Einführung
Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson genannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem die Beweglichkeit beeinträchtigt, aber auch eine Vielzahl weiterer Symptome auslösen kann. Die Ursache für Parkinson liegt in einem Mangel des Botenstoffs Dopamin im Gehirn. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Dopamin bei Parkinson, die zugrunde liegenden Ursachen des Dopaminmangels, die verschiedenen Formen des Parkinson-Syndroms sowie aktuelle Therapieansätze.
Was ist Dopamin und seine Funktion?
Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, also ein Botenstoff, der für die Signalübertragung zwischen Nervenzellen im Gehirn unerlässlich ist. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Steuerung von Bewegungen, aber auch bei der Regulierung von Emotionen, Motivation, Belohnungsgefühlen und kognitiven Prozessen. Dopamin wird in bestimmten Gehirnregionen produziert und gespeichert, insbesondere in der Substantia nigra ("schwarze Substanz").
Dopaminmangel als Hauptursache von Parkinson
Bei der Parkinson-Krankheit kommt es zu einem fortschreitenden Verlust von dopaminproduzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra. Dies führt zu einem Dopaminmangel im Gehirn, der die Signalübertragung beeinträchtigt und die typischen Symptome der Parkinson-Krankheit verursacht. Der Dopaminmangel führt dazu, dass Nervenreize schlechter übertragen werden. In der Folge kommt es zu Bewegungsstörungen und anderen Beschwerden.
Die Parkinson-Krankheit: Eine neurodegenerative Erkrankung
Der Dopaminmangel bei der Parkinson-Krankheit erklärt sich durch das langsame Absterben von Gehirnzellen, die für Produktion und Speicherung des Botenstoffs Dopamin verantwortlich sind. Dieser Prozess des langsamen Absterbens von Nervenzellen wird als „Neurodegeneration“ bezeichnet - die Parkinson-Krankheit ist also eine „neurodegenerative“ Erkrankung.
Die Rolle von Alpha-Synuklein
Die Ursache für den Untergang von dopaminproduzierenden Zellen in der Substantia nigra ist nicht abschließend geklärt, von zentraler Bedeutung scheint aber der Eiweißstoff Alpha-Synuklein zu sein.
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Erkrankungszahlen und Altersverteilung
Da sich die Veränderungen im Nervensystem und Gehirn bei Parkinson langsam entwickeln, handelt es sich bei der Parkinson-Krankheit vor allem (aber nicht ausschließlich) um eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Die Häufigkeit der Erkrankung nimmt mit steigendem Lebensalter deutlich zu; nur etwa 5% aller Betroffenen erkranken vor dem 50. Lebensjahr, und in der Altersgruppe der 80-Jährigen sind etwa vier- bis fünfmal mehr Menschen betroffen als in der Altersgruppe der 60-Jährigen. In Anbetracht der weltweit steigenden Lebenserwartung wird in den nächsten Jahren mit einer deutlichen Zunahme der Erkrankungszahlen gerechnet.
Symptome von Parkinson
Parkinson ist eine Erkrankung mit einer Vielzahl von Symptomen, die bei einzelnen Betroffenen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können.
Motorische Symptome
Die motorischen Symptome - also Einschränkungen und Auffälligkeiten in der Beweglichkeit - sind sehr wichtig, um die Diagnose der Erkrankung stellen zu können. Außerdem handelt es sich hierbei meist um jene Symptome, die von außen am deutlichsten sichtbar sind:
- Bradykinese: Dieses wichtigste Symptom der Parkinson-Krankheit beschreibt eine deutliche Verlangsamung von willkürlichen Muskelbewegungen. Die Bradykinese kann alle Muskeln des Körpers betreffen, die willkürlich angesteuert werden können. Beispiele hierfür sind eine starre/ausdrucklose Mimik (die sogenannte „Hypomimie“), eine Verkleinerung des Schriftbildes („Mikrographie“) sowie Einschränkungen der Feinmotorik, z. B. beim Zähneputzen, beim Rasieren oder Schwierigkeiten beim Knöpfen eines Hemdes. Auch das verlangsamte und kleinschrittige Gangbild sowie ein verminderter Mitschwung der Arme können Ausdruck einer Bradykinese sein. Da die Erkrankung häufig einseitig beginnt, fällt die Bradykinese anfangs oft nur im Seitenvergleich oder nur bei bestimmten Bewegungsabläufen auf.
- Rigor: Rigor (deutsch: Muskelsteifigkeit) äußert sich z. B. im Bereich der Rumpfmuskulatur mit gebeugter Haltung des Oberkörpers, welche aber oft erst in späteren Erkrankungsstadien beobachtet werden kann. Ein Rigor der Arme ist beim passiven Durchbewegen durch einen erhöhten Widerstand spürbar.
- Ruhetremor: Entgegen einer weit verbreiteten Vermutung ist das Vorliegen eines Tremors (deutsch: Zittern) der Hände nicht mit der Diagnose einer Parkinson-Krankheit gleichzusetzen: etwa ein Viertel aller Betroffenen leidet während der gesamten Erkrankungsdauer nie an einem Tremor. Gleichzeitig können auch andere Erkrankungen mit einem Tremor einhergehen. Der typische Parkinson-Tremor ist ein Ruhetremor, der eher langsam ist und meist nur eine Körperseite betrifft.
Nicht-motorische Symptome
Nicht immer führen jedoch die motorischen Symptome zu den größten Einschränkungen in Alltag und Lebensqualität der Betroffenen. Die oft weniger sichtbaren nicht-motorischen Symptome (z.B.
Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS) vs. symptomatisches Parkinson-Syndrom
Auch wenn die Ursache von Parkinson durch Dopaminmangel wissenschaftlich erwiesen ist - und die lange vermutete Schüttellähmung abgelöst hat - kann die Suche nach dem genauen Auslöser ungeklärt bleiben. In diesem Fall spricht man bei der Parkinsonerkrankung von einer ungeklärten Ursache oder einem Idiopathischen Parkinson Syndrom (IPS). In diesen Fällen sterben die Gehirnzellen ab, ohne dass sich ein klar erkennbarer Grund finden lässt. Dieser Umstand kann die Diagnose von Parkinson erschweren. In den meisten Fällen bleibt der Auslöser für Parkinson unbekannt.
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Wenn die Ursache für das plötzliche Absterben der Gehirnzellen klar diagnostiziert werden kann, spricht man von einem symptomatischen Parkinson Syndrom. Die Ursachen hierfür können grundverschiedenen sein, müssen aber als Ursache für die Parkinsonkrankheit erkennbar sein. Mögliche Auslöser sind Hirndurchblutungsprobleme, Tumore oder Krankheiten, die sich auf den Stoffwechsel auswirken. Es gibt auch einige wenige Medikamente, welche als Behandlung für andere Krankheiten genutzt werden, die als Nebenwirkung Parkinson auslösen können, wie z.B.
Diagnose von Parkinson
Die Diagnose der Parkinson-Krankheit kann auch heute in Zeiten einer hochtechnisierten Medizin oft allein im Rahmen einer gründlichen Untersuchung durch NeurologInnen gestellt werden. Zusätzliche Untersuchungen können beispielsweise hinzugezogen werden, um alternative Diagnosen auszuschließen und/oder bei Zweifeln an der Diagnose die Sicherheit zu erhöhen.
Ein wichtiges unterstützendes Kriterium für die Diagnose der Parkinson-Krankheit ist die eindeutige Besserung der Symptome durch Behandlung mit Dopamin-Ersatzmedikamenten, insbesondere L-Dopa.
Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson
Bei der Parkinson-Krankheit handelt es sich um eine chronische und derzeit noch nicht heilbare Erkrankung. Eine Vielzahl der Symptome lassen sich jedoch auch langfristig gut behandeln. Hierzu stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung: von Tabletten und Medikamentenpflastern über Medikamentenpumpen bis zur Tiefen Hirnstimulation. In allen Stadien der Erkrankung können auch durch körperliche Aktivität und Übungstherapien (z.B.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die Symptome zu lindern. Dabei kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz:
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- Levodopa (L-Dopa): Wird im Gehirn zu Dopamin umgewandelt und gleicht so den Dopaminmangel aus.
- Dopaminagonisten: Regen Bindungsstellen in den Nervenzellen (Rezeptoren) an, die für die Aufnahme von Dopamin zuständig sind. Sie imitieren Dopamin im Körper und gleichen so den Mangel des Botenstoffs aus, indem sie dieselben Dopaminrezeptoren (D-Rezeptoren) stimulieren wie der körpereigene Neurotransmitter, der aus den Aminosäuren Tyrosin und Phenylalanin hergestellt wird.
- MAO-B-Hemmer (Monoaminooxidase-B-Hemmer): Blockieren den Abbau von Dopamin im Gehirn. Sie helfen quasi, Dopamin zu recyclen, sodass der Körper es mehrfach verwenden kann: Normalerweise wird Dopamin abgebaut, nachdem es an einen sogenannten Dopamin-Rezeptor gebunden und seine Wirkung entfaltet hat.
- COMT-Inhibitoren: Verlängern die Wirkung von Levodopa, indem sie den Abbau von Dopamin verhindern.
Die Medikamente werden meist in Tablettenform eingenommen. Bestimmte Dopaminagonisten gibt es auch als Pflaster. Im Frühstadium kommen manche Menschen mit leichten Beschwerden auch gut ohne Medikamente aus. Wenn die Symptome irgendwann zu belastend werden, kommen vor allem Levodopa oder Dopaminagonisten infrage. Sie wirken etwas unterschiedlich und manche Mittel führen häufiger zu Nebenwirkungen als andere - oder die Nebenwirkungen sind stärker. Beide sind aber im Frühstadium der Erkrankung sehr wirksam. Wie erfolgreich die Behandlung ist, lässt sich schwer vorhersagen. Die Medikamente wirken nicht bei jedem Menschen gleich - und manchmal dauert es, bis die passende Dosis gefunden ist. Eine spürbare Wirkung setzt meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen nach Beginn der Behandlung ein: Bewegungen fallen wieder leichter, die Steifheit nimmt ab. Solche Beschwerden können bis zu drei Monate nach Beginn der Behandlung noch weiter abnehmen. Das Zittern ist oft schwieriger zu behandeln. Manchmal verschwindet es erst nach Monaten oder sogar Jahren der medikamentösen Behandlung.
Dopaminagonisten im Detail
Dopaminagonisten spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson-Patienten. Fachleute unterscheiden Dopaminagonisten auf Basis ihrer chemischen Struktur als „ergolin“ oder „nicht ergolin“. Erste Untersuchungen lassen vermuten, dass ergoline Dopaminagonisten häufiger zu bestimmten Nebenwirkungen führen können. Zum Beispiel zu einer Verdickung der Herzklappen. In der Parkinson-Therapie spielen deshalb vor allem nicht ergoline Dopaminagonisten wie Rotigotin, Apomorphin oder Piribedil eine Rolle.
Im Gegensatz zu L-Dopa müssen Dopaminagonisten nicht im menschlichen Körper umgewandelt werden, um zu wirken. Sie können ihre Wirkung direkt an den entsprechenden Empfängerstellen (Rezeptoren) im Gehirn entfalten. Trotzdem dauert es etwas länger als bei L-Dopa bis die Wirkung einsetzt. Sie hält dann aber länger an. Die Wirksamkeit dieser Präparate ist meist nicht so stark wie die von L-Dopa. Dopaminagonisten haben jedoch gegenüber L-Dopa den Vorteil, dass sie bei langjähriger Einnahme seltener zu Wirkungsschwankungen und Überbewegungen führen. Daher sollten Dopaminagonisten besonders bei jüngeren Patientinnen und Patienten (unter 70 Jahren, lt. Leitlinie) ohne schwerwiegende Begleiterkrankungen vor einer L-Dopa-Therapie eingesetzt werden. Reicht eine alleinige Therapie (sogenannte Monotherapie) mit einem Dopaminagonisten nicht für eine zufriedenstellende Symptomkontrolle aus, wird bei den Patientinnen und Patienten bevorzugt eine Kombination, z. B. aus einem Dopaminagonisten und L-Dopa, gewählt.
Tiefe Hirnstimulation
Wenn die medikamentöse Behandlung nicht mehr ausreichend ist, kommt ein so genannter Hirnschrittmacher in Frage. Die tiefe Hirnstimulation wird bereits seit vielen Jahren erfolgreich durchgeführt. Der Schrittmacher muss allerdings in einer Operation eingesetzt werden: Dem Patienten werden in einem chirurgischen Eingriff Elektroden in das Gehirn implantiert. Durch elektrische Stimulation dieser Elektroden werden dann die Parkinsonsymptome unterbunden. Die Wirkung ist nachweislich hoch und das Verfahren wird durch neue, verfeinerte Techniken immer weiter verbessert - dem gegenüber steht allerdings die Angst der Betroffenen und ihrer Angehörigen vor dem Eingriff, die zwar nachvollziehbar, aber nicht immer rational zu begründen ist.
Weitere Therapien
- Physiotherapie: Hilft, die Beweglichkeit zu erhalten und Muskelsteifigkeit zu reduzieren.
- Ergotherapie: Unterstützt bei der Bewältigung von Alltagstätigkeiten.
- Logopädie: Verbessert die Sprach- und Schluckfunktion.
Langzeitkomplikationen und Herausforderungen
Zu Problemen der fortschreitenden Erkrankung zählen insbesondere die sogenannten Wirkschwankungen oder Wirkfluktuationen: Schwankungen der Wirkung von L-Dopa als dem wirksamsten Parkinson-Medikament führen zu einem zunehmenden Wechsel in der Ausprägung der Symptome. Im Verlauf der Jahre kann die Wirkung einer einzelnen L-Dosis zunehmend kürzer werden, was zu einer erneuten Zunahme der Symptome noch vor der nächsten Medikamenteneinnahme führen kann - dieses Abflauen des Medikamenteneffektes wird als “Wearing-Off“ (dt.: Nachlassen) bezeichnet. Die Betroffenen erleben einen zunehmenden Wechsel zwischen Phasen wenig Symptomen (auch als ON-Phasen bezeichnet) und Episoden, in denen sich die Beweglichkeit verschlechtert oder Tremor bzw. Etwa die Hälfte aller Parkinson-Betroffenen entwickelt zusätzlich zu diesen Wirkschwankungen Unruhebewegungen, die meist in den Phasen der maximalen L-Dopa-Wirkung auftreten und als Dyskinesien oder Hyperkinesen bezeichnet werden. Meistens sehen diese Symptome wie unwillkürliche, ruckartige oder drehende, tänzelnde Unruhe- oder Überbewegungen aus.
Weitere Langzeitkomplikationen treten in Form von Symptomen auf, die meist erst nach einem Zeitraum von etwa 10-15 Jahren beobachtet werden und die sich durch die Parkinson-Medikamente oft nur gering oder gar nicht bessern lassen, wie z. B. Haltungs- und Gleichgewichtsstörungen, Stürze oder Schluckstörungen.
Forschung und Ausblick
Die Parkinson-Forschung konzentriert sich weiterhin auf die Suche nach den Ursachen des Nervenzellsterbens und die Entwicklung neuer Therapieansätze. Ein weiteres wichtiges Forschungsziel ist aber auch die Suche nach so genannten Biomarkern: das sind messbare biologische Merkmale (z. B. im Blut oder Nervenwasser), die eine Früherkennung von Parkinson erlauben und helfen, das Fortschreiten der Erkrankung besser im Auge zu behalten. Erste Seite von James Parkinsons "An Essay on the Shaking Palsy". „Unwillkürliche, zitternde Bewegungen, verbunden mit verminderter Muskelkraft, zeitweise selbst mit Unterstützung völlig unbeweglich; Neigung zu vornübergebeugter Körperhaltung und zum Übergang von einer laufenden in eine vorwärts rennende Bewegung; die Sinne und der Intellekt bleiben unbeeinflusst.“ Mit diesen Worten beschrieb der britische Arzt James Parkinson 1817 in seiner Publikation „An Essay on the Shaking Palsy“ - „Eine Abhandlung über die Schüttellähmung" die später nach ihm benannte Krankheit. Seine akkurate Beobachtung der Symptomatik bildet noch heute die Grundlage für die Diagnostik von Morbus Parkinson - auch wenn die Symptome seither ergänzt wurden.
Leben mit Parkinson
Die Diagnose Parkinson stellt Patienten und Angehörige zunächst vor viele Herausforderungen und Fragen: Was bedeutet das genau für mich und uns? Kann ich weiterarbeiten? Bin ich eingeschränkt in meinem täglichen Leben? Mit Ihrer Hilfe können wir unsere bundesweite Aufklärung zu neurologischen Erkrankungen ausweiten. Demenz durch Schlaganfall und Parkinson - Was kann man tun? Haben Sie Fragen zu einer neurologischen Erkrankung?
Tipps für den Alltag
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen ist wichtig für das allgemeine Wohlbefinden.
- Soziale Kontakte: Pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte und nehmen Sie an Aktivitäten teil, die Ihnen Freude bereiten.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein.