Schlaganfall: Definition, Ursachen, Symptome und Behandlung

Der Schlaganfall, auch Apoplex genannt, ist eine plötzlich auftretende Erkrankung des Gehirns, die durch eine Durchblutungsstörung oder eine Blutung verursacht wird. Im Volksmund wird der Begriff oft für verschiedene Ursachen verwendet, wobei die häufigste Ursache eine Minderversorgung des Gehirns mit Blut ist. Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der schnellstmöglich behandelt werden muss, um bleibende Schäden zu minimieren.

Was ist ein Schlaganfall?

Von einem Schlaganfall oder Apoplex spricht man, wenn bestimmte Funktionen des Gehirns infolge einer Durchblutungsstörung oder einer Blutung ausfallen. Halten diese Ausfallerscheinungen länger als 24 Stunden an, liegt ein vollendeter Schlaganfall vor. Bestehen die beobachteten Ausfallerscheinungen nur vorübergehend, spricht man von einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA).

Die Redensart „Mich trifft der Schlag!“ hat für viele Menschen eine sehr ernste Bedeutung, denn sie haben einen realen Schlaganfall erlitten.

Ursachen und Arten des Schlaganfalls

Ein „Schlaganfall“ ist eine plötzlich (schlagartig) auftretende Erkrankung des Gehirns. Im Volksmund steht der Begriff dabei für verschiedene Ursachen:

  • Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): In ca. 80% aller Schlaganfälle liegt eine Minderversorgung des Gehirns oder Rückenmarkes mit Blut vor, meist verursacht durch einen arteriellen Gefäßverschluss. Ursache sind oft Einengungen oder Verschlüsse der hirnversorgenden Arterien. Man unterscheidet zwei Hauptursachen für den Gefäßverschluss bei einem Schlaganfall: die Thromboembolie und die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose).
  • Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung): In etwa 15% der Fälle ist eine Einblutung ins Gehirngewebe die Ursache, beispielsweise durch krisenhafte Blutdruckspitzen. Bei der Hirnblutung platzt ein Blutgefäß direkt im Gehirn und schädigt das Nervengewebe. Dies liegt oft daran, dass der Blutdruck in den Arterien zu hoch ist oder die Gefäßwände durch Arteriosklerose oder anderweitig geschädigt sind. Eine Hirnblutung kann auch durch Gefäßmissbildungen, so genannte Aneurysmen, entstehen.
  • Venenthrombose: In ca. 5% der Fälle ist eine Venenthrombose im Gehirn die Ursache.
  • Subarachnoidalblutung: Wenn es zum Platzen oder Reißen eines Blutgefäßes zwischen der mittleren Hirnhaut (Arachnoidea) und der weichen Hirnhaut kommt, spricht man von einer Subarachnoidalblutung. Sie ist mit zwei bis fünf Prozent der Fälle die seltenste Ursache für einen Schlaganfall.

Ischämischer Schlaganfall im Detail

Ein ischämischer Schlaganfall entsteht, wenn das Hirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und deshalb Nervenzellen absterben. Meist ist ein Gefäß verstopft und verursacht so eine Minderdurchblutung des Gehirns. Ursache sind oft Einengungen oder Verschlüsse der hirnversorgenden Arterien.

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  • Thromboembolie: Ein Hirninfarkt durch Thromboembolie entsteht, wenn sich im Herzen oder den großen hirnversorgenden Gefäßen, wie zum Beispiel der Halsschlagader, ein Pfropfen aus geronnenem Blut (Thrombus) bildet. Wenn sich dieser Thrombus von seinem Ursprungsort ablöst, kann er in die Hirngefäße geschwemmt werden und diese so verstopfen, dass nur sehr wenig oder gar kein Blut mehr hindurchfließen kann.
  • Arteriosklerose: Bei einem Schlaganfall durch eine Arteriosklerose entwickelt sich die Verstopfung direkt im Hirngefäß oder den hirnversorgenden Halsgefäßen. Die Arteriosklerose oder Gefäßverkalkung entsteht an den beschädigten Innenseiten der Gefäßwände, wo sich immer mehr Ablagerungen ansammeln und dabei das Gefäß zunehmend verengen, bis schließlich auch hier kaum oder gar kein Blut mehr durchfließen kann.

Hämorrhagischer Schlaganfall im Detail

Bei der Hirnblutung, dem hämorrhagischen Schlaganfall, platzt ein Blutgefäß direkt im Gehirn und schädigt das Nervengewebe. Dies liegt oft daran, dass der Blutdruck in den Arterien zu hoch ist oder die Gefäßwände durch Arteriosklerose oder anderweitig geschädigt sind. Eine Hirnblutung kann auch durch Gefäßmissbildungen, so genannte Aneurysmen, entstehen.

Seltene Schlaganfallursachen

Seltene Schlaganfallursachen liegen bei mindesten fünf Prozent der betroffenen Schlaganfallpatienten vor. Bei jungen Patienten unter 45 Jahren ist der Anteil deutlich höher. Hier sind es eigentlich schon häufige Ursachen.

Bei seltenen Schlaganfallursachen kann es sich um Dissektionen, Vaskulitiden, nicht-vaskulitische Vaskulopathien, Infektionskrankheiten, Stoffwechselerkrankungen oder Malignome handeln. Die häufigste Gruppe, gerade bei jüngeren Patienten unter 45 Jahren, ist die Dissektion hirnversorgender Arterien. Sie ist vielfach mit einer fibromuskulären Dysplasie (FMD) assoziiert (15 Prozent). Genetische Vorbelastungen wie das Ehlers-Danlos- oder Mahlers-Syndrom oder die osteogeneis imperfecta sind ebenfalls Risikofaktoren für eine Dissektion. Exogen kann es durch Trauma, Husten oder Infektionen auftreten.

CADASIL (Cerebral Autosomal Dominant Arteriopathy with Subcortical Infarcts and Leukoencephalopathy) ist eine erbliche zerebrovaskuläre Erkrankung. Sie beginnt im mittleren Erwachsenenalter mit rezidivierenden subkortikalen ischämischen Schlaganfällen und kognitiven Defiziten. CADASIL ist eine hereditäre Mikroangiopathie, also Ablagerung von osmiophilem Material an glatter Muskulatur (Mutation im NOTCH3-Gen auf dem kurzen Arm des Chromosom 19). Die Folge der Erbkrankheit sind Kleingefäßverschlüsse oder hochgradige Stenosen und familiär gehäufte Schlaganfälle in jungen Jahren.

Als weitere Ursache für eine nicht-entzündliche Vaskulopathien stellte Engelhorn die Moyamoya-Erkrankung (Nishimoto-Syndrom) vor. Bei Moyamoya (japanisch für „Wölkchen“) spielen die Gene eine wichtige Rolle für die Erkrankung, die in Ostasien deutlich häufiger vorkommt als in Europa vor. Dabei handelt es sich um eine seltene Erkrankung der Hirngefäße, bei der es zu einer langsam fortschreitenden Verengung oder einem Verschluss des Endabschnitts der inneren Halsschlagader im Bereich des Gehirns und der angrenzenden Hirngefäße kommt.

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"Leichte" Schlaganfälle

Insbesondere nachts während des Schlafs können sich auch sogenannte stumme oder stille Hirninfarkte ereignen. Das sind Schlaganfälle, die von den Betroffenen nicht bemerkt werden, weil sie bei ihrem Auftreten schlafen und die stillen Hirninfarkte als leichte Schlaganfälle keine starken oder auffälligen Beschwerden verursachen. Diese stummen leichten Schlaganfälle lassen jedoch kleine Schäden im Gehirngewebe zurück. Wenn sich die stummen Hirninfarkte häufiger ereignen, sammeln sich die Schäden im Gehirn an und rufen im Laufe der Zeit doch Beschwerden hervor.

Eine weitere leichte Form des Schlaganfalls ist die transitorisch ischämische Attacke (TIA). Bei einer TIA treten vorübergehend Schlaganfallsymptome auf. Sie hinterlässt keine bleibenden Beschwerden und Einschränkungen. Die TIA kann jedoch ein Warnzeichen für einen bevorstehenden schweren Schlaganfall sein. Tatsächlich berichtet fast die Hälfte der Schlaganfall-Patient*innen, dass sie im Vorfeld ihres Apoplexes vorübergehende Ausfallerscheinungen oder andere Schlaganfallsymptome hatten. Selbst wenn der TIA kein vollendeter Apoplex folgt, ist sie ein wichtiges Alarmsignal, das auf keinen Fall ignoriert werden darf, denn die TIA weist daraufhin, dass es im Gehirn Probleme mit der Blutversorgung gibt, die dringend behandelt werden müssen.

Zahlen und Fakten

Der ischämische Schlaganfall ist die häufigste neurologische Erkrankung in der westlichen Welt mit ca. 250-300 Ereignissen pro 100.000 Einwohnern pro Jahr in Deutschland. Alle zwei Minuten erleidet in Deutschland ein Mensch einen Schlaganfall. Je älter Menschen werden, desto größer ist ihr Schlaganfallrisiko. Bei den 75-84-Jährigen erleiden jährlich 1.200 pro 100.000 einen Schlaganfall. 15 Prozent der Schlaganfälle treten bei Menschen unter 55 Jahren auf. Das sind in Deutschland rund 30.000 Schlaganfälle pro Jahr.

Schlaganfälle sind weltweit die zweithäufigste Todesursache. In Deutschland ist der Schlaganfall nach Herzinfarkt und Krebs die dritthäufigste Todesursache. Innerhalb des ersten Jahres nach einem Schlaganfall sterben ein Viertel bis ein Drittel der Patient*innen. Der Hirnschlag gehört darüber hinaus zu den häufigsten Ursachen von Behinderung im Erwachsenenalter. Bis zu 40 Prozent der Überlebenden des akuten Schlaganfalls sind im Alltag längerfristig eingeschränkt, wie zum Beispiel bei der Fortbewegung, der Körperpflege oder dem selbstständigen Ankleiden und Essen. Viele benötigen dauerhaft Hilfe im Alltag, manche auch Pflege.

Die Angaben über die Häufigkeit von Schlaganfällen in Deutschland schwanken zwischen 120.000 und 350.000 pro Jahr. Mit 11,4% liegt der Schlaganfall in der Todesursachenstatistik an Platz 3 (nach Herzerkrankungen und Krebs). Die Häufigkeit der Schlaganfälle steigt mit zunehmendem Alter an (von 4 auf 100.000 Einwohner bei den 25 bis 34-Jährigen auf über 2.000 auf 100.000 Einwohner bei den über 84-Jährigen. Jeder fünfte Patient mit einem Schlaganfall verstirbt innerhalb von vier Wochen, mehr als jeder dritte innerhalb eines Jahres. Mehr als jeder 10. Betroffene erleidet innerhalb eines Jahres einen erneuten Schlaganfall.

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Symptome und Warnzeichen

Charakteristisch für einen Schlaganfall ist der plötzliche Ausfall von Gehirnfunktionen. Die Patient*innen erleben von einem Moment auf den anderen beispielsweise starke Kopfschmerzen, eine unerklärliche Schwäche oder gar Lähmung eines Körperteils, oder auch Seh- und Sprachstörungen. Diese Symptome können auch kurzfristig wieder verschwinden (transitorisch ischämische Attacke, abgekürzt TIA). Es besteht dann jedoch das Risiko, dass sich später noch ein weiterer schwerer Schlaganfall ereignet.

Ein Schlaganfall im Bereich einer Großhirnhälfte führt zu halbseitigen Symptomen wie Gefühlsstörungen der gegenüberliegenden Gesichtshälfte, von Arm und Bein. Es können Lähmungserscheinungen unterschiedlichen Ausmaßes (hängender Mundwinkel, Arm-/ Beinlähmungen) oder Sprachstörungen auftreten, so dass das Aussprechen von Worten oder Sätzen schwierig ist, Gesprochenes/Geschriebenes nicht mehr verstanden wird. Auch plötzlich auftretender Schwindel, eine undeutliche Aussprache, oder Doppelbilder können auftreten.

Vorzeichen für einen Schlaganfall:

  • kurzfristige Lähmung, Schwäche oder Taubheit einer Körperhälfte
  • kurzfristige Sehstörungen bis hin zum vorübergehenden Erblinden eines Auges
  • vorübergehende Sprachstörungen: Sowohl das Verstehen von Sprache als auch das Sprechen können gestört sein.
  • Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen, Drehschwindel, plötzliche Stürze
  • erstmalig und plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen
  • vorübergehende Bewusstseinsstörungen oder Desorientierung in Bezug auf Raum, Zeit oder Personen

Wenn auch nur eines dieser Vorzeichen auftritt oder nur kurz anhält, besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall oder ein akut erhöhtes Schlaganfallrisiko.

Symptome und Beschwerden beim akuten Schlaganfall:

Je nach Ort und Schwere der Durchblutungsstörung im Gehirn kann es zu unterschiedlichen Ausfällen und Symptomen verschiedenen Schweregrades kommen. Zu den Funktionsausfällen bei einem Hirnschlag zählen:

  • Lähmungen: Es können leichte Lähmungen von Gesicht oder Arm bis hin zur kompletten Lähmung einer Körperhälfte (Halbseitenlähmung) auftreten. Eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur ist häufig an einem einseitig herunterhängenden Mundwinkel zu erkennen. Bei einer Halbseitenlähmung ist der Arm meist stärker betroffen als das Bein.
  • Sprachstörungen: Die Patient*innen können Gegenstände oder Personen nicht mehr mit den passenden Begriffen oder Namen benennen und/oder sie können nicht mehr verstehen, was andere ihnen sagen.
  • Sehstörungen: Die Patient*innen sehen beispielsweise Doppelbilder, ihr Gesichtsfeld kann eingeschränkt sein, auch Blindheit auf einem Auge ist möglich.
  • Gefühlsstörungen: Manche Patient*innen haben Taubheitsgefühle in bestimmten Körperregionen, andere Missempfindungen, wie Kribbeln oder eine Berührungsempfindlichkeit.
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Bewusstseinsverlust

Folgende Symptome können einen Schlaganfall begleiten:

  • sehr starke Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Warnzeichen für die schwere Form Hirnstamminfarkt

Der Hirnstamm wird von den beiden Wirbelarterien mit Blut versorgt. Diese vereinen sich zur Arteria Basilaris. Verschließt sich eine der beiden Wirbelarterien, meist in Folge einer Arteriosklerose, spricht man in der Medizin vom Wallenberg-Syndrom. Das verlängerte Rückenmark wird dann nicht mehr mit Blut versorgt.

Symptome sind:

  • gestörte Bewegungsabläufe
  • Probleme mit dem Schlucken und Sprechen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Hängendes Augenlid

Verschließt sich die Arteria Basilaris, spricht man auch von einer Basilaris-Thrombose. Bei dieser schwersten Form des Hirnstamminfarkts kann es zum Locked-in-Syndrom kommen. Die Patienten sind bei vollem Bewusstsein, aber vollständig reglos und können willkürlich nur noch die Augen bewegen.

FAST-Test: Schlaganfall schnell erkennen

Wenn diese Symptome bemerkt werden, ist es essenziell, dass die betroffene Person sofort handelt und umgehend einen Arzt bzw. den Rettungsdienst alarmiert. Der Therapieerfolg bei einem Schlaganfall hängt maßgeblich davon ab, wann der Patient oder die Patientin ärztlich behandelt wird. Je länger ein Schlaganfall unbehandelt bleibt, desto mehr Gehirngewebe geht unwiederbringlich zugrunde.

Der FAST-Test ist ein Schnelltest für die Erkennung eines Schlaganfalls, der auch von medizinischen Laien durchgeführt werden kann. Das Merkwort FAST setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Worte face (Gesicht), arms (Arme), speech (Sprache) und time (Zeit) zusammen.

  • F wie Face (Gesicht): Fordert man die betroffene Person auf, zu lächeln, kann man schnell feststellen, ob einer der Mundwinkel herabhängt. Lächeln nicht mehr möglich.
  • A wie Arms (Arme): Hier wird die betroffene Person gebeten, beide Arme zu heben. Bleibt einer der Arme unbeweglich, deutet dies auf einen Schlaganfall hin. Beide Arme können nicht mehr gehoben werden. Ein Arm sinkt oder dreht sich.
  • S wie Speech (Sprache): Bei einem Schlaganfall treten häufig Sprachstörungen auf, etwa unzusammenhängende Sätze oder starke Unverständlichkeit. Sätze können nicht mehr gesprochen werden oder Stimme klingt verwaschen.
  • T wie Time (Zeit): Trifft eines dieser Anzeichen zu, sollte umgehend der Notruf gewählt werden. Wählen Sie unverzüglich die 112.

Der FAST-Test kann auch zu BE-FAST erweitert werden:

  • Balance (Gleichgewicht): Ist das Gleichgewicht des oder der Betroffenen gestört?
  • Eyes (Augen): Leidet der oder die Betroffene unter plötzlich aufgetretenen Sehstörungen?

Risikofaktoren

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall:

  • ein bereits erlittener Schlaganfall
  • eine transitorisch ischämische Attacke
  • ein oder mehrere stumme Hirninfarkte
  • hoher Blutdruck
  • hohe Cholesterin- und Zuckerwerte im Blut
  • Arteriosklerose (Gefäßverkalkung)
  • andere Krankheiten der Blutgefäße
  • Vorhofflimmern
  • Diabetes mellitus
  • Rauchen
  • starkes Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • Alter (über 65 Jahre)
  • genetische Veranlagung

Diagnostik

Bei Verdacht auf Schlaganfall muss alles möglichst schnell gehen - auch die Diagnostik. Zuerst erfolgt eine neurologische Untersuchung. Danach kann der Neurologe oder die Neurologin meist mit großer Sicherheit die Diagnose „Schlaganfall“ stellen oder auch ausschließen. Für die weitere Behandlung benötigen die Ärzt*innen aber noch mehr Informationen. Sehr wichtig ist es beispielsweise zu wissen, ob es sich um einen Hirninfarkt oder eine Hirnblutung handelt. Aber auch Ort und Schwere des Schlaganfalls sind für die gezielte Behandlung des Schlaganfalls sehr bedeutend.

Weiterführende Untersuchungen bei einem akuten Schlaganfall:

  • Computertomographie (CT) des Kopfes: Die entscheidenden Informationen liefert hier in den meisten Fällen eine Computertomographie (CT) des Kopfes.
  • Kernspintomographie (Magnetresonanz-Tomographie, MRT): Falls noch Informationen benötigt werden, wird eine Kernspintomographie (Magnetresonanz-Tomographie, MRT) durchgeführt.
  • Ultraschalluntersuchungen: Ultraschalluntersuchungen können helfen, um die Blutgefäße zu beurteilen.
  • Angiographie: Bei der Angiographie werden die Blutgefäße im Gehirn auf Anomalien untersucht. Sie wird auch während der Thrombektomie, einer Behandlungsmethode des Hirninfarkts eingesetzt.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) können die Ärzt*innen feststellen, ob Rhythmusstörungen oder eventuell ein Herzinfarkt vorliegt.
  • Elektroenzephalogramm (EEG): Ein Elektroenzephalogramm (EEG) kann Störungen der Gehirnströme anzeigen.
  • Lumbalpunktion: Sehr selten wird auch das Gehirnwasser (Liquor) untersucht, ob möglicherweise eine Entzündung oder eine unerkannte Subarachnoidalblutung vorliegt.

Wenn ein Patient mit Verdacht auf Schlaganfall in die Notaufnahme kommt, so wird standardmäßig zunächst eine native Computertomografie (CT) des Kopfes angefertigt, um zu schauen, ob ein Infarkt vorliegt und eine Blutung auszuschließen. Liegt in der nativen CT keine Blutung vor, erfolgt im zweiten Schritt eine CT-Angiografie, um die Durchgängigkeit der Gefäße zu beurteilen. Nur wenn ein großes Gefäß verschlossen ist, eignet es sich für eine mechanische Rekanalisation. Anschließend wird eine CT-Perfusion durchgeführt, um Informationen zur Hämodynamik des Hirngewebes und der Gefäße zu erhalten. Anstelle einer CT kann auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) angeordnet werden. Bei der akuten multimodalen MRT-Diagnostik wird eine diffusionsgewichtete Bildgebung durchgeführt, um zu schauen, ob Ischämien vorliegen. Die sehr sensitive Sequenz ist wichtig, um Blutungen auszuschließen. Zusätzlich wird noch eine Gefäßbildgebung, eine TOF-Angiografie ohne Kontrastmittel, und dann noch eine kontrastmittelgestützte Angiografie durchgeführt.

Therapie

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall! Ein Apoplex sollte schnellstmöglich am besten in einem auf Schlaganfälle spezialisierten Zentrum, der sogenannten „Stroke Unit“, behandelt werden. Die Akutbehandlung des Hirnschlags hat zum Ziel, das Leben der Betroffenen zu retten und die Folgen des Schlaganfalls so klein wie möglich zu halten. Je eher die Therapie nach einem Schlaganfall einsetzt, desto besser sind die Aussichten der Patientinnen, dass sich die Spätfolgen wie bleibende Beeinträchtigungen und Behinderungen in Grenzen halten oder die Patientinnen sogar vollständig genesen. Man weiß heute, dass bereits die erste Stunde nach dem Auftreten von Schlaganfallsymptomen entscheidend für den Krankheitsverlauf ist. Eine zielgerichtete Behandlung in diesem Zeitfenster kann den Krankheitsverlauf deutlicher zum Besseren wenden als Therapien, die erst danach begonnen werden.

Da das Gehirn extrem empfindlich auf den Mangel von Sauerstoff und Zucker reagiert und im Gegensatz zu anderen Organen auch keine großen Reserven hat, stirbt das von der Blutversorgung abgeschnittene Gehirnareal sehr schnell und unwiederbringlich ab. Weiterhin sind die ersten Symptome häufig nur eine erste Warnung, der im Verlauf größere Ausfälle folgen, sofern die Ursache nicht behoben wird.

Kommt er innerhalb weniger Stunden, so können bei Hirninfarkten in vielen Fällen eine medikamentöse Auflösung des infarktauslösenden Thrombus oder auch eine mechanische Entfernung mittels spezieller Katheter vorgenommen werden. Auch eine Gefäßerweiterung (Stent) kann sinnvoll sein. Letztere beide Maßnahmen sind nur in spezialisierten Kliniken möglich.

Bei Hirnblutungen muss geprüft werden, ob die Blutung operativ beseitigt werden muss. Bei jedem Schlaganfall gilt es dann, den Blutdruck, die Blutzuckereinstellung, die Flüssigkeitszufuhr, die Körpertemperatur und andere wichtige Körperfunktionen im möglichst optimalen Bereich zu halten.

Akuttherapie bei ischämischem Schlaganfall

Innerhalb eines engen Zeitfensters von bis zu 4,5 Stunden ist es möglich, durch eine schnelle und starke Blutverdünnung (sog. Lysetherapie) über einen venösen Zugang das Blutgerinnsel aufzulösen. Wichtig ist, den Zeitrahmen von 4,5 Stunden nicht auszuschöpfen, sondern so früh wie möglich in die Klinik zu kommen. Je früher eine Therapie begonnen wird, desto besser ist in der Regel der Erfolg.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit mit einem Katheter zu versuchen bei größeren Gefäßverschlüssen das Blutgerinnsel direkt aus dem Blutgefäß zu entfernen (sog. Thrombektomie). Diese Intervention wird durch interventionelle Neuroradiologen durchgeführt.

Stroke Unit

Bei einer „Stroke Unit“ handelt es sich um ein auf akute Schlaganfälle spezialisierte Zentrum, dass an vielen neurologischen und internistischen Kliniken eingerichtet wurde. Die „Stroke Units“ gewährleisten eine optimale ärztliche Versorgung von Patient*innen mit Schlaganfall.

Schlaganfall-Mimics

Im zweiten Abschnitt seines Vortrages berichtete Engelhorn über sogenannte Stroke Mimics. Bei einem Stroke Mimic handelt es sich um eine „Symptompräsentation, die als Schlaganfall fehldiagnostiziert wird und eine andere nicht-ischämische Genese hat“, erklärte der Experte. Davon zu unterscheiden seien die Stroke-Chamäleons, unter denen man klinische Erscheinungsbilder versteht, die initial fälschlicherweise nicht als Schlaganfall identifiziert wurden.

In der Literatur schwanken die Raten der falsch positiven Schlaganfall-Diagnosen zwischen 15 und 60 Prozent. Da der Behandlungserfolg bei einem Schlaganfall zeitabhängig ist, besteht ein großer Druck zur raschen Therapieentscheidung. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Fehldiagnose. Daher sollte das behandelnde Notfallteam auch andere Indikationen im Hinterkopf haben, die zu neurologischen Defiziten führen können. Dazu gehören epileptische Anfälle, Migräne, Gehirntumore, Demenz, Sepsis oder auch metabolische Ursachen (z. B. hepatische Wernickeenzephalopathie oder Elektrolytstörung).

Folgen eines Schlaganfalls

Jeder Schlaganfall bedeutet einen großen Einschnitt. Die Behandlung kann langwierig sein. Der Schlaganfall ist nicht nur die dritthäufigste Todesursache, sondern auch der häufigste Grund für Langzeitbehinderungen bei Erwachsenen.

Die Folgen von Schlaganfällen sind häufig schwerwiegend: Die Betroffenen können danach auf einen Rollstuhl angewiesen, vielleicht halbseitig gelähmt und kaum in der Lage zu sprechen sein. Die Folgen eines Schlaganfalls hängen von seiner Schwere, dem Ort und der Ausdehnung der Durchblutungsstörung und vom Zeitpunkt des Therapiebeginns ab. Da die Blutgefäße in der Regel nur eine Gehirnhälfte mit Blut versorgen und diese eine Hirnhälfte für die jeweils gegenüberliegende Körperseite zuständig ist, zeigen sich die Folgen eines Schlaganfalls häufig einseitig. Bei einem Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte kann es zum Beispiel zu Lähmungen auf der rechten Körperseite kommen.

Welche konkreten Folgen auftreten können:

  • Einschränkungen der Bewegung und der Koordination der Muskulatur auf einer Körperseite: z. B. Muskelschwäche, Lähmung eines Beines, Probleme mit der Feinmotorik, Spastik
  • Störung des Sprachvermögens und Sprachverstehens (Aphasie) sowie Sprach- und Sprechstörungen (Dysarthrie)
  • Schluckstörungen
  • Kognitive Störungen: z. B. Störungen der Konzentration und des Gedächtnisses, Unsicherheit, Orientierungslosigkeit, Wortfindungsstörungen
  • Sehstörungen: Doppelbilder, Halbseitenblindheit
  • Aufmerksamkeitsstörung / Neglect: Die Betroffenen nehmen Sinnesinformationen auf einer Körperseite nicht mehr wahr. Sie essen beispielsweise nur eine Hälfte des Tellers leer oder sie waschen nur eine Körperhälfte. Außenstehenden fällt diese Störung meist sehr schnell auf, die Betroffenen hingegen sind sich dieser Störung häufig nicht bewusst.
  • Affekt- und Antriebsstörungen: z. B. Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen
  • Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen

Prävention

Da die Blutgefäße in der Regel nur eine Gehirnhälfte mit Blut versorgen und diese eine Hirnhälfte für die jeweils gegenüberliegende Körperseite zuständig ist, zeigen sich die Folgen eines Schlaganfalls häufig einseitig. Bei einem Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte kann es zum Beispiel zu Lähmungen auf der rechten Körperseite kommen.

Liegen Vorerkrankungen vor, die das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen, können diese behandelt werden. Bei Bluthochdruck bieten sich bspw. blutdrucksenkende Medikamente an, bei Vorhofflimmern Medikamente, um die Blutgerinnung zu erhöhen. Lebt ein Patient bzw. eine Patientin mit einem gesteigerten Cholesterinspiegel, besteht die Möglichkeit, diesen medikamentös zu senken. Bestehen starke Gefäßverengungen, können diese operativ behandelt werden. Hierfür eignet sich u. a. eine Gefäßstütze aus Draht (Stent), die an die Engstelle eingesetzt wird und das Gefäß dauerhaft offenhält.

Die besten Tipps zur Prävention eines Schlaganfalls sind letztendlich immer die Vermeidung von Risikofaktoren. Das heißt: Maßnahmen, die effektiv einem Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel und letzten Endes auch Diabetes vorbeugen und verhindern. Dazu gehört im ersten Schritt, dass man sich vernünftig ernährt, das heißt eine balancierte, ausgewogene zum Beispiel mediterrane Diät zu sich führt. Also überwiegend Gemüse, nicht zu viel Fleisch, nicht zu viel Alkohol. Alkohol ist zwar nicht komplett verboten, aber nur in sehr geringen Mengen. Und natürlich ist ausreichende Bewegung sehr wichtig. 20 bis 30 Minuten Bewegung pro Tag, bei der man leicht schwitzt, ist ideal. Und wenn Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen, sollte man die natürlich auch behandeln.

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