Einführung
Jeder kennt das Gefühl, sich in einer Situation oder Beziehung unwohl zu fühlen. Manchmal geht dieses Gefühl jedoch über ein vorübergehendes Unbehagen hinaus und entwickelt sich zu einer dauerhaften Belastung. Wenn negative Gedanken, Selbstzweifel und das Gefühl, andere zu nerven, überhandnehmen, kann dies ein Anzeichen für tieferliegende Probleme sein. Dieser Artikel beleuchtet, wie solche Gefühle entstehen können, insbesondere im Kontext von toxischen Beziehungen, und gibt Anregungen, was man dagegen tun kann. Dabei werden sowohl die Dynamiken in zwischenmenschlichen Beziehungen als auch die Bedeutung von Selbstliebe und Selbstwertgefühl betrachtet.
Was sind toxische Beziehungen?
Es gibt Beziehungen, die uns glücklich machen, uns leicht fühlen lassen und uns positiv in die Zukunft blicken lassen. Auf der anderen Seite gibt es Beziehungen, die anfangs wunderschön sind, aber irgendwann nur noch zehrend wirken. Sie rauben uns die Energie und kosten Kraft. Statt liebevoller Gespräche gibt es fast nur noch Streitereien und Diskussionen, was dazu führt, dass wir verunsichert und unglücklich zurückbleiben.
Toxische Beziehungen sind zwischenmenschliche Verbindungen zu Menschen, die uns, anstatt uns Kraft zu geben, unglücklich machen. Es sind toxische Verhaltensweisen unseres Gegenübers, die uns unsicher werden lassen. Toxische Beziehungen können von Partnern ausgehen, finden sich aber auch im familiären und freundschaftlichen Umfeld. Auch die Beziehung zur Mutter, zum Vater oder zu Freunden kann uns nicht guttun und Energie rauben.
Toxische Beziehungen beginnen nicht erst mit physischer Gewalt, sondern im Kleinen. Sie beginnen, wenn uns unser Gegenüber bewusst oder unbewusst immer nur ein schlechtes Gefühl gibt, uns manipuliert oder zu kontrollieren versucht. In einer gesunden Beziehung - egal ob romantisch oder nicht - geht es darum, dass wir uns gesehen und angenommen fühlen. Unser Gegenüber soll uns so nehmen, wie wir sind. Das heißt nicht, dass es keine Diskussionen, Streitereien oder Kritik geben kann, aber sie sollte immer aus einem fürsorglichen, liebevollen Standpunkt kommen.
Werden wir klein gehalten, in vielen Situationen verunsichert und kritisiert, egal, was wir tun, wird jeder Tag zu einem schwierigen Eiertanz, nur um keinen nächsten Streit auszulösen, ist es Zeit, hellhörig zu werden. Dann könnte es sein, dass ihr in einer toxischen Beziehung gelandet sein. Wichtig ist: Das kann wirklich jedem von uns passieren, der selbstbewussten starken Frau, dem jungen motivierten Mann oder der coolen Tochter. Psychische Gewalt in zwischenmenschlichen Beziehungen wird viel zu oft verschwiegen. Dabei hinterlassen toxische Verhaltensweisen, denen wir ausgesetzt sind, auch Spuren - auch noch lange, nachdem wir diese Menschen längst hinter uns gelassen haben.
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Anzeichen für eine toxische Beziehung
- Ständiges Gefühl der Unsicherheit: Man fühlt sich in der Beziehung nicht sicher und geborgen, sondern ständig auf der Hut.
- Manipulation: Der Partner versucht, einen zu manipulieren und zu kontrollieren.
- Abwertung: Man wird ständig kritisiert und abgewertet, egal was man tut.
- Energieraub: Die Beziehung kostet mehr Energie als sie gibt.
- Streitigkeiten: Häufige und unnötige Streitereien belasten die Beziehung.
- Kontrollverhalten: Eifersucht und Kontrollversuche schränken die eigene Freiheit ein.
- Fehlende Unterstützung: Der Partner unterstützt einen nicht, sondern versucht, einen klein zu halten.
Fallbeispiele und Erfahrungen
Einige Frauen haben ihre Erfahrungen mit toxischen Beziehungen geteilt, um anderen Mut zu machen und zu zeigen, dass es einen Ausweg gibt:
- Fall 1: Eine Frau erkannte erst Jahre später, dass ihre Beziehung toxisch war. Ihr Ex-Freund betrog sie mehrfach und hatte Jähzorn. Sie trennte sich, als sie erkannte, dass sie so nicht weiterleben wollte. Bis heute hat sie mit den Nachwirkungen zu kämpfen, wie geringem Vertrauen und der Angst, in neue toxische Muster zu geraten.
- Fall 2: Eine andere Frau hatte eine toxische Beziehung zu ihrem Vater. Er kritisierte sie ständig und gab ihr das Gefühl, für alles schuld zu sein. Der Kontakt wurde schließlich abgebrochen, was jedoch dazu führte, dass sie ihre Mutter nicht mehr sehen kann, da diese unter dem Einfluss des Vaters steht.
- Fall 3: Eine dritte Frau war fünf Jahre lang in einer toxischen Beziehung mit einem Mann, der 18 Jahre älter war. Sie fühlte sich wie ein Mängelexemplar und wurde mit haltlosen Anschuldigungen überhäuft. Die Trennung war schmerzhaft, aber befreiend. Sie baute ihr Leben Stein für Stein wieder auf.
- Fall 4: Eine weitere Frau geriet in eine Abhängigkeit von ihrem Partner, der sie emotional erpresste und ihr ständig das Gefühl gab, nicht gut genug zu sein. Sie beendete die Beziehung, als sie erkannte, dass sie sich selbst verloren hatte.
- Fall 5: Eine Frau erlebte verbale Gewalt und Manipulation in ihrer Beziehung. Ihre Rettung war eine Therapie, in der sie Selbstliebe lernte und den Mut fand, sich zu trennen.
- Fall 6: Eine Frau stand vor der Frage, ob sie den Kontakt zu ihrem Ex-Freund halten soll. Er war unfähig zu einer Beziehung und bestrafte sie mit noch selteneren Treffen, wenn sie in seiner Gegenwart weinte. Das Gespräch brachte keine Klärung, und sie blieb in der Luft hängen.
Diese Beispiele zeigen, dass toxische Beziehungen viele Gesichter haben können und dass es oft schwierig ist, sie zu erkennen und sich daraus zu befreien.
Was tun, wenn man sich als "nervig" empfindet?
Das Gefühl, andere zu nerven, kann verschiedene Ursachen haben. Oftmals hängt es mit einem geringen Selbstwertgefühl zusammen. Wer sich selbst nicht wertschätzt, glaubt leicht, anderen zur Last zu fallen. Auch negative Erfahrungen in der Vergangenheit, wie Ablehnung oder Kritik, können dazu beitragen, dass man sich als "nervig" wahrnimmt.
Ursachenforschung
- Selbstwertgefühl: Habe ich ein gesundes Selbstwertgefühl? Akzeptiere ich mich so, wie ich bin?
- Vergangenheit: Gab es in meiner Vergangenheit negative Erfahrungen, die mich geprägt haben?
- Aktuelle Situation: Stehe ich unter Stress oder befinde ich mich in einer schwierigen Lebenssituation?
- Umfeld: Bin ich von Menschen umgeben, die mich unterstützen und wertschätzen?
- Eigene Erwartungen: Habe ich unrealistische Erwartungen an mich selbst?
Strategien zur Verbesserung
- Selbstliebe: Lerne, dich selbst anzunehmen und zu lieben. Sei freundlich und mitfühlend mit dir selbst.
- Selbstwertgefühl stärken: Konzentriere dich auf deine Stärken und Erfolge. Schreibe auf, was du gut kannst und was du an dir magst.
- Grenzen setzen: Lerne, "Nein" zu sagen und dich abzugrenzen. Du musst nicht jedem gefallen und es allen recht machen.
- Unterstützung suchen: Sprich mit Freunden, Familie oder einem Therapeuten über deine Gefühle.
- Positive Affirmationen: Sprich positive Sätze über dich selbst aus. Zum Beispiel: "Ich bin wertvoll", "Ich bin liebenswert", "Ich bin gut genug".
- Achtsamkeit: Übe dich in Achtsamkeit und nimm deine Gefühle bewusst wahr, ohne sie zu bewerten.
- Veränderung des Umfelds: Umgib dich mit Menschen, die dich unterstützen und wertschätzen. Meide Menschen, die dich negativ beeinflussen.
