Ein Bizepskrampf nach dem Training kann sehr schmerzhaft und einschränkend sein. Es ist wichtig, die Ursachen zu verstehen und geeignete Behandlungen zu kennen, um die Beschwerden zu lindern und zukünftige Krämpfe zu vermeiden. Obwohl die überwiegende Zahl an Sportverletzungen Muskeln, Sehnen oder Gelenke betrifft, können auch Nervenverletzungen vorkommen, deren Folgen im Vergleich zu Muskelverletzungen weitaus schwerwiegender sein können. Nerven regenerieren zudem nur sehr langsam.
Ursachen von Muskelkrämpfen
Muskelkrämpfe können vielfältige Ursachen haben. Hinter Muskelkrämpfen bei sportlicher Betätigung steckt oft ein Elektrolytmangel. Auch in fortgeschrittenem Alter kommt es immer wieder zu Muskelkrämpfen, typischerweise in der Nacht, mit schmerzhaften Verkrampfungen von Waden- und Fußmuskeln. Oft wird ein Mineralienmangel vermutet, aber die Einnahme von Elektrolytgetränken oder Magnesium hilft nicht immer.
Krämpfe gehen meist gar nicht vom Muskel selbst aus, sondern vielmehr von den Nerven, die den Muskel ansteuern. Es sind dies die gleichen Nerven, die auch die normalen Muskelbewegungen steuern. Auch dann werden Muskeln angespannt, der Impuls kommt von dem verantwortlichen Nerven. Wenn ein Nerv nun unkontrollierte ständige Signale an den Muskel sendet, sich zu kontrahieren, resultiert das in einem Muskelkrampf. Ein Muskelkrampf wird also hervorgerufen durch eine Überaktivität der verantwortlichen Nerven - dies wiederum ist Folge einer Nervenüberreizung (Hyperexzitabilität).
Eine Überregbarkeit des Nerven kann durch Probleme an verschiedenen Stellen hervorgerufen werden: prinzipiell im Verlauf der gesamten Nervenbahnen vom Kopf durch das Rückenmark, an der Bandscheibe vorbei aus der Wirbelsäule austretend, sowie im weiteren Verlauf von Armen und Beinen bis zu den entsprechenden Muskeln.
Nervenreizung als Ursache
Auch Muskelkrämpfe können Folge einer Nervenreizung sein. Hinweise können sein, wenn Krämpfe stark zunehmen, "plötzlich" neu beginnen oder asymmetrisch sind. Dies sind einige Hinweise - feste Regeln gibt es nicht, im Zweifelsfall ist eine neurologische Untersuchung sinnvoll. Die Symptome einer Nervenreizung können im Vergleich mit Beschwerden infolge anderer Ursachen manchmal verblüffend ähnlich sein. Ob Nerven ursächlich eine Rolle spielen, kann aber in einer genauen neurologischen Untersuchung in der Regel geklärt werden.
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Gerade bei Sportarten mit einer hohen Anzahl bestimmter Bewegungssequenzen ist in der Regel eine biomechanische Komponente ursächlich. Auch eine Nerveneinklemmung durch Sportgeräte, Sportausrüstung, Schuhe o.a. kann eine Rolle spielen.
Weitere mögliche Ursachen
- Überlastung des Muskels: Eine zu intensive oder einseitige Belastung des Muskels, beispielsweise beim Sport oder bei dauerhaften einseitigen Bewegungen, kann zu Verkrampfungen kommen.
- Hormonelle Erkrankungen: Bei einer Unterfunktion der Nebenschilddrüse kann ein Calciummangel entstehen. Muskelkrämpfe sind dann typische Erscheinungen. Auch während einer Schwangerschaft können vermehrt Muskelkrämpfe auftreten.
- Calciummangel: Calciummangel im Blut kann zu Muskelkrämpfen führen. Ursache für einen Calciummangel kann u. a. ein Vitamin-D-Mangel sein, z. B. bei Bauspeicheldrüsenentzündung, chronischer Nierenschwäche oder Fehlfunktion der Nebenschilddrüse.
- Neurologische Erkrankungen: Diese Fehlfunktionen im Nervensystem können eine Muskelschwäche verursachen, die auch zu Muskelkrämpfen führen kann, z. B. bei einer Polyneuropathie. Auslöser dieser Krankheit sind z. B. Diabetes, Alkoholmissbrauch sowie Autoimmun-, Infektions- und Krebserkrankungen.
- Diabetes mellitus: Begleiterscheinungen von Diabetes mellitus können Krämpfe in den Muskeln sein.
- Entzündliche Muskelerkrankungen: Mögliche Auslöser können Viren (Grippe), Bakterien (Tetanus), Parasiten und auch Autoimmunerkrankungen (wie Myasthenia gravis) sein.
- Nichtentzündliche Muskelerkrankungen: Ursachen können Muskeldystrophien (Erbkrankheit, bei der sich das Muskelgewebe abbaut), Stoffwechselstörungen (z. B. Schilddrüsenunterfunktion) oder Erkrankungen des Nervensystems (wie Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Multiple Sklerose (MS) oder Polio) sein.
- Medikamenteneinnahme: Medikamente wie Gyarasehemmer können Muskelkrämpfe verursachen.
Symptome eines Bizepskrampfes
Die Symptome eines Bizepskrampfes können variieren, umfassen aber typischerweise:
- Plötzlich einsetzende, starke Schmerzen im Bizepsmuskel
- Verhärtung des Muskels
- Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit des Arms
- Druckempfindlichkeit im Bereich des Bizeps
Begleitende Symptome bei Nervenreizung
Bei einer Nervenreizung können zusätzlich folgende Symptome auftreten:
- Überempfindlichkeit in der betroffenen Hautregion
- Brennende Schmerzen
- Mißempfindungen (Parästhesien)
- Taubheitsgefühl
- Schwäche einzelner Muskeln
Diagnostik
Die genaue Diagnostik erfordert oft den Einsatz spezialisierter Untersuchungstechniken (NLG, EMG, Nervenultraschall). Eine genaue Betrachtung soll helfen, die Ursache zu erkennen und gegenzusteuern. Nach einer zunächst weiter gefassten Abklärung (Durchblutungsstörungen, Laboruntersuchungen mit Frage nach Schilddrüsenfunktionsstörung, Elektrolytmangel o.a.) kommen spezielle neurologische Untersuchungen zum Einsatz. Es geht im nächsten Schritt um eine gezielte Untersuchung der Nervenfunktion, insbesondere der die Muskeln ansteuernden Nervenfasern. Weiterhin kann man die Nerven im Nervenultraschall anschauen; hier ist unmittelbar sichtbar, ob eine Kontinuitätsunterbrechung, eine Einklemmung, eine Schwellung o.a. vorliegt. Auch ein unphysiologischer Druck von außen kann vorkommen, z.B. durch Sportgeräte.
Neurologische Untersuchung
Eine genaue neurologische Untersuchung kann klären, ob Nerven ursächlich eine Rolle spielen. Empfehlungen und Koordination evtl. Sensibilität (hierzu gehören Informationen z.B. über die Temperatur).
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Bildgebende Verfahren
- Ultraschalluntersuchung: Kann Flüssigkeit um das Sehnengewebe der LBS herum (Entzündung, Einblutung) feststellen. Auch kann die Lage der LBS im Sulcus des Oberarmkopfes oder eine eventuelle Luxation der Sehne aus dem Sulcus beurteilt werden.
- Röntgenaufnahme: Dient zum Ausschluss einer knöchernen Fraktur.
- MRT-Untersuchung: Würde man anordnen, wenn die klinische Untersuchung sowie auch die Ultraschalluntersuchung des Ellenbogens keinen Hinweis auf eine Verletzung der Bizepssehne erbracht hat und der Patient weiterhin über Beschwerden oder Bewegungsbeeinträchtigungen klagt.
Behandlung von Bizepskrämpfen
Die Behandlung von Bizepskrämpfen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
Akutmaßnahmen
Bei einem akuten Krampf können folgende Maßnahmen helfen:
- Dehnen: Den betroffenen Muskel vorsichtig dehnen. Strecken Sie den Arm und beugen Sie das Handgelenk, um den Bizeps zu dehnen.
- Massage: Den Muskel sanft massieren, um die Durchblutung zu fördern und die Muskelspannung zu reduzieren.
- Wärme: Eine warme Kompresse oder ein warmes Bad können helfen, den Muskel zu entspannen.
- Bewegung: Leichte Bewegungen können helfen, den Krampf zu lösen. Schütteln Sie den Arm oder machen Sie leichte Beuge- und Streckbewegungen.
Konservative Behandlung
- Elektrolytausgleich: Bei einem Elektrolytmangel können Elektrolytgetränke oder die Einnahme von Magnesium helfen.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) angewendet werden.
- Physiotherapie: Gezielte physiotherapeutische Übungen können helfen, die Muskeln zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Kinesiotaping: Ein Kinesiotape ist ein Band, das selbstklebend über einem Muskel oder einer Muskelgruppe unter leichtem Zug aufgeklebt werden kann, um die Muskeln zu entlasten.
Behandlung bei Nervenreizung
- Ursachenbekämpfung: Eine genaue Betrachtung soll helfen, die Ursache zu erkennen und gegenzusteuern.
- Medikamentöse Therapie: Bei starken Nervenschmerzen können spezielle Medikamente eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Verbesserung der Nervenfunktion und Reduzierung von Verspannungen.
Operative Behandlung
In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, z.B. bei einer Nerveneinklemmung oder einer schweren Bizepssehnenverletzung. Bei einem ausbleibenden, konservativen Therapieerfolg der Bizepssehnen-Entzündung (Tendinitis) kann ein operativer Eingriff zum Erfolg führen. Dabei wird die LBS durchtrennt (Tenotomie) und ggf. im Verlauf der Operation wieder angeheftet (Tenodese). Bei einem Einriss oder Abriss der LBS am oberen Rand der Gelenkpfanne mit Einriss der Gelenklippe der Pfanne (SLAP-Läsion) wird in der Regel eine Operation mittels Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durchgeführt.
Sofortmaßnahmen nach Unfällen oder Sportverletzungen
Für Sofortmaßnahmen direkt nach Unfällen oder Sportverletzungen können Sie sich die sogenannte PECH-Regel (Pause, Eis, Kompression, Hochlagern) merken. Die betroffene Körperpartie, in diesem Fall der Oberarm, sollte direkt ruhiggestellt und geschont werden. Zudem sollte eine Kühlung erfolgen, um die Schwellung zu reduzieren und Schmerzen zu lindern. Die Kompression der Körperpartie soll etwaige Blutungen reduzieren und das Hochlagern den Rückfluss des Blutes erleichtern.
Prävention
Um Bizepskrämpfen vorzubeugen, können folgende Maßnahmen helfen:
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- Ausreichend trinken: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, besonders bei sportlicher Betätigung.
- Elektrolythaushalt ausgleichen: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Elektrolyten (Magnesium, Kalium, Calcium).
- Aufwärmen: Wärmen Sie sich vor dem Training ausreichend auf, um die Muskeln auf die Belastung vorzubereiten.
- Dehnen: Dehnen Sie die Muskeln nach dem Training, um Verspannungen vorzubeugen.
- Überlastung vermeiden: Vermeiden Sie Überlastung und einseitige Belastung der Muskeln. Steigern Sie die Trainingsintensität langsam und achten Sie auf eine korrekte Ausführung der Übungen.
- Ergonomische Arbeitsumgebung: Sorgen Sie für eine ergonomische Arbeitsumgebung, um einseitige Belastungen zu vermeiden.
- Regelmäßige Pausen: Machen Sie regelmäßige Pausen, um die Muskeln zu entspannen und die Durchblutung zu fördern.
Bizepssehnenverletzungen
Da der Bizepsmuskel des Oberarms zwei Sehnen besitzt, die zum Schultergelenk ziehen, können auch Bizepssehnenverletzungen Ursache für Schmerzen und Krämpfe sein. Die längere der beiden Sehnen zieht durch das Schultergelenk hindurch, gleitet über den Oberarmkopf, taucht dann auf der Vorderseite des Oberarmkopfes in einen von Sehnen und Bindegewebe umschlossenen Kanal ein und zeigt häufig Verschleißerscheinungen.
Ursachen von Bizepssehnenverletzungen
Ursächlich für Verletzungen der langen Bizepssehne können starke körperliche Beanspruchung im Beruf oder beim Sport sein. Zudem können Verletzungen der Rotatorenmanschette, die die Bizepssehne vor Kontakt mit dem Schulterdach schützt oder ein Engpass-Syndrom (Impingement-Syndrom) zu Schäden der Bizepssehne führen. Jüngere Patienten erleiden besonders häufig eine Verletzung der langen Bizepssehne, wenn sie regelmäßig Überskopfsportarten (z.B. Tennis oder Badminton) oder Wurfsportarten (z.B. Handball oder Speerwerfen) ausüben.
Symptome von Bizepssehnenverletzungen
Handelt es sich um einen zunehmenden Verschleiß, bemerken die Patienten meist einen Schmerz, der von der Schulter in den vorderseitigen Oberarm zieht. Die Schmerzen verstärken sich beim Anheben des Armes nach vorne oder z.B. beim Drehen des Arms nach außen. Bei sportlich sehr aktiven Patienten, kann der Schmerz während der Ausübung des Sportes stark ausgeprägt sein und in Ruhe bzw. nach der Belastung abklingen. In manchen Fällen reißt die lange Bizepssehne durch langsam fortschreitenden Verschleiß sogar spontan ohne vorherige Beschwerden.
Diagnose von Bizepssehnenverletzungen
Handelt es sich um einen spontanen Riss der Sehne, kann die Diagnose oft bereits durch die klinische Untersuchung gestellt werden. Eine Ultraschalluntersuchung ergänzt die Diagnostik und sichert den Befund. Besteht bereits ein struktureller Schaden der Sehne in ihrem Verlauf oder im Ansatzbereich der Sehne an der Gelenkpfanne der Schulter, müssen diese Verletzungen gezielt operativ behandelt werden.
Behandlung von Bizepssehnenverletzungen
Die meisten Behandlungen der langen Bizepssehne finden jedoch begleitend im Rahmen von Rotatorenmanschettenverletzungen statt. Reißt bei älteren Patienten die Bizepssehne spontan, ist in der Regel keine Operation notwendig, da die Funktion der langen Bizepssehne durch die kurze Bizepssehne gut kompensiert werden kann. In einigen Fällen wird die Bizepssehne bei fortgeschrittenem Schaden während Operationen an der Rotatorenmanschette sogar bewusst durchtrennt, wenn eine Rekonstruktion nicht mehr sinnvoll erscheint.