Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das viele Menschen in ihrem Alltag beeinträchtigt. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG) widmet sich seit ihrer Gründung im Jahr 1979 der Erforschung, Prävention und Therapie von Kopf- und Gesichtsschmerzen. Als interdisziplinäre wissenschaftliche Fachgesellschaft vereint die DMKG Experten aus Medizin, Pharmazie und Psychologie, um die Versorgung von Kopfschmerzpatienten kontinuierlich zu verbessern.
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): Engagement für Kopfschmerzpatienten
Die DMKG ist eine interdisziplinäre wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich der Erforschung und Verbesserung der Prävention sowie Therapie von Kopf- und Gesichtsschmerzen widmet. Die Gesellschaft wurde 1979 gegründet und zählt aktuell 700 Mitglieder. Seit 1994 ist die DMKG Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Ziele und Aufgaben der DMKG:
- Verbesserung der Diagnostik und Therapie für Kopfschmerz-Patienten
- Zusammenführung von Grundlagendisziplinen aus den Bereichen Medizin, Pharmazie und Psychologie mit Interesse an der Kopfschmerzforschung
- Verbesserung der Aus-, Fort- und Weiterbildung über Kopfschmerzen sowie die Veranstaltung von Kongressen und Fortbildungsmaßnahmen für medizinische Fachberufe
- Erstellung von Leitlinien zur Kopfschmerzdiagnose und -behandlung
- Gezielte interdisziplinäre Förderung junger Wissenschaftler
- Information der Öffentlichkeit über aktuelle Forschungsergebnisse und Therapiemöglichkeiten von Kopfschmerzen
Die DMKG engagiert sich aktiv für die Verbesserung der Kopfschmerzversorgung in Deutschland. Ein wichtiger Baustein ist die Initiative "Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen", die sich primär an medizinisches Fachpersonal richtet. Ziel ist es, die frühzeitige, angemessene und optimale Behandlung von Migräne und anderen Kopfschmerzerkrankungen zu fördern.
Mitgliedschaft in der DMKG:
Werden Sie Mitglied der DMKG und profitieren Sie von exklusiven Fortbildungsangeboten, wissenschaftlichen Ressourcen und einem starken Netzwerk aus Fachkollegen.
Kopfschmerzarten im Überblick: Primäre und sekundäre Kopfschmerzen
Kopfschmerzen sind ein Symptom, das viele Ursachen haben kann. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen.
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- Primäre Kopfschmerzen: Bei primären Kopfschmerzen ist der Kopfschmerz selbst die Erkrankung. Es lassen sich keine bestimmten Ursachen erkennen. Zu den häufigsten primären Kopfschmerzarten zählen Spannungskopfschmerzen, Migräne und Cluster-Kopfschmerzen.
- Sekundäre Kopfschmerzen: Sekundäre Kopfschmerzen treten als Symptom einer anderen Erkrankung auf, beispielsweise als Folge eines Unfalls, einer Medikamenteneinnahme oder einer Infektion.
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet in ihrer Klassifikation weit über 200 verschiedene Kopfschmerzarten, von denen jedoch viele selten sind. Für die Diagnose ist es wichtig, die Kopfschmerzart genau zu bestimmen und mögliche Ursachen abzuklären.
Spannungskopfschmerzen: Der häufigste Kopfschmerztyp
Der Kopfschmerz vom Spannungstyp (Spannungskopfschmerz) ist die in der Bevölkerung am häufigsten auftretende Kopfschmerzart. Betroffene beschreiben den Schmerz als drückend und beidseitig ("wie ein Band um den Kopf"). In der Regel treten keine weiteren Begleitsymptome auf, und die Schmerzen verstärken sich nicht durch körperliche Aktivität.
Man unterscheidet zwischen episodischem und chronischem Spannungskopfschmerz:
- Episodischer Spannungskopfschmerz: Tritt an weniger als 15 Tagen im Monat auf.
- Chronischer Spannungskopfschmerz: Tritt an 15 oder mehr Tagen im Monat auf.
Die Entstehung von Spannungskopfschmerzen ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass Stress und eine erhöhte Anspannung der Nackenmuskulatur eine Rolle spielen. Anhaltende psychosoziale Belastungen können das Risiko einer Chronifizierung erhöhen.
Migräne: Pulsierende Schmerzen und Begleitsymptome
In Deutschland leiden schätzungsweise 12-15% der Frauen und 8-10% der Männer unter Migräne. Die Kopfschmerzen sind meist, aber nicht ausschließlich, halbseitig. Sie werden überwiegend als pulsierend beschrieben und sind von mittlerer bis hoher Schmerzintensität.
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Typische Begleitsymptome einer Migräneattacke sind:
- Übelkeit, manchmal auch Erbrechen
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit
- Bei einigen Betroffenen auch Geruchsempfindlichkeit
Migränekopfschmerzen nehmen bei körperlicher Aktivität zu, und die Betroffenen haben ein Rückzugs- und Ruhebedürfnis. Eine Migräneattacke dauert typischerweise zwischen 4 und 72 Stunden.
Migräne mit Aura:
Etwa 15% aller Migränepatienten berichten über eine Migräneaura. Dabei handelt es sich um neurologische Reiz- oder Ausfallsymptome, die überwiegend vor dem Anfall auftreten. Am häufigsten ist das Flimmerskotom, bei dem sich im Gesichtsfeld zum Teil farbige, gezackte Linien langsam ausbreiten und dann wieder zurückbilden. Seltener kann es auch zu Wortfindungsstörungen, halbseitigen Kribbeln in Armen und Beinen oder sehr selten auch zu Lähmungen kommen.
Ursachen der Migräne:
Die Ursachen der Migräne sind komplex. Es wird vermutet, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt, da viele Betroffene weitere Familienangehörige mit Migräne haben. In der Migräneattacke werden Areale aktiviert, die in der Schmerzverarbeitung bedeutsam sind, und Botenstoffe freigesetzt, die eine entzündungsähnliche Reaktion im Bereich der Gefäße, der Hirnhäute und des Trigeminusnerven auslösen. Von großer Bedeutung ist dabei der Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene related Peptide).
Trigeminoautonome Kopfschmerzerkrankungen: Clusterkopfschmerz und Co.
Trigeminoautonome Kopfschmerzerkrankungen sind durch halbseitige Kopfschmerzen mit einem Schmerzmaximum um das Auge gekennzeichnet. Begleitend können das Augenlid hängen, das Auge tränen, die Nase laufen oder verstopft sein. Eine Bewegungsunruhe in der Attacke ist ganz typisch.
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Nach der Attackendauer und dem Ansprechen auf die Behandlung werden verschiedene Unterformen unterschieden. Der Clusterkopfschmerz ist dabei die häufigste Erkrankung. Attacken eines Clusterkopfschmerzes sind viel kürzer als eine Migräneattacke und können sogar mehrfach täglich auftreten.
Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch: Ein Teufelskreis
Die Einnahme von Schmerzmitteln oder Triptanen an mehr als 10 Tagen im Monat kann paradoxerweise zu einer Häufigkeitszunahme der Kopfschmerzen führen. Dies wird als Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch bezeichnet. Dabei werden Kopfschmerzattacken immer länger, und es werden immer mehr Medikamente benötigt, um den Schmerz zu lindern.
Das Risiko der Entwicklung eines Kopfschmerzes durch Medikamentenübergebrauch unterstreicht die Bedeutung der vorbeugenden, prophylaktischen Behandlung, wenn mehrfach im Monat Kopfschmerzen auftreten.
Diagnostik von Kopfschmerzerkrankungen: Die Anamnese im Fokus
Die Krankengeschichte, die der Patient dem Arzt berichtet (Anamnese), ermöglicht es in den meisten Fällen, eine Kopfschmerzdiagnose zu stellen. Hierzu ist es wichtig zu erfahren, wie lange Kopfschmerzattacken andauern und welche Begleitsymptome mit ihnen einhergehen. Für den Arzt ist es außerdem hilfreich, zu erfahren, welche Behandlungen bislang zur Attackentherapie und Prophylaxe (Vorbeugung) eingesetzt wurden und ob diese effektiv waren.
Die Anamnese wird durch eine körperliche Untersuchung ergänzt, hierbei nimmt der Arzt eine neurologische Untersuchung vor. Bei primären Kopfschmerzerkrankungen ist sie in aller Regel unauffällig.
DMKG-Kopfschmerzfragebogen:
Der DMKG-Kopfschmerzfragebogen hilft, alle relevanten Informationen zur Kopfschmerzanamnese systematisch zu erfassen. Patienten können ihn bequem zu Hause ausfüllen und zur Untersuchung mitbringen. Er erfasst alle wesentlichen Bausteine der Kopfschmerzanamnese und unterstützt die diagnostische Zuordnung primärer Kopfschmerzen nach den Kriterien der Internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3).
Therapie von Kopfschmerzerkrankungen: Attackenbehandlung und Prophylaxe
In der Kopfschmerzbehandlung werden die Behandlung akuter Kopfschmerzattacken von der vorbeugenden Behandlung unterschieden. Sowohl die Attackentherapie als auch die vorbeugende Behandlung müssen nach Stellen der Kopfschmerzdiagnose spezifisch ausgewählt werden.
Attackenbehandlung:
- Spannungskopfschmerz und Migräne: Freiverkäufliche Schmerzmittel (z.B. Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen, Kombinationspräparate aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein) können gut wirksam sein.
- Migräne: Sind Analgetika in der Migräneattacke nicht ausreichend wirksam, können Migränemittel (Triptane) eingesetzt werden. Bei Übelkeit kommen zusätzlich Antiemetika (z.B. Metoclopramid) zum Einsatz.
- Clusterkopfschmerz: Sauerstoffinhalation und Triptane als Nasenspray oder Injektion unter die Haut kommen zum Einsatz.
Vorbeugende Behandlung (Prophylaxe):
Die vorbeugende Therapie sollte vor allem aus nichtmedikamentösen Maßnahmen bestehen. Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus und regelmäßige Energiezufuhr mit ausreichenden und gesunden Mahlzeiten stellen die Energieversorgung bei Migräne sicher. Ausdauersport, physiotherapeutische Übungen und Entspannungsverfahren wirken auch gegen den Kopfschmerz vom Spannungstyp.
Wenn nichtmedikamentöse Maßnahmen nicht ausreichen und Patienten schwer von Kopfschmerzen betroffen sind, kommen medikamentöse Prophylaxen zum Einsatz. Bei der Migräne werden hierbei Betablocker, Antikonvulsiva (Medikamente aus der Epilepsiebehandlung) und Antidepressiva eingesetzt. Bei Patienten mit chronischer Migräne kann auch eine Behandlung mit Botulinumtoxin erfolgen. Sollten diese Prophylaxen nicht wirksam sein, kann der Einsatz eines monoklonalen Antikörpers (immunologisch aktive Proteine), der sich gegen den Botenstoff CGRP richtet oder den CGRP Rezeptor blockiert erwogen werden.
Kopfschmerz und Psyche: Die Bedeutung psychologischer Faktoren
Der Einbezug psychologischer Behandlungsansätze in die Kopfschmertherapie ergibt sich aus dem bio-psycho-sozialen Krankheitsverständnis. Dies berücksichtigt das enge Zusammenspiel zwischen körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren bei der Entstehung und dem Verlauf einer Kopfschmerzerkrankung.
Vielfach belegt ist die Bedeutung von Stress für die Auslösung und Aufrechterhaltung der häufigsten Kopfschmerzformen Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp. Auch der Umgang mit der Kopfschmerzerkrankung selbst kann den Krankheitsverlauf entscheidend beeinflussen.
Das DMKG-Kopfschmerzregister: Einblicke in die Versorgungsrealität
Das DMKG-Kopfschmerzregister stellt die Papier-Fragebögen und den Kopfschmerzkalender nun auch digital zur Verfügung. Teilnehmer führen ihren Kopfschmerzkalender über die DMKG-App und geben vor jedem Arzttermin wichtige Informationen zu ihren Kopfschmerzen und Behandlungen sowie validierte Fragebögen über das Patientenportal (in der App) ein.
Mithilfe des deutschlandweiten, unabhängigen Kopfschmerzregisters werden qualitativ hochwertige Daten generiert, die zur Beantwortung wichtiger Fragestellungen aus der Versorgungsforschung verwendet werden können. Zum Beispiel können Fragestellungen wie „Wie viele Patient:innen mit der Indikation für eine Kopfschmerzprophylaxe nehmen auch tatsächlich eine Prophylaxe ein?“ und „Wie bewerten Patient:innen die Wirkung und Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten?“ beantwortet werden.
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