Musik als Schlüssel zur Welt von Menschen mit Demenz: Lieder, Erinnerungen und Lebensqualität

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft setzt sich intensiv mit der Bedeutung von Musik in der Betreuung und Begleitung von Menschen mit Demenz auseinander. Musik kann eine Brücke zu Erinnerungen schlagen, Emotionen wecken und die Lebensqualität erheblich verbessern. Diese Erkenntnisse werden in verschiedenen Publikationen, Projekten und Initiativen der Gesellschaft aufgegriffen und vermittelt.

Die Kraft der Musik: Ein "Königsweg" zu Menschen mit Demenz

Musik wird oft als "Königsweg" zu Menschen mit Demenz bezeichnet. Dies liegt daran, dass Musik in der Lage ist, Erinnerungen und Emotionen zu aktivieren, selbst wenn andere kognitive Fähigkeiten bereits stark beeinträchtigt sind. Menschen mit Demenz, deren Kurzzeitgedächtnis stark eingeschränkt ist, können sich plötzlich wieder an Liedtexte und Situationen erinnern, wenn sie Lieder aus ihrer Jugendzeit hören.

Wie positiv Musik bei der Begleitung von Menschen mit Demenz wirkt, lässt sich vielfältig erleben: in der häuslichen Betreuung, in Gruppen und in Pflegeheimen. Musik kann beleben, aktivieren und die Stimmung aufhellen. All dies lässt sich auch in der Begleitung von Menschen mit einer Demenz erleben.

Musik in der häuslichen Betreuung: Anregungen für Angehörige

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft betont die Bedeutung von Musik in der häuslichen Betreuung von Menschen mit Demenz. Angehörige können Musik auf vielfältige Weise einsetzen, um das Wohlbefinden und die Lebensqualität ihrer Liebsten zu verbessern. Dabei geht es nicht nur um das passive Hören von Musik, sondern auch um aktives Musizieren, Bewegung und Tanz.

Stets gilt es, sich an den individuellen Lebensgeschichten und den Fähigkeiten der Menschen mit Demenz zu orientieren. Die Broschüre „Musik in der Begleitung von Menschen mit Demenz“ richtet sich vorrangig an An- und Zugehörige und zeigt, wie Musik im Alltag so eingesetzt werden kann, dass sie ihre positive Wirkung entfalten kann.

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Auch für pflegende Angehörige kann Musik hilfreich sein: Sie können durch Musik zu Entspannung, Abstand vom Alltag und Besinnung finden.

Die "Musik-Biographie" als Schlüssel

Ein wichtiger Aspekt bei der musikalischen Begleitung von Menschen mit Demenz ist die "Musik-Biographie". Dabei geht es darum, die musikalischen Vorlieben und Erfahrungen des Betroffenen zu erforschen und in die Betreuung einzubeziehen. Welche Lieder hat die Person früher gerne gehört? Welche Musik erinnert sie an bestimmte Ereignisse oder Personen in ihrem Leben?

Auf dieser Grundlage können Angehörige und Fachkräfte sowohl geistig und emotional, als auch körperlich und spirituell die Menschen mit Demenz fördern.

Vielfältige Wege der musikalischen Aktivierung

Es gibt ganz unterschiedliche Wege, auf denen Musik wirken kann. „Musik hören, singen, selbst musizieren oder sich zu Musik bewegen und tanzen“. Nur einfach das Radio einzuschalten ist oftmals nicht genug, doch wenn man versteht, worauf es ankommt, kann gerade Musik das Leben von Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen intensiv bereichern.

Singen und Musizieren

Gemeinsames Singen und Musizieren kann eine sehr positive Wirkung auf Menschen mit Demenz haben. Es aktiviert das Gedächtnis, fördert die soziale Interaktion und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet hierzu auch spezielle Materialien an, wie beispielsweise eine CD mit 32 bekannten Volksliedern zum Mit- und Vorsingen. Die CD ist ganzjährig einsetzbar und soll Angehörige und Pflegekräfte/Betreuungskräfte motivieren, mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind, Musik zu hören und gemeinsam zu singen. Die therapeutische Kraft der Musik hilft Ihnen, Menschen mit Demenz zu erreichen und zu aktivieren. Die CD eignet sich zum Mit- und Vorsingen in der Gruppe sowie zum Singen mit den einzelnen Betroffenen. Darüber hinaus können die Gesangaufnahmen auch mit der Gitarre oder von den Betroffenen mit Klanghölzern etc. begleitet werden. Die Lieder wurden bewusst mit tiefer Stimme, ohne Instrumentalbegleitung und großer Textverständlichkeit gesungen, sodass es Angehörigen und Pflegekräften leichter fällt, mit ihrem Vater, ihrer Mutter oder der zu pflegenden Person zu singen, wenn sie mit der Sängerin auf der CD mitsingen können.

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Bewegung und Tanz

Auch Bewegung und Tanz zu Musik können eine positive Wirkung auf Menschen mit Demenz haben. Es fördert die körperliche Aktivität, verbessert die Koordination und stärkt das Selbstbewusstsein.

Musik hören

Auch das reine Hören von Musik kann eine beruhigende und entspannende Wirkung haben. Es kann helfen, Ängste abzubauen, die Stimmung aufzuhellen und das Wohlbefinden zu steigern.

Initiativen und Projekte der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft engagiert sich auf vielfältige Weise für die Förderung der musikalischen Aktivierung von Menschen mit Demenz. So hat sie beispielsweise die Broschüre „Musik in der Begleitung von Menschen mit Demenz“ komplett überarbeitet und neu aufgelegt. Durch eine Projektförderung der Knappschaft ist es möglich, sie sogar kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Die Broschüre wurde ursprünglich von den Musiktherapeutinnen Dorothea Muthesius, Mechthild Hamberger und Mary Laqua verfasst. Die Überarbeitung mit Ergänzungen zu aktuellen Entwicklungen in Musikgeragogik und Musiktherapie sowie zu musikbasierten Angeboten für die 5. Auflage hat Kerstin Jaunich von der Bundesinitiative Musik & Demenz übernommen - unter Mitwirkung von Prof. Dr. Jan Sonntag (MSH Medical School Hamburg) und Prof. Dr. Alexander F. Wormit (SRH University of Applied Sciences Heidelberg).

„Musik ist universell verbindend und berührt jede und jeden von uns - unabhängig von Bildung, Einkommen oder kultureller Herkunft. Für die Musik-Fachverbände, die sich in der Bundesinitiative Musik & Demenz zusammengeschlossen haben, bietet die Zusammenarbeit mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft eine großartige Chance, Demenzbetroffene und ihre An- und Zugehörigen deutschlandweit zu erreichen und sie über die positiven Wirkungen von musikbezogenen Aktivitäten zu informieren", so Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats.

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Lieder und Musik als Ausdruck von Gefühlen und Erfahrungen

Neben der therapeutischen Wirkung von Musik gibt es auch immer mehr Künstlerinnen und Künstler, die sich in ihren Liedern mit dem Thema Demenz auseinandersetzen. Meistens sind sie der Krankheit in der Familie oder im näheren Umfeld begegnet.

Ein Beispiel hierfür ist der junge Sänger Equa Tu (alias Hauke Löber aus dem Münsterland), der anlässlich des Welt-Alzheimertags seinen berührenden Song „Meine Oma“ veröffentlicht hat. Er will damit das Thema Demenz in die Öffentlichkeit rücken und gerade jüngere Menschen sensibilisieren, die bisher vielleicht noch nicht damit in Berührung gekommen sind. Im Text heißt es: „Du willst wissen wie ich heiß‘. Ich sag dir meinen Namen nochmal, wir haben Zeit … Meine Oma hat alles vergessen, nur die Lieder nicht.“

Ein weiteres Beispiel ist Katharina Neumann aus Aachen, die mit ihrer Schulklasse ein Lied über ihren demenzerkrankten Opa Toni geschrieben hat. Gemeinsam mit ihren Klassenkameraden und den Projektleitern Petra Jansen und Warner Poland ist daraus ein richtig guter Song geworden. Katharina - oder Katha, wie sie lieber genannt wird - erzählt in dem Song, was sie gerne noch mit ihrem Opa machen würde, was aber wegen der Demenz nicht möglich ist.

Auch der Rapper und Altenpfleger Mein Name ist Nase hat sich in seinen Songs mit dem Thema Demenz auseinandergesetzt. Sein Song vom Album REMINITENZ thematisiert die Liebe eines Ehepaars, die auch trotz Demenzerkrankung nichts an ihrer Kraft und Stärke über die Jahre verloren hat. Die Songtexte des Albums basieren auf den Erzählungen und Geschichten von Menschen mit Demenz.

Die Idee für den Song "Demenz Anfangsstadium" kam Matten Köster a.k.a. "Mein Name ist Nase" nach dem Lesen von Christian Zimmermanns Buch "Auf dem Weg mit Alzheimer. Wie sich mit einer Demenz leben lässt".

Diese Beispiele zeigen, dass Lieder und Musik nicht nur eine therapeutische Wirkung haben können, sondern auch dazu beitragen können, das Thema Demenz in die Öffentlichkeit zu tragen und ein besseres Verständnis für die Situation von Betroffenen und Angehörigen zu schaffen.

Weitere Informationen und Unterstützung

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet eine Vielzahl von Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz, Angehörige und Fachkräfte. Dazu gehören unter anderem:

  • Broschüren und Ratgeber: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft gibt regelmäßig Broschüren und Ratgeber zu verschiedenen Themen rund um Demenz heraus, darunter auch die Broschüre „Musik in der Begleitung von Menschen mit Demenz“.
  • Veranstaltungen und Seminare: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet regelmäßig Veranstaltungen und Seminare für Angehörige und Fachkräfte an, in denen sie sich über aktuelle Entwicklungen in der Demenzforschung und -versorgung informieren und sich austauschen können.
  • Beratungsangebote: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet kostenlose Beratungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an.
  • Selbsthilfegruppen: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft unterstützt die Gründung und den Betrieb von Selbsthilfegruppen für Angehörige von Menschen mit Demenz.

Eine umfassende Auflistung an Literaturempfehlungen rund um das Thema Demenz, unterteilt in unterschiedliche Rubriken, wird stetig aktualisiert und ist auf der Webseite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zu finden.

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