Physiotherapie bei Parkinson in Erlangen: Innovative Ansätze für mehr Lebensqualität

Parkinson, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Leben der Betroffenen tiefgreifend verändern kann. Neben der medikamentösen Behandlung spielt die Physiotherapie in Erlangen eine entscheidende Rolle, um motorische Symptome zu lindern und die Lebensqualität im Alltag entscheidend zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der Physiotherapie bei Parkinson in Erlangen, von innovativen Projekten bis hin zu ganzheitlichen Therapieansätzen.

Innovative Projekte in Erlangen

DigiTrainPD: Heimtrainingsprogramm für Parkinson-Patienten

Das Projekt „DigiTrainPD“ hat den diesjährigen Erlanger Preis für Medizin, Technik und Gesundheit in der Kategorie „Medizinische Versorgung“ erhalten. Geleitet wird das Projekt von PD Dr. Heiko Gaßner, Arbeitsgruppenleiter für Bewegungsanalyse und digitale Medizin in der Molekular-Neurologischen Abteilung des Uniklinikums Erlangen sowie Leiter der Attract-Arbeitsgruppe für digitale Versorgungspfade beim Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS. „DigiTrainPD“ ist eine Kooperation mit der Regionalgruppe Erlangen der Deutschen Parkinson Vereinigung e. V.

Das Projekt bietet Patientinnen und Patienten mit der Parkinson-Krankheit ein umfassendes Heimtrainingsprogramm an, das den Rehasport in der Klinik ergänzt. Es besteht aus frei verfügbaren Übungsvideos, die online abrufbar sind. Zusätzlich gibt es eine Smartphone-App, die die Kommunikation mit einer Therapeutin bzw. einem Therapeuten ermöglicht und mit der sich ein individueller Trainingsplan erstellen lässt. „Durch dieses kombinierte Konzept erreichen wir eine optimale Therapie im Alltag, die den wöchentlichen Rehasport in der Klinik ideal ergänzt“, erklärt Heiko Gaßner.

Mobility-APP Studie in Erlangen

In Erlangen wird eine Bewegungstherapie-Studie durchgeführt, die den Nutzen von speziellen Physiotherapieprogrammen untersucht. Dieses Projekt wurde als sogenanntes D-A-CH Projekt (Deutschland - Österreich - Schweiz) genehmigt und wird parallel in den Zentren Erlangen, Innsbruck und Lausanne durchgeführt. Es gibt einen Übungskatalog, der von Physiotherapeuten basierend auf den Europäischen Physiotherapie Guidelines zusammengestellt wurde. Der Therapeut wählt je nach Mobilitätslevel des Patienten 7-10 Aufgaben aus einem vordefinierten Aufgaben-Spektrum aus. Nach Voruntersuchungen und Einschluss in die Studie erfolgt eine zehntägige Trainingsphase (5 Tage/Woche), bei der die Studienteilnehmer täglich 60 Minuten in der Klinik trainieren (Phase 1). Im Anschluss daran trainieren die Patienten über fünf Wochen selbständig zu Hause (Phase 2). Sie erhalten wöchentliche Anrufe, um bei den Bewegungsaufgaben zu unterstützen oder Fragen zu beantworten. Die Effektivität der Trainingsprogramme wird bewertet durch standardisierte klinische Untersuchungen (z.B. UPDRS), funktionelle Tests (z.B. Berg-Balance Scale), Fragebögen zur Selbsteinschätzung der Patienten (z.B. Lebensqualität) und durch objektive Messverfahren (instrumentierte Ganganalyse). Zusätzlich erfolgt ein Mobilitäts-Monitoring über jeweils eine Woche zu Beginn und am Ende der Studie. Dazu tragen die Studienteilnehmer einen kleinen Sensor am Schuh in ihrem Alltag.

Physiotherapie in Erlangen: Ein Überblick

Ziele und Methoden

Physiotherapie, auch als Krankengymnastik bekannt, ist ein Bereich der Gesundheitsversorgung, der darauf abzielt, die Funktion und Beweglichkeit Ihres Körpers zu verbessern, Schmerzen zu lindern, Verletzungen zu rehabilitieren und die allgemeine Lebensqualität zu steigern. In Erlangen setzen Physiotherapeuten auf natürliche Bewegung und körperliche Übungen, um die Gesundheit der Patienten zu fördern.

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Individuelle Betreuung und Therapiepläne

Physiotherapiepraxen in Erlangen legen großen Wert darauf, Ihnen eine persönliche und individuelle Betreuung zu bieten, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Therapeuten nehmen sich Zeit für Ihre Befunderhebung, um schnellstmöglich die Ursache der Beschwerden zu lokalisieren um einen optimalen Therapieplan zu erstellen. Die Motivation erhalten sie über die Freude an den Ergebnissen, die sie durch die Physiotherapie erzielen.

