Internet-Einflüsse auf das Gehirn: Eine umfassende Betrachtung

Die Auswirkungen des Internets auf unser Gehirn sind ein viel diskutiertes Thema. Während einige Studien die potenziellen Gefahren übermäßiger Nutzung hervorheben, deuten andere auf positive Effekte hin. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser komplexen Beziehung und untersucht sowohl die Risiken als auch die Chancen, die mit der Nutzung digitaler Medien verbunden sind.

Veränderungen in der Gehirnstruktur durch Meditation und Internetnutzung

Studien mit Kernspintomographen zeigen, dass bereits regelmäßige Meditation von nur zwei Monaten Veränderungen im Gehirn bewirken kann. So erhöht sich beispielsweise die Dichte der grauen Substanz, was auf eine vermehrte Bildung von Blutgefäßen und eine Zunahme der Verbindungen zwischen Nervenzellen zurückzuführen sein könnte. Auch ein Zuwachs an weißer Substanz, die aus Nervenfasern besteht, unterstützt die graue Substanz. Veränderungen wurden bisher vor allem im Insellappen beobachtet, der für das Erkennen innerer Empfindungen eine Rolle spielt. Es wird angenommen, dass die betreffenden Areale durch Meditation besser funktionieren.

Im Gegensatz dazu zeigt eine Langzeitstudie, dass Jugendliche, die häufig soziale Netzwerke nutzen, eine verstärkte Aktivierung bestimmter Hirnareale in der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) aufweisen. Diese Ergebnisse deuten auf einen "Trainingseffekt" im Gehirn hin, wobei die langfristigen Vor- oder Nachteile jedoch noch unklar sind.

Social Media und die Gehirnaktivität von Jugendlichen

Eine Studie untersuchte die Auswirkungen der Social-Media-Nutzung auf die Hirnaktivität von Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren. Dabei wurde die Hirnaktivität mittels fMRT gemessen, während die Jugendlichen auf bestimmte Symbole reagierten. Der "Social Incentive Delay"-Test simulierte Erfolge und Frustrationen, die bei der Nutzung sozialer Medien auftreten können.

Die Ergebnisse zeigten, dass Jugendliche mit häufiger Social-Media-Nutzung bei der ersten fMRT eine verminderte Aktivierung in Amygdala, posteriorer Insula, ventralem Striatum und dorsolateralem präfrontalem Cortex aufwiesen. Bei der letzten Untersuchung hatte sich die Situation umgekehrt, und alle genannten Hirnregionen wurden vermehrt aktiviert.

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Diese Veränderungen deuten darauf hin, dass die häufige Nutzung sozialer Netzwerke in der frühen Adoleszenz die Empfindlichkeit des Gehirns gegenüber sozialen Belohnungen und Bestrafungen verändern kann. Die Auswirkungen auf die Psyche und das Verhalten der Jugendlichen wurden in der Studie jedoch nicht untersucht, sodass unklar bleibt, ob die Veränderungen schaden oder nutzen.

Internetnutzung und psychisches Wohlbefinden

Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass das Internet der Psyche schadet, kommt eine weltweite Langzeitstudie mit 2,4 Millionen Menschen aus 168 Ländern zu dem Schluss, dass der Zugang zum Internet und dessen Nutzung sich in knapp 85 Prozent aller Zusammenhänge positiv auf das Wohlbefinden auswirken. Die Teilnehmenden zeigten im Schnitt eine um rund 8,5 Prozent höhere Lebenszufriedenheit in Bereichen wie positive Erfahrungen sowie Zufriedenheit mit ihrem sozialen Leben als Menschen ohne Internetzugang.

Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass weibliche Internet-Nutzer im Alter zwischen 15 und 24 Jahren sich im Schnitt unzufriedener mit ihrem Wohnort zeigten als jene Frauen, die nicht online gingen. Dies könnte darauf hindeuten, dass sich diese Menschen in ihrer Gemeinde nicht so willkommen fühlten und daher mehr Zeit im Web verbrachten.

Digital Detox: Auswirkungen des Smartphone-Verzichts auf das Gehirn

Eine aktuelle Studie aus Heidelberg und Köln zeigt, dass bereits 72 Stunden ohne unnötige Smartphone-Nutzung messbar beeinflussen, wie unser Gehirn auf digitale Reize reagiert. Der bewusste Handyverzicht entlastet nicht nur unser Gehirn, sondern kalibriert auch unser Belohnungssystem neu.

Was passiert im Gehirn beim Handyverzicht?

Die Studie zeigt, dass bereits drei Tage Abstinenz von nicht-notwendiger Smartphone-Nutzung zu messbaren Veränderungen in zwei zentralen Hirnregionen führen: dem anterioren cingulären Cortex (ACC) und dem Nucleus accumbens. Diese Areale sind Bestandteile eines vernetzten Systems, das unsere Fähigkeit zur Bewertung, Entscheidungsfindung und Selbststeuerung beeinflusst.

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Wenn die ständigen Impulse durch Smartphone-Nutzung ausbleiben, muss das Gehirn nicht mehr auf jede Möglichkeit reagieren, sondern kann unterscheiden, sortieren und priorisieren. In der fMRT-Aufnahme zeigt sich dieser Prozess als verringerte Aktivität in den genannten Arealen beim Anblick von smartphonebezogenen Bildern. Dies deutet darauf hin, dass die emotionale und motivationale Relevanz der digitalen Reize gesunken ist.

Auch der anteriore cinguläre Cortex zeigt in solchen Pausen veränderte Aktivitätsmuster. Die ständige Schleife aus Reiz - Reaktion - Belohnung wird durchbrochen, und das System kann sich selbst neu kalibrieren. Dies ermöglicht Prozesse wie emotionale Regulation, Fokus, Geduld und ein Gefühl innerer Klarheit.

Positive Effekte eines Handyverzichts

Ein bewusster Verzicht auf das Smartphone kann tiefgreifende Veränderungen auslösen. Viele Menschen berichten nach wenigen Tagen bereits davon, dass ihre Gedanken weniger zersplittert wirken, die Aufmerksamkeit stabiler wird und Aufgaben mit mehr Klarheit und innerer Ruhe angegangen werden können. Die Fähigkeit zur Konzentration kommt nicht etwa zurück, weil man sich mehr anstrengt, sondern weil weniger konkurrierende Reize um Aufmerksamkeit kämpfen.

Auch emotional verschiebt sich etwas. Die subtile Unruhe, die durch ständige Erreichbarkeit und Erwartung entsteht, ebbt spürbar ab. Wer das Gerät nicht bei jeder Gelegenheit greift, signalisiert sich selbst: Ich bin jetzt hier. Das Nervensystem darf zur Ruhe kommen. Viele erleben dadurch eine neue Form von emotionaler Ausgeglichenheit, die nichts mit Rückzug oder Kontrolle zu tun hat, sondern mit einer wiedergewonnenen Selbstwirksamkeit.

Besonders spürbar wird der Effekt in sozialen Situationen. Gespräche ohne Blick aufs Display, geteilte Pausen ohne Scrollen, Begegnungen ohne digitales Dazwischen: All das macht Raum frei - für echtes Zuhören, für Blicke, die nicht ständig abgelenkt sind, für Momente, die wirklich geteilt werden.

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Wie Reizüberflutung die Konzentration senkt

Digitale Reize treten in dichter Abfolge auf, oft gleichzeitig oder überlagert. Diese Reizüberflutung überfordert insbesondere das präfrontale Cortexsystem, das für Planung, Fokus und Arbeitsgedächtnis zuständig ist. Wenn ständig neue Reize eintreffen, sinkt die Fähigkeit, Informationen zu priorisieren und inhaltlich zu vertiefen. Aufmerksamkeit bleibt an der Oberfläche, das Denken zersplittert.

Studien zeigen, dass bereits kurze Unterbrechungen - etwa durch eine Benachrichtigung, selbst wenn sie ignoriert wird - zu messbaren Leistungseinbußen beim Problemlösen und beim sprachlich-logischen Denken führen.

Tipps für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien

  • Push-Benachrichtigungen deaktivieren: Wer bestimmte Apps auf "Still" stellt oder den "Nicht stören"-Modus aktiviert, schafft Abstand zur Reizflut. Auch das bewusste Deaktivieren von Benachrichtigungen hilft, den Griff zum Handy zu verringern.
  • Feste Offline-Zeiten einrichten: Einige Tageszeiten sind ideal für digitale Entgiftung:
    • Morgens nach dem Aufstehen: Kein Griff zum Smartphone in der ersten Stunde
    • Vor dem Schlafengehen: Offline-Zeit für besseren Schlaf
    • Wochenenden oder Urlaube: Gezielte Abstinenz von digitalen Geräten
  • Digitale Nutzung steuern: Langfristig geht es darum, digitale Nutzung nicht zu verbieten, sondern zu steuern. So entsteht ein Gleichgewicht zwischen Online- und Offline-Zeit, das der psychischen Gesundheit dient und mehr Wohlbefinden ermöglicht.

Digitale Demenz: Mythos oder Realität?

Der Begriff "digitale Demenz" beschreibt die Hypothese, dass die Nutzung von Smartphone, Tablet und Co. zu kognitivem Abbau führt. Statt geistig aktiv zu sein, lasse man sich berieseln und lagere komplexe Denkaufgaben aus.

Eine Studie an Personen über 50 Jahren untersuchte, ob die Nutzung von Internet, Social Media und anderen digitalen Angeboten das Risiko für kognitiven Verfall erhöht. Das Ergebnis: Für Teilnehmende, die digitale Technologien nutzten, lag das Risiko einer kognitiven Beeinträchtigung um 42 Prozent niedriger als für Menschen, die diese nicht nutzten.

Mögliche Gründe für die positiven Effekte

  • Geistige Herausforderung: Die Auseinandersetzung mit digitalen Technologien zwingt den Geist, wach und flexibel zu bleiben.
  • Schutz vor Einsamkeit: Digitale Angebote können die Einsamkeit verringern, insbesondere für Menschen, die ihre Wohnung nicht mehr ohne weiteres verlassen können.
  • Digitales Sicherheitsnetz: Digitale Anwendungen helfen zudem, leichte kognitive Einschränkungen zu kompensieren und so länger selbstständig zu bleiben.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Art der Nutzung entscheidend ist. Passive Nutzung, wie beispielsweise das Fernsehen, ist wahrscheinlich nicht vorteilhaft. Aktive Nutzung, die geistig anregend ist, soziale Kontakte ermöglicht und kognitive Fähigkeiten unterstützt, kann hingegen positive Effekte haben.

Die Rolle von Dopamin und Suchtverhalten

Die ständigen Dopamin-Trigger, denen Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt ausgesetzt sind, könnten langfristig zu einer sogenannten Anhedonie führen, der Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden. Wenn Kinder und Jugendliche digitale Medien zu häufig nutzen, erscheinen Beschäftigungen, die keinen sofortigen Dopaminschub auslösen, oft als langweilig oder sinnlos.

Es ist daher wichtig, dass Eltern schützende Regeln durchsetzen und den Konsum digitaler Medien bei Kindern einschränken. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt für Kinder unter drei Jahren überhaupt keine digitalen Bildschirme, für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren höchstens 30 Minuten Screentime pro Tag und für Grundschüler höchstens 45 bis 60 Minuten pro Tag.

Medien-Multitasking und Aufmerksamkeitsstörungen

Studien deuten darauf hin, dass Medien-Multitasking möglicherweise mit Aufmerksamkeitsstörungen und Vergessenheit einhergehen könnte. Probanden mit geringerer Fähigkeit zur Aufmerksamkeit und intensiverem Medien-Multitasking schnitten schlechter bei Gedächtnisübungen ab. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Studien eine Korrelation, aber keine Kausalität aufzeigen.

Social Media und die Veränderung des Gehirns

Soziale Medien haben einen enormen Einfluss auf unser soziales Leben, auf politische und gesellschaftliche Prozesse und beeinflussen sogar unseren Körper selbst. Studien haben gezeigt, dass das Internet genauso süchtig machen kann wie Drogen. Vor allem in den Gehirnteilen, die emotionale Verarbeitung, Aufmerksamkeitsspanne und Entscheidungsfindung kontrollieren, reduziert sich eindeutig der Anteil an weißer Substanz!

Auch die Fähigkeit des Gehirns, Unterbrechungen und Ablenkungen zu widerstehen, kann durch häufigen Social-Media-Gebrauch beeinträchtigt werden. Zudem kann es zu dem sogenannten Phantom-Vibrationen Syndrom kommen, bei dem Betroffene sich einbilden, den Vibrationsalarm oder das Klingeln des Telefons wahrzunehmen, obwohl niemand anruft.

Während wir Soziale Medien nutzen, wird die Dopamin-Freisetzung in unserem Gehirn erhöht. Studien haben gezeigt, dass Social-Media-Nutzer dann besonders stark vom Gehirn belohnt werden, wenn sie ihre eignen Gedanken darlegen.

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