihr Kind auf keinen Fall während des Anfalls, um es wieder zu Bewusstsein zu bringen.
  • Kein Essen und Trinken: Versuchen Sie nicht, Ihrem Kind kurz nach dem Anfall etwas zu essen oder zu trinken zu geben, da Erstickungsgefahr besteht.
  • Temperaturmessung und Fiebersenkung: Messen Sie nach einem Fieberkrampf die Körpertemperatur. Wenn sie über 38,5 °C liegt, versuchen Sie, das Fieber mit Paracetamol-Zäpfchen zu senken oder machen Sie beidseits Wadenwickel.

Diazepam Zäpfchen als Notfallmedikation

Bei erneuten Fieberkrämpfen ist es empfehlenswert, ein krampfhemmendes Medikament mit dem Wirkstoff Diazepam (rezeptpflichtig) im Haus zu haben. Diazepam wird rektal als Mikroklistier oder Zäpfchen verabreicht.

Dosierung von Diazepam Zäpfchen:

  • Kinder unter 3 Jahren (10-15 kg): 5 mg Diazepam
  • Kinder ab 3 Jahren (≥15 kg): 10 mg Diazepam

Die Wirkung tritt bereits nach wenigen Minuten ein.

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Anwendung von Diazepam Rektallösung (z.B. Diazepam Desitin® rectal tube):

  1. Kind in Bauch- oder Seitenlage bringen.
  2. Verschlusskappe der Rektaltube drehen und abnehmen.
  3. Spitze der Rektaltube in ganzer Länge in den After einführen (bei Säuglingen und Kleinkindern nur bis zur Hälfte).
  4. Spitze der Tube nach unten halten und den gesamten Inhalt durch kräftigen Druck mit Daumen und Zeigefinger entleeren.
  5. Tube beim Herausziehen weiterhin zusammengedrückt halten, um ein Zurücksaugen der Lösung zu verhindern.
  6. Gesäßbacken des Kindes für kurze Zeit zusammendrücken.
  7. Etwaige Reste in der Tube entsorgen.

Wichtiger Hinweis: Einige Chargen von Diazepam Desitin® rectal tube haben produktionsbedingt eine sehr fest sitzende Verschlusskappe. Die Kappe sollte am Kappenrand gefasst und mit Kraft abgezogen werden. Die Spitze der Tube darf auf keinen Fall mit einer Schere abgeschnitten werden, um Verletzungen zu vermeiden.

Midazolam als Alternative:

In Einzelfällen kann auch Midazolam als Alternative zu Diazepam eingesetzt werden, obwohl es für Fieberkrämpfe ohne Epilepsie nicht zugelassen ist. Es wird als Lösung in der Mundhöhle angewendet.

Vorbeugende Maßnahmen

Nach dem ersten Fieberkrampf liegt das Risiko eines weiteren bei etwa 30 %. Leider lassen sich weitere Fieberkrämpfe nur bedingt vorbeugen. Das Fieber bei auftretenden Infekten zu senken (entweder durch Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente), macht zwar Sinn, aber es ist nicht erwiesen, dass dies Fieberkrämpfe verhindert.

Wichtige Punkte:

  • Eine frühzeitige Gabe von fiebersenkenden Wirkstoffen kann einen Fieberkrampf nicht sicher verhindern.
  • Arzneimittel aus der Gruppe der Antiepileptika sind zur Prophylaxe eines Fieberkrampfs ungeeignet, da die Nebenwirkungen den Nutzen nicht rechtfertigen.

Diazepam: Wirkweise, Anwendung und wichtige Hinweise

Diazepam gehört zur Gruppe der Benzodiazepine und wirkt angst-, spannungs- und erregungsdämpfend sowie krampflösend. Es verstärkt die Wirkung des Neurotransmitters Gammaaminobuttersäure (GABA) im Gehirn, was zu einer Reduzierung der neuronalen Aktivität führt.

Anwendungsgebiete von Diazepam:

  • Symptomatische Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen
  • Prämedikation vor chirurgischen oder diagnostischen Eingriffen
  • Behandlung von Zuständen mit erhöhtem Muskeltonus
  • Status epilepticus
  • Tetanus
  • Fieberkrämpfe bei Kindern

Anwendungsarten:

  • Enteral: Tabletten und Tropfen (oral)
  • Rektal: Rektallösung und Zäpfchen
  • Parenteral: Intravenöse und intramuskuläre Injektion (nur in Ausnahmefällen)

Pharmakokinetik:

  • Resorption: Diazepam wird nach oraler Gabe rasch und vollständig resorbiert. Bei rektaler Anwendung als Lösung erfolgt die Resorption schnell und fast vollständig, während die Resorption aus Zäpfchen langsamer und unvollständiger ist.
  • Verteilung: Die Plasmaproteinbindung liegt bei 95-99%.
  • Metabolismus: Diazepam wird hauptsächlich in der Leber abgebaut.
  • Elimination: Die Elimination erfolgt biphasisch, mit einer Halbwertszeit von 20-100 Stunden.

Dosierung:

Die Dosierung hängt von der individuellen Reaktion des Patienten, Alter, Gewicht und der Art sowie Schwere der Erkrankung ab. Die Dosis sollte so gering wie möglich und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich gehalten werden.

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Nebenwirkungen:

Häufige Nebenwirkungen sind Verwirrtheit, anterograde Amnesie, Müdigkeit, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen und Ataxie.

Wechselwirkungen:

Diazepam kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen, insbesondere mit solchen, die ebenfalls auf das zentrale Nervensystem wirken. Alkohol verstärkt die Wirkung von Diazepam unvorhersehbar.

Kontraindikationen:

Diazepam darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Abhängigkeitsanamnese, akuter Intoxikation mit zentral dämpfenden Substanzen, Myasthenia gravis, schwerer Ateminsuffizienz, Schlafapnoe-Syndrom, schwerer Leberinsuffizienz sowie bei Neugeborenen und Säuglingen unter sechs Monaten.

Schwangerschaft und Stillzeit:

Diazepam sollte während der Schwangerschaft nur in Ausnahmefällen und bei zwingender Indikation verordnet werden. Während der Stillzeit sollte Diazepam nicht angewendet werden, da es in die Muttermilch übergeht.

Verkehrstüchtigkeit:

Diazepam kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Während der Behandlung mit Diazepam sowie 24 Stunden nach der letzten Applikation darf der Patient keine Kraftfahrzeuge steuern oder Maschinen bedienen.

Erste Hilfe Maßnahmen bei einem Fieberkrampf

Für Eltern ist es wichtig zu wissen, wie sie sich während eines Fieberkrampfes verhalten sollen. Hier sind die wichtigsten Schritte:

  1. Ruhe bewahren: Auch wenn es schwerfällt, versuchen Sie, ruhig zu bleiben.
  2. Kind schützen: Legen Sie Ihr Kind auf eine weiche Unterlage und entfernen Sie gefährliche Gegenstände aus der Umgebung.
  3. Atemwege sichern: Drehen Sie Ihr Kind in die stabile Seitenlage, um zu verhindern, dass es erbricht und erstickt.
  4. Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, die Krampfbewegungen zu unterdrücken.
  5. Nicht schütteln: Schütteln Sie Ihr Kind nicht, um es aufzuwecken.
  6. Arzt rufen: Rufen Sie den Notarzt, insbesondere wenn es der erste Fieberkrampf ist oder der Anfall länger als 5 Minuten dauert.
  7. Diazepam verabreichen: Wenn Ihr Arzt Ihnen Diazepam-Zäpfchen verschrieben hat, verabreichen Sie diese gemäß den Anweisungen.
  8. Beobachten: Achten Sie auf die Dauer des Anfalls und auf eventuelle Begleiterscheinungen wie Atemnot oder Bewusstlosigkeit.
  9. Dokumentieren: Notieren Sie die Dauer des Anfalls und alle Beobachtungen, um sie dem Arzt mitzuteilen.

Komplikationen und Prognose

Die meisten Fieberkrämpfe sind unkompliziert und verursachen keine bleibenden Schäden. Das Risiko für einen weiteren Anfall liegt bei etwa 30 %. In seltenen Fällen kann es zu Komplikationen kommen:

  • Komplizierter Fieberkrampf: Dauert länger als 15 Minuten, wiederholt sich innerhalb von 24 Stunden oder betrifft nur einen bestimmten Körperteil.
  • Epilepsie: Nach einem komplizierten Fieberkrampf ist das Risiko einer späteren Epilepsie leicht erhöht (von 0,5 % auf 1 %).

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