Fachbereiche und Spezialisierungen

Viele Physiotherapiepraxen in Erlangen haben sich auf bestimmte Fachbereiche spezialisiert, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Dazu gehören:

  • Neurologie: Individuelle Ansätze bei der Nachbehandlung von Morbus Parkinson zielen darauf ab, die Selbstständigkeit zu fördern, die Beweglichkeit zu erhalten und die Alltagskompetenzen zu stärken. Durch gezielte Rehabilitationsmaßnahmen und therapeutische Unterstützung werden Patienten auf ihrem Weg zu einer optimalen Genesung unterstützt.
  • Orthopädie/Chirurgie: Erstklassige Versorgung für Muskeln, Knochen und Gelenke. Mit modernsten Diagnose- und Behandlungsmethoden kümmern sich Therapeuten um akute Verletzungen, chronische Schmerzen und degenerative Erkrankungen. Der Fokus liegt auf individueller Patientenbetreuung.
  • Sporttraumatologie: Innovative Diagnoseverfahren und individuelle Therapiekonzepte für Sportler bei Verletzungen. Die Expertise erstreckt sich von akuten Sportverletzungen bis zur präventiven Betreuung.
  • Kiefergelenksdysfunktion: Spezialisierte Behandlungen für Funktionsstörungen im Kiefergelenk. Durch gezielte Maßnahmen, einschließlich manueller Therapie und kieferorthopädischer Ansätze, streben Therapeuten danach, Beschwerden wie Schmerzen, Einschränkungen der Mundöffnung und Knirschen zu lindern.

Ganzheitliche Behandlung von Parkinson in Erlangen

Ursachenforschung und integrative Ansätze

In einer ganzheitlich ausgerichteten Privatpraxis in Erlangen (Raum Nürnberg/Fürth) steht die individuelle Ursachenforschung im Mittelpunkt. Mit Hilfe der Applied Kinesiology, Schwermetallanalysen, Mikronährstoffdiagnostik und gezielter Entgiftung werden mögliche Auslöser wie toxische Belastungen, Leaky Gut oder oxidativer Stress identifiziert und behandelt. Ergänzt wird der Ansatz durch unterstützende Maßnahmen wie Erdung („Earthing“) zur Reduktion von Entzündungen und zur Verbesserung des Schlafs.

Studienbasierte Ganzheitsmedizin

Studienbasierte Ganzheitsmedizin bei Parkinson umfasst Mikronährstoffe, Bewegung, Hormone und integrative Verfahren.

  • Mikronährstoffe: Eine US-Querschnittsstudie mit 1100 Betroffenen (2021) untersuchte den Einfluss von 43 Nahrungsergänzungsmitteln auf den Krankheitsverlauf. Besonders NAD+, Glutathion, Coenzym Q10, Omega-3-Fettsäuren und Curcumin zeigten eine Assoziation mit milderen Symptomen. Vitamin-D-Spiegel korrelieren invers mit dem Schweregrad der Erkrankung. Höhere Konzentrationen waren mit besserer Hirnleistung und Stimmung verbunden. Die Gabe von NR über 30 Tage erhöhte die NAD+-Spiegel im Gehirn deutlich. Dies ging mit einer Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und einer Reduktion von oxidativem Stress und neuroinflammatorischen Prozessen einher. Glutathion ist bei Betroffenen um bis zu 40 % reduziert. Studien zeigen, dass eine Supplementierung - insbesondere intravenös oder intranasal - die Progression verlangsamen und die neuronale Schutzfunktion verbessern kann. Es wurden signifikant niedrigere Werte für Kupfer und Zink sowie erhöhte Werte für Selen und Eisen festgestellt. Diese Dysbalancen könnten neurotoxische Prozesse begünstigen.
  • Bewegungstherapie: Regelmäßige körperliche Aktivität (mehr als 150 Minuten pro Woche) führt zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität, Beweglichkeit und kognitiven Funktionen. Auch das Fortschreiten der Erkrankung wird verlangsamt. Perturbationstraining und ein kombiniertes Herz-Kreislauf- und Motoriktraining verbessern die Gang- und Gleichgewichtsfunktion und fördern die Neuroplastizität.
  • Bioidentische Hormontherapie: Bioidentisches Östrogen senkt kardiovaskuläre Risiken und verbessert die Stimmung. Die Rimkus-Methode verwendet natürliches Progesteron und Östradiol in physiologischer Dosierung. Erfahrungsberichte zeigen eine bessere Verträglichkeit und geringere Nebenwirkungen als bei synthetischen Hormonen.

Fallbeispiele aus der Praxis

  • Ein 68-jähriger Patient mit fortschreitender Bradykinese zeigte nach gezielter Supplementierung von Vitamin D3, Omega-3-Fettsäuren und Coenzym Q10 eine deutliche Verbesserung der Stimmung und motorischen Stabilität.
  • Eine Patientin mit atypischen Symptomen und chronischer Müdigkeit wurde mittels Applied Kinesiology auf eine Quecksilberbelastung getestet. Nach Entfernung der Amalgamfüllungen und Chelattherapie verbesserten sich Tremor und Konzentration.
  • Ein 55-jähriger Mann mit parkinsonähnlichen Beschwerden litt unter chronischer Kieferfehlstellung. Nach CMD-Schienenversorgung und faszialer Entlastung des Atlasbereichs durch osteopathische Techniken verbesserte sich die Beweglichkeit deutlich.
  • Eine Patientin mit chronischer Obstipation erhielt eine Mikrobiomdiagnostik. Nach gezielter Gabe von resistenter Stärke und Probiotika stieg die Butyratproduktion, Entzündungsmarker sanken, und die Verstopfung besserte sich.
  • Ein 60-jähriger Patient berichtete über eine Kindheit mit frühkindlicher Trennung. Nach kinesiologischer Traumaarbeit und Integration emotionaler Blockaden stabilisierte sich sein Schlaf und die motorischen Schwankungen nahmen ab.

Parkinson in Deutschland: Häufigkeit, Risikofaktoren und Formen

Häufigkeit und Prognose

Morbus Parkinson ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland. Laut dem Robert Koch-Institut lag die administrative Prävalenz im Jahr 2022 bei etwa 0,35 % der Gesamtbevölkerung - das entspricht rund 295.000 Menschen. Ab dem 65. Lebensjahr steigt die Häufigkeit deutlich auf 1,42 %. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Eine internationale Studie prognostiziert, dass bis zum Jahr 2050 rund 574.000 Menschen in Deutschland an Parkinson leiden werden - damit hätte Deutschland weltweit die vierthöchste Zahl an Betroffenen nach China, Indien und den USA.

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Risikofaktoren

Die wichtigsten Risikofaktoren für die Entwicklung einer Parkinson-Erkrankung sind:

  • Alter: Das Risiko steigt deutlich ab dem 60. Lebensjahr.
  • Geschlecht: Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
  • Genetische Veranlagung: Mutationen in Genen wie SNCA, LRRK2, PARK2 und PINK1 erhöhen das Risiko.
  • Umweltfaktoren: Langfristige Belastung durch Pestizide (z. B. Paraquat), Lösungsmittel (z. B. Trichlorethylen) und Schwermetalle.
  • Lebensstil: Bewegungsmangel, chronische Entzündungen und oxidativer Stress gelten als begünstigende Faktoren.

Formen des Parkinson-Syndroms

Das Parkinson-Syndrom umfasst verschiedene Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungsverlangsamung verursachen. Je nach Ursache unterscheidet man mehrere Formen:

  • Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS): Dies ist die häufigste Form und wird auch als „echte“ Parkinson-Krankheit bezeichnet. Die genaue Ursache ist bislang unbekannt.
  • Postenzephalitisches Parkinson-Syndrom: Diese seltene Form tritt nach einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) auf.
  • Vaskulärer Parkinsonismus: Hier liegt die Ursache in Durchblutungsstörungen des Gehirns, häufig infolge von Bluthochdruck, Diabetes oder kleinen Schlaganfällen.
  • Parkinsonismus durch Vergiftung: Bestimmte Umweltgifte, Schwermetalle oder toxische Substanzen wie Kohlenmonoxid oder Mangan können Parkinson-ähnliche Beschwerden auslösen.
  • Medikamenteninduzierter Parkinsonismus: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Parkinson-ähnliche Symptome verursachen.
  • Demenz mit Lewy-Körperchen: Diese Erkrankung ist eng mit Parkinson verwandt und geht häufig mit Halluzinationen, starken Schwankungen der Aufmerksamkeit und Gedächtnisproblemen einher.
  • Erbliche Form: In seltenen Fällen liegt eine genetische Ursache vor.
  • Juvenile Form: Diese sehr seltene Variante tritt bei Jugendlichen unter 20 Jahren auf und ist meist genetisch bedingt.

Abgrenzung zwischen Parkinson und Demenz

Parkinson ist eine eigenständige neurologische Erkrankung und keine Form der Demenz. Sie betrifft vor allem die Bewegungssteuerung. Demenz ist ein Überbegriff für Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache und Orientierung zunehmend verloren gehen. Bei etwa 30-40 % der Patientinnen und Patienten mit Parkinson entwickelt sich im späteren Verlauf eine sogenannte Parkinson-Demenz. Sie äußert sich durch Gedächtnisprobleme, verlangsamtes Denken und verminderte Aufmerksamkeit.

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