Einführung
Die Neurologie und Psychiatrie sind dynamische Felder, die sich ständig weiterentwickeln. Neue Forschungsergebnisse, aktualisierte Leitlinien und innovative Therapieansätze prägen die tägliche Praxis von Neurologen und Psychiatern. Dieser Artikel fasst einige aktuelle Entwicklungen und wichtige Informationen zusammen, die für diese Fachgruppen relevant sind.
Aktualisierte Diagnosenverschlüsselung nach ICD-10
Seit einiger Zeit gibt es Neuerungen in der Verschlüsselung von Diagnosen nach der ICD-10. Um Neurologen und Psychiatern die Umstellung auf die gesetzlich geforderte Kodierung zu erleichtern, wurde eine aktualisierte ICD-10-Ringbuch-Broschüre vorgestellt. Diese Broschüre enthält die Diagnoseschlüssel der wichtigsten nervenärztlichen Krankheitsbilder und besteht aus einem alphabetischen und einem systematischen Index. Leser finden auch eine Liste der kodierrelevanten Änderungen gegenüber früheren ICD-10-Versionen.
Hessisches PsychKHG: Änderung und Stigmatisierungspotenzial
Der Hessische Landtag hat das Zweite Gesetz zur Änderung des Hessischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes (PsychKHG) beraten und verabschiedet. Es gibt Warnungen vor Stigmatisierung und Unvereinbarkeit mit der ärztlichen Schweigepflicht. Diese Änderung könnte ein falsches Signal für die Weiterentwicklung der bestehenden PsychKHGs senden.
S3-Leitlinie Demenzen: Neue Empfehlungen für Diagnostik und Behandlung
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) setzen sich dafür ein, wissenschaftlich belegte Therapieoptionen bei Demenzen stärker zu nutzen und gleichzeitig weniger sinnvolle Maßnahmen zu unterbinden. Zu diesem Zweck wurde eine vollständig neu überarbeitete „S3-Leitlinie Demenzen“ vorgestellt. Nach mehrjähriger Arbeit von Fachgesellschaften, Berufsverbänden und Organisationen von Ärzten, Therapeuten, Pflegepersonal und Patienten liegen nun revidierte Regeln für die Diagnostik und die Behandlung von Demenzerkrankungen vor.
Bedeutung der Früherkennung
Demenzerkrankungen werden in der Medizin oft vernachlässigt und in vielen Fällen nicht erkannt. Viele Ärzte haben Vorurteile, dass die Erkrankung nicht behandelt werden kann. Die Fachgesellschaften wollen mit der Veröffentlichung der Leitlinie die Botschaft senden, dass Alzheimer-Demenz und andere Demenzformen zwar nicht heilbar, aber gut zu diagnostizieren und zu verbessern sind.Die Zeit des therapeutischen und diagnostischen Nihilismus ist vorbei. Alzheimer-Erkrankungen können mit einer hohen Vorhersagestärke prognostiziert werden, wenn die fachlich richtigen Methoden gewählt werden. Jeder Patient mit sicher diagnostizierten klinischen Vorzeichen, einer so genannten MCI (Mild Cognitive Impairment), sollte über die Möglichkeiten einer Frühdiagnostik aufgeklärt werden. Frühe präventive Maßnahmen können die Chance erhöhen, den Fortschritt der Erkrankung zu bremsen.Umgekehrt raten die Experten der Leitlinie von einem Screening bei Personen ohne Beschwerden und Symptome ab. Anbieter solcher Privatleistungen für Selbstzahler werden von der Leitliniengruppe als nicht seriös angesehen.
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Risikofaktoren und Prävention
Es gibt wahrscheinlich Möglichkeiten, das Risiko einer Demenzerkrankung zu mindern. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Hypertonie und Übergewicht sind Risikofaktoren für Demenz, denen man frühzeitig medizinisch entgegenzuwirken kann. Regelmäßige körperliche Aktivität und eine mediterrane Ernährung sind zudem präventive Faktoren. Für den Nutzen zusätzlicher Vitaminpräparate gibt es hingegen keine Evidenz. Rauchen gilt auch als Risikofaktor für Demenz. Von mäßigem Alkoholkonsum wird abgeraten, weil diese Empfehlung leicht zu Missbrauch führen kann.
Medikamentöse Therapie
Hinsichtlich der medikamentösen Therapie von Alzheimer-Demenz gibt es wenig Neues. Acetylcholinesterase-Hemmer fördern die Fähigkeit der Patienten, ihre Alltagsaktivitäten zu verrichten und stabilisieren die kognitive Funktion bei einer leichten bis mittelschweren Alzheimer-Demenz. Memantin verbessert die Alltagsfunktion und den klinischen Gesamteindruck bei Patienten mit moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz. Ginkgo biloba zeigt bei Patienten mit leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz, die zusätzlich unter Verhaltensänderungen wie Depression oder Antriebsstörungen leiden, Hinweise auf eine positive Wirkung. Neuroleptika, die Demenz-Patienten gegeben werden, die zusätzlich an Psychosen oder aggressiven Verhaltensänderungen leiden, werden als „Hoch-Risiko-Medikamente“ bewertet. Der Einsatz führt zu erhöhter Mortalität, Schlaganfallrisiko und sollte nur sehr eng gestellt und nicht länger als drei Monate verordnet werden.
Psychosoziale Interventionen
Neben der pharmakologischen Therapie spielen die psychosozialen Interventionen eine wesentliche Rolle. Das Gehirn ist auch bei fortschreitender Demenz noch lernfähig; krankheitsbedingte Einschränkungen können mit kognitiver Stimulation, individuell angepasster Ergotherapie oder gezielten körperlicher Aktivitäten kompensiert werden. Psychosoziale Interventionen wirken so gut wie Medikamente und sind gleichrangige Bausteine im Gesamtbehandlungsplan von Demenzerkrankungen.Die Anwendung solcher Verfahren sollte möglichst zu Hause erfolgen. Damit werden nicht nur Lebensqualität, Fähigkeiten und positive Gefühle der demenziell Erkrankten gefördert, sondern vor allem auch die Pflegenden entlastet. Intensive Angehörigentrainings sollten zudem eingesetzt werden, um Belastungsfolgen wie Depressionen oder Burnout bei Pflegenden zu vermeiden. Auch Remineszenzverfahren und gezielte körperliche Aktivitäten werden in der S3-Leitlinie empfohlen. Für multisensorische Verfahren, wie Snoezelen oder Musiktherapie, gibt es hingegen kaum Evidenz.
Weitere wichtige Aspekte
Psychosen
Psychosen zählen zu den teuersten psychiatrischen Erkrankungen und sind mit den höchsten funktionellen Beeinträchtigungen verbunden. Zu ihren oft negativen Prognosen trägt die häufig verzögerte Behandlungsinitiierung maßgeblich bei.
Kulturelle Vielfalt
Ein großer Teil der Bevölkerung hat Wurzeln im Ausland. Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede und strukturelle Hürden erschweren die Gesundheitsversorgung. Besonders in der neuropsychiatrischen Praxis zeigen sich Ungleichheiten.
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Multiple Sklerose
Die revidierten McDonald-Diagnosekriterien für die Multiple Sklerose wurden publiziert. Die Schädigung der Myelinscheiden und der Axone bei der Multiplen Sklerose führt zu heterogenen neurologischen Defiziten. Die Krankheit kann durch eine individuell optimierte Therapie gebremst werden, muss dazu aber zunächst messbar gemacht werden.
Alzheimer und Valaciclovir
Eine Therapie mit Valaciclovir bringt bei leichter Alzheimerdemenz keine Vorteile - damit beschleunigt sich vielmehr der kognitive Abbau.
Medienkonsum bei Kindern
Medien sind überall - und Kinder kommen oft schon früh mit Smartphone, Tablet und Fernseher in Berührung. Eine deutsche Leitlinie versucht dem Wunsch nach Orientierung gerecht zu werden.
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