Zunderschwamm und andere Heilpilze bei Multipler Sklerose: Potentiale und Perspektiven

Heilpilze erfreuen sich wachsender Beliebtheit und werden zunehmend wissenschaftlich untersucht. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen gesundheitlichen Wirkungen und Vorteile von Heilpilzen im Allgemeinen und insbesondere im Kontext der Multiplen Sklerose (MS).

Was sind Heilpilze?

Heilpilze, auch Vitalpilze oder medizinische Pilze genannt, sind Pilze, denen gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben werden. Diese Wirkungen sind Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Forschung. Von den geschätzten 1,5 Millionen Pilzarten weltweit gehören etwa 100.000 zu den Großpilzen, von denen einige tausend essbar sind. Jedoch gelten nur eine begrenzte Anzahl aufgrund ihrer Wirkungen und Erfahrungen in der Volks- und Naturheilkunde als Heilpilze. Viele dieser Pilze sind aus der sibirischen, chinesischen und japanischen Naturheilkunde bekannt.

Vorteile von Vitalpilzen für die Gesundheit

Pilze enthalten eine beeindruckende Vielfalt an Wirkstoffen, die in der Medizin eine wichtige Rolle spielen. Etwa 40 % aller Arzneistoffe stammen von Pilzen, darunter bekannte Klassen wie Antibiotika, Immunsuppressiva und Statine. Studien deuten auf ein enormes Potenzial von Pilzen bei der Prävention und Behandlung chronischer Erkrankungen hin.

Einige der bekanntesten Vorteile von Heilpilzen umfassen:

  • Stärkung des Immunsystems: Durch ihren hohen Gehalt an ß-1,3-1,6-Glucanen stärken Pilze das Immunsystem, wirken antiviral und antibakteriell und schützen vor wiederkehrenden Infekten.
  • Entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung: Triterpene, die ätherischen Öle der Pilze, wirken stark entzündungs- und schmerzlindernd.
  • Unterstützung von Leber, Darm und Niere: Einige Heilpilze sind gute Tonika für Leber, Darm und Niere und unterstützen die Autophagie, wodurch die Entgiftung des Körpers gefördert wird.
  • Beruhigung des Nervensystems und Förderung der Nervenzellbildung: Reishi, Hericium und Cordyceps können das zentrale Nervensystem beruhigen und gleichzeitig die Bildung neuer Nervenzellen fördern.
  • Förderung des Schlafs: Insbesondere Reishi und Chaga können die Einschlafdauer, die REM- oder die Tiefschlafphase verbessern.
  • Senkung von Blutdruck, Blutzucker- und Cholesterinspiegel: Heilpilze können helfen, erhöhte Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinspiegel zu senken.
  • Energetisierung: Cordyceps kann die Schilddrüse, die Nebenniere und die Energiegewinnung in den Mitochondrien unterstützen.

Inhaltsstoffe von Heilpilzen

Allen Pilzen gemeinsam sind bestimmte Spurenelemente und Mineralstoffe wie Kalium, das den Blutdruck senkt, sowie Ballaststoffe aus der Klasse der ß-Glukane. β-Glukane wirken antioxidativ und antibakteriell und unterstützen die Regeneration von Schleimhäuten und Darmbarrieren. Triterpene wirken entzündungshemmend, stark antioxidativ und immunstärkend. Glykoproteine und Lektine, insbesondere in der Schmetterlingstramete, sind starke Immunmodulatoren. Einige Pilze enthalten auch Statine, die die Cholesterinbildung hemmen können, sowie Eritadenin, einen natürlichen Blutgerinnungshemmer.

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Historische Verwendung von Vitalpilzen

Schon Ötzi trug Birkenporling gegen Magenbeschwerden und Zunderschwamm zur Wundversorgung bei sich. In der traditionellen chinesischen Medizin werden Reishi, Shiitake & Co. seit Jahrtausenden angewendet. Bis ins Mittelalter waren Pilze auch in der europäischen Naturheilkunde etabliert.

Heilpilze in der chinesischen Medizin

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sind Pilze ein fester Bestandteil und werden seit 5.000 Jahren angewandt. Der Reishi gilt in der chinesischen Medizin als das wertvollste Heilkraut überhaupt. In der konventionellen Medizin in China und Japan sind einige Pilze seit über 30 Jahren zugelassen und etabliert, insbesondere im Kontext der Krebstherapie.

Auswahl wichtiger Heilpilze und ihre Wirkungen

Es gibt eine Vielzahl von Heilpilzen mit unterschiedlichen Wirkungen. Einige der wichtigsten sind:

  • Reishi (Glänzender Lackporling): Wirkt altersbedingten Erkrankungen und Entzündungen entgegen, stärkt das Immunsystem, senkt den Blutzucker und Cholesterinspiegel, reduziert chronischen Stress und unterstützt die Leberentgiftung.
  • Chaga (Schiefer Schillerporling): Reduziert chronische Entzündungen, beruhigt die Darmflora, verhindert Gewichtszunahme und Fettleber, wirkt stark antioxidativ und verbessert das Körpergefühl.
  • Cordyceps (Raupenpilz): Steigert die Energie, unterstützt die Schilddrüse und Nebenniere, hilft gegen nächtliches Schwitzen, senkt hohen Blutzucker und Blutfettwerte, verbessert die Durchblutung und kognitive Fähigkeiten und fördert die Libido.
  • Hericium (Löwenmähne/Igelstachelbart): Hilft gegen Magengeschwüre/Gastritis und Demenzerkrankungen, wirkt in Mausstudien gegen Depressionen und Angstzustände, schützt die Magenschleimhaut, reduziert systemische Entzündungen, verbessert die Kommunikation der Immunzellen im Darm, erhöht die Bildung neuer Nervenzellen und könnte Alzheimer vorbeugen.

Hericium erinaceus (Igelstachelbart) im Detail

Der Igelstachelbart (Hericium erinaceus), auch Löwenmähne genannt, ist ein seltener Pilz, der in alten Wäldern auf Laubholzbäumen wächst. Er ist in Deutschland und Europa extrem selten. In Asien wird er als Speise- und Vitalpilz geschätzt. In der TCM wird er zur Stärkung der Verdauungsorgane und der Leber verwendet und gilt als wirksam gegen Geschwüre von Magen und Zwölffingerdarm sowie gegen chronische Magenschleimhautentzündung. Traditionell wird Hericium erinaceus gegen Antriebsarmut verschrieben.

Inhaltsstoffe und Wirkungen von Hericium erinaceus

Hericium erinaceus enthält 31 % Protein (darunter alle essenziellen und viele freie Aminosäuren), 4 % Fett, 10 % Mineralstoffe (darunter viel Eisen und Magnesium), 18 % lösliche Kohlenhydrate, 30 % Ballaststoffe, pflanzliche Hormone, Vitamin D, Vitamine B1 und B2 sowie Niacin.

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Medizinisch wirksame Substanzen im getrockneten oder frischen Pilz sind Glycoproteine, Sterole, Alkaloide und Lactone. Hericium kann die Magenschleimhaut aufbauen und schützen sowie antibakteriell wirken, was ihn zu einem Mittel der Wahl in der TCM zur Entzündungshemmung und zur Heilung von Gastritis macht. Im Labor entfaltet Hericium Wirksamkeit gegen Helicobacter pylori und Salmonellen. Zusätzlich sind immunstimulierende und krebshemmende Effekte gegen Tumoren von Magen und Speiseröhre nachgewiesen worden.

Hericium erinaceus und neurologische Erkrankungen

Die traditionelle Anwendung von Hericium in der TCM gegen Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit führt zu pharmakologischen Untersuchungen der Hericium-Wirkstoffe. Vielversprechend ist die Wirkung von Hericium-Extrakt auf Nervenzellen und Gehirnzellen, da nachweislich deren Wachstum und Regeneration angeregt wird. Hericium stimuliert den körpereigenen Nervenwachstumsfaktor und mindert die Schädigung der Nerven durch Schadproteine bei Morbus Alzheimer. In Patientenstudien konnte eine verbesserte Wahrnehmungsfähigkeit festgestellt werden. Die Wirkstoffe könnten gegen Nervenkrankheiten und Demenzerkrankungen, gegen die sogenannte Verkalkung und Morbus Alzheimer, aber auch gegen Morbus Parkinson helfen, womöglich auch bei Multipler Sklerose. Klinische Studien zeigen, dass Hericium Linderung bei Wechseljