Nerven und Willenskraft: Eine Untersuchung des Zusammenhangs

Einleitung

Willenskraft ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg im Leben. Sie ermöglicht es uns, unsere Ziele zu erreichen, auch wenn wir mit Hindernissen und Versuchungen konfrontiert sind. In diesem Artikel werden wir den Zusammenhang zwischen Nerven und Willenskraft untersuchen und wie wir unsere Willenskraft stärken können.

Die Natur der Willenskraft

Willenskraft ist die Fähigkeit, eine Handlungsabsicht in die Tat umzusetzen und gewünschte Handlungen auch unter erschwerten Bedingungen aufrechtzuerhalten. Dies beinhaltet die Kontrolle von Gedanken, Gefühlen und Impulsen, das Widerstehen von Verlockungen und Ablenkungen, die Fokussierung auf relevante Dinge sowie das Aufschieben von Belohnungen.

Niemand benötigt Willensstärke, um ein schönes Steak zu essen, wenn er Steaks mag. Willensstärke ist völlig überflüssig, wenn etwas ansteht, was wir ohnehin gerne tun. Das könnte allerdings bei dem Steak der Fall sein, wenn wir gerade das Ziel verfolgen, unseren Cholesterinspiegel zu senken. Bei Zielkonflikten dieser Art kommt die Willenskraft zum Einsatz: Auf der einen Seite suchen wir schnelle, unmittelbare Befriedigung, auf der anderen Seite wissen wir aber, dass dies unseren langfristigen Interessen widerspricht.

Die Rolle des Gehirns

Eine bestimmte Hirnregion spielt offenbar eine Schlüsselrolle: der anterior midcingulate Cortex (aMCC). Die Region liegt mittig im Gehirn, an einem Knotenpunkt verschiedener Systeme, die unter anderem für Körperwahrnehmung, Bewegung, Entscheidungsfindung und Sinneseindrücke zuständig sind. Es wird angenommen, dass bei einer anstehenden Entscheidung, der anterior midcingulate Cortex wichtige Informationen aus diesen Bereichen sammelt und sie gegeneinander abwägt. Kurz gesagt scheint er eine Kosten-Nutzen-Rechnung von Energieaufwand und Belohnung zu erstellen. Fällt sie positiv aus, aktiviert der aMCC das Denken für die nötigen Handlungen. Je stärker er reagiert, desto mehr Willenskraft soll ein Mensch aufbringen.

Die zielgerichtete Verarbeitung und Weiterleitung von Informationen zwischen den verschiedenen Zentren im Gehirn wird maßgeblich von der hirnanatomischen Architektur bestimmt. Man unterscheidet zwei Bereiche: Die graue Substanz enthält die Verarbeitungsstationen der neuronalen Information. Sie setzt sich aus verschiedensten Arten von Nervenzellen und nicht neuronalen Zellen zusammen. In der weißen Substanz hingegen befinden sich die Nervenfaserverbindungen, die Informationen zwischen den Verarbeitungsstationen übertragen. Veränderungen in der grauen und weißen Substanz können zum Beispiel mit struktureller Magnetresonanztomografie (MRT) und Diffusionsgewichteter Bildgebung (DWI) sichtbar gemacht werden.

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Dopamin und Willenskraft

Dopamin ist ein Botenstoff, den das menschliche Nervensystem ausschüttet. Es gilt als Glückshormon und ist verbunden mit Gedanken wie: "Das will ich unbedingt haben. Das brauche ich. Besitze ich das oder tue ich das, dann wird es sich gut anfühlen." Gut, wenn das Dopamin beim Gedanken an den wichtigen Jahresbericht, das dringende Konfliktgespräch mit dem Kollegen oder an die Vorstandspräsentation ausgeschüttet wird. Leider fließt das Dopamin aber häufiger beim Gedanken an weniger wichtige, aber angenehmere Tätigkeiten. In diesen Momenten bleibt unserem rationalen, weit vorausschauenden Großhirn nichts anderes übrig, als das Begehren mit Willenskraft auszuschalten.

Die harte Tour bedeutet, sich selbst zu quälen: Verzicht leisten, die Zähne zusammenbeißen, sich zwingen, mit eiserner Disziplin die eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken. All das funktioniert zwar, aber selten langfristig. Auf diesem Weg kommen vielleicht 5 von 100 Menschen ans Ziel. Menschen sind eben nicht dafür konstruiert, sich selbst ständig Schmerz zuzufügen.

Der Trick lautet: Dopaminisieren Sie Ihre Ziele, gerade diejenigen, die Sie nur auf steinigen Wegen erreichen. Denken Sie die richtigen Gedanken über Ihr Ziel. Die Betonung liegt dabei auf "sofort." Denn im Konflikt zwischen kurzfristigen Bedürfnissen und langfristigen Interessen drängt es uns mit größerer Macht zur schnellen Befriedigung.

Bewusste Entscheidungen treffen

Ganz gleich, wie viel Willensstärke Sie auch ins Feld führen - sie ist vollkommen wirkungslos, wenn sie im Moment der Entscheidung nicht zum Einsatz kommt. Das Erfolgsprinzip lautet: Entscheiden Sie bewusst.

Für eine bewusste Entscheidung sollten wir zunächst innehalten und durchatmen. Das klingt banal, ist aber eine entscheidende Voraussetzung zur optimalen Entfaltung unserer Willenskraft. Es hat mit dem Zusammenhang von Stress und Willenskraft zu tun: Je ausgeprägter unsere körperlichen Stressreaktionen sind, z. B. verstärkter Puls und schnelles Atmen, desto impulsiver und automatischer reagieren wir. Ohne groß nachzudenken tun wir das, wonach unser emotionales Gehirn verlangt. Sobald wir diese Reaktion bemerken, ist es an der Zeit, ganz bewusst nichts zu tun, also einfach einen Moment abzuwarten, tief einzuatmen und uns durch entspanntes langes Ausatmen in den Zustand der inneren Ruhe zu versetzen.

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Wie man Willenskraft trainiert und stärkt

Es gibt viele Möglichkeiten, die Willenskraft zu trainieren und zu stärken. Hier sind einige der besten Tipps:

  • Sich immer wieder aus der Komfortzone bewegen: Wiederholt Dinge zu tun, die eine gewisse Überwindung und bewusste (körperliche) Selbstkontrolle benötigen.
  • Regelmäßige Selbstbeobachtung: Sich durch regelmäßige Selbstbeobachtung daran erinnern, wieder gerade zu sitzen und sich aufrichten.
  • Ausreichend Schlaf und Essen: Nur ein ausgeruhter Wille ist ein starker Wille.
  • Konzentrationsübungen und Meditation: Die Fähigkeit verbessern, Ablenkungen auszublenden.
  • Vermeidung und das Prinzip „aus den Augen, aus dem Sinn“: Wenn Sie auf etwas verzichten möchten, das Objekt der Begierde außerhalb der Reichweite aufzubewahren oder es am besten ganz zu meiden.
  • Planen mit sogenannten Wenn-dann-Szenarien: Malen Sie sich ein Szenario aus wie: Wenn mir jemand ein alkoholisches Getränk anbietet, dann frage ich nach einem Softgetränk oder einer alkoholfreien Variante.
  • Klaren Anreiz vor Augen haben: Wer einen klaren Anreiz vor Augen hat, findet oft trotzdem noch die Kraft, weiterzumachen, selbst wenn das Durchhaltevermögen bereits angeschlagen ist.
  • Sich auf starke Erinnerungen konzentrieren: Hilfreich kann auch sein, sich auf starke Erinnerungen zu konzentrieren.
  • Sich mit Aufgaben beschäftigen, die uns schwerfallen: Anstrengender Sport etwa.

Die Grenzen der Willenskraft

Auch wenn Sie die Willenskraft wie einen Muskel trainieren, kann Ihr Durchhaltevermögen je nach Tagesform, Stresslevel oder Stimmung schwanken. Wer müde, überfordert oder emotional belastet ist, dem fällt es meist schwerer, bei einer Aufgabe zu bleiben oder einer Versuchung zu widerstehen.

Mit zunehmender Nutzung können sich Ermüdungszustände, die sogenannte Ego-Erschöpfung, einstellen. Bei wem Ego-Erschöpfung eintritt, der nimmt Dinge viel intensiver wahr, reagiert sensibler, verspürt Ärger oder Euphorie stärker als üblich, tut sich schwerer bei und trifft womöglich schlechtere Entscheidungen, hat Probleme mit der Impulskontrolle (isst/trinkt mehr, sagt Dinge, die er später bereut), hat weniger Lust zu mentaler oder körperlicher Anstrengung.

Willenskraft schonend einsetzen

Oft werden mit Willenskraft einmalige, großartige Heldentaten verbunden. Aber interessanterweise greifen besonders selbstdisziplinierte Menschen weniger auf ihre Willenskraft zurück, da sie von vornherein weniger von Versuchungen und inneren Konflikten, die schwierige Entscheidungen verlangen, auf die Probe gestellt werden.

Gewohnheiten helfen, Willenskraft zu sparen. Automatisierte Handlungen verlangen nur wenig oder keine bewusste Aufmerksamkeit, da nicht jedes Mal bewusste Entscheidungen getroffen und dafür Willenskraft verbraucht werden. Besonders selbstdisziplinierte Menschen setzen ihre Willenskraft vor allem ein, um Routinen zu entwickeln, die, sind sie einmal etabliert, kaum noch Willenskraft benötigen. So sparen sie ihre Willenskraft dann für andere große, unerwartete Herausforderungen auf.

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Wenn wir uns extrem attraktive, inspirierende Ziele setzen, kommt ein natürlicher Antrieb von innen, und wir fokussieren uns leichter auf das Erreichen dieser Ziele. Dadurch werden viele potenzielle Ablenkungen und Verführungen reduziert.

Die Bedeutung von Zielen

Gerade Männer, die hochmotiviert sind, verfolgen nicht nur ein einzelnes Ziel, sondern jonglieren mit mehreren Vorhaben zugleich: ein neues Projekt auf die Beine stellen, für den Marathon trainieren, den Oldtimer auf Vordermann bringen, sich für die Beförderung qualifizieren … Natürlich weiß man sofort, dass man nicht alles auf einmal erledigen kann. Sich aber drei, vier oder fünf Ziele gleichzeitig vorzunehmen, das klappt doch locker - oder?

Der Grund: All diese Veränderungen kosten Kraft, Willenskraft. Diese brauchen wir immer wieder, um Gewohntes anders und neu zu gestalten. Da Willenskraft aber nicht unerschöpflich ist, verteilt das Gehirn, ohne dass es uns bewusst wird, die Kraft auf verschiedene Ziele und Aufgaben. Mit dem Ergebnis, dass wir nicht ein einziges Ziel mit voller Kraft angehen, sondern viele Ziele mit einem Drittel, einem Viertel oder vielleicht sogar noch weniger unserer Kraft. Letztlich erreichen wir dann keines der Ziele. Es ist wie mit Leuchttürmen im Dunkeln: Strahlt nur ein einziger, richtet sich die gesamte Aufmerksamkeit und Energie auf diesen Lichtfleck.

Die Rolle von Überzeugung und Glauben

Carol Dweck, die an der US-amerikanischen Universität Stanford Psychologie lehrt, und ihre Kolleg:innen konnten in einer weiteren Studie bestätigen, dass Willenskraft eine begrenzte Ressource ist - aber nur dann, wenn man daran glaubt. Wenn die erste Aufgabe kognitiv leicht war, schnitten die Teilnehmer:innen bei der schwierigen Aufgabe gut ab. War die erste Aufgabe jedoch schwierig, machten sie bei der nächsten viel mehr Fehler - jedoch nur dann, und das ist wichtig, wenn sie davon überzeugt waren, dass ihre Willenskraft begrenzt war. Willenskraft war demnach Kopfsache, folgerte das Team um Dweck. Und jeder Mensch konnte dazu gebracht werden, die eigene Willenskraft für weniger begrenzt zu halten.

Aktives Lernen und Motivation

Ein internationales Forschungsteam hat erstmals die physiologischen Mechanismen identifiziert, die dafür verantwortlich sind, dass Menschen besonders effizient lernen, wenn sie es selbstbestimmt aus einer Eigenmotivation heraus tun. Die Forscherinnen und Forscher untersuchten die Theta-Wellen bei Menschen mit Epilepsie, denen zur Operationsplanung Elektroden in das Gehirn implantiert worden waren. Die Patientinnen und Patienten absolvierten ein Spiel in der virtuellen Realität. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich entweder aktiv in der virtuellen Umgebung bewegen oder sahen nur die Bilder entlang des Pfades, den ein anderer Teilnehmer zurückgelegt hatte.

„Bei Teilnehmenden, die aktiv navigieren durften, haben wir einen Anstieg der Theta-Oszillationen beobachtet, die das Lernen und anschließend das Erinnern effizienter gemacht haben. Es gab allerdings zwei aufeinanderfolgende Phänomene, die zeitlich nur Millisekunden auseinanderlagen: Eines korrespondierte mit dem Einspeichern der Information, das andere mit dem Abruf der zuvor gespeicherten Information - wir sehen also eine Reaktivierung des Gedächtnisses“, erklärt Dr. Tatsächlich zeigten Patientinnen und Patienten, die frei durch die virtuelle Umgebung navigierten und Informationen somit besser speichern und erinnern konnten, eine ähnliche Theta-Aktivität, wie sie zuvor bei Nagetieren beobachtet worden war.

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