Spiele sind nicht nur eine Quelle der Unterhaltung, sondern können auch eine wertvolle Ergänzung zur Therapie und Alltagsgestaltung von Parkinson-Patienten darstellen. Sie bieten eine Möglichkeit, körperliche und geistige Fähigkeiten zu trainieren, soziale Interaktion zu fördern und die Lebensqualität zu verbessern.
Die Bedeutung von Spielen für Menschen mit Parkinson
Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich durch motorische und nicht-motorische Symptome äußert. Zu den typischen motorischen Symptomen gehören Zittern, Muskelsteifigkeit, verlangsamte Bewegungen und Haltungsinstabilität. Nicht-motorische Symptome können kognitive Beeinträchtigungen, Depressionen, Schlafstörungen und Verdauungsprobleme umfassen.
Spiele können in verschiedenen Bereichen helfen, die Auswirkungen der Parkinson-Krankheit zu mildern:
- Anregung des Gehirns: Spiele sind eine hervorragende Möglichkeit, das Gehirn aktiv zu halten. Sie fordern das Gedächtnis heraus, fördern die Konzentration und stimulieren kognitive Funktionen.
- Förderung der Motorik: Bewegungsspiele können helfen, die motorischen Fähigkeiten zu verbessern, die Beweglichkeit zu erhalten und Stürzen vorzubeugen.
- Verbesserung des Sinngehalts und Selbstwertgefühls: Angenehme Aktivitäten wie Spiele bringen Freude und Zufriedenheit. Sie erzeugen positive Emotionen, steigern das Selbstwertgefühl und tragen zu einem Gefühl von Sinnhaftigkeit bei.
- Soziale Interaktion: Spiele sind oft ein natürlicher Anlass für Gespräche, und spezielle Fragen-Spiele sorgen dafür, dass die Gespräche in Gang kommen. Spiele, die in der Gruppe gespielt werden, fördern die soziale Interaktion und reduzieren das Gefühl der Isolation.
Arten von Spielen für Parkinson-Patienten
Es gibt eine Vielzahl von Spielen, die für Parkinson-Patienten geeignet sind. Die Auswahl sollte sich nach den individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Interessen des Patienten richten.
Bewegungsspiele
Regelmäßiges körperliches Training verlängert nachweislich die Lebenserwartung von Parkinson-Patienten deutlich. Wissenschaftliche Studien belegen, dass krankengymnastische und ergotherapeutische Übungen nur dann einen Effekt erzielen, wenn sie langfristig zu Hause weitergeführt werden.
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- Aktivitäten im Sitzen: Einfache Bewegungsmuster können in der Wohnung durchgeführt werden. Ballübungen können gut in die Familie integriert werden. Diese Übungen erhalten und verbessern das Gleichgewicht, die Rumpfkontrolle, -stabilität und -beweglichkeit sowie die freie Schulter- und Armbeweglichkeit.
- Nordic Walking: Optimal für Menschen mit Haltungsproblemen, da es die rhythmische Bewegung und die Aufrichtung fördert, die gerade bei Morbus Parkinson sehr wichtig sind. Die Technik ist schnell erlernbar und kann zusammen mit Anfängern und Fortgeschrittenen trainiert werden.
- Exergames (Fitness-Spiele): Ein neuer Therapieansatz zur Sturzprävention. Patienten können im Frühstadium der Erkrankung ihre Bewegung durch virtuelles Tennis, Bowling, Skislalom oder diverse Balancespiele verbessern.
Kognitive Spiele
- Gedächtnisspiele: Reminiszenzspiele rufen alte Erinnerungen hervor. Fragen-Spiele fördern Gespräche und soziale Interaktion.
- Funktionsspiele (Ergotherapie): Fördern motorische Funktionen (wie Hand- und Fingerfunktionen) oder basale Komponenten wie Gedächtnis, Konzentration und Strategiedenken.
- NEUROvitalis parkinson: Ein wissenschaftlich fundiertes neuropsychologisches Gruppentraining zum Erhalt und zur Förderung der geistigen Leistungsfähigkeit, abgestimmt auf Parkinsonpatienten ohne oder mit leichten kognitiven Störungen.
Spezielle Videospiele
- memoreBox: Eine Spielekonsole, die von dem Hamburger Unternehmen RetroBrain R&D entwickelt wurde. Sie trainiert mit der Konsole ihre motorischen und kognitiven Fähigkeiten. Die Spiele werden durch Bewegungen gesteuert, aufgezeichnet von einer Kamera an der Spielekonsole. Mit Gewichtsverlagerungen von einem auf das andere Bein steuert man ein Motorrad und trainiert sein Gleichgewicht. Ein Kegelspiel regt zu sozialer Interaktion und zur Bewegung an. Ein Postboten-Spiel schult Koordination und Feinmotorik.
- Serious Games: Bremer Master-Studenten der Informatik haben in Zusammenarbeit mit der Bremer Parkinson-Selbsthilfegruppe und im Austausch mit Physiotherapeuten Computerprogramme kreiert, die Bewegung und Gedächtnisspiele zusammenführen. Ein Beispiel ist "Memory rocks", bei dem Parkinson-Patienten einem kleinen Affen mit großen kreisenden Bewegungen folgen müssen.
Weitere Spiel- und Beschäftigungsideen
- Kennenlernspiele
- Zuordnungsspiele
- Bewegungsgeschichten
- Spiele für alle Sinne
- Spiele-Klassiker
- Würfelspiele
- Puzzles
Tipps für die Auswahl und Anpassung von Spielen
- Einfachheit: Spiele sollten einfach, visuell klar und kurz sein. Zu komplexe Spiele können für Menschen mit Demenz frustrierend sein.
- Klare Gestaltung: Große, klare Buchstaben, einfache Bilder und übersichtliche Spielbretter sind entscheidend.
- Kurze Dauer: Senioren mit Demenz haben eine eingeschränktere Aufmerksamkeitsspanne. Kurze, fesselnde Aktivitäten sind effektiver. Langwierige Spiele können ermüdend sein und die Aufmerksamkeit verringern.
- Individuelle Anpassung: Die Spiele können von den Angehörigen oder Betreuungs- und Pflegekräften individuell an die jeweiligen Bedürfnisse der Person angepasst werden.
- Bezug zur Erfahrungswelt: Speziell entwickelte Spiele können sich in die Erfahrungswelt von Menschen mit Demenz einfügen.
- Motivation: Die Spiele sollten Spaß machen und motivieren.
Umgang mit dem "Freezing-Phänomen"
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dem sogenannten "Freezing-Phänomen" (Bewegungen frieren plötzlich ein) entgegenzuwirken:
- Sagen Sie sich laut vor, was Sie tun möchten, z. B. "rechtes Bein nach vorne".
- Um im Takt zu bleiben, hören Sie Musik beim Laufen - allerdings nur so laut, dass Sie Ihre Umgebung noch wahrnehmen.
- Steigen Sie bewusst über etwas hinüber, um wieder in Gang zu kommen - das kann ein Fuß einer anderen Person oder auch ein spezieller Gehstock mit ausklappbarem Querbalken sein.
Die Rolle von Angehörigen und Betreuern
Angehörige und Betreuer spielen eine wichtige Rolle bei der Auswahl, Anpassung und Durchführung von Spielen für Parkinson-Patienten. Sie können den Patienten ermutigen, unterstützen und motivieren. Sie können auch die Spiele an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Patienten anpassen.
Fazit
Spiele sind eine wertvolle Ergänzung zur Therapie und Alltagsgestaltung von Parkinson-Patienten. Sie können helfen, körperliche und geistige Fähigkeiten zu trainieren, soziale Interaktion zu fördern und die Lebensqualität zu verbessern. Durch die Auswahl geeigneter Spiele und die individuelle Anpassung können Angehörige und Betreuer dazu beitragen, dass Parkinson-Patienten ein aktives und erfülltes Leben führen können.
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