Multiple Sklerose: Gefährliche Risse und Ursachen von Sehstörungen

Sehstörungen sind Veränderungen der optischen Wahrnehmung, die vielfältige Ursachen haben können. Diese reichen von direkten Augenerkrankungen über neurologische Störungen bis hin zu Hirntumoren. Auch körperliche Probleme wie Stress, Migräne oder Verspannungen im Nackenbereich können Sehstörungen auslösen. Es ist wichtig, die verschiedenen Arten von Sehstörungen und ihre möglichen Ursachen zu kennen, um rechtzeitig einen Arzt aufsuchen und geeignete Behandlungen einleiten zu können.

Vielfalt der Sehstörungen und ihre Symptome

Sehstörungen manifestieren sich durch unterschiedliche Symptome. Dazu gehören Lichtblitze, bunte Zacken, Flimmern oder Nebel vor den Augen. Auch das Sehen von Doppelbildern, verschwommenes Sehen oder Gesichtsfeldausfälle können auf eine Sehstörung hinweisen. Die Veränderungen können plötzlich oder schleichend auftreten und ein oder beide Augen betreffen.

Dr. med. Daniel Bányai, der an Augenlaserstandorten in Karlsruhe und Stuttgart tätig ist, beschäftigt sich täglich mit Sehstörungen und betont, dass diese oft Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein können, die sofort behandelt werden muss.

Ursachen von Sehstörungen

Die Ursachen für Sehstörungen sind vielfältig. Kreislaufprobleme oder Stress können vorübergehende Sehstörungen verursachen. Auch während der Schwangerschaft kann sich das Sehvermögen verändern. Plötzliche Sehstörungen können durch Migräne ausgelöst werden und von Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel begleitet sein. Starke Nackenverspannungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten sind ebenfalls mögliche Ursachen.

Im Folgenden werden einige spezifische Arten von Sehstörungen und ihre Ursachen näher erläutert:

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1. Nachtblindheit (Nyktalopie)

Menschen mit Nachtblindheit sehen in der Dunkelheit wenig oder gar nichts. Dies wird durch eine Fehlfunktion der Lichtsinneszellen in der Netzhaut verursacht. In manchen Fällen kann eine vererbte Augenkrankheit (Retinitis pigmentosa) dahinter stecken, ein Gendefekt, der die Sehkraft schleichend verschlechtert. Auch eine Netzhautablösung kann sich durch Nachtblindheit bemerkbar machen.

2. Photopsie (Lichterscheinungen)

Das Sehen von bunten Zacken, Lichtblitzen oder Augenflimmern wird als Photopsie bezeichnet. Diese Lichterscheinungen treten häufig bei Migräne oder Epilepsie auf. Auch eine Augenmigräne kann solche Phänomene auslösen. Plötzliche Sehstörungen verschwinden in der Regel von selbst. Wenn nicht, sollte man umgehend einen Augenarzt aufsuchen, da eine Netzhautablösung oder eine Glaskörperabhebung vorliegen könnte.

3. Doppelbilder (Diplopie)

Doppelbilder können durch Augenerkrankungen oder andere Krankheiten verursacht werden. Eine Störung der Augenmuskeln, bestimmter Hirnnerven oder die Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose sind mögliche Ursachen.

4. Farbfehlsichtigkeit (Farbschwäche, Farbenblindheit)

Eine Farbschwäche oder Farbenblindheit entsteht durch eine Fehlfunktion der Zapfen, den für das Farbensehen zuständigen Zellen in der Netzhaut. Bei einer Farbschwäche werden bestimmte Farben schlechter wahrgenommen oder verwechselt. Bei Farbenblindheit fehlen bestimmte Zapfentypen, sodass Betroffene bestimmte Farben gar nicht mehr sehen können. In seltenen Fällen können Krankheiten wie Grüner Star, Alzheimer oder Diabetes die Ursache sein.

5. Gesichtsfeldausfälle (Skotome)

Bei Gesichtsfeldausfällen nehmen Betroffene eine Einschränkung des Gesichtsfeldes und eine Verschlechterung der Sehschärfe wahr. Wenn die Ränder betroffen sind, spricht man von einem Tunnelblick. Auslöser können Erkrankungen wie Grüner Star (Glaukom), altersbedingte Makuladegeneration, eine Sehnervenentzündung oder Netzhautschäden sein.

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6. Rußregen

Das Sehen von vielen kleinen schwarzen Punkten, Lichtblitzen oder großen schwarzen Flecken vor den Augen wird als Rußregen bezeichnet. Die Ursache kann ein Riss in der Netzhaut sein, bei dem sich der Glaskörper von der Netzhaut löst und diese einreißt.

7. Verschwommenes Sehen

Verschwommenes Sehen hat unterschiedliche Ursachen. Wahrscheinlich sind die Augen überanstrengt oder es liegt eine Fehlsichtigkeit (Kurzsichtigkeit/Weitsichtigkeit) vor.

8. Mouches volantes (Fliegende Mücken)

Punkte und kleine Fäden vor dem Auge werden als fliegende Mücken bezeichnet. Der Grund ist eine Trübung des Glaskörpers, die meist harmlos ist. Bei starker Beeinträchtigung des Sehvermögens könnte eine Abhebung des Glaskörpers oder eine Netzhautablösung vorliegen.

9. Sterne sehen

Das Sehen von Sternen untertags kann auf einen zu niedrigen Blutdruck hindeuten. Dabei gelangt nicht genug sauerstoffreiches Blut in das Gehirn, was dazu führt, dass die Netzhaut die Lichtreize nicht mehr richtig verarbeiten kann.

10. Blindheit (Amaurose)

Blindheit kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens entstehen. Das Sehvermögen fehlt vollständig. Häufig folgt die Blindheit auf eine Makuladegeneration, bei der die Netzhaut geschädigt ist.

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Weitere Ursachen und Risikofaktoren

Neben den genannten spezifischen Ursachen gibt es weitere Faktoren, die Sehstörungen begünstigen können:

  • Augenerkrankungen: Verschiedene Augenerkrankungen wie Grüner Star (Glaukom), Grauer Star (Katarakt), Makuladegeneration oder Netzhautablösung können Sehstörungen verursachen.
  • Innere und neurologische Erkrankungen: Krankheiten wie Diabetes, Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Migräne können das Sehvermögen beeinträchtigen.
  • Kopfverletzungen, Medikamente und Vergiftungen: Auch äußere Einflüsse wie Kopfverletzungen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder Vergiftungen können Sehstörungen auslösen.
  • Überanstrengung und Kreislaufschwäche: Weniger dramatische Gründe für Sehstörungen sind überanstrengte Augen oder eine Kreislaufschwäche.
  • Alter: Im Alter sind Sehstörungen üblich, da ältere Menschen vermehrt unter diversen Krankheiten leiden und Medikamente einnehmen müssen.
  • Fehlsichtigkeiten: Viele Menschen haben eine Sehschwäche in Form einer Fehlsichtigkeit, wie beispielsweise eine Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit.

Multiple Sklerose und Sehstörungen

Die Nervenerkrankung Multiple Sklerose (MS) geht häufig mit Sehstörungen einher, die oft das erste Krankheitszeichen sind. Betroffene sehen unscharf, verschwommen oder nehmen Doppelbilder wahr. Diese Sehstörungen werden durch Entzündungen des Sehnervs (Neuritis nervi optici) verursacht, die bei MS auftreten können.

Diagnose von Sehstörungen

Um die Ursache von Sehstörungen zu ermitteln, ist eine umfassende augenärztliche Diagnostik erforderlich. Diese umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten nach seiner Krankengeschichte und den genauen Symptomen.
  • Spaltlampenuntersuchung: Mit einer Spaltlampe kann der Augenarzt Erkrankungen des vorderen Augenabschnitts aufdecken.
  • Augenspiegelung (Ophthalmoskopie): Mittels Augenspiegelung lässt sich der Hintergrund der Augen untersuchen.
  • Angiografie: Bei dieser Untersuchung werden die Gefäße in der Netzhaut und der Aderhaut durch Farbstoffe auf Bildern sichtbar gemacht.
  • Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie): Bei dieser Untersuchung wird das Gesichtsfeld des Patienten überprüft, um Gesichtsfeldausfälle zu erkennen.
  • Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen wie eine optische Kohärenztomografie (OCT), eine Elektroretinografie (ERG) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns erforderlich sein.

Einseitige Sehstörungen

Treten Sehstörungen nur auf einem Auge auf, spricht man von einer einseitigen oder monokularen Sehstörung. Diese kann sich durch unscharfes Sehen, Flimmern, Schatten oder sogar plötzlichen Sehverlust bemerkbar machen. Die Ursachen sind vielfältig: Häufig steckt eine Erkrankung der Netzhaut dahinter. Auch eine Hornhautverkrümmung oder der Graue Star können zu einseitigen Beschwerden führen.

Plötzliche Sehstörungen auf einem Auge sind immer ein Warnsignal und sollten umgehend augenärztlich abgeklärt werden - besonders dann, wenn sie von Lichtblitzen, Gesichtsfeldausfällen oder Schmerzen begleitet werden.

Behandlung von Sehstörungen

Die Behandlung von Sehstörungen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei Entzündungen können Medikamente helfen. Fehlsichtigkeiten können mit Brillen, Kontaktlinsen oder einer Augenlaserbehandlung korrigiert werden. Bei Gesichtsfeldausfällen aufgrund eines Schlaganfalls oder einer Hirnverletzung können spezielle Therapieformen wie das visuelle Explorationstraining (VET) oder die visuelle Restitutionstherapie (VRT) angewendet werden.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten umfassen:

  • Medikamentöse Therapie: Je nach Ursache können Medikamente zur Behandlung von Entzündungen, Infektionen oder anderen Erkrankungen eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Bei Sehstörungen, die durch Nackenverspannungen verursacht werden, kann Physiotherapie helfen, die Muskeln zu entspannen und die Durchblutung zu verbessern.
  • Entspannungstherapie: Stress kann Sehstörungen verstärken. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und die Symptome zu lindern.
  • Psychologische Therapien: In manchen Fällen können psychologische Faktoren wie Angst oder Depressionen eine Rolle bei Sehstörungen spielen. Eine psychologische Therapie kann helfen, diese Faktoren zu bewältigen.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag trotz Sehstörungen besser zu bewältigen.

Vorbeugung und Tipps für gesunde Augen

Obwohl nicht alle Sehstörungen vermeidbar sind, gibt es einige Maßnahmen, die man ergreifen kann, um die Augengesundheit zu erhalten und das Risiko von Sehstörungen zu reduzieren:

  • Regelmäßige Augenuntersuchungen: Lassen Sie Ihre Augen regelmäßig von einem Augenarzt untersuchen, um mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die BVA (Berufsverband der Augenärzte Deutschlands) gab an, dass 60 Prozent der Sehschwächen bei Kindern zu spät erkannt und behandelt werden.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse ist wichtig für die Augengesundheit.
  • Ausreichend Schlaf: Schlafmangel kann zu überanstrengten Augen und Sehstörungen führen. Achten Sie auf ausreichend Schlaf.
  • Augen entspannen: Legen Sie zwischendurch die Hände auf die Augen, wenn Sie viel Bildschirmarbeit verrichten.
  • Frische Luft: Heizungsluft begünstigt trockene Augen, die wiederum zu Entzündungen führen können. Sorgen Sie für ausreichend frische Luft und Luftfeuchtigkeit.
  • Sonnenschutz: Tragen Sie bei starker Sonneneinstrahlung eine Sonnenbrille, um Ihre Augen vor schädlicher UV-Strahlung zu schützen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es gibt einige Warnzeichen, bei denen man sofort einen Arzt aufsuchen sollte:

  • Plötzliche Sehstörungen: Eine abrupte Verschlechterung des Sehvermögens oder Doppelbilder sollten umgehend abgeklärt werden.
  • Lichtblitze, Farbringe oder Rußregen: Diese Symptome können auf eine Netzhautablösung oder andere ernsthafte Augenerkrankungen hinweisen.
  • Sehstörungen in Verbindung mit Kopfschmerzen oder Übelkeit: Diese Kombination kann auf eine Migräne oder andere neurologische Probleme hindeuten.

Darmverschluss (Ileus) als mögliche Komplikation

Ein Darmverschluss (Ileus) ist eine ernsthafte Erkrankung, bei der der Darm den Stuhlgang nicht mehr aus dem Körper befördern kann. Dies kann lebensbedrohliche Folgen haben und erfordert eine sofortige Behandlung im Krankenhaus. Ein Darmverschluss kann in seltenen Fällen auch indirekt mit Sehstörungen in Verbindung stehen, beispielsweise wenn er durch eine Grunderkrankung verursacht wird, die auch das Sehvermögen beeinträchtigt.

Viren als mögliche Ursache von Erkrankungen

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Viren bei einer Vielzahl von Erkrankungen eine Rolle spielen können, die bisher nicht als infektiös galten. So gibt es Hinweise darauf, dass Herpesviren bei der Entstehung von Bandscheibenvorfällen beteiligt sein könnten. Auch Übergewicht, Depressionen, Schizophrenie, Parkinson und Alzheimer werden mit Virusinfektionen in Verbindung gebracht. Es ist wichtig zu beachten, dass Viren in den meisten Fällen nur eine von mehreren Ursachen für eine Erkrankung sind und dass weitere Faktoren wie genetische Veranlagung, Lebensstil und Umweltbedingungen ebenfalls eine Rolle spielen.

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