Mikrovaskuläre Demyelinisierung: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Die mikrovaskuläre Demyelinisierung ist ein komplexes Thema, das verschiedene neurologische Erkrankungen betrifft. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze im Zusammenhang mit mikrovaskulärer Demyelinisierung, wobei ein besonderer Fokus auf die Trigeminusneuralgie und den Hemispasmus facialis gelegt wird.

Einführung

Die Demyelinisierung, also die Schädigung der Myelinscheiden, die Nervenfasern umhüllen, kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden. Mikrovaskuläre Schäden, Entzündungen und Autoimmunprozesse spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Kenntnis der zugrunde liegenden Mechanismen ist entscheidend für eine effektive Diagnose und Therapie.

Trigeminusneuralgie: Ursachen und Symptome

Die Trigeminusneuralgie ist eine seltene, aber sehr schmerzhafte Erkrankung, die durch blitzartig einschießende Schmerzattacken im Gesicht gekennzeichnet ist. Die Schmerzen betreffen den Hautbereich, der vom Trigeminusnerv versorgt wird, welcher für die Sensibilität im Gesicht zuständig ist.

Ursachen

  • Klassische Trigeminusneuralgie: In den meisten Fällen wird die Trigeminusneuralgie durch ein Blutgefäß verursacht, das auf den Trigeminusnerv drückt. Meist handelt es sich um die Arteria cerebelli superior ("obere Kleinhirn-Arterie"), die die Nervenwurzel komprimiert oder zur Seite drängt. Auch ein Gewebeschwund (Atrophie) ist in diesem Fall möglich. Durch den Druck des Blutgefäßes auf den Nerv am Austritt aus dem Hirnstamm kann es zu einer fokalen Demyelinisierung kommen, die unphysiologische Aktionspotenziale auslöst.
  • Sekundäre Trigeminusneuralgie: In etwa 10-15 % der Fälle wird die Trigeminusneuralgie durch eine Grunderkrankung verursacht. Mögliche Ursachen sind Tumoren im Kleinhirnbrückenwinkel, Multiple Sklerose oder lakunäre Hirnstamminfarkte. Auch Herpes zoster (Gürtelrose) kann eine sekundäre Trigeminusneuralgie auslösen. Schädigung der Myelinscheiden kann durch Hirnstamminfarkte und eine Multiple Sklerose entstehen.

Symptome

  • Schmerzattacken: Betroffene Personen leiden unter heftigen, einschießenden, stechenden, scharfen und blitzartigen Schmerzattacken im Gesicht. Der Schmerz setzt plötzlich ein und dauert meist zwischen einem Sekundenbruchteil und 2 Minuten. Einige Personen erleben bis zu etwa 100 Attacken am Tag.
  • Betroffene Bereiche: Meist ist der Wangen- und Kieferbereich betroffen, entsprechend den zwei unteren Ästen des Trigeminusnerven. Nur selten handelt es sich um Schmerzen im Bereich der Stirn.
  • Dauerschmerz: Einige Patient*innen leiden zusätzlich unter einem dumpfen, leichten Dauerschmerz im betroffenen Bereich.
  • Sensibilitätsstörungen: Bei einer sekundären Trigeminusneuralgie kann sich das Gefühlsempfinden ändern.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt meist anhand der typischen Beschwerden. Nach dem Arztgespräch werden Sie neurologisch untersucht. Die Untersuchung konzentriert sich besonders auf die Hirnnerven. Die Diagnose ist möglicherweise einfacher zu stellen, wenn die untersuchende Person eine Schmerzattacke beobachten kann. Hinweise für eine sekundäre Trigeminusneuralgie sind ein jüngeres Alter der betroffenen Person, beidseitige Schmerzen und frühzeitige Dauerschmerzen. Gleiches gilt für Empfindungsstörungen und bestimmte Hörstörungen. Eine Erkrankung des ersten Trigeminusastes ohne Beteiligung der anderen Äste ist ebenfalls auffällig.

  • MRT: Eine Magnetresonanztomografie (MRT) ist besonders wichtig, um die Ursache festzustellen und sekundäre Ursachen auszuschließen. Der Trigeminusnerv kann mit MRT hochaufgelöst dargestellt werden. Allerdings hat bis zu jede dritte gesunde Person ebenfalls einen Gefäß-Nerven-Kontakt im Bereich des Trigeminusnervs.
  • CT: Neben der MRT kann eine Computertomografie (CT) sinnvoll sein. Damit lassen sich z. B. Knochen und Blutgefäße gut darstellen. So wird vor einer Operation oft auch eine CT gemacht.
  • Elektrophysiologische Untersuchung: Denkbar ist in einigen Fällen eine elektrophysiologische Untersuchung. Dabei wird ein Muskeln mit einem leichten Stromstoß zum Zucken gebracht und seine Bewegung wird aufgezeichnet.

Therapie

  • Medikamentöse Therapie: Es gibt verschiedene mögliche Medikamente. Im Akutfall wird meist Phenytoin verwendet. Es wirkt bei der Mehrzahl der Patientinnen. Zur Langzeittherapie kann z. B. Carbamazepin verwendet werden. Studien haben ergeben, dass Carbamazepin bei den meisten Patientinnen gut wirkt. Als Langzeittherapie der zweiten Wahl kann Carbamazepin z. B. mit Gabapentin kombiniert werden.
  • Neurochirurgische Operation: Nicht immer genügt eine Behandlung mit Medikamenten. Dann sind andere Verfahren notwendig. Die Methode der Wahl ist in der Regel eine neurochirurgische Operation. Bei dem Eingriff legt der Chirurg bzw. die Chirurgin die Stelle frei, an der sich Nerv und Blutgefäß berühren. Der Kontakt wird aufgehoben, damit der Nerv nicht mehr komprimiert wird. Dann wird ein kleines Stück Material zwischen dem Nerv und dem Gefäß platziert. Diese Operation heißt mikrovaskuläre Dekompression. Andere Verfahren zielen darauf ab, einen Teil des Nervengewebes zu zerstören, z. B. am Ganglion trigeminale.

Hemispasmus facialis: Ursachen und Behandlung

Unter einem Hemispasmus facialis bzw. Spasmus hemifacialis versteht man unwillkürliche, plötzlich einschießende, einseitige tonisch-klonische Kontraktionen der Gesichtsmuskulatur.

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Ursachen

Ursache ist eine Kompression der Nervenaustrittszone des motorischen Gesichtsnerven am Hirnstamm durch eine Gefäßschlinge.

Diagnose

Beim Hemispasmus facialis ist die Kernspintomographie mit axialer und coronarer CISS-Sequenz (constructive interference in steady-state) die Untersuchung der Wahl. Diese Sequenz zeigt am besten, ob eine Nervenkompression durch eine Hirnschlagader vorliegt.

Therapie

  • Medikamentöse Behandlung: Zunächst wird eine medikamentöse Behandlung mit Antiepileptika ( z. B. Neurontin (Gabapentin) oder Tegretal (Carbamazepin) versucht.
  • Botulinumtoxin: Bei weiter bestehenden Spasmen kann Botox (Botulinustoxin) in die Gesichtsmuskulatur injiziert werden, um die Spasmen zu unterdrücken.
  • Mikrovaskuläre Dekompression: Ist die medikamentöse Behandlung erfolglos oder aufgrund ihrer Nebenwirkungen nicht tolerabel, bietet die neurochirurgische Behandlung ausgezeichnete Heilungschancen bei geringem operativen Risiko. Bei Nachweis einer Nervenkompression durch eine Gefäßschlinge ist die mikrovaskuläre Dekompression des Nerven die Therapie der Wahl. In Vollnarkose wird der Nervus facialis durch eine kleine Öffnung des Schädels hinter dem Ohr freigelegt, das komprimierende Gefäß von der Nervenwurzel gelöst und mit einer kleinen Teflon-Watte weggehalten, so dass der Nerv freiliegt.

Diabetische Polyneuropathie: Mikrovaskuläre Schäden und Demyelinisierung

Die diabetische Polyneuropathie (DPN) ist eine häufige Komplikation des Diabetes mellitus. Die Pathophysiologie ist komplex und beinhaltet mikrovaskuläre Schäden, metabolische Toxizität, oxidativen Stress und entzündliche Prozesse.

Ursachen

  • Mikroangiopathie: Eine Mikroangiopathie der Vasa nervorum, der kleinen Blutgefäße, die die Nerven versorgen, führt zu einer verminderten Blutversorgung und damit zu einem Sauerstoffmangel (Hypoxie) im Nervengewebe.
  • Metabolische Toxizität: Beim gestörten Glucose-Stoffwechsel entstehen toxische Nebenprodukte wie Sorbit und Fructose, die in den Nerven akkumulieren und eine direkte toxische Wirkung auf die Neuronen haben.
  • Entzündliche Prozesse: Chronische Hyperglykämie führt zur Bildung von advanced glycation end-products (AGE), die durch oxidative Mechanismen Gewebe- und Nervenschäden verursachen.
  • Schädigung der Schwann-Zellen: Die Schädigung der Schwann-Zellen führt zu einer Demyelinisierung (Entmarkung) der Nervenfasern und zu einem Verlust der Nervenleitungsgeschwindigkeit.

Manifestationsformen

  • Periphere sensomotorische diabetische Polyneuropathie (DSPN): Dies ist die häufigste Form der diabetischen Neuropathie. Sie manifestiert sich distal und symmetrisch, betrifft also vor allem Hände und Füße (distal-symmetrische Polyneuropathie).
  • Fokale Neuropathie: Diese Form umfasst Ausfälle einzelner peripherer und radikulärer Nerven, die meist durch Infarkte der Vasa nervorum verursacht werden.

Autoimmunerkrankungen und Demyelinisierung

Autoimmunerkrankungen können ebenfalls zu Demyelinisierung führen. Bei diesen Erkrankungen richtet sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen, einschließlich der Myelinscheiden.

Mechanismen

  • Autoantikörper: Autoantikörper im Serum sind gegen Strukturen und funktionelle Komponenten der Zellen gerichtet, z.B. gegen Nukleinsäuren, Rezeptoren des Zellkerns und Komponenten des Zytoplasmas.
  • T-Zell-vermittelte Schädigung: T-Zellen können ebenfalls eine Rolle bei der Zerstörung der Myelinscheiden spielen.

Beispiele

  • Multiple Sklerose (MS): MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der es zu einer Demyelinisierung im Gehirn und Rückenmark kommt.
  • Autoimmun-Enzephalitis: Bestimmte Formen der Autoimmun-Enzephalitis können ebenfalls mit Demyelinisierung einhergehen.

FaceFormer Therapie bei Trigeminusschmerzen

Als ursachenorientierte Methode ist die FaceFormer Therapie geeignet, Trigeminusschmerzen nachhaltig zu lindern oder ganz zu beseitigen. Die Behandlungsmethode konzentriert sich darauf, eine harmonische Funktion der Gesichtsmuskulatur herzustellen, indem Fehlfunktionen und Fehlhaltungen im Bereich von Gesicht, Hals, Mund und Rachen durch ein einfach durchzuführende Training korrigiert werden. Bei Trigeminusschmerzen ist die FaceFormer-Therapie eine erfolgversprechende Behandlungsoption, die sich von herkömmlichen Verfahren unterscheidet.

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