Meningokokken B Impfung: Erfahrungen, Empfehlungen und Überlegungen

Meningokokken-Erkrankungen sind selten, können aber innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden und lebenslange Folgen haben. Impfungen gegen Meningokokken werden empfohlen, wobei die Meningokokken-B-Impfung bis zum 5. Geburtstag von den Krankenkassen voll erstattet wird.

Die Tragödie der Meningokokken-Erkrankung: Persönliche Schicksale

Hinter jeder Statistik stehen individuelle Schicksale. Die Geschichten von Tobias, Zahra, Hannah, Tamara, Justina, Elya und Kelly zeigen die grausame Realität von Meningokokken-Erkrankungen. Tobias erkrankte mit zwei Monaten an einer seltenen Meningokokken-Sepsis und überlebte mit Folgeschäden. Zahra erkrankte mit knapp fünf Monaten an einer Meningokokken-Sepsis und überlebte nur knapp. Hannah erkrankte mit sechs Monaten an einer seltenen, aber schwerwiegenden Meningokokken-Meningitis. Elya's Eltern wurden von der Meningokokken-Meningitis ihrer einjährigen Tochter überrascht. Kelly erkrankte mit sechs Monaten an Meningokokken, überlebte aber dank schneller ärztlicher Behandlung ohne Folgeschäden. Diese Fälle unterstreichen die Bedeutung von Aufklärung und Prävention.

Die Meningokokken-Impfung: Ein Überblick

Die Meningokokken-Impfung schützt vor einer Ansteckung mit Meningokokken, Bakterien, die eine schwere Hirnhautentzündung (Meningitis) sowie eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen können. Es gibt verschiedene Arten von Meningokokken-Impfungen, die gegen unterschiedliche Serogruppen wirken.

Welche Meningokokken-Impfungen gibt es?

In Deutschland werden hauptsächlich zwei Arten von Meningokokken-Impfungen empfohlen:

  • Meningokokken B-Impfung (MenB-Impfung): Sie wirkt gegen Meningokokken vom Serotyp B, die häufigsten Auslöser von Meningokokken-Erkrankungen.
  • Meningokokken A, C, W135, Y-Impfung (MenACWY-Impfung): Sie schützt vor verschiedenen Meningokokken-Serotypen (Vierfachimpfstoff).

Der empfohlene Impfstoff für die MenB-Impfung (4CMenB) ist ein sogenannter protein-basierter Impfstoff. Er enthält gereinigte Eiweiße von Meningokokken bzw. ihrer Hülle, die das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anregen.

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Die verfügbaren Impfstoffe für die MenACWY-Impfung sind sogenannte Konjugatimpfstoffe. Die darin enthaltenen charakteristischen Bestandteile der Erreger sind chemisch an ein Trägereiweiß gebunden ("konjugiert"). Das löst eine stärkere Immunantwort, also eine stärkere Antikörperbildung aus.

Wann ist die Impfung sinnvoll?

  • Meningokokken-B-Impfung: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie als Standardimpfung für alle Babys im Alter von zwei Monaten, da diese ein hohes Erkrankungsrisiko haben. Wird die Impfung versäumt, soll sie bis zum 5. Geburtstag der Kinder nachgeholt werden. Daneben gibt es die Empfehlung, die MenB-Impfung als Indikationsimpfung Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko zu verabreichen. Dazu zählen vor allem Menschen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche, gefährdetes Laborpersonal und Reisende in Länder, wo Meningokokken-B-Erkrankungen epidemisch vorkommen.
  • Meningokokken-ACWY-Impfung: Sie wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) als Standardimpfung für alle Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren empfohlen. Die Häufigkeit schwerwiegender Meningokokken-Erkrankungen steigt nämlich in der Altersgruppe ab 15 an. Wird die Impfung versäumt, soll sie bis zum 25. Geburtstag nachgeholt werden. Daneben gibt es die Empfehlung, die MenACWY-Impfung als Indikationsimpfung Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko zu verabreichen. Dazu zählen die gleichen Personengruppen, für die auch die MenB-Impfung als Indikationsimpfung empfohlen ist.

Die bisherige STIKO-Empfehlung, alle Kinder im Alter von 12 Monaten standardmäßig eine Meningokokken-C-Impfung zu verabreichen, wurde Ende Oktober 2025 aufgehoben. Der Grund: Die Häufigkeit schwerwiegender Meningokokken-C-Erkrankungen hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen.

Meningokokken als Reiseimpfung

Eine Meningokokken-Impfung kann auch bei Auslandsreisen sinnvoll sein - und wird von manchen Ländern sogar als Voraussetzung für die Einreise vorgeschrieben. Ein Risikogebiet für schwerwiegende (invasive) Meningokokken-Erkrankungen sind Teile von Kenia, Tansania, Uganda, Nigeria, Ghana, Guinea und Mauretanien sowie ganz Gambia, Mali, Niger, Tschad und Sudan.

Wann darf nicht geimpft werden?

Ganz allgemein gilt bei Impfungen: Der Arzt oder die Ärztin kann nicht impfen, wenn die zu impfende Person an einer akuten und/oder fieberhaften (>38,5 Grad Celsius) Erkrankung leidet. Auch im Falle einer bekannten Überempfindlichkeit auf den Meningokokken-Impfstoff oder einen seiner Bestandteile darf nicht geimpft werden.

Erfahrungen mit der Meningokokken B Impfung

Viele Eltern berichten von ihren Erfahrungen mit der Meningokokken-B-Impfung. Einige sind besorgt wegen der Neuheit der Impfung und der möglichen Nebenwirkungen, während andere die Notwendigkeit der Impfung betonen, um ihre Kinder vor dieser gefährlichen Krankheit zu schützen.

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Positive Erfahrungen

Viele Eltern berichten, dass ihre Kinder die Impfung gut vertragen haben. Einige Kinder hatten am selben Tag gegen Abend etwas Fieber, was aber mit einem Zäpfchen schnell wieder weg war. Am nächsten Tag waren sie etwas anhänglicher, aber im Großen und Ganzen haben sie die Impfung gut vertragen. Einige Eltern geben ihren Kindern nach Anraten der Kinderärztin/des Kinderarztes vorsorglich ein Zäpfchen, um Fieber zu vermeiden.

Negative Erfahrungen und Bedenken

Einige Eltern haben Bedenken wegen der möglichen Nebenwirkungen der Impfung. Sie sind unsicher, ob sie ihr Kind impfen lassen sollen, weil die Impfung so neu ist und sie nicht möchten, dass ihr Kind ein "Versuchskaninchen" ist. Einige Eltern berichten, dass ihre Kinder nach der Impfung Fieber hatten.

Die Rolle der Ärzte

Viele Eltern verlassen sich auf den Rat ihrer Ärzte bei der Entscheidung, ob sie ihr Kind gegen Meningokokken B impfen lassen sollen. Einige Ärzte empfehlen die Impfung dringend, während andere zurückhaltender sind und die Eltern über die Vor- und Nachteile aufklären. Es ist wichtig, sich von einem Arzt beraten zu lassen und alle Bedenken zu besprechen, bevor man eine Entscheidung trifft.

Meningokokken-Erkrankungen: Hintergrundinformationen

Meningokokken-Erkrankungen werden durch Bakterien der Art Neisseria meningitidis verursacht. Aufgrund unterschiedlicher Oberflächenstrukturen der Bakterien werden 12 verschiedene Untergruppen unterschieden, sogenannte Serogruppen. Schwere (invasive) Erkrankungen werden meist durch die Serogruppen A, B, C, W, X und Y verursacht, wobei die verschiedenen Erreger weltweit unterschiedlich häufig vorkommen. Die meisten Erkrankungen werden durch Meningokokken der Serogruppe B (58,5 Prozent), gefolgt von den Serogruppen Y (21,3 Prozent), C (11,5 Prozent) und W (7,8 Prozent) verursacht. Andere Serogruppen treten in Deutschland nur sehr selten auf.

Ansteckung und Krankheitsverlauf

Meningokokken können den Nasen-Rachen-Raum besiedeln. Bei engem Kontakt können sie zum Beispiel über Speichel oder Nasensekret übertragen werden. Da Meningokokken außerhalb des Körpers rasch absterben, kommt es bei Begegnungen ohne engen Kontakt in der Regel nicht zu einer Ansteckung.

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Meningokokken-Erkrankungen können in jedem Alter auftreten. Am häufigsten bei Säuglingen im ersten Lebensjahr, aber auch Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren sind betroffen. Eine Ansteckung kann vor allem zu einer Entzündung der Hirnhäute (Meningokokken-Meningitis) oder zu einer bakteriellen Blutvergiftung (Meningokokken-Sepsis) führen. In manchen Fällen treten beide Erkrankungen gleichzeitig auf.

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch einer Erkrankung dauert es in der Regel 3 bis 4 Tage, die Zeitspanne kann jedoch zwischen 2 und 10 Tagen liegen. Zunächst treten kurzzeitig grippeähnliche Symptome auf. In der Folge setzen plötzlich Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel mit schwerstem Krankheitsgefühl ein. Bei einem großen Teil der Erkrankten treten zusätzlich Hautveränderungen auf, vor allem, wenn sich die Infektion im Körper ausbreitet und eine Blutvergiftung entsteht. Bei einer Meningitis kommen unter anderem Erbrechen und Nackensteifigkeit hinzu. Eine Sepsis kann sich durch Blutdruckabfall bemerkbar machen und bis zum Organversagen fortschreiten.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome häufig schwieriger zu deuten. Anzeichen einer Meningokokken-Erkrankung können bei Kindern Fieber, Erbrechen, schrilles Schreien, Reizbarkeit, Krämpfe oder auch Schläfrigkeit sein. Die Nackensteifigkeit kann fehlen.

Behandlung und Komplikationen

Bei Anzeichen einer Meningokokken-Erkrankung sollte sofort eine Arztpraxis oder das nächstgelegene Krankenhaus aufgesucht werden. Eine Meningokokken-Meningitis führt bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen zu Komplikationen wie Krampfanfällen oder Taubheit und bei Kindern auch zu Entwicklungsstörungen. Etwa einer von 100 der Erkrankten verstirbt. Bei einer Sepsis kann es zu Gewebeschädigungen bis hin zum Absterben einzelner Gliedmaßen kommen, so dass eine Amputation nötig werden kann. Rund 13 Prozent der Erkrankten mit septischem Verlauf versterben. Bei einer schweren Form des septischen Schocks, dem sogenannten Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, verstirbt rund ein Drittel der Betroffenen.

Meningokokken-Erkrankungen müssen schnellstmöglich im Krankenhaus behandelt werden, da sie fast immer schwer verlaufen und häufig Komplikationen nach sich ziehen. Meningokokken-Erkrankungen werden mit Antibiotika behandelt. Wenn Komplikationen auftreten, können weitere Behandlungsmaßnahmen notwendig werden, unter Umständen auf der Intensivstation.

Die STIKO-Empfehlung und ihre Hintergründe

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Säuglingen ab dem Alter von zwei Monaten die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B (MenB). Versäumte Impfungen gegen Meningokokken B sollen bis zum 5. Geburtstag nachgeholt werden. Bei erhöhtem Risiko wird zudem die Impfung mit Meningokokken-ACWY-Impfstoff empfohlen, beispielsweise bei einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche oder bei Langzeitaufenthalten in Ländern mit epidemischen Vorkommen.

Impfschema

Die Impfserie gegen Meningokokken B soll möglichst frühzeitig begonnen werden und im Alter von 2, 4 und 12 Monaten verabreicht werden. Im Alter von 12 bis 23 Monaten besteht die Impfserie aus 2 Impfstoffdosen in einem Mindestabstand von 2 Monaten und einer 3. Impfstoffdosis 12 bis 23 Monate nach der 2. Impfung. Personen ab dem Alter von 2 Jahren erhalten nur 2 Impfstoffdosen in einem Mindestabstand von 1 Monat.

Vorbeugende Maßnahmen

Zur Vermeidung von Fieber oder Schmerzen nach der Impfung wird eine vorbeugende Gabe von Paracetamol empfohlen, die zeitgleich mit der Impfung gegen Meningokokken B oder kurz danach begonnen werden sollte.

Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Wie bei jeder Impfung können auch bei der Meningokokken-Impfung Nebenwirkungen auftreten. Durch die Anregung der körpereigenen Abwehr können für kurze Zeit vorübergehende Impfreaktionen auftreten, die in der Regel nach wenigen Tagen ohne Folgen wieder abklingen. Dazu zählen Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle, Fieber, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie allgemeines Unwohlsein. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. Beispielsweise kann es bei Säuglingen und jungen Kleinkindern zu einem Fieberkrampf kommen, der in der Regel jedoch ohne Folgen bleibt. Auch allergische Reaktionen sind möglich.

Kosten der Impfung

Von der STIKO empfohlene Impfungen werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Es ist ratsam, sich vor der Impfung bei der Krankenversicherung zu erkundigen.

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