- Professionelle Hilfe: Wenn die negativen Gefühle anhalten und dich stark beeinträchtigen, kann eine Therapie hilfreich sein.
Die Rolle von Freundschaften
Freunde sind wie Leuchtfeuer in der Nacht. Das Wort "Freund" hat viele Bedeutungen: Kumpel, Schwester, Komplize, Wingman, Kommilitonin, Bekannte. Echte Freunde sind wie Sterne. Du kannst so viele Masken tragen, wie du willst. Gute Freunde sind wie Bücher, die man mehrmals von vorne bis hinten gelesen hat. Manchmal nervst du mich, manchmal nerve ich dich. Zähle nicht, wie viele Freunde du hast. Zähle die, auf die man sich verlassen kann.
Freundschaften werden oft durch Zufall zusammengefügt. Es ist wichtig, aufrichtige Freundschaften zu pflegen und sich von oberflächlichen Beziehungen zu distanzieren. Ein Bekannter hilft dir auf, wenn du mal fällst, schaut aber dabei von oben auf dich hinunter. Selbst wenn wir Monate keinen Kontakt zueinander hatten, ist es so, als ob wir jeden Tag miteinander quatschen würden. Es ist schön, wenn deine Kumpels einen festen Treffpunkt haben, an dem immer jemand da ist.
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Wenn sich das Fremdsein in der Welt breit macht
Kennst du die Situation, dass du inmitten anderer Menschen bist und dich fremd fühlst? Dieses Fremd-fühlen entspringt jedoch weniger der Tatsache, dass du diese Menschen nicht kennst. Ganz im Gegenteil. Du kannst dich sogar sehr fremd fühlen, obwohl du unter Menschen bist, die dir bekannt sind. Viele Menschen haben schon oft das Gefühl gehabt, nicht in diese Welt zu passen. Das Gefühl, dass die Menschen, von denen man umgeben ist, irgendwie anders sind als man selbst.
Man will sich verbunden fühlen, sich richtig gut mit ihnen verstehen, aber findet keinen gemeinsamen Nenner. Man sucht Gespräche, aber weiß nicht, worüber man sich unterhalten soll. Unsere Begegnungen sind höflich, aber nicht freundschaftlich. Unsere Gespräche sind bekannt, aber nicht vertraut. Man fühlt sich fremd und allein, aber weiß nicht wieso. Da man keinen Anschluss findet, fängt man irgendwann an, sich selbst in Frage zu stellen. Man beginnt dieses „mich fremd in der Welt fühlen“, als „falsch sein“ zu bewerten.
Man hat den Eindruck, dass alle anderen Menschen normal sind und man irgendwie anders ist. Man fällt aus der Reihe und ist demnach „falsch“. Man ist zu schüchtern, zu zurückhaltend, zu langweilig, zu unscheinbar, zu tiefgründig, zu sensibel oder zu nachdenklich. So entsteht und festigt sich ein schwaches Selbstwertgefühl. Man fängt an zu glauben, dass man sich ändern muss, um in die Welt zu passen und Verbundenheit zu spüren - und versucht so zu werden wie „die anderen“. Man passt sich an andere Rollen und Meinungen an, nimmt andere Ansichten und Interessen an, kleidet sich und benimmt sich wie die Menschen, die man bewundert und zu denen man gehören möchte. Man will Gleichgesinnte finden und wird gleich wie sie.
Der größte „Erfolg“ ist für viele, als sie in einer angesagten Clique aufgenommen werden. Man fühlt sich endlich zugehörig, ist endlich angekommen! Man gibt vor, etwas zu sein, was man nicht ist und genau das ist der Fehler, der einen die Seele kostet. Man fühlt sich fremder und einsamer als je zuvor. Von außen sieht das niemand. Man fühlt sich immer unwohler unter Menschen und zieht sich immer mehr zurück, sofern das möglich ist. Innerlich zerbricht man an dieser Maske - an der Lüge, jemand zu sein, der man nicht war. Man weiß irgendwann nicht mehr, wer man eigentlich wirklich ist, wo man hingehört und wo das (innere) Zuhause ist.
Es beginnt die schlimmste Zeit des Lebens - ein Leben im Krieg mit sich. Man will nicht sein, wie man ist und kann auch nicht sein, wie man sein wollte. Man wird depressiv und fängt an, sich körperlich zu verletzen. Es ist ein täglicher Kampf, bei dem man gnadenlos verliert. Als tiefgründiger und spiritueller Mensch glaubt man fest daran, dass wir aus einem bestimmten Grund hier sind. Sich selbst das Leben zu nehmen war keine Option, auch wenn Sterben der sehnlichste Wunsch war.
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Die Begegnung mit Menschen, die vermeintlich nicht auf der eigenen Wellenlänge liegen, ist unvermeidbar. Und es kann nicht sein, dass man sich jedes Mal schlecht fühlt und hofft, dass die Zeit schnell vergeht, wenn man unter diesen Menschen ist. Und es kann auch nicht sein, dass man den Menschen einfach aus dem Weg geht und nur noch für sich ist.
Der Schlüssel zur Verbundenheit
Ein Schlüsselerlebnis hatte jemand, als er im Internet auf das Thema Hochsensibilität stieß, mit dem er zuvor noch nie in Kontakt gekommen war. Sich fremd fühlen auf der Welt ist ein Gefühl, das viele hochsensible Menschen kennen. Der Grund liegt in ihrem feineren Gespür für Energien, Reize und Wahrnehmungen und ihrem oft tiefgründigen Wesen. Sie sehnen sich oft nach einem tieferen Austausch, beschäftigen sich viel mit Sinnfragen und brauchen oft viel Zeit für sich, um die ganzen (viel intensiver wirkenden) Eindrücke zu verarbeiten.
Der Schlüssel zu einem Leben in Frieden und Verbundenheit mit anderen Menschen ist, in Verbindung mit sich selbst zu kommen und in Verbundenheit mit sich zu leben. Der Ursprung des (Haupt)Problems liegt in einem selbst! Der wichtigste Ort, an dem man ankommen muss, wenn man inneren Frieden finden möchte, liegt in einem selbst. Wenn man mit sich verbunden ist, kann man selbstbewusst und selbstbestimmt seinen Weg gehen. Man darf erkennen, dass man so, wie man ist, genau richtig ist und man seinen Platz in der Welt und inmitten Menschen finden wird. Man arbeitet an seinem Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Man lernt, sich in seinem Körper und seinem sensiblen Wesen wohlzufühlen und gut für sich zu sorgen.
Eine fehlende und lieblose Beziehung zu dir selbst kann ein weiterer möglicher Grund sein, warum du dich fremd und allein unter deinen Mitmenschen fühlst. Ein anderer Grund kann sein, dass du dich in einem Umfeld aufhältst, das ganz und gar nicht deiner Denk- und Lebensweise entspricht. Es wird in deinem Leben immer Menschen geben, mit denen du nicht auf einer Wellenlänge liegen wirst und unter denen du dich fremd fühlst. Dein Umfeld spielt eine wichtige Rolle.
Wenn du häufig das Gefühl hast, dich fremd in der Welt zu fühlen oder häufig von Menschen umgeben bist, unter denen du dich unwohl fühlst, lohnt es sich, die Ursache ausfindig zu machen, um dich von dem erdrückenden Gefühl des Getrenntseins befreien zu können. Hast du ein mangelndes Selbstwertgefühl und denkst häufig schlecht von dir? Hast du eine besonders feinfühlige Art und bist sehr sensibel? Dann kann ein wichtiger Schritt zu mehr Verbundenheit und Selbstsicherheit darin bestehen, eine liebevolle Beziehung zu dir selbst zu entwickeln. Lerne, dich zu mögen. Dich in allem, was du bist, liebevoll anzunehmen. Dann wirst du eine Sicherheit in dir finden, die dich von innen trägt und schützt. Du wirst deinen Wert in dir finden, der dich dazu befähigt, selbstbewusst und gut für dich zu sorgen.
Umgang mit Depressionen
Viele Menschen leiden unter Depressionen, oft verbunden mit dem beschriebenen Gefühl der Entfremdung. Es ist wichtig zu wissen, dass Depressionen eine ernstzunehmende Erkrankung sind und professionelle Hilfe erforderlich machen können.
Symptome von Depressionen
- Anhaltende Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit
- Verlust von Interesse und Freude an Aktivitäten
- Müdigkeit und Energiemangel
- Schlafstörungen
- Appetitveränderungen
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld
- Gedanken an Tod oder Selbstmord
Was tun bei Depressionen?
- Professionelle Hilfe suchen: Ein Arzt oder Psychotherapeut kann eine Diagnose stellen und eine geeignete Behandlung empfehlen.
- Therapie: Eine Psychotherapie kann helfen, die Ursachen der Depression zu erkennen und Strategien zur Bewältigung zu entwickeln.
- Medikamente: Antidepressiva können helfen, die Symptome der Depression zu lindern.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein.
- Aktiv bleiben: Auch wenn es schwerfällt, versuche, aktiv zu bleiben und dich nicht zu isolieren.
- Gesunde Lebensweise: Achte auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung.
Erfahrungen im Umgang mit Depressionen
Eine Frau, die seit vielen Jahren an Depressionen erkrankt ist, berichtet von ihren Erfahrungen:
- Sie war vor ca. 25 Jahren das erste Mal in einer psychologischen Beratungsstelle.
- Damals hatte sich beruflich und von den äußeren Lebensumständen einiges konsolidiert, sie war glücklich-unglücklich verliebt, hatte durch Äußeres bedingt wieder häufigeren Kontakt mit ihren Eltern -- und es war eben gar nichts gut, und die Vergangenheit, die sie abstreifen, hinter sich lassen wollte, "drängte" irgendwie hoch, ließ sich nicht so einfach abstreifen, als ob es sie nicht gegeben hätte.
- Kurz darauf hatte sie dann wohl auch massive Schlafstörungen … und die Diagnose fiel.
- Sie hat dann damals nach Therapie gesucht, auch damals schon mit langen Wartezeiten. Internet gab es nicht. Sie war relativ allein mit ihrem Problem. Und ja, sie hat es natürlich auch gegenüber KollegInnen, Bekannten verborgen.
- Sie ist damals LEIDER immer nur bei Analytikern gelandet. … und das ging für sie nicht gut aus.
- Als sie mit immer mehr psychosomatischen Magen-Darm- etc. Problemen bei ihrer Hausärztin aufgetaucht ist, hat diese schließlich eine psychosomatische Klinik vorgeschlagen. Da ging es ihr dann aber wirklich sehr schlecht.
- Dieser Klinikaufenthalt: Sie hat halt diejenige Klinik genommen, in die sie schneller gehen konnte, zumal das Vorgespräch okay war. Es war dort auch nicht alles schlecht (ein Arzt/Therapeut, der einfach "normal" war und mit dem man reden konnte; super Sport (dazu geht man halt nicht in eine psychosomatische Klinik!); die Auszeit tat ihr gut), es hat innerlich aber letztendlich nichts oder nicht viel in ihr verändert - das hat dann erst ein weiterer Klinikaufenthalt ein paar Jahre später angestoßen, bei dem einfach das Konzept besser zu ihr und ihrer Störung paßte (das, was manchmal als eher "klassische" Depression gehandelt wird, paßt nur bedingt; und ob einem die Begrifflichkeiten nun gefallen oder nicht, finde ich sich daneben teils mit zusätzlicher struktureller Störung oder kombinierter Persönlichkeitsstörung besser beschrieben -- vermutlich würde auch die neue CBASP-Therapie für chronische Depressionen ganz gut passen).
- Seither hatte sie auch keine "aus dem Nichts" auftauchenden Todeswünsche mehr.
- Ambulant hat sie aber erst gute zehn Jahre nach der Erstdiagnose einen Therapeuten gefunden, der wirklich weiterhalf und dem sie heute noch superdankbar bin.
- Beruflich hat sich dann einige Jahre später auch etwas hochgesteigert (eigentlich unabhängig von ihrer Erkrankung; doch Vorgesetzte finden das dann teils ja auch praktisch, solch einen angeblichen Grund zu finden, so daß sie die Situation nicht anschauen müssen), das sie irgendwann nicht mehr ausbalancieren konnte.
- Ihr Umfeld: Sie posaunt es auch heute nicht hinaus. Aber es wissen viele. Gut ist auf alle Fälle, daß es sozusagen keine größere Katastrophe mehr wäre, wenn es jemand erfahren würde; trotzdem wäre das sicher nicht in jedem Fall angenehm.
Diese Erfahrungen zeigen, dass der Weg aus der Depression lang und schwierig sein kann, aber dass es möglich ist, ein erfülltes Leben zu führen.