Einleitung
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft setzt sich für ein besseres Leben mit Demenz ein und bietet Unterstützung und Beratung für Betroffene und ihre Familien. Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einem Verlust der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Demenz, ihre Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und den Umgang mit Betroffenen.
Was ist Demenz?
Der Begriff "Demenz" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich "Weg vom Geist" oder "ohne Geist". Er beschreibt ein Muster von Symptomen, das viele verschiedene Ursachen haben kann. Eine Demenz führt dazu, dass sich verschiedene geistige Fähigkeiten im Vergleich zum früheren Zustand verschlechtern. Am Anfang sind häufig Kurzzeitgedächtnis und Merkfähigkeit gestört, im weiteren Verlauf verschwinden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses.
Symptome von Demenz
- Gedächtnisstörungen: Schwierigkeiten, sich an neue Informationen zu erinnern, wiederholtes Stellen derselben Fragen.
- Orientierungsprobleme: Schwierigkeiten, sich in vertrauter Umgebung zurechtzufinden, zeitliche Desorientierung.
- Sprachstörungen: Wortfindungsstörungen, Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen.
- Beeinträchtigung des Denk- und Urteilsvermögens: Schwierigkeiten, Probleme zu lösen, Entscheidungen zu treffen.
- Verhaltensänderungen: Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Aggressivität, Rückzug.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch andere Ursachen haben können, wie Stress, Depressionen oder körperliche Erkrankungen. Treten die genannten Symptome jedoch häufig und über längere Zeit auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Ursachen von Demenz
Rund 80 Prozent aller Demenzen werden durch Krankheiten des Gehirns hervorgerufen, bei denen Nervenzellen allmählich verloren gehen. Die Alzheimer-Krankheit ist mit 60-70 Prozent aller Fälle die häufigste Erkrankung. Daneben gibt es weitere Ursachen, wie:
- Vaskuläre Demenzen: Durchblutungsstörungen des Gehirns führen zum Absterben von Nervenzellen.
- Lewy-Körperchen-Krankheit: Ähnelt der Alzheimer-Krankheit, geht aber mit zusätzlichen Symptomen wie Halluzinationen und starken Schwankungen der geistigen Fähigkeiten einher.
- Demenz bei Morbus Parkinson: Bei etwa einem Drittel der Parkinson-Patienten entwickelt sich im späteren Verlauf eine Demenz.
- Frontotemporale Demenz (FTD): Nervenzelluntergang in den Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns.
- Creutzfeldt-Jakob-Krankheit: Sehr seltene, rasch fortschreitende Demenz, die von motorischen Störungen begleitet ist.
- Korsakow-Syndrom: Gedächtnisstörung, die vor allem durch langjährigen Alkoholkonsum verursacht wird.
- Chronische Traumatische Enzephalopathie (CTE): Fortschreitende degenerative Erkrankung des Gehirns, die durch wiederholte leichte Schädeltraumen verursacht wird.
Diagnose von Demenz
Die Diagnose von Demenzerkrankungen lässt sich bei den meisten Betroffenen mit einfachen Mitteln stellen. Auch die Alzheimer-Krankheit kann mit geringem diagnostischen Aufwand gut erkannt werden. Die Ärztin oder der Arzt muss bei Patientinnen und Patienten mit Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung, der Sprache oder des Denk- und Urteilsvermögens eine sorgfältige Untersuchung durchführen, um behebbare Ursachen dieser Leistungsstörungen auszuschließen, einen individuell abgestimmten Behandlungsplan zu entwerfen und die Betroffenen und ihre Familien aufzuklären und zu beraten.
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Sofern Warnsignale vorliegen, zum Beispiel Vergesslichkeit für wiederkehrende Ereignisse und alltägliche Begebenheiten, Wortfindungsstörungen oder Orientierungseinbußen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Gerade bei leichten, beginnenden Einbußen ist es empfehlenswert, - nach Absprache mit dem Hausarzt - einen Facharzt (Neurologe bzw. Psychiater) oder eine Gedächtnissprechstunde aufzusuchen.
Behandlung von Demenz
In der Behandlung von Menschen mit einer Demenzerkrankung spielen Medikamente eine wichtige Rolle. Sie werden in erster Linie zur Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung sowie zur Milderung von psychischen und verhaltensbezogenen Symptomen eingesetzt. Neben der medikamentösen ist die nicht-medikamentöse Behandlung von Menschen mit Demenz von großer Bedeutung. Sie kann die geistige Leistungsfähigkeit und Alltagsfähigkeiten fördern, Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefinden verbessern.
Leben mit Demenz
Für Menschen mit Demenz und ebenso für ihre Angehörigen bringt das Leben mit der Krankheit immer neue Herausforderungen. "Es gibt ein Leben nach der Diagnose", sagte Christian Zimmermann in einem Interview mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Er fügte hinzu: "Anfangs fiel ich in ein Loch. Doch jetzt traue ich mir Dinge zu, die ich vorher nicht gemacht hätte."
Tipps für den Umgang mit Menschen mit Demenz
- Wissen über die Krankheit: Wissen über die Krankheit verleiht Sicherheit im Zusammenleben und im Umgang mit den Erkrankten. Es kann vor Enttäuschungen aber auch vor unnötiger Resignation bewahren.
- Akzeptanz: An Demenz erkrankte Menschen muss man so annehmen, wie sie sind. Sie können sich nicht ändern.
- Bedürfnisse und Wünsche wahrnehmen: Die Angehörigen sollten lernen, die Bedürfnisse und Wünsche der Betroffenen, aber auch deren ganz eigene Sicht der Realität wahrzunehmen und zu berücksichtigen.
- Eigenständigkeit fördern: Eigenständigkeit ist eine Wurzel von Selbstachtung, Sicherheit und Lebenszufriedenheit bei Gesunden wie bei Kranken. Deshalb sollte man den Erkrankten nicht alle Aufgaben abnehmen, nur weil sie ihnen schwerer fallen als früher oder sie weniger gut ausgeführt werden.
- Alltag strukturieren: Ein gleichbleibender, überschaubarer Tagesablauf, helles Licht und die Beleuchtung wichtiger Wege in der Nacht erleichtern es den Kranken, sich zurecht zu finden. Auch Hinweisschilder in der Wohnung können hilfreich sein.
- Sinneseindrücke reduzieren: Bestimmte Sinneseindrücke können von Menschen mit Demenz verkannt werden und zu Verwirrung führen (z. B. laufender Fernseher, Musik und Stimmen aus dem Radio oder das eigene Spiegelbild). Versuchen Sie diese dann zu vermeiden.
- Verhaltensweisen verstehen: Viele Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz, die Pflegende vor Herausforderung stellen, sind Reaktionen, die man aus der Krankheit heraus verstehen und nachvollziehen kann.
- Beschäftigung und Aktivität: Finden Sie die Stärken und Vorlieben der oder des Kranken heraus. Suchen Sie zum Beispiel nach Spielen, Liedern, und Beschäftigungen, die aus der Vergangenheit bekannt sind, aber berücksichtigen Sie auch die berufliche Biografie.
- Körperliche Bewegung: Körperliche Bewegung regt den Kreislauf an, hebt die Stimmung und verbessert die Mobilität; auch Spaziergänge tun gut.
Herausforderungen im Alltag
Die Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen erfordert einen großen Einsatz der pflegenden Angehörigen. Oft ergeben sich Situationen, in denen die Pflegenden überfordert sind und auf eine Art und Weise reagieren, die nicht gewollt ist. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu suchen und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.
Rechtliche Aspekte
- Rechtliche Betreuung: Kann eine Person krankheitsbedingt die eigenen rechtlichen Angelegenheiten nicht mehr selbstständig erledigen, bestellt das Gericht eine andere Person, die stellvertretend Entscheidungen treffen kann.
- Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung: Um einer Fremdbestimmung vorzubeugen, gibt es diese drei Möglichkeiten, seine Wünsche für die Zukunft festzulegen.
- Wahlrecht: Auch Menschen mit Demenz dürfen an Wahlen teilnehmen. Es ist erlaubt, jemanden beim Ausfüllen des Wahlscheins zu unterstützen.
- Haftung: Wenn Menschen mit Demenz einen Schaden verursachen, stellen sich eine Reihe von Fragen zur Haftung und zum Schadensersatz.
Unterstützung für Angehörige
Angehörige tragen den Hauptanteil an der Versorgung von Menschen mit Demenz. Sie übernehmen damit eine sehr schwere und verantwortungsvolle Aufgabe, die sich meist über Jahre hinzieht. Durch Information und Beratung, Gesprächsgruppen sowie ehrenamtliche und professionelle Dienste können pflegende Angehörige eine wirksame Entlastung erfahren. Die Pflegeversicherung sichert seit 1994 einen Teil der Risiken bzw. Folgen der Pflegebedürftigkeit ab.
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Angebote der Deutschen Alzheimer Gesellschaft
- Alzheimer Info: Die Mitgliederzeitung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft erscheint ab 2025 zwei Mal jährlich.
- Demenz Partner werden: Jeder kann Demenz Partner werden - egal ob jung oder alt, berufstätig oder im Ruhestand, egal ob man einen Menschen mit Demenz persönlich kennt oder nicht.
- Projekte: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft engagiert sich in verschiedenen Projekten, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern.
- Online-Selbsthilfegruppe: Eine Online-Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Down-Syndrom und Demenz wird ab Oktober 2023 von der Demenz Support Stuttgart gGmbH angeboten.
- Informationsmaterial: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet eine Vielzahl von Informationsmaterialien zum Thema Demenz an.
- Vortragsreihe online: Die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg bietet eine Vortragsreihe online zum Thema Demenz an.
Statistische Informationen
In Deutschland leben nach jüngsten epidemiologischen Schätzungen rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Durchschnittlich treten Tag für Tag etwa 900 Neuerkrankungen auf. Sie summieren sich im Lauf eines Jahres auf mehr als 400.000. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach unterschiedlichen Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf 2,3 bis 2,7 Millionen erhöhen.
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