Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging-Reihe, die bereits auf dem Nintendo DS Erfolge feierte, kehrt mit „Dr. Kawashimas diabolisches Gehirn-Jogging“ auf dem Nintendo 3DS zurück. Dieser Artikel beleuchtet die diabolische Neuentwicklung, die darauf abzielt, die grauen Zellen der Spieler herauszufordern und das Arbeitsgedächtnis zu trainieren.
Die Rückkehr des Gehirn-Joggings
Im Jahr 2006 veröffentlichte Nintendo den Titel „Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging“ für den Nintendo DS. Das Spiel bot knackige Kopfnüsse mit Kopfrechnen und Wort-Assoziationen, begleitet vom sympathischen Dr. Kawashima. Der japanische Wissenschaftler führte die Spieler mit Pointen durch die Themengebiete, motivierte bei schwierigen Passagen und kontrollierte die erbrachten Leistungen. Das Marketing zielte nicht nur auf Kinder und Jugendliche ab, sondern auch auf ältere Menschen, die bisher wenig Erfahrung mit Videospielen hatten. Hollywood-Star Nicole Kidman und Moderator Jörg Pilawa warben für das digitale Gedächtnistraining. Der beliebte „Alterstest“ ermittelte anhand bearbeiteter Aufgaben das geistige Alter der Spieler. Zudem gab es das damals populäre Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden.
Das diabolische Gehirn-Jogging auf dem 3DS
Dr. Kawashimas diabolisches Gehirn-Jogging bietet keine Handlung, sondern möchte mit kleinen Aufgaben die Gehirne der Spieler trainieren und verbessern. Neu ist, dass Dr. Kawashimas Kopf 3D-modelliert auf dem oberen Bildschirm schwebt. Ansonsten bleibt vieles wie gehabt: In Echtzeit werden Aufgaben bearbeitet und im Tages-Rhythmus neue Herausforderungen oder Schwierigkeitsgrade freigeschaltet.
Die teuflischen Übungen bestehen aus:
- „Konzentrationstest“ (Merkübungen)
- „Diabolisches Training“ (lösungsorientierte Übungen)
- „Diabolisches Zusatztraining“ (schwerere Übungen mit Merkaufgaben)
- „Gehirnjogging“ (ähnlich den alten DS-Teilen)
- „Entspannung“ (Tetris, Sudoku)
Zudem gibt es Archive und Urkunden anzusehen. Über allem schwebt das „leistungsbasierte Stufensystem“. Wenn die gestellten Aufgaben zu leicht werden, regelt das Spiel automatisch die Schwierigkeit hoch, und umgekehrt. Dadurch wird der Langzeitwert erhöht und Defizite werden erkennbar. Alle Herausforderungen werden zu Anfang ausführlich mit Beispielen erklärt, und zur Not kann man die Übungen auch abbrechen.
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Der Grafikstil hat sich gegenüber dem Vorgänger gewandelt. Dank der Systempower des 3DS werden Grafiken schärfer dargestellt. Das 3D-Modell von Dr. Kawashima lässt Emotionen erkennen und kann dadurch kleine Gags zündend vortragen. Die Synchronstimme von Antonio Banderas, Bernd Vollbrecht, trägt ebenfalls zur Unterhaltung bei.
Spielmodi im Detail
Das Spiel bietet vier Profile, sodass mehrere Personen ihren Fortschritt eintragen und abspeichern können. Alle Spieler können nach Lust und Laune vorgehen, ohne Druck zu verspüren. Das Ziel, besser zu werden, soll die Spieler täglich zu Dr. Kawashimas diabolischem Gehirn-Jogging greifen lassen.
Diabolisches Training
Das Diabolische Training sollte täglich absolviert werden. Hier erwarten die Spieler altbekannte Aufgaben wie Rechnen und Memory, jedoch mit einem Haken. Das Diabolische Rechentraining lässt die Spieler nicht einfach nur rechnen, sondern sie müssen sich die Ergebnisse der vorherigen Rechenvorgänge merken und diese dann eintragen. Bei „1-Zurück“ muss das Ergebnis der vorherigen Rechnung eingetragen werden, und bei „2-Zurück“ das Ergebnis vor der letzten Rechnung.
Diabolisches Zusatztraining
Beim Diabolischen Zusatztraining können die Spieler ihre Fähigkeiten weiter trainieren, beispielsweise mit dem bekannten Standard-Rechnen. Auch die Punkte Gehirnjogging und Entspannungsübungen sind enthalten. Via StreetPass können Trainingspartner gesucht und sich gegenseitig motiviert werden.
Frustig-lustig: Das Training am Limit
Der Sinn des Diabolischen Trainings ist es, die Spieler ständig an ihrem Limit zu trainieren. Bei einem Score von 85 % oder höher steigt die Stufe, bei weniger als 65 % sinkt sie. So soll gewährleistet werden, dass die Spieler zu jeder Zeit ausreichend gefordert sind. Es wird empfohlen, jeden Tag zumindest ein fünfminütiges Training zu absolvieren, wobei mehrere Games für Abwechslung sorgen.
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Diabolisches Zahlenmerken lässt die Spieler zwischen den Zahlen untergehen. Diabolische Paarsuche ist ein Memory-Game, das Minuspunkte vergibt, sobald eine Karte zweimal umgedreht wurde. Die Diabolische Mäusejagd ist eine Art Memory, bei der die Karten langsam verschoben werden. Mit diesem Hütchenspiel-Twist fühlen sich fünf Minuten lang an.
Je länger Dr. Kawashimas diabolisches Gehirn-Jogging gespielt wird, desto mehr Übungen werden freigeschaltet. Nach zehn trainierten Tagen stehen acht Übungen im Diabolischen Training zur Verfügung, nach 35 Tagen neun Übungen im Diabolischen Zusatztraining und nach 40 Tagen ebenso neun Übungen im Gehirnjogging. Nach zwei Wochen können drei Entspannungsübungen vorgenommen werden.
Stärken und Schwächen
Das eigentliche Training in Dr. Kawashimas diabolischem Gehirn-Jogging dauert nicht lange, es sei denn, man spielt täglich alle Möglichkeiten durch. Der Zeitfresser ist jedoch der Professor selbst, der gerne über das Gehirn referiert und Tutorials langatmig vermittelt. Wer schnelle Rätsel-Action sucht, ist hier möglicherweise falsch.
Die Minispiele wie Erobern, Fett weg! und dergleichen sind eine gelungene Ablenkung zum harten Training. Da man sich pro Trainingstag immer etwas Neues erspielt, wird Dr. Kawashimas diabolisches Gehirn-Jogging nicht so schnell langweilig. Der Titel versucht, verschiedenste Reize zu setzen, damit die Spieler täglich wiederkommen.
Es können Urkunden für verschiedene Leistungen gesammelt werden, beispielsweise für das Anlegen eines zweiten Profils, hohe Scores oder besondere Umstände. Wer sich täglich selbst fordern möchte und Freude daran hat, den Highscore zu knacken, sollte sich Dr. Kawashimas diabolisches Gehirn-Jogging ansehen.
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Motivation und Spielspaß
Nach der Demoversion schätzt das Spiel das Alter des Spielers oft höher ein, was die Motivation steigern kann. Das tägliche Abarbeiten verschiedener Aufgaben soll die kognitiven Fähigkeiten stärken, sodass man sich besser bei Sport und Arbeit konzentrieren und Dinge leichter lernen kann. Zudem gibt es Seminare über das Gehirn und andere Themen.
Einen rechten Spielspaßfaktor gibt es hierbei nicht, da Dr. Kawashimas diabolisches Gehirn-Jogging eher als Tool denn als Spiel zu sehen ist. Die technische Umsetzung ist einwandfrei, und man stößt oft an seine Grenzen. Wer diesen Frust überwinden kann, kann mit Dr. Kawashimas diabolischem Gehirn-Jogging langfristig Freude haben.
Konzentrationstraining im Fokus
Im ersten Dr.-Kawashima-Teil für den Nintendo 3DS dreht sich alles um Konzentrationstraining und hilfreiche Übungen für das Arbeitsgedächtnis. Dieses wird genutzt, um alltägliche Aufgaben wie das Folgen eines Gespräches, das Durchführen von Schritten eines Kochrezeptes oder Tätigkeiten im Sport oder bei der Arbeit durchzuführen. Die Ablenkungen der heutigen Umgebung erschweren es, sich zu konzentrieren.
Diabolisches Zahlenmerken
Bei dieser Aufgabe gilt es, einfache Additionen und Subtraktionen zu lösen. Das Ergebnis wird jedoch nicht sofort eingetragen, sondern erst, wenn die nächste Aufgabe erscheint und die vorherige unkenntlich gemacht wird. Anfangs ist dies relativ einfach, wird aber schwieriger, wenn man erst nach zwei oder drei Aufgaben die Ergebnisse eintragen darf.
Diabolisches Symbolemerken
Ähnlich verhält es sich beim Diabolischen Symbolemerken, nur dass die Matheaufgaben durch ein zu merkendes Symbol ersetzt werden, das schließlich aus drei auf dem Touchscreen angezeigten Symbolen ausgewählt werden muss. Auch andere Aufgaben wie Memory oder eine Abwandlung des Hütchenspiels fordern die Konzentration.
Zusätzliche Herausforderungen
Zusätzliche Herausforderungen bieten das Diabolische Zusatztraining und das altbekannte Gehirn-Jogging. Aufgaben wie zwanzig Rechnungen möglichst schnell zu lösen, Wörter aus dem Gedächtnis aufschreiben oder gegnerische Zahlen rechtzeitig durch Lösen einfacher Additionen zu besiegen, bringen Abwechslung mit sich. Die Disziplinen des Gehirn-Joggings fallen mit Klondike-Patience, Solitär oder dem Erobern von Feldern gegen Dr. Kawashima spielerischer aus. Dennoch handelt es sich mehr um eine Lernsoftware als um ein echtes Spiel. Viele Disziplinen sind darauf ausgelegt, nur einmal am Tag absolviert zu werden.
Auflockerung und Präsentation
Auflockerung in spielerischer Hinsicht erhält Dr. Kawashimas diabolisches Gehirn-Jogging durch die beiden an Tetris oder Dr. Mario angelehnten Entspannungsspiele Fett weg! und Bazillenjagd. Die Präsentation ist eher einfach gehalten, wobei das in 3D animierte Gesicht des Aufgabenstellers hervorsticht. Die weißen Eingabeflächen sind nicht negativ, da dies bei einem Konzentrationstraining zu erwarten war. Wahlweise können Dr. Kawashimas Gesicht und seine Stimme deaktiviert werden. Die Schrifterkennung über den Touchscreen wurde seit den beiden DS-Vorgängern deutlich verbessert.
Das diabolische Training im Detail
Das diabolische Training soll das Arbeitsgedächtnis ansprechen. Betritt man diesen Bereich, zeigt Dr. Kawashima sein wahres Gesicht: Seine Haut färbt sich rot, zwei Hörner ragen aus seinem Schädel. Allerdings handelt es sich um kein Horror-Spiel. Der Schwierigkeitsgrad passt sich den Fähigkeiten des Spielers an. Jede Übung besteht aus verschiedenen Stufen. Bei Erfolg steigt der Schwierigkeitsgrad, bei Misserfolg wird es leichter. Auf diese Weise trainiert man immer am persönlichen Limit.
Diabolisches Zahlenmerken
Hier wird eine Reihe einfacher Rechenaufgaben gestellt. Das Besondere ist, dass man das Ergebnis nicht sofort auf den Touchscreen schreibt, sondern erst dann, wenn bereits die nächste Aufgabe zu sehen ist. Man rechnet also schon eine neue Aufgabe aus, muss aber gleichzeitig das alte Ergebnis im Kopf behalten und notieren. Seid ihr erfolgreich, erhöht sich die Schwierigkeit entweder durch die Geschwindigkeit, mit der neue Aufgaben auftauchen, oder durch die Anzahl an Aufgaben, die man zurückdenken muss.
Diabolisches Hütchenspiel
Hier muss man sich merken, unter welchem Hütchen sich ein Gegenstand verbirgt. Je nach Schwierigkeitsgrad muss man sich nicht nur ein, sondern zwei, drei oder mehr Hütchen merken und sie am Ende auch noch in der richtigen Reihenfolge aufdecken.
Diabolisches Vorlesen
Hier spricht man laut Texte in das Mikrofon des Nintendo 3DS, muss sich dabei markierte Wörter merken und diese anschließend wieder notieren.
Beschleunigung des Arbeitsgedächtnisses
Im diabolischen Zusatztraining gibt es weitere Herausforderungen. Hier kann jede Übung auch ein weiteres Mal am Tag durchgeführt werden. Beispielsweise gibt es die Abwehrrechnung, bei der man auf sich zukommende Additionsaufgaben abwehrt. Bei der Wortrallye wird für den Bruchteil einer Sekunde ein Wort eingeblendet, das man fehlerfrei aufschreiben muss. Bei der Übung Multiplikator werden verschiedene Zahlen angezeigt, die man hinsichtlich bestimmter Bedingungen bewerten soll.
Klassisches Gehirn-Jogging
In diesem Bereich verzichtet Dr. Kawashima auf den diabolischen Zusatz und präsentiert klassisches Gehirn-Jogging. Beispielsweise kann man sich an Kartenspielen wie Klondike-Patience oder Spider-Patience versuchen. Beim Spiel Erobern sind man und der Gegner abwechselnd am Zug und dürfen jeweils ein Feld auf einem Spielbrett weiterhüpfen. Beim Pianospieler muss man fast wie bei Guitar Hero die richtigen Noten treffen.
Entspannung
Nach dem ganzen hochkonzentrierten Üben tut etwas Entspannung gut. Hierfür bietet der Herr Doktor drei Spiele zur Auswahl. Ein unterhaltsames Puzzlespiel nennt sich Fett weg! Dabei steuert man mit dem Touchpen Bomben und Fettzellen. Tetris-artig fallen diese von oben herab und müssen aufgelöst werden, indem mindestens drei gleichfarbige in einer Reihe platziert werden. Bazillenjagd ist an Dr. Mario angelehnt.
Konzentrationstest
Der Konzentrationstest wird wie eine Übung des diabolischen Trainings nur einmal täglich durchgeführt. Ähnlich wie beim Zahlenmerken muss man sich an etwas zuvor Gesehenes erinnern und erst später notieren. Die Besonderheit ist, dass man versuchen muss, für eine möglichst lange Zeitspanne konzentriert zu bleiben. Beim ersten Fehler ist die Übung beendet.
Dr. Kawashimas Archiv
Dort findet man Auszeichnungen, die man für sein Training erhält. Beim Punkt Platzierung und Grafik kann man seine Leistungen im Detail analysieren. Im Trainingskalender sieht man, an welchen Tagen man Dr. Kawashimas diabolisches Gehirn-Jogging durchgeführt hat. Zuletzt sei noch die Kategorie Wissenswertes genannt, in der man einige Hintergrundinformationen aufrufen kann, die Dr. Kawashima einem gerne zu Beginn des Trainingstages mitteilt.
Kritik und Fazit
Die Trainings-Software von Dr. Kawashima wurde schon zu Zeiten des Nintendo DS kritisch diskutiert. Im Zentrum steht die Frage, ob sich Leistungssteigerungen nur im Spiel selbst bemerkbar machen oder ob sie tatsächlich auch Auswirkungen auf andere Herausforderungen im Leben haben können. Schaden wird das Training sicher nicht, und vielleicht helfen die Trainingsdaten ja dabei, mehr über die Auswirkungen von Gehirn-Jogging auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns herauszufinden.
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