Forschungsförderung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft: Ein Überblick

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) engagiert sich umfassend für ein besseres Leben mit Demenz. Dies beinhaltet die Unterstützung und Beratung von Betroffenen und ihren Familien, die Information der Öffentlichkeit und die Vertretung der Interessen von Betroffenen gegenüber Politik, Medien und Forschungseinrichtungen. Ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit ist die Förderung der wissenschaftlichen Forschung im Bereich Demenz.

Aufgaben und Finanzierung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Die DAlzG nimmt vielfältige Aufgaben wahr, darunter:

  • Information und Beratung von Betroffenen am Alzheimer-Telefon.
  • Versand von Informationsmaterialien.
  • Unterstützung beim Aufbau von Angehörigengruppen und neuen Alzheimer Gesellschaften.
  • Organisation von Fachtagungen, Kongressen und Seminaren.
  • Forschungsförderung.
  • Politische Stellungnahmen und Teilnahme an Arbeitskreisen.
  • Öffentlichkeits- und Pressearbeit.
  • Spezielle Projekte.

Die DAlzG finanziert ihre Arbeit hauptsächlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Sie erhält auch Zuwendungen aus der Selbsthilfeförderung der Krankenkassen und wird in ihrer Informations- und Beratungsarbeit vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt.

Die Einnahmen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft betrugen im Jahr 2024 1.929.988,06 €, die Ausgaben lagen bei 1.977.415,80 €. Ein sehr großer Teil der Einnahmen stammt von Spenderinnen und Spendern, die oft Summen bis zu 100 € spenden, die insgesamt aber rund 30 % des Einkommens ausmachen. Ein weiterer wichtiger Teil des Budgets stammt aus Mitteln des Bundeshaushalts (knapp 21 %) und zwar vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das aus dem Bundesaltenplan 2024 das Projekt „Beratungsangebot der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. Im Fokus: Menschen mit beginnender Demenz und Menschen mit seltenen Demenzerkrankungen sowie deren Angehörige“ und damit auch das Alzheimer-Telefon fördert.

Forschungsförderung der DAlzG

Die DAlzG schreibt alle zwei Jahre eine Forschungsförderung im Bereich der Versorgungsforschung aus. Für die aktuelle Forschungsförderung 2026 ist eine Bewerbung bis zum 6. Januar 2026 möglich. Die DAlzG unterstützt Forschungsprojekte auch praktisch, beispielsweise indem sie ihr Expertenwissen in Projektbeiräten zur Verfügung stellt.

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Ziele der Forschungsförderung

Die Forschungsförderung der DAlzG wird alle zwei Jahre vergeben, die Mittel dafür stammen aus zweckgebundenen Spenden und sollen die Forschung zur Versorgung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen unterstützen. Gefördert werden Forschungsprojekte, deren Ergebnisse zur Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen erkennbar beitragen. Die Anträge werden durch den Fachlichen Beirat der Deutschen Alzheimer Gesellschaft begutachtet. Deren Vorstand entscheidet dann, welches Projekt gefördert wird.

Forschungsförderung 2024

Mit einer Summe von rund 70.000 Euro wurde 2024 ein Projekt gefördert, das im Bereich der Versorgungsforschung angesiedelt ist. Eine Fördersumme von 69.660,20 Euro erhielt Dr. Veronique Wolter von der Technischen Universität Dortmund für das Projekt „Wo bleiben sie denn? Chancen und Barrieren einer (Nicht-)Teilnahme von Menschen mit Demenz und ihren pflegenden Angehörigen an sportlichen Aktivitäten im Quartier“. 145.000 Euro erhielten Prof. Dr. med. Stefanie Schreiber, Dr. Katja Neumann, Prof. Dr. med. Daniel Behme, Dr. Hendrik Mattern, Marc Günther Pawlitzki und Prof. Dr. Dr. Sven Günther Meuth von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg für ihr Projekt „BB-DARS: Blut-Biomarker-DrAinage-Reserve-Score zur personalisierten Risikoabschätzung einer ARIA unter Aß-Immuntherapie“. Als drittes wurde das Projekt „Zusammenhang zwischen einer Ernährungsintervention und Epigenetik zur Prävention von Demenzerkrankungen“ von Dr. med. Ayda Rostamzadeh und Lena Sannemann vom Universitätsklinikum Köln mit 55.000 Euro gefördert.

