Wenn jemand plötzlich nicht mehr über die Sprache kommunizieren kann, liegt aller Wahrscheinlichkeit nach eine Aphasie vor. Es könnten allerdings auch andere Gründe für die plötzlich oder schleichend eingetretene Sprachlosigkeit vorliegen - beispielsweise psychische. In vielen Fällen liegt jedoch eine Hirnschädigung vor.
Was ist eine Aphasie?
Bei der Aphasie handelt es sich um eine erworbene Sprachstörung. Diese kann nach einer Hirnschädigung eintreten, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Der Begriff "Aphasie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Sprachlosigkeit". Aphasien entstehen, wenn die Sprachzentren in der dominanten, meist linken Hirnhälfte geschädigt sind. Die Betroffenen haben Probleme beim Sprechen und Verstehen, häufig auch beim Lesen und Schreiben. Aphasien sind Sprachstörungen - keine Sprechstörungen. Das heißt: Nicht der Prozess der Wortbildung ist gestört wie beispielsweise beim Stottern, sondern die zugrunde liegenden Fähigkeiten, Sprache zu codieren und zu decodieren.
Ursachen einer Aphasie
Der plötzliche Verlust der Sprachfähigkeit beruht oft auf einem Schlaganfall oder auf schweren Kopfverletzungen nach einem Unfall. Auch Tumorbildungen im Kopf oder entzündliche Prozesse im Gehirn können ursächlich für eine Aphasie sein. Ob diese plötzlich oder schleichend auftritt, ist unterschiedlich. Zu einem schleichenden Sprach- und Sprechverlust kommt es auch bei Läsionen im Gehirn. Mit etwa 80 Prozent die häufigste Ursache einer Aphasie sind Schlaganfälle, die in Deutschland rund 270.000 Menschen im Jahr treffen. Bei rund einem Drittel aller erstmaligen Schlaganfälle kommt es danach zu einer Aphasie, die sich in den ersten vier Wochen oft wieder legt. Etwa zehn Prozent der Aphasien sind Folge einer schweren Gehirnerschütterung (Schädel-Hirn-Trauma), also einer Hirnverletzung, wie sie etwa durch einen Schlag auf den Kopf oder einen Unfall auftritt. Rund sieben Prozent der Aphasien entstehen durch Hirntumore. Sie können Druck auf die Areale ausüben, die für die Sprache zuständig sind. Wenn sie wachsen, verschlimmert sich die Aphasie möglicherweise entsprechend. Aphasien treten auch bei Erkrankungen auf, die das gesamte Gehirn betreffen. Dazu gehören Demenzerkrankungen, bei denen sich im Verlauf der Krankheit die Sprache schrittweise verändert. Sie kann mit der Zeit weniger ausdrucksstark werden und im Verlauf ganz verschwinden. Eine Sonderform der Demenz, bei der die Sprachstörung im Vordergrund steht, ist die primär progressive Aphasie. Bei Erkrankungen, die die Hirnfunktionen stören, wie zum Beispiel Unterzuckerung oder schwere Infektionen, kann neben allen anderen Hirnleistungen auch die Sprache gestört sein. Hier ist die Aphasie meist nicht das einzige Symptom.
Auswirkungen der Aphasie
Der Sprachverlust betrifft oft sämtliche sprachlichen Fähigkeiten: zum einen das Sprechen und das Verstehen, außerdem sind oft auch das Lesen und das Schreiben beeinträchtigt. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Betroffenen nicht mehr denken können. Ihre Intelligenz wird durch die Aphasie meist nicht beeinträchtigt. Auch ihr erlerntes Wissen geht nicht verloren. Dennoch betrifft die Aphasie oft auch andere Bereiche. Zu den Begleitsymptomen einer Aphasie gehören beispielsweise eine eingeschränkte Aufmerksamkeits- und Koordinationsfähigkeit. Die Betroffenen müssen sich stark auf das konzentrieren, was sie gerade tun. Sie sind schnell überfordert und erschöpft. Auch die Motorik kann infolge der Aphasie gestört oder beeinträchtigt werden. Die Seele leidet ebenfalls darunter, plötzlich nicht mehr über die Sprache kommunizieren zu können. Als Folge der Sprachlosigkeit können Depressionen, Aggressivität oder Verzweiflung auftreten. Je nach Schweregrad muss die Mitwelt auf die Aphasie Rücksichten nehmen. Geistig sind die Betroffenen in den meisten Fällen aber nicht beeinträchtigt. Sie werden jedoch oft durch eine schnelle und undeutliche Ansprache überfordert. Viele Betroffene können nur noch mit Zeichensprache auf Fragen anderer reagieren. Die Betroffenen müssen sich mit ihren Mitmenschen auf neue Kommunikationsformen einigen. Der Verlust der Sprache kann die Betroffenen sehr einsam machen. Daher ist es wichtig, sie nicht sozial zu isolieren. Während die Aphasie-Betroffenen sich anfangs noch abmühen, um sich sprachlich verständlich zu machen, erarbeiten sie sich später meist Strategien, um das mühsame Sprechen zu vermeiden. Falls noch eine geringe Sprechfähigkeit gegeben ist, kostet es einen Aphasiker immense Anstrengung, die Worte zu formulieren und sich zu äußern. Die Sprachproduktion ist nicht mehr flüssig. Sie erfolgt stockend oder unkoordiniert. Auch das Sprachverstehen kann erheblich gestört sein. In manchen Fällen werden Worte nur noch als Klänge ohne Bedeutung wahrgenommen. Längere Textzusammenhänge können oft nicht mehr erfasst werden. Die Schreib- oder Lesefähigkeit kann bei Aphasikern unterschiedlich stark betroffen sein. Oft werden Worte verwechselt.
Formen der Aphasie
Fachleute unterscheiden vier Aphasie-Formen:
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- Globale Aphasie: Die globale Aphasie gilt als schwerste unter den aphasischen Störungen. Hier ist eine verbale Kommunikation mit den Betroffenen fast gar nicht mehr möglich. Bei einer globalen Aphasie sind im Gehirn meist Teile des Stirn-, Schläfen- und Scheitellappens in Kombination geschädigt. Das Verstehen von Sprache, Lesen und Schreiben sind meist schwer gestört. Die Verständigung ist kaum oder gar nicht mehr möglich. Betroffene sind meist vollkommen stumm oder der Sprechfluss ist stark auf einzelne sinnlose Wörter eingeschränkt. Einige nutzen Bruchstücke von Wörtern, sich wiederholende Silben wie („dadada“) oder Floskeln („meine Güte“).
- Motorische Aphasie (Broca-Aphasie): Die motorische Aphasie - auch als Broca-Aphasie bekannt - ermöglicht noch eine mühsame und stockende Kommunikation. Die Betroffenen kommunizieren meist im Telegrammstil. Sie verwechseln dabei oft Laute oder Worte. Bei einer Broca-Aphasie ist das Sprachnetzwerk im Stirnlappen des Gehirns (Broca-Areal) geschädigt. Menschen mit Broca-Aphasie sprechen oft wenig und spontan von sich aus meist gar nicht. Der Satzbau ist bei Broca-Aphasie vereinfacht. Wörter sind meist nach thematischer Wichtigkeit geordnet und nicht in grammatikalischer Reihenfolge (Agrammatismus). Betroffene können Gesprochenes oft gut verstehen.
- Sensorische Aphasie (Wernicke-Aphasie): Bei der Wernicke-Aphasie ist vor allem das Sprachverständnis beeinträchtigt. Die Betroffenen verstehen Gesprochenes nur noch teilweise. Sie selbst können sich oft nur noch in einer Art Kauderwelsch mitteilen. Das Sprachverständnis ist meist stark beeinträchtigt. Das kann gesprochene Worte als auch Lesen, Schreiben und Zahlen betreffen. Einige Betroffene bemerken ihre eigene Sprachstörung (und andere Defizite) nicht. Betroffene sprechen oft flüssig und die Wörter sprudeln geradezu aus ihnen heraus. Die Sprache ist aber oft verworren und ohne inhaltlichen Zusammenhang. Menschen mit Wernicke-Aphasie verändern auch oft die Lautstruktur von Wörtern. Sie lassen dabei Laute aus, stellen sie um oder ergänzen neue (etwa „Aum“ statt „Baum“, „Vergewandte“ statt „Verwandte“). Die Sätze ergeben oft keinen Sinn („Es geht mir gelb“) und sind zudem auffallend lang, oft falsch aufgebaut oder stark ineinander verschachtelt (Paragrammatismus). Häufig vermutet man bei den Betroffenen fälschlicherweise zunächst eine Denkstörung, da sie verwirrt erscheinen. Das sind sie jedoch nicht.
- Amnestische Aphasie: Die amnestische Aphasie ist vor allem durch Wortfindungsstörungen gekennzeichnet. Das Sprachverständnis ist jedoch nicht wesentlich beeinträchtigt. Die Betroffenen kommunizieren bei dieser Form der Aphasie oft in Schriftform. Sie können auch Gelesenes verstehen. Die Konzentrationsfähigkeit ist aber ebenso gestört wie das Gedächtnis. Auch das Gefühlsleben ist oft beeinträchtigt. Menschen mit Amnestischer Aphasie finden häufig nicht das richtige Wort. Ihr Gegenüber verstehen sie meist ohne Probleme. Erkrankte können sich verständlich artikulieren. Ihr Sprachfluss ist insgesamt unauffällig, mit vereinzelten Wortfindungsstörungen. Häufig versuchen Betroffene, Alternativen für die fehlenden Wörter zu finden durch leicht abweichende Wortersetzungen und Umschreibungen (etwa „das Ding, aus dem man Wasser trinkt“) oder durch Platzhalter („der da“). Menschen mit Amnestischer Aphasie können Gesprochenes meist gut verstehen und sind auch beim Lesen und Schreiben kaum beeinträchtigt.
Diagnose einer Aphasie
Im Rahmen der neurolinguistischen/logopädischen und neuropsychologischen Diagnostik werden die folgenden Bereiche der Sprachfunktion untersucht:
- Lautstruktur (Phonologie)
- Wortgestalt (Morphologie)
- Satzbau (Syntax)
- Wort- und Satzbedeutung (Semantik)
- Sprachverständnis
- Störungen des Lesens (Dyslexie)
- Störungen des Schreibens (Dysgraphie)
- Störungen von Sprechbewegungen (Sprechapraxien)
- Störungen der Artikulation, der Stimmgebung und der Sprechatmung (Dysarthrophonie)
Zudem werden mögliche zusätzliche Einschränkungen folgender Bereiche erfasst:
- Konzentration und Aufmerksamkeit
- Orientierung
- Gedächtnis
- Auditive und visuelle Wahrnehmung
- Räumlich-konstruktive Störungen
- Handlungsplanung
- Rechenfähigkeit
- Antrieb und psychomotorisches Tempo
- Stimmung und Affektivität
Abgrenzung zu anderen Sprachstörungen
Weil Störungen der Sprache für Laien oft schwer zu unterscheiden sind, werden die zugrunde liegenden Ursachen leicht verwechselt, wenn man Menschen mit beispielsweise langsamer, phonetisch unsauberer oder verwaschener Sprache begegnet. Bei der Aphasie sind die zugrunde liegenden Ursachen immer im Gehirn verortet (Schädigung bestimmter Hirnareale), also neurologisch. Die Dysarthrie ist im Unterschied zur Aphasie eine motorische Sprachstörung. Die Sprechapraxie hat weder mit einer Störung der Motorik beim Sprechen zu tun, noch ist sie eine systematische Sprachstörung. Bei der Sprechapraxie ist konkret die (neurologische) Planung von Sprechbewegungen gestört - nicht die neurologischen Prozesse, die zum Entstehen der Sprache (zum Beispiel Wortfindung, Sprachverständnis) führen. Menschen mit einer Dysarthrie sprechen häufig langsam, mit sichtbarer Anstrengung und müssen häufig Luft holen. Das Sprachverständnis ist bei einer Dysarthrie nicht beeinträchtigt. Ihr Gegenüber verstehen Betroffene daher ohne Probleme. Bei einer Dysarthrie sind Muskeln gestört, die man zum Sprechen braucht. Menschen mit einer Sprechapraxie haben große Schwierigkeiten, die gewünschten Laute flüssig auszusprechen. Das Sprechen ist angestrengt, stockend, verlangsamt mit vielen Pausen oder nur geflüstert. Das Sprachverständnis ist bei einer reinen Sprechapraxie gut erhalten. Ihr Gegenüber verstehen Betroffene dann entsprechend. Hintergrund einer Sprechapraxie ist eine gestörte Planung der Bewegungsabläufe der Sprech- und Stimm-Muskulatur.
Behandlung und Therapie der Aphasie
Bei eher milden Gehirnschädigungen können die Betroffenen ihre sprachlichen Fähigkeiten oft auch ohne Therapie wiedererlangen. Die meisten Betroffenen müssen sich jedoch einer logopädischen Behandlung unterziehen, um ihre Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. Die Forschung über hilfreiche Medikamente ist im Gange, bisher aber noch ohne verwertbare Ergebnisse. Die Wissenschaftler hoffen, in absehbarer Zeit hilfreiche Medikamente für Aphasie-Betroffene entwickeln zu können. Diese sollen in Kombination mit Sprechtherapie zu besseren Ergebnissen führen. Die Zahl der von Aphasie Betroffenen ist in den letzten 50 Jahren gestiegen, weil Hirnschädigungen dank moderner Medizintechnologie häufiger überlebt werden. Zudem werden die Menschen älter. Das begünstigt das Auftreten von Schlaganfällen und Hirn-Läsionen. Bisher dauert es meist sehr lange, bis eine Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten nach einer Hirnschädigung eintritt. Viele Betroffene können mit der Zeit signifikante Fortschritte erzielen. Doch nur wenige schaffen es, auf den sprachlichen Level vor der Schädigung zurückzukehren. Die Sprechtherapie zielt bei einer Aphasie darauf ab, die Kommunikationsfähigkeit weitmöglich wieder herzustellen. Es werden jedoch auch andere Kommunikationsmöglichkeiten in den Fokus genommen, um kommunikative Ausfallerscheinungen zu kompensieren. Die Therapie sollte nach einer Hirnschädigung so schnell wie möglich eingeleitet werden. Studien zufolge ist sie dann umso erfolgreicher. In der sicheren Umgebung einer Gruppe ist der Erfolg größer, als wenn ein Sprechtrainer und ein aphasischer Patient alleine üben. Zusammen mit anderen Betroffenen fühlen sich die Betroffenen unbefangener. Sie können sich gegenseitig korrigieren und motivieren. Der Einsatz von Computern kann therapeutisch sinnvoll sein. Mit speziellen Programmen können Worte neu erlernt und der richtige Klang der Worte geübt werden. Die Studien zu Medikamenten gegen Aphasie sind umfangreich. Erforscht und entwickelt werden Medikamente, die den Blutzufluss im Gehirn verbessern sollen. Andere Studien widmen sich Medikamenten, die die Regenerationsfähigkeit des Gehirns verbessern sollen. Weitere Forschungsvorhaben befassen sich mit bestimmten Neurotransmittern. Interessant sind solche, die die Sprach- und Sprechfähigkeit bei Aphasikern verbessern könnten. Bisher liegen nur aus kleineren Studien vielversprechende Ergebnisse vor. Um neue Medikamente bei Aphasie einzusetzen, sind aber Langzeitstudien mit hohen Probandenzahlen notwendig. Bis dahin befassen sich einige klinische Forschungsprojekte mit Studien zu Stimulation des Gehirns als Behandlungsmöglichkeit. Auch hier existieren bisher keine Langzeitstudien. Daher werden Behandlungsmethoden wie die "transcraniale magnetische Stimulation" oder die "direkte transcraniale Elektro-Stimulation" bis auf weiteres nicht angewendet. Bei solchen Behandlungsansätzen geht es darum, geschädigte Gehirnzellen zu stimulieren. Beide Methoden sind nicht-invasiv. Die erstgenannte Behandlungsmethode nutzt magnetische Felder, die andere setzt niederfrequente Elektroimpulse ein.
Ziele der Aphasie-Therapie
Wesentliche Ziele der Aphasie-Therapie sind die Reorganisation und Kompensation der Hirnareale - bei der Reorganisation erlernen die früheren Nervenzellen ihre alten Aufgaben wieder. Bei der Kompensation lernen andere Nerven die Aufgaben zu übernehmen. Außerdem sollen Betroffene ihre Fähigkeiten aufbauen und zum Sprechen und sozialem Kontakt animiert werden. Die Therapie einer Aphasie ist Aufgabe von Sprachtrainern, sogenannten Logopäden oder Patholinguisten. Noch in der Stroke-Unit (Spezialstation für Schlaganfall-Betroffene) beginnen sie mit dem Training - je nach Schaden durch den Schlaganfall kann dabei auch zuerst einmal ein Schlucktraining im Vordergrund stehen. In schweren Fällen von Aphasie (Globale Aphasie) kann auch das Erlernen einer Zeichensprache notwendig sein, damit sich Betroffene überhaupt verständigen können. Technische Entwicklungen erleichtern Therapeuten die Behandlung und Betroffenen ihren Alltag. Dazu gehören beispielsweise Sprachapps wie Neolexon, Constant Therapy, Tactus oder Lingraphica und spezielle Computerprogramme wie EvoCare, aphasiaware und Lingware. Studien wie die Big-CACTUS-Studie von 2019 zeigen, dass Patienten mit Sprachapps und Sprachsoftware zur Aphasie-Behandlung größere Fortschritte erzielen als ohne die Übungen. Bei rund 56 Prozent der Aphasiker bleibt auch sechs Monate nach dem Schlaganfall eine Schädigung in Form der Sprachstörung bestehen - die Aphasie wird chronisch. Allerdings zeigen inzwischen einige Studien, dass intensives Sprachtraining als Therapie auch sechs Monate oder länger nach dem auslösenden Schlaganfall zu einer entscheidenden Verbesserung der Sprachstörung und der Lebensqualität der Aphasiker und Aphasikerinnen führen kann - beispielsweise die FCET2EC- Studie aus Deutschland, die 2017 erschien. Intensives Sprachtraining bedeutete in der Studie: mindestens zehn Stunden pro Woche bei mindestens drei Wochen Dauer des Intensivtrainings. Auch durch Betroffene selbst gesteuertes Sprachtraining per Software konnte bei chronischer Aphasie die Wortfindung effektiv verbessern (auch das konnte die BigCACTUS-Studie zeigen).
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Therapieansätze im Überblick
Die Rehabilitationsbehandlung der Aphasien kann folgende Therapiemodule umfassen:
- Sprachtherapie (Logopädie und/oder Linguistik) inkl. computerunterstützte Sprachtherapie
- Neuropsychologische Therapie (zur Verbesserung u. a. von Aufmerksamkeit und Gedächtnis)
- Physiotherapie (bei Lähmungen und Bewegungseinschränkungen)
- Ergotherapie (Übungen zum Wiedererlernen von Alltagsfähigkeiten)
- Physikalische Therapien (Elektrotherapie, Massage, Bäder)
Die Aphasie-Therapien finden in der Regel in Einzel- und Gruppentherapien statt. Ein wesentliches Ziel ist dabei, Aphasikerinnen wieder in die Lage zu versetzen, trotz eventueller Einschränkungen wieder möglichst selbstständig im Alltag zurechtzukommen. Im hierzu beispielsweise durchgeführten Real Life-Training können die Betroffenen lernen, während der Behandlung eingeübte Kommunikationsmuster in einer realen Alltagssituation anzuwenden (z.B. beim Einkaufen). Wichtig ist immer, ein verständnisvolles Umfeld der Betroffenen zu fördern, um die ansonsten wirksamen natürlichen Sprach- und Sprechängste abbauen zu können. Dabei ist es hilfreich, wenn auch die Angehörigen frühzeitig in die Therapien eingebunden werden und durch Beratungen und Seminare das Verständnis für die Störung gefördert wird. Neben den spezifischen Therapien sollte man immer versuchen, im Gespräch in kurzen und einfachen Sätzen zu sprechen und schwierige Wörter (z.B. Fremdwörter) zu vermeiden. Hilfreich ist zudem, im Gespräch ausreichend langsam zu sprechen und geduldig zu sein, auch wenn der Redefluss desder Aphasiker*in ins Stocken geraten ist. Menschen mit einer Aphasie brauchen häufig mehr Zeit um Gesprächsinhalte zu erfassen.
Tipps für Angehörige im Umgang mit Aphasikern
Das Sprachvermögen zu verlieren, verstört und frustriert die Betroffenen. Viele reagieren verzweifelt oder aggressiv, manche entwickeln sogar eine Depression. Aphasie-Patienten müssen sich zudem sehr anstrengen, um sich auszudrücken und andere zu verstehen. Sie sind deshalb häufig schnell erschöpft und brauchen viel Ruhe. Besonders schwierig ist es für die Betroffenen, wenn ihre Umwelt sie als geistig behindert betrachtet und bevormundet. Deshalb ist es wichtig, Aphasiker respektvoll zu behandeln, so dass sie ihr Selbstvertrauen und ihre Lebensfreude nicht ganz verlieren.
Folgende Tipps können Ihnen den Umgang mit Aphasikern erleichtern:
- Behandeln Sie den oder die Aphasiker*in als Gesprächspartner auf Augenhöhe.
- Nehmen Sie der aphasischen Person „nicht das Wort aus dem Mund“
- Sprechen Sie nicht über sieihn, sondern mit ihrihm.
- Sprechen Sie in normaler Sprache und in einfachen Sätzen.
- Sprechen Sie langsam, klar und deutlich.
- Insbesondere bei den ausgeprägten Formen einer Aphasie versuchen Sie Fragen vorzugsweise so zu formulieren, dass sie mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können.
- Korrigieren Sie nicht.
- Halten Sie Blickkontakt.
- Setzen Sie alle Mittel der Kommunikation ein: Gesten und Mimik, zeichnen oder schreiben Sie, wenn nötig, zeigen auf Gegenstände oder Abbildungen und motivieren gegebenenfalls auch dendie Betroffenen ebenfalls dazu.
- Warten Sie geduldig auf eine Antwort.
- Sorgen Sie im Gespräch für eine ruhige Umgebung und schalten Sie störende Geräuschquellen wie Radio oder TV möglichst aus.
- Wenn der*die Betroffene in einem Satz nicht weiterkommt, drängen Sie nicht. Gegebenenfalls ist es auch hilfreich, zunächst das Thema zu wechseln. Ein erneuter späterer Versuch ist oft erfolgreich.
- Manche Betroffene sind leichter gereizt oder haben Gefühlsschwankungen. Hierbei handelt es sich um häufige Begleitsymptome der Grunderkrankung. Versuchen Sie dennoch verständnisvoll und geduldig zu sein.
- Bleiben Sie geduldig: Menschen mit einer Aphasie brauchen Zeit, um Gesprächsinhalte zu erfassen. Sprechen Sie langsam, benutzen Sie einfache Sätze und legen Sie Pausen ein.
- Nehmen Sie dem Aphasiker nicht das Wort aus dem Mund: Menschen mit einer Aphasie sprechen häufig stockend und suchen lange nach Worten. Warten Sie ab, ob der Aphasiker den gesuchten Begriff nicht doch noch findet, denn für ihn ist jedes sprachliche Erfolgserlebnis wichtig. Oft gelingt es ihm, sich auszudrücken, wenn man ihm genügend Zeit lässt. Wird der Aphasiker von einem Dritten angesprochen, sollten Sie der Versuchung widerstehen, für ihn zu antworten.
- Erleichtern Sie die Kommunikation: Sprechen Sie langsam und deutlich und unterstreichen Sie das Gesagte durch Mimik und Gesten.
- Sichern Sie das Verständnis: Wenn Sie nicht ganz sicher sind, ob Sie einen Menschen mit einer Aphasie richtig verstanden haben, stellen Sie einfache Ja/Nein-Fragen: "Du sprichst von Frau Schulze?". Scheint der Betroffene verwirrt zu sein, fragen Sie aktiv nach, ob er alles verstanden hat.
- Korrigieren Sie nicht zu viel: Menschen, die an einer Aphasie leiden, haben oft Angst vor sprachlichen Fehlern und trauen sich deshalb nicht, zu sprechen. Andauerndes Korrigieren verstärkt diese Angst.
- Beseitigen Sie Störquellen: Menschen mit Aphasie können sich nur schwer auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren. Sind mehrere Personen an dem Gespräch beteiligt, sollten nicht alle durcheinander sprechen. Auch ablenkende Geräuschquellen wie Radio oder Fernseher sollten während eines Gesprächs abgestellt werden.
- Erleichtern Sie den Kontakt mit anderen: Viele Menschen sind unsicher, wie sie mit einem Aphasiker umgehen sollen. Ermutigen Sie sie, mit dem Betroffenen zu sprechen und geben Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrung in punkto Aphasie weiter.
Selbsthilfe für Betroffene
Auch wenn die Worte nicht so zur Verfügung stehen wie gewohnt, sollte man als Aphasikerin sich nicht vor Kontakten mit anderen Menschen scheuen. Eine Besserung der Kommunikationsfähigkeit erfolgt - ebenso wie bei sonstigen neurologischen Störungen auch - durch Mechanismen, die man unter dem Begriff Neuroplastizität zusammenfasst. Darunter versteht man die „Um- bzw. Neuprogrammierung“ geschädigter Hirnareale. Voraussetzung dafür ist eine adäquate Anforderung an das Gehirn. Im Falle einer Aphasie ist dies die Kommunikation. Bedeutet für den Alltag, sich nicht zurückziehen und nicht entmutigen lassen, sondern trotz Aphasie den Kontakt und die Nähe zu anderen halten und Kommunikation immer wieder aufs Neue versuchen. Vielen Aphasikerinnen und ihren Angehörigen hilft der Austausch mit anderen Betroffenen, wir er beispielsweise in Selbsthilfegruppen möglich ist. Viele Menschen sind unsicher, wie sie mit einem Aphasiker umgehen sollen. Ermutigen Sie sie, mit dem Betroffenen zu sprechen und geben Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrung in punkto Aphasie weiter. Aphasie-Patienten müssen sich zudem sehr anstrengen, um sich auszudrücken und andere zu verstehen. Sie sind deshalb häufig schnell erschöpft und brauchen viel Ruhe. Besonders schwierig ist es für die Betroffenen, wenn ihre Umwelt sie als geistig behindert betrachtet und bevormundet. Deshalb ist es wichtig, Aphasiker respektvoll zu behandeln, so dass sie ihr Selbstvertrauen und ihre Lebensfreude nicht ganz verlieren. Menschen mit Aphasie vereinsamen sehr schnell. Helfen kann daher, regelmäßig soziale Aktivitäten anzubieten und hierzu zu ermutigen. Zudem kann die Belastbarkeit von Tag zu Tag stark schwanken. Dennoch ist das Bedürfnis nach zwischenmenschlicher Kommunikation bei Menschen mit Aphasie nicht geringer als bei anderen Menschen auch. Beratung und Unterstützung finden Erkrankte und Angehörige oft vor Ort in spezialisierten Zentren und in Gruppen mit anderen Betroffenen. Der Bundesverband Aphasie bietet dazu eine bundesweite Übersicht mit regionalen Aphasiezentren und Selbsthilfegruppen. Letztere bieten vielfältige Betätigungen.
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Verlauf und Prognose der Aphasie
Wie eine Aphasie verläuft, ist individuell unterschiedlich. Die Entwicklung der Aphasie hängt stark von der Ursache und dem Ausmaß der Hirnstörung ab. Schwere Aphasien durch einen großen Schlaganfall verbessern sich zum Beispiel nicht so stark wie leichte Störungen nach einer stärkeren Gehirnerschütterung. In vielen Fällen ist eine Aphasie gut behandelbar oder bildet sich im Verlauf sogar allein zurück. In den anderen Fällen hilft vielfach ein sprachtherapeutisches Training (Logopädie), das so früh wie möglich beginnen sollte. Spätestens nach vier bis sechs Monaten sind die Symptome weitgehend stabil (chronisch) und die Erfolge des logopädischen Trainings nehmen ab. Aber auch dann sind messbare Verbesserungen möglich. Mit der Sprachtherapie sollen in erster Linie die sprachlichen Fähigkeiten gebessert werden, um die Kommunikation im Alltag und damit die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Ist vor allem das Sprechen betroffen, wird beispielsweise der Aufbau grammatikalisch korrekter, einfacher Sätze trainiert. Computerprogramme oder Apps unterstützen die Sprachtherapie heute und lassen sich auch zum eigenständigen Üben zuhause einsetzen. Wenn die Betroffenen sich wieder besser verständigen können, ist oft auch ein Gruppentraining sinnvoll. Als Hilfsmittel für den Umgang im Alltag gibt es bei Aphasie zum Beispiel Tafeln mit Symbolen, auf die Betroffene zeigen können.
Lebenserwartung bei Aphasie
Aphasie hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung, weil nur die Gehirnbereiche betroffen sind, die Sprache verarbeiten. Ursache und Ausmaß der Gehirnschädigung und die Therapiemöglichkeiten bestimmen die Dauer und Schwere der Störung. Tritt eine Aphasie als Symptom einer anderen Erkrankung auf, kann deren Verlauf die Lebenserwartung aber beeinträchtigen. Der Krankheitsverlauf und die Prognose hängen von der Ursache, dem Schweregrad und Ort der Schädigung ab. Einige Menschen erholen sich nach einer Therapie innerhalb von Wochen oder Monaten vollständig, bei anderen bessert sich die Aphasie nur teilweise und sehr langsam oder gar nicht. Die meisten Betroffenen benötigen Unterstützung in Form einer Sprachtherapie oder Rehabilitationsmaßnahme, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.
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