Die moderne Welt mit ihrer rasanten Digitalisierung und ständigen Reizüberflutung stellt unser Gehirn vor neue Herausforderungen. Studien deuten darauf hin, dass diese Entwicklung sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf unsere kognitiven Fähigkeiten und unsere psychische Gesundheit haben kann.
Die Evolution des Gehirns im Zeitalter der Digitalisierung
Unser Gehirn hat sich über Millionen von Jahren entwickelt, um mit den Herausforderungen der Umwelt umzugehen. Die moderne Welt stellt jedoch völlig neue Anforderungen an unser Denkorgan. Digitale Endgeräte sind allgegenwärtig und beeinflussen unser Leben in allen Bereichen, von der Arbeit bis zur Freizeit.
Digitale Endgeräte im Alltag
Tablets, Computer und Smartphones sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie erleichtern die Kommunikation, den Zugang zu Informationen und die Erledigung vieler Aufgaben. Die Digitalisierung hat jedoch auch zu einer ständigen Reizüberflutung geführt, die unser Gehirn überlasten kann.
Die digitale Gesellschaft
Der Begriff "digitale Gesellschaft" beschreibt den Einfluss digitaler Technologien auf unser soziales Miteinander. Digitale Endgeräte werden in allen Altersklassen verwendet, von Kleinstkindern bis zu Senioren. Sie dienen vor allem dem Austausch und der Kommunikation, verändern aber auch die Art und Weise, wie wir miteinander interagieren.
Vermischung von Beruf und Privat
Durch die Nutzung digitaler Endgeräte im beruflichen und privaten Bereich kommt es oft zu einer Vermischung von Beruf und Privat. Dies kann zu einer ständigen Erreichbarkeit und einem erhöhten Leistungsdruck führen, der unser Gehirn zusätzlich belastet.
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Die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Gehirn
Die ständige Nutzung digitaler Endgeräte kann verschiedene Auswirkungen auf unser Gehirn haben. Einige Studien deuten darauf hin, dass sie zu einer verminderten geistigen Leistungsfähigkeit, Aufmerksamkeitsstörungen und sogar zu einer Art "digitaler Demenz" führen kann.
Multitasking und Unterbrechungen
Unser Gehirn ist nicht für Multitasking geeignet. Ständige Unterbrechungen, z. B. durch Nachrichten auf dem Smartphone, können zu einer verminderten Konzentration und einer erhöhten Fehleranfälligkeit führen.
Das Smartphone als Ablenkung
Erstaunlicherweise lenkt das Smartphone auch dann ab, wenn es nur da liegt, ohne benutzt zu werden. Es reduziert das Denkvermögen und den IQ. Gewohnheiten liegen ausgeprägte neuronale Verbindungen bzw. Verknüpfungen im Gehirn zugrunde. Beim Blick auf das Smartphone wird das Belohnungssystem (der Nucleus accumbens) aktiviert und daraufhin Glückshormone, wie z. B. Dopamin, ausgeschüttet. Dem zu widerstehen, bedeutet mit Bewusstsein die Kraft aufzubringen, dem Impuls, der uns das Gerät in die Hand nehmen lässt, zu widerstehen.
Bewegungsmangel und körperliche Beschwerden
Vielfältige gesundheitliche Beschwerden stehen im Kontext mit Tätigkeiten an Bildschirmen und Displays, z. B. Schmerzen im Rücken, in den Schultern, in den Armen, in den Beinen oder auch in den Augen. Bewegungsmangel ist wahrscheinlich der Hauptgrund: Der Mensch ist von Natur aus für Bewegung im Freien mit ca. 20. bis 30 km am Tag konzipiert. Ein durchschnittlicher Büroarbeiter verbringt seinen Alltag allerdings überwiegend im Raum und legt weniger als 1 km am Tag zurück. Es kommt zu Muskelverkürzungen. Da hilft auch eine Stunde Sport in der Woche als Ausgleich nicht viel, zumal weniger als die Hälfte der Deutschen überhaupt Sport machen. Weiterhin führt der Bewegungsmangel zu Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Stoffwechsel-Erkrankungen.
Aufmerksamkeitsstörungen und psychische Erkrankungen
Aufmerksamkeitsstörungen sind heute keine Seltenheit mehr. Psychische Erkrankungen sind steigend und mittlerweile der zweithäufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. Internet- und Social-Media-Sucht: vor allem bei Jüngeren steigen die Zahlen an psychischen Störungen, häufig einhergehend mit Depressionen und letztendlich Selbstmord.
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Die Belastung des visuellen Systems
Verschiedene Faktoren wie dauerhafte Naharbeit, lange Arbeitszeiten oder intensive Verwendung digitaler Endgeräte können eine Dauerbelastung für den gesamten Organismus darstellten, im Besonderen für das visuelle System. Die Auswirkungen äußern sich individuell in verschiedenen Symptomen. Die Naharbeit, die in der heutigen Lebenssituation des Menschen täglich ausgeübt werden muss, entspricht nicht den physiologischen Fähigkeiten des Menschen, für welche die Akkommodation ursprünglich ausprägte wurde. Die multimediale Welt stellt hohe Anforderungen an das visuelle System. Gerade durch den Einsatz von digitalen Endgeräten in den letzten 20 Jahren hat sich die „Nutzung“ des visuellen Systems gravierend verändert, sowohl die zeitliche als auch die Art der Nutzung. Das betrifft sowohl berufliche, gesellschaftliche sowie private Aspekte wie Lifestyle und Freizeitaktivitäten. Mit fortschreitender weltweiter Verbreitung wird es immer schwieriger, sich der dauerhaften Nutzung (des visuellen Systems) an digitalen Endgeräten zu entziehen.
Verkürzte Nutzerentfernung
Zusätzlich zu der Nahsituation ergeben sich sehr hohe Anforderungen an das visuelle System bei Tätigkeiten an digitalen Endgeräten in verkürzten Entfernungen und einer reduzierten Darstellung auf dem Bildschirm, Display, Tablet, Smartphone etc.. Im Vergleich zum klassischen Lesen eines Buchs oder zur klassischen Bildschirmtätigkeit (Arbeit im Sitzen) haben digitale Geräte eine andere Handhabung und Anwendung. Tablets und Smartphones werden häufig im Stehen oder Laufen eingesetzt. Mit der Verwendung von Smartphones geht eine verkürzte Nutzerentfernung (ca. 30 cm) und damit erhöhte Akkommodations- und Vergenzanforderung einher sowie eine größere Kopf- und Blickneigung aufgrund der verkleinerten Darstellung.
Die Evolution des Menschen und die Rolle von Blei
Eine internationale Forschungsgruppe unter Leitung der University of California in La Jolla zeigt nun, dass bereits urzeitliche Hominiden dem Einfluss von Blei ausgesetzt waren. Im Fachmagazin „Science Advances“ berichten 29 Forscher verschiedener Disziplinen, dass sowohl Frühmenschen als auch Menschenaffen schon vor rund zwei Millionen Jahren mit Blei in Kontakt kamen. Die jetzt entdeckte frühe Belastung durch das toxische Metall könnte die Evolution der Hominiden, insbesondere die ihrer Gehirne beeinflusst - und das Sprachvermögen sowie soziale Fähigkeiten mal mehr, mal weniger eingeschränkt haben. Im Erbgut des Homo sapiens sind an der Studie beteiligte Genetiker und Neurowissenschaftler auf eine mutierte Variante gestoßen, die unsere Spezies offenbar vor gewissen Einflüssen des Bleis schützen kann. Die moderne Nova1-Variante könnte den Menschen vor Bleischäden geschützt und komplexe Sprache sowie soziale Zusammenarbeit ermöglicht haben - entscheidende Vorteile gegenüber Neandertalern.
Hirngesundheit im Fokus: Neue Ansätze und Behandlungen
Angesichts der zunehmenden Belastungen für unser Gehirn rückt die Hirngesundheit immer stärker in den Fokus. Medical Spas und Wellnessresorts bieten zunehmend spezielle Behandlungen an, die die Gehirnfunktionen verbessern und neurologischen Erkrankungen vorbeugen sollen.
Medical Spas und Gehirngesundheit
Medical Spas und Wellnessresorts nehmen sich des Themas zunehmend an. Vorreiter sind - wie so oft - die USA. In Europa spielt SHA bei Alicante vorne mit. Ganz neu bietet SHA eine „Photobiomodulation“-Behandlung an. Bei der Low-Level-Lasertherapie liegt der Patient mit verdeckten Augen auf einer Liege, der Körper wird mit Leuchtdioden oder einem Laser mit geringer Leistung behandelt. Die Therapie regt den Stoffwechsel der Gehirnzellen an. Auch das Behandlungszentrum Kusnacht Practice mit Sitz in Zürich und Genf hat ein neues Programm lanciert: „BIO-R® Cognitive Blueprint“ soll die kognitiven Fähigkeiten wie auch die geistige Energie steigern.
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Ernährung und Achtsamkeit
Die Harvard Medical School warnt davor, sein Geld in Supplements für die Hirngesundheit zu stecken, da es „keinen nachweislichen Beweis dafür gibt, dass sie wirken“. Wo hingegen die Wissenschaftler sich einig zu sein scheinen: Dass zum Beispiel spezielle Diäten wie die Mittelmeerdiät, die reich an Omega-3-Fettsäuren, B-Vitaminen und Vitamin E ist, zur kognitiven Leistungsfähigkeit beitragen. Achtsamkeitsübungen wie Meditation helfen auch. Eine von der National Library of Medicine veröffentlichte Studie belegt, dass sich die graue Substanz im Hippocampus bereits nach acht Wochen täglichem Meditieren verdichten kann. Also jene Region im Gehirn, die fürs Lernen und für Erinnerungen verantwortlich ist.
Bewegung und soziale Kontakte
Körperliche Aktivität ist für die Gesundheit des Gehirns von entscheidender Bedeutung, und Sie sollten versuchen, sich jeden Tag in irgendeiner Form zu bewegen. Das soziale Leben ist extrem wichtig - wenn Sie einsam oder sozial isoliert sind, ist das so, als würden Sie 50 Zigaretten am Tag rauchen, es schadet Ihrer Gesundheit.
KI-Chatbots: Fluch oder Segen für das Gehirn?
KI-gestützte Chatbots wie OpenAIs GPT-Modelle haben in kurzer Zeit Einzug in Bildung, Kreativwirtschaft und Alltag gehalten. Ihr Einfluss auf menschliches Lernen und Denken wird intensiv diskutiert - einerseits als Chance zur Unterstützung kognitiver Prozesse, andererseits mit der Sorge vor “kognitiver Verarmung” durch Abhängigkeit von der KI.
KI-Chatbots im Lernprozess
Erste Studien zeigen gemischte Effekte von ChatGPT im Bildungskontext. Positiv zu vermerken ist, dass ChatGPT als Werkzeug die kognitive Last bei Recherche- und Schreibaufgaben reduzieren kann. Gleichzeitig warnen Forscher vor einer Beeinträchtigung höherer kognitiver Fähigkeiten durch ungesteuerten KI-Einsatz. Nutzer neigen dazu, schnelle KI-Antworten unreflektiert zu akzeptieren, anstatt sich durch eigenständiges Suchen und Bewerten vertieft mit dem Stoff auseinanderzusetzen. Langfristig könnten so Problemlösungsfähigkeit und Urteilsvermögen leiden, wenn Lernende sich zu sehr auf generative KI verlassen, ohne kritisches Prüfen zu üben.
KI und Kreativität
Im Bereich Kreativität zeigen aktuelle Studien, dass KI-Chatbots durchaus als Katalysator für Ideenfindung dienen können. Die Stärke des Modells liege darin, verschiedenartige Konzepte zu verknüpfen und damit neuartige, aber kohärente Ideen zu produzieren. Die zentrale Frage bleibt, ob die dauerhafte Nutzung solcher KI-Assistenz menschliche Kreativität eher fördert oder verkümmern lässt. Es besteht die Gefahr, dass bei unreflektierter Nutzung alle Ergebnisse auf den gleichen “KI-Mainstream” hinauslaufen und individuelle kreative Stimmen verblassen.
Langzeitwirkungen und Risiken
Auf der Makroebene stellen sich Fragen, wie die fortgesetzte Nutzung von KI-Chatbots unsere Gesellschaft intellektuell prägt. Die Bereitschaft, KI-Antworten zu hinterfragen, sank proportional zur Zunahme des KI-Einsatzes. Diese schleichende Deskilling-Tendenz könnte langfristig zu einer Entwertung menschlicher Expertise führen.
Die digitale Demenz: Eine Warnung des Gehirnforschers
Der Ulmer Gehirnforscher Professor Manfred Spitzer warnt in seinem Buch „Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen“ vor den negativen Auswirkungen der Digitalisierung auf unser Gehirn. Er argumentiert, dass das Outsourcing von Hirntätigkeit zu schleichendem Gedächtnisverlust führt: Nervenzellen sterben ab, nachwachsende Zellen überleben nicht, weil sie nicht genutzt werden.
Südkorea als Beispiel
Oft blickt er in seinem neuen Buch nach Südkorea , einem modernen, hochentwickelten Land. Dort beobachten Wissenschaftler bei jungen Erwachsenen immer häufiger Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sowie emotionale Verflachung und allgemeine Abstumpfung. Sie prägten als erste auch den Begriff der „digitalen Demenz“.
Kritik an Spitzer
Professorin Gudrun Marci-Boehncke von der Technischen Universität Dortmund lehnt seine Zuspitzungen ab. Zudem attestiert sie ihm ausgeprägtes Geschick beim Vermarkten seiner Ansichten. Tatsächlich klingen auch die Kassen in den Buchläden: Gerade einmal einen Monat nach Erscheinen seines Buches, das es übrigens auch als E-book gibt, sind schon 110.000 Exemplare verkauft.
Computersucht und Schulversagen
Nun ist Schulversagen durch exzessives Computerspielen kein Hirngespinst, sondern Tatsache. Laut Jahresbericht der Suchtbeauftragten der Bundesregierung gelten 250.000 der Vierzehn- bis Vierundzwanzigjährigen als internetabhängig, 1,4 Millionen als problematische Internetnutzer.
Neurologische Erkrankungen: Eine globale Herausforderung
Weltweit leiden 3,4 Milliarden Menschen an neurologische Beschwerden. Das sind 43 Prozent der Menschheit. Zu diesem Ergebnis kommt die neueste Veröffentlichung der Studienserie „Global Burden of Disease“ mit Blick auf das Jahr 2021. Der Analyse zufolge haben Schlaganfälle, Hirnschädigungen bei Neugeborenen, Migräne, Demenzerkrankungen und Nervenschäden durch Diabetes am stärksten zur globalen Last durch neurologische Erkrankungen beigetragen. Insgesamt seien die Fallzahlen für Erkrankungen des Nervensystems seit 1990 weltweit um 59 Prozent gestiegen.
Ungleiche Verteilung
Die neurologischen Krankheitslasten sind in der Welt sehr ungleich verteilt. Am geringsten sind sie in einkommensstarken Ländern im Asien-Pazifik-Raum, etwa Japan und Südkorea, sowie Australien und Neuseeland, am größten in West- und Zentralafrika.
Risikofaktoren
In der Studie wird auch auf mehrere beeinflussbare Risikofaktoren für potenziell vermeidbare neurologische Erkrankungen eingegangen. Durch Beseitigung der wichtigsten Risikofaktoren - vor allem hoher Blutdruck und Luftverschmutzung - könnten so etwa bei Schlaganfällen bis zu 84 Prozent der Dalys vermieden werden.
Wege zur Verbesserung der Hirngesundheit
Trotz der Herausforderungen der modernen Welt gibt es viele Möglichkeiten, die Gesundheit unseres Gehirns zu verbessern und zu erhalten.
Sport und Bewegung
Körperliche Aktivität ist für die Gesundheit des Gehirns von entscheidender Bedeutung, und Sie sollten versuchen, sich jeden Tag in irgendeiner Form zu bewegen. Der sitzende Lebensstil nimmt stetig zu: 27,5 Prozent der Erwachsenen und 81 Prozent der Jugendlichen weltweit schaffen es nicht, dieses Aktivitätsniveau zu erreichen.
Soziale Interaktion
Das soziale Leben ist extrem wichtig - wenn Sie einsam oder sozial isoliert sind, ist das so, als würden Sie 50 Zigaretten am Tag rauchen, es schadet Ihrer Gesundheit.
Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren ist wichtig für die Gesundheit des Gehirns.
Achtsamkeit und Entspannung
Achtsamkeitsübungen wie Meditation helfen auch. Eine von der National Library of Medicine veröffentlichte Studie belegt, dass sich die graue Substanz im Hippocampus bereits nach acht Wochen täglichem Meditieren verdichten kann.
Kognitives Training
Das Gehirn ist wie ein Muskel, der trainiert werden muss. Kognitive Übungen wie Kreuzworträtsel oder das Erlernen einer neuen Sprache können helfen, die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten.