Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Neuronen im Gehirn gekennzeichnet ist. Die Krankheit manifestiert sich nicht nur durch motorische Symptome wie Zittern, Steifheit und verlangsamte Bewegungen, sondern auch durch eine Vielzahl von nicht-motorischen Symptomen, die oft übersehen werden. Die Behandlung von Parkinson ist komplex und erfordert eine individuelle Anpassung der Therapie an den jeweiligen Krankheitsverlauf und die spezifischen Bedürfnisse des Patienten. Neueste Studien untersuchen innovative Therapieansätze und die Auswirkungen von Begleiterkrankungen und Ernährungsfaktoren auf den Verlauf der Parkinson-Krankheit.
Aktuelle Studien im Überblick
Verschiedene Studien widmen sich der Erforschung neuer Therapieansätze und der Verbesserung der Lebensqualität von Parkinson-Patienten. Einige bemerkenswerte Studien werden im Folgenden vorgestellt:
ROSSINI Studie: Langzeiteffektivität von ABBV-951
Die ROSSINI-Studie ist eine globale Real-World-Evidence-Studie, die die Langzeiteffektivität des Medikaments ABBV-951 bei Patienten mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson in der klinischen Standardpraxis untersucht. ABBV-951, bestehend aus den Wirkstoffen Foscarbidopa und Foslevodopa, ist eine leicht lösliche Formulierung der Prodrugs Levodopa/Carbidopa, die mittels kontinuierlicher subkutaner Infusion (CSCI) über 24 Stunden verabreicht wird.
Hintergrund: Patienten mit fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung und motorischen Komplikationen (Off-Phasen, Dyskinesien) benötigen einen Therapieansatz, der auf ihre individuellen Bedürfnisse und ihr Ansprechen auf Levodopa zugeschnitten ist. ABBV-951 könnte eine Alternative für Patienten sein, deren motorische Komplikationen mit ihrer derzeitigen Behandlung nur unzureichend kontrolliert werden.
Ablauf: Über einen Zeitraum von drei Jahren werden Informationen zu Parkinson-Symptomen, Aktivitäten des täglichen Lebens, Krankheitsprogression und Schlafqualität erfasst. Die Teilnahme umfasst bis zu zehn Studienbesuche.
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Voraussetzungen: Eine fortgeschrittene Parkinson-Erkrankung, die mit ABBV-951 gemäß der Fachinformation und den lokalen Erstattungsregelungen behandelt wird.
Bluerock Therapeutics: Zelltherapie Bemdaneprocel
Die Bayer-Tochter Bluerock Therapeutics plant, im ersten Halbjahr 2025 eine zulassungsrelevante Phase-III-Studie zur Behandlung der Parkinson-Krankheit mit der Zelltherapie Bemdaneprocel zu starten.
Ziel: Die klinische Studie soll die Veränderung der Zeitdauer untersuchen, die Patienten ohne störende Dyskinesien verbringen können.
Funktionsweise: Bemdaneprocel soll Dopamin-produzierende Neuronen ersetzen, die bei der Parkinson-Krankheit verloren gehen. Diese dopaminergen Neuronen werden aus pluripotenten Stammzellen (PSC) gewonnen.
Bisherige Ergebnisse: In der Phase-I-Studie wurde die Sicherheit der Zelltherapie Bemdaneprocel untersucht. Die Patienten vertrugen das Mittel gut, und die transplantierten Zellen überlebten und wuchsen nach dem Absetzen der 12-monatigen Immunsuppression im Gehirn weiter an.
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AskBio: Gentherapie AB-1005
Die Bayer-Tochter AskBio forscht ebenfalls an einer Parkinson-Therapie auf Basis einer Gentherapie. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat dem Gentherapie-Kandidaten AB-1005 von AskBio den sogenannten Fast-Track-Status verliehen.
Fast-Track-Status: Dieser Status wird bei schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungen vergeben, in denen ein dringender Bedarf an neuen Therapien besteht.
Ernährungsstudie: Einfluss von Ernährungsberatung
Eine weitere Studie untersucht, inwieweit Menschen mit Parkinson-Krankheit von Ernährungsberatung und einer speziellen Ernährung profitieren.
Ziel: Es soll herausgefunden werden, ob eine Ernährungsumstellung dazu führt, dass Patienten mehr Muskeln aufbauen und sich besser fühlen. Untersucht werden auch die Auswirkungen auf Verdauungsprobleme und Schlaf.
Grundlage: Die Studie basiert auf den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin und der Richtlinie für Ernährung bei einer Parkinsonkrankheit der Michael J. Fox Foundation sowie der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN).
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Dialyse und Parkinson: Ein möglicher Zusammenhang
Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Parkinson seinen Ursprung nicht ausschließlich im Gehirn hat. Eine Studie an Mausmodellen zeigte, dass die Injektion von α-Synuklein-Fibrillen in die Niere Veränderungen im Gehirn auslösen kann. Dies legt nahe, dass Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen möglicherweise ein erhöhtes Risiko haben, an Parkinson zu erkranken.
Vitamin-D-Therapie und Hyperkalzämie bei Niereninsuffizienz
Es wurden Fallberichte vorgestellt, bei denen es durch eine vermeintlich "harmlose Vitamintherapie" mit in Internet erworbenen Vitamin-D-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln zu einer Hyperkalzämie (zu viel Kalzium im Blut) mit schweren gesundheitlichen Schäden gekommen war.
Fallbeispiele: Eine 78-jährige Patientin und ein 60-jähriger Patient entwickelten ein akutes Nierenversagen bei ausgeprägter Hyperkalzämie nach Einnahme hoher Dosen von Vitamin D. Patient B entwickelte schwere Komplikationen und eine dialysepflichtige Niereninsuffizienz.
Bedeutung: Diese Fälle verdeutlichen die Notwendigkeit einer ärztlichen Aufsicht und Kontrolle des Vitamin-D-Spiegels bei der Therapie mit Vitamin-D-Präparaten, insbesondere bei Patienten mit Nierenerkrankungen.
Fischöl und kardiovaskuläre Ereignisse bei Dialysepatienten
Eine Studie untersuchte die kardioprotektive Wirkung von Fischöl bei dialysepflichtigen Personen.
Ergebnisse: In der PISCES-Studie erhielten Dialyse-Patienten randomisiert entweder Fischöl oder Maisöl (Placebo). Das Risiko für den primären Endpunkt (Herztod, Myokardinfarkt, pAVK-bedingte Amputationen oder Schlaganfall) wurde in der Fischöl-Gruppe über 3,5 Jahre signifikant um 43 % gesenkt.
Schlussfolgerung: Fischöl könnte für die Hochrisikogruppe der dialysepflichtigen Personen von Vorteil sein.
Pharmazeutische Betreuung von Parkinson-Patienten
Parkinson-Patienten stellen aufgrund ihres meist hohen Alters, des komplexen Krankheitsbildes und der Vielzahl an Medikamenten eine besondere Zielgruppe für die pharmazeutische Betreuung dar.
Nicht-motorische Symptome
Viele Parkinson-Patienten leiden unter nicht-motorischen Symptomen, die oft nicht erkannt und behandelt werden. Diese Symptome können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Beispiele:
- Kognitive Defizite bis hin zur Demenz
- Psychotische Symptome
- Orthostatische Hypotonie
- Störungen der Magenentleerung
- Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen
- Blasenfunktionsstörungen
- Darmträgheit und Obstipation
Arzneimittelbezogene Probleme (ABP)
Eine Studie der Charité Berlin zur pharmazeutischen Betreuung von Parkinson-Patienten deckte zahlreiche arzneimittelbezogene Probleme auf. Etwa die Hälfte der Probleme wurde durch die Medikation verursacht.
Häufigste ABP:
- Fehlende Behandlung nicht-motorischer Symptome
- Nebenwirkungen der Parkinson-Medikation
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Optimierung der Therapie
Durch eine optimierte Therapie und eine gute pharmazeutische Begleitung kann die Lebensqualität von Parkinson-Patienten deutlich verbessert werden.
Maßnahmen:
- Gezielte Fragen nach nicht-motorischen Beschwerden
- Anpassung der Medikation an den Krankheitsverlauf
- Information über die richtige Einnahme der Medikamente
- Beratung zu Verhaltensweisen und OTC-Präparaten zur Linderung von Beschwerden
- Kooperation mit dem Arzt
Levodopa-Therapie
Levodopa ist das wirksamste Medikament bei Morbus Parkinson. Allerdings kann es zu Therapiebeginn zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Nach einigen Jahren der Therapie lässt die Wirkung von Levodopa spürbar nach (Wearing-off).
Maßnahmen bei Wearing-off:
- Erhöhung der Zahl der Levodopa-Dosen bei gleichzeitiger Reduktion der Einzeldosis
- Kombination verschiedener galenischer Zubereitungen
- Kombination mit anderen Parkinson-Medikamenten (MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer, Dopaminagonisten)
Dopaminagonisten
Dopaminagonisten eignen sich sowohl für die frühe Kombinationstherapie mit Levodopa als auch für die initiale Behandlung des Morbus Parkinson in Monotherapie.
Nebenwirkungen: Dopaminerge Nebenwirkungen wie Ödeme, psychotische Zustände, Blutdrucksenkung, Schwindel, Übelkeit und Abdominalschmerzen treten häufiger auf als bei Levodopa.
Impulskontrollstörungen: Unter Dopaminagonisten können unkontrolliertes zwanghaftes Verhalten wie Spielsucht, Hypersexualität oder exzessives Shopping auftreten.
Rotigotin-Pflaster
Die Anwendung des Dopaminagonisten Rotigotin als Therapeutisches System (TTS, »Pflaster«) ist relativ kompliziert und erfordert eine intensive Beratung durch das Apothekenteam.