Die Wechseljahre, auch Klimakterium oder Perimenopause genannt, sind eine natürliche Phase im Leben einer Frau, in der sich der Hormonhaushalt umstellt. Diese Zeit kann von verschiedenen Beschwerden begleitet sein, darunter Hitzewallungen, depressive Verstimmungen und auch Kopfschmerzen oder Migräne. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Migräne und Wechseljahren und stellt verschiedene Behandlungsansätze vor.
Was sind die Wechseljahre?
In den Wechseljahren produziert der Körper weniger Östrogen, was zu Zyklusstörungen und schließlich zum Ausbleiben der Menstruation führt (Menopause). Gerade während der Perimenopause sind diese starken Schwankungen der Hormone zu beobachten. Mit Beginn der Wechseljahre leiden Frauen nicht selten an östrogenmangelbedingten Beschwerden wie z. B. Hitzewallungen, depressiven Verstimmungen oder auch urologischen Beschwerden, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.
Der Zusammenhang zwischen Migräne und den Wechseljahren
Hormonelle Veränderungen, insbesondere schwankende Östrogenspiegel, können Migräneattacken auslösen. Nach den Wechseljahren nimmt die Prävalenz der Migräne ab, perimenopausal ist sie jedoch erhöht. So löst ein Estrogenentzug Migräneattacken ohne Aura aus, während hohe Estrogenspiegel eine Migräne mit Aura triggern. Bei Frauen wirken sich außerdem hormonelle Schwankungen in großem Maße auf eine Migräne aus. Im Laufe der Wechseljahre kommt es zunächst zu schwankenden und anschließend zu sinkenden Östrogenwerten, was die Entstehung von Migräne begünstigen kann.
- Hormonelle Trigger: Der sinkende Östrogenspiegel in der Perimenopause kann einen verminderten Serotoninspiegel nach sich ziehen. Der Neurotransmitter ist zentral in der körpereigenen Schmerzhemmung. Auch die Bildung des Botenstoffes Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), der bei Migräne eine Schlüsselrolle spielt, scheine durch hormonelle Einflüsse gesteuert zu werden.
- Individuelle Unterschiede: Bei über der Hälfte aller Frauen, die vor ihren Wechseljahren bereits unter Migräne gelitten haben, verbessern sich die Symptome mit den Wechseljahren zwar. Bei den übrigen 40 Prozent bleiben sie leider unverändert bestehen oder verschlimmern sich sogar.
- Neue Migräne in den Wechseljahren: Deine Migräne kam auch erst mit den Wechseljahren? Das ist zwar eher selten, kann aber vorkommen. In so einem Fall solltest du dich unbedingt an deinen Arzt beziehungsweise deine Ärztin wenden.
Diagnose und Ursachenforschung
Um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten, ist eine sorgfältige Diagnose wichtig.
- Ärztliche Beratung: Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursachen der Kopfschmerzen abzuklären und andere Erkrankungen auszuschließen.
- Migräne-Tagebuch: Das Führen eines Migräne-Tagebuchs kann dir dabei helfen, herauszufinden, welche persönlichen Trigger-Faktoren eine Migräneattacke begünstigen. Schreibe täglich über einige Woche hinweg auf, wie du dich fühlst; ob du gestresst bist, was du isst und trinkst, ob du Sport treibst, wie sich das Wetter verändert etc. Halte außerdem jeden Migräneanfall auf Papier fest und schreibe dazu, wann er aufgetreten ist und wie lange er andauert. So lassen sich nach einiger Zeit leichter Rückschlüsse darauf ziehen, was eine Attacke begünstigt.
Behandlungsansätze bei Migräne in den Wechseljahren
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Migräne in den Wechseljahren zu behandeln. Die Wahl der Therapie hängt von der individuellen Situation und den Beg Begleiterkrankungen ab.
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Hormontherapie
Eine Hormonersatztherapie (HRT) kann in manchen Fällen sinnvoll sein, um östrogenmangelbedingte Beschwerden zu lindern.
- Wirkung: Durch eine Ersatztherapie stabilisierte Estrogenspiegel beeinflussen die Estrogenentzugs-Migräne, wobei auch die vasomotorischen Symptome gelindert werden.
- Formen: Zur Auswahl stehen hierbei sowohl eine orale Einnahme (Tabletten) von Östrogen-Gestagen-Präparaten als auch eine transdermale Gabe von Östrogen, das als Gel über die Haut aufgenommen wird.
- Risiken und Nutzen: Eine Hormonersatztherapie zur Anhebung des Östrogenspiegels kann die Migräne zwar lindern, muss jedoch sorgfältig abgewogen werden, da sie auch Risiken birgt, etwa ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Bei der Auswahl der passenden Therapie müssen gerade bei gleichzeitiger Migräne vor allem die individuellen kardiovaskulären Risikofaktoren betrachtet werden, aber auch die Zeit seit Beginn der Menopause spielt eine wichtige Rolle (Tab. 1). Nach den Wechseljahren nimmt die Prävalenz der Migräne ab, perimenopausal ist sie jedoch erhöht. Wie ein aktuelles systematisches Review zeigte, verschlechterten unterschiedliche HRT-Schemata die Frequenz und Dauer der Migräne sowie den Verbrauch von Analgetika, verbesserten jedoch die klimakterische Symptomatik.
Medikamentöse Therapie
Neben der Hormontherapie gibt es verschiedene Medikamente, die zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden können.
- Akuttherapie: Triptane sind in Deutschland nur bis zu einem Lebensalter von 65 Jahren zugelassen. Gegen Übelkeit und Erbrechen empfiehlt die Leitlinie Medikamente, die als Wirkstoff Metoclopramid oder Domperidon enthalten.
- Prophylaxe: Moderne monoklonale Antikörper zur Migräneprophylaxe dürfen auch im höheren Alter eingesetzt werden, wobei aber dazu aktuell noch wenig Erfahrungen vorliegen. Auch der Einsatz von z. B. trizyklischen Antidepressiva zur Migränetherapie muss ebenfalls je nach Vorerkrankung abgewogen werden und kommt bei Herzrhythmusstörungen nur eingeschränkt in Frage.
Nicht-medikamentöse Therapien
Ergänzend zu Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Therapien helfen, Migräneattacken zu reduzieren.
- Entspannungstechniken: Dazu zählen Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder achtsamkeitsbasierte Programme wie MBSR.
- Sport: Regelmäßiger Ausdauersport - beispielsweise dreimal wöchentlich Joggen - wirkt nachweislich günstig.
- Ernährung: Achten Sie außerdem auf eine ausgewogene Ernährung und eine regelmäßige Nahrungsaufnahme. Es gibt Zusammenhänge zwischen der Nährstofflage und Migräneanfällen. Aus diesem Grund ist es vor allem während der Wechseljahre wichtig, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und Mangelerscheinungen vorzubeugen. Ein ausgeglichener Blutzuckerspiegel kann Migräneattacken vorbeugen. Essen Sie daher mindestens alle 3 Stunden eine Kleinigkeit.
- Magnesium: Ausreichende Versorgung mit Magnesium sicherstellen. Magnesium wirkt krampflösend. Deshalb kann eine ausreichende Versorgung mit diesem Mineralstoff im gewissen Maße vor Migräneattacken schützen.
- Pflanzliche Helfer: Pflanzliche Helfer, beispielsweise Extrakte aus Pestwurz oder Mönchspfeffer (insbesondere in der Anfangsphase der Wechseljahre), sollen bei Migräne ebenfalls vorbeugend wirken.
Lebensstil-Anpassungen
Bestimmte Lebensstil-Anpassungen können ebenfalls dazu beitragen, Migräneattacken zu reduzieren.
- Stressmanagement: Da sich in dem Alter bei Frauen oft Belastungen häuften, sei Stressmanagement wichtig. Häufige Migräneanfälle wirkten sich auf das soziale Leben und den Arbeitsplatz aus. Nur Schmerztabletten zu nutzen, reiche nicht aus.
- Regelmäßiger Schlaf: Viel Wasser trinken, Bewegung, regelmäßiger Schlaf seien wichtig, ist ihre Erfahrung.
- Trigger vermeiden: Versuchen Sie, die auslösenden Faktoren zu erkennen und zu vermeiden.
Migräne und Hypertonie
Dass Migräne mit einem erhöhten Hypertonierisiko bei Frauen in den Wechseljahren assoziiert ist, zeigte eine aktuelle Studie. Im Laufe von 826.419 Personenjahren traten 12.501 Fälle von Hypertonie auf; darunter 3.100 bei Frauen mit Migräne und 9.401 bei Frauen ohne Migräne. Die Migräne war assoziiert mit einem zunehmenden Hypertonierisiko (Risikoquotient [HR] 1,29; 95%-Konfidenzintervall 1,24‒1,35), welches auch in Bezug auf gängige Migränemedikamente konsistent war.
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Was tun bei einer akuten Migräneattacke?
Sollte sich eine Migräneattacke ankündigen, dann nehmen Sie sich eine Auszeit. Legen Sie sich ins Bett und verdunkeln Sie den Raum.
Spezialisierte Hilfe
Für Betroffene, die unter starker Migräne leiden, gibt es spezialisierte Anlaufstellen.
- Kopfschmerzzentren: An der Neurologisch-verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel gibt es eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, alle Kopfschmerzen, wie z.B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.
- Hausarzt und Gynäkologe: Hier könne und sollte sich jede Betroffene Hilfe holen, wichtige Anlaufpunkte sind dabei der Hausarzt, aber auch der Gynäkologe.
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