Forschungsförderung 2022

Die von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) vergebene Forschungsförderung 2022 betrug insgesamt rund 400.000 Euro. Mit dieser Summe wurden sechs Projekte gefördert, welche die medizinische und pflegerische Versorgung der Betroffenen verbessern sollen. Darüber hinaus konnten rund 350.000 Euro für die Grundlagenforschung vergeben werden, die der DAlzG von der Förderstiftung Dierichs zur Verfügung gestellt wurden. Mit dieser Summe wurden drei Forschungsprojekte gefördert, die im Bereich der Grundlagenforschung zu Demenz aktiv sind.

Geförderte Projekte 2022 (Auswahl):

  • Zielgerichtete Einbeziehung von Angehörigen in die Versorgung von Menschen mit Demenz: Eine Fördersumme von 75.548,00 Euro erhielten Dr. Marion Eisele und Dr. med Dagmar Lühmann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf für das Projekt „EMPOR - Entwicklung eines Leitfadens für Gespräche zwischen Pflegefachpersonen und Angehörigen von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen zum sinnvollen und zielgerichteten Einbezug dieser in die Versorgung.“
  • Etablierung eines Nachsorgeangebotes für Menschen mit Demenz: Eine Fördersumme von 92.080,00 Euro erhielten Viktoria Gerharz, André Hennig und Imane Henni Rached von der Rheinhessen-Fachklinik Alzey für das Projekt „Etablierung eines APN-getragenen, digital unterstützten und dialogischen Schnittstellenmanagements für Menschen mit Demenz nach einem Aufenthalt in der Gerontopsychiatrie“.
  • Einflussnahme von Stereotypen auf die Situation eines pflegenden Angehörigen: Mit 22.740,00 Euro förderte die DAlzG das Projekt „‚Mein Angehöriger ist an Demenz erkrankt“ - Einstellungen, Stereotypien und damit assoziierte Konsequenzen für den Umgang mit Demenz - eine Übersichtsarbeit (Demenzbilder)“ von Prof. Dr. René Thyrian vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Standort Rostock / Greifswald und Swen Staack vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein.
  • Förderliche Effekte von Partizipation auf Menschen mit Demenz: Für das Projekt „Psychische Effekte der Partizipation bei Menschen mit Demenz und deren Zugehörigen in Forschungsvorhaben (PsychPart)“ an der Universität Siegen erhielten Prof.in Dr. Julia Haberstroh und Katja Seidel eine Summe von 20.820 Euro.
  • Triadische Gesprächssituationen auf Augenhöhe: Eine Summe von 83.360 Euro erhielt das Projekt „TriaTalkSuccess - Triadische Gesprächssituationen mit Menschen mit Demenz und informell Pflegenden in der hausärztlichen Versorgung erfolgreich meistern“ vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
  • Nachteile von Isolation und Quarantäne für Menschen mit Demenz verhindern: Dr. Martin N. Dichter und Prof. Dr. Sascha Köpke von der Uniklinik Köln, Detlef Rüsing von der Hochschule Osnabrück und Christian Müller-Hergl erhielten für ihr Projekt „Übersetzung, Evaluation und Dissemination des Dementia Isolation Toolkit (DIT-G)“ 72. 520,00 Euro.
  • Nicht-invasives Verfahren zur Früherkennung von Demenz: Das Projekt „Ein diagnostischer Test für die Alzheimer-Krankheit auf der Grundlage einer Stuhlanalyse“ rund um Prof. Dr. Gültekin Tamgüney von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf erhielt in Kooperation mit der Förderstiftung Dierichs 124.740,00 Euro.
  • Hirnblutungen im Rahmen medikamentöser Therapien begegnen: Von der Förderstiftung Dierichs erhielt das Projekt „MagDeburger DrAinage-Reserve-Score zur individualisierten, MRT-basierten Vorhersage der perivaskulären zerebralen Drainage bei Patienten entlang des Alzheimer-Kontinuums“ von Prof. Dr. Stefanie Schreiber, PD Dr. Daniel Behme und Dr. Hendrik Mattern von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg eine Summe von 115.000,00 Euro.
  • Den Ursachen der Krankheitsentstehung ein Stück näherkommen: Das Projekt „MIF als eine neuartige, therapierbare, molekulare Schnittstelle zwischen der sporadischen Alzheimer Demenz und externer, auslösender Faktoren“ von Prof. Dr. Carsten Korth an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf erhielt von der Förderstiftung Dierichs 117.000,00 Euro.

Weitere geförderte Projekte

Die DAlzG fördert eine Vielzahl weiterer Projekte, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Demenz auseinandersetzen, darunter:

  • Sichere Orte? - Schutzkonzepte in Pflegeheimen für Demenzkranke: Das Projekt an der Universität Hildesheim beschäftigte sich mit dem Thema Gewalt in der Pflege von Menschen mit Demenz.
  • Optimierung der Medikation bei Heimbewohnern mit fortgeschrittener Demenz: Die Studie an der Technischen Universität München untersuchte die Reduktion von Antipsychotika bei Heimbewohnern mit Demenz.
  • Harninkontinenz bei Demenzkranken in stationären Einrichtungen: Das Projekt im Städtischen Altenheim Glauchau untersuchte die Häufigkeit von Inkontinenz und mögliche Einflussfaktoren.
  • Risiko-Management in stationären Altenpflegeeinrichtungen: Das Projekt an der Universität Osnabrück beschäftigte sich mit der Entwicklung von individuellen Prophylaxe-Maßnahmen.
  • Auswirkungen unterschiedlicher Wohnformen auf Demenzkranke: Der Architekt Jürgen Dettbarn-Reggentin vom Institut für sozialpolitische und gerontologische Studien (ISGOS) in Berlin untersuchte die Auswirkungen unterschiedlicher Wohnformen auf Demenzkranke.
  • MagDeburger DrAinage-Reserve-Score zur individualisierten, MRT-basierten Vorhersage der perivaskulären zerebralen Drainage bei Patienten entlang des Alzheimer-Kontinuums: Von der Förderstiftung Dierichs erhielt das Projekt von Prof. Dr. Stefanie Schreiber, PD Dr. Daniel Behme und Dr. Hendrik Mattern von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg eine Summe von 115.000,00 Euro.
  • BB-DARS: Blut-Biomarker-DrAinage-Reserve-Score zur personalisierten Risikoabschätzung einer ARIA unter Aß-Immuntherapie: 145.000 Euro erhielten Prof. Dr. med. Stefanie Schreiber, Dr. Katja Neumann, Prof. Dr. med. Daniel Behme, Dr. Hendrik Mattern, Marc Günther Pawlitzki und Prof. Dr. Dr. Sven Günther Meuth von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg aus den Mitteln der Förderstiftung Dierichs.
  • DemTect Eye+Ear - Kognitives Screening bei Menschen mit sensorischen Einschränkungen: Das Projekt an der Universität Köln erhielt 6.100 €.
  • Zusammenhang zwischen einer Ernährungsintervention und Epigenetik zur Prävention von Demenzerkrankungen: Das Projekt von Dr. med. Ayda Rostamzadeh und Lena Sannemann vom Universitätsklinikum Köln wird in Kooperation mit der Förderstiftung Dierichs mit 55.000 Euro gefördert.
  • Demenzprävention durch Verbesserung der Hörgeräteversorgung - AD-HEARING: Mit 102.242 Euro fördert die DAlzG das Projekt der Universitätsmedizin Göttingen.
  • Übersetzung, Evaluation und Dissemination des Dementia Isolation Toolkit (DIT-G): Dr. Martin N. Dichter und Prof. Dr. Sascha Köpke von der Uniklinik Köln erhalten für ihr Projekt 72. 520,00 Euro.
  • EMPOR - Entwicklung eines Leitfadens für Gespräche zwischen Pflegefachpersonen und Angehörigen von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen zum sinnvollen und zielgerichteten Einbezug dieser in die Versorgung: Dr. Marion Eisele und Dr. med Dagmar Lühmann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erhalten eine Fördersumme von 75.548,00 Euro.
  • Kognitive Stimulation in der stationären Langzeitpflege: Entwicklung und Pilotierung eines 24-Stunden Ansatzes im Rahmen einer Mixed-Methods-Studie: Die Summe von 138.456 Euro erhält das Projekt der Universitätsmedizin Köln.

Arbeitsgruppe „Demenz und Forschung"

Im Rahmen des Projektes PraWiDem, wurde 2022 eine Arbeitsgruppe Demenz und Forschung aufgebaut. Sie hat das Projekt kontinuierlich begleitet und einmal im Monat aktuelle Forschungsfragen diskutiert. Am 31.12.2024 endete das Projekt PraWidem. Doch die gemeinsame Arbeit in der AG Demenz und Forschung sollte weitergehen, damit die wertvollen Erfahrungen nicht verloren gehen. Daher entschied sich die AG - gemeinsam mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft - die Arbeit fortzuführen.

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Bedeutung der Forschungsförderung

Die Forschungsförderung der DAlzG ist von großer Bedeutung, da sie dazu beiträgt, die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern. Durch die Förderung von Forschungsprojekten in den Bereichen Versorgungsforschung und Grundlagenforschung werden neue Erkenntnisse gewonnen, die zu besseren Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sowie zu einerOptimierung der Versorgung von Menschen mit Demenz führen können.

Wie kann man die DAlzG unterstützen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Arbeit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft finanziell zu unterstützen:

  • Durch eine regelmäßige Spende.
  • Durch eine Spende an eine der Mitgliedsgesellschaften.
  • Durch eine Zustiftung an die Deutsche Alzheimer Stiftung.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ist als gemeinnützig anerkannt und berechtigt, Zuwendungsbestätigungen auszustellen.

Hintergrundinformationen zu Demenz

In Deutschland leben heute etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Rund zwei Drittel davon werden in der häuslichen Umgebung von Angehörigen betreut und gepflegt. Jährlich erkranken etwa 400.000 Menschen neu. Ungefähr 60 Prozent davon haben eine Demenz vom Typ Alzheimer. Die Zahl der Demenzerkrankten wird bis 2050 auf 2,4 bis 2,8 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt.

Sprachleitfaden „Demenz“

Zum Welt-Alzheimertag 2020 haben die Deutschsprachigen Alzheimer- und Demenz-Organisationen (DADO) gemeinsam einen Sprachleitfaden „Demenz“ veröffentlicht. Hiemit möchten sie die Verwendung einer demenzsensiblen und angemessenen Sprache in der Öffentlichkeit und der Berichterstattung unterstützen.

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Alternative Förderung

Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) bietet verschiedene Förderungen mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren an, um Forschende an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen bei ihrer Arbeit auf dem Gebiet der Alzheimer-Forschung und verwandter Demenzen zu unterstützen. Die Mittel für Research Grants, Early Career Grants und Cross Border Grants werden jährlich für konkrete Forschungsprojekte vergeben. Travel Grants, International Training Grants und Publication Grants können das ganze Jahr über beantragt werden. Im Jahr 2025 vergab die AFI erstmals den Care Research Grant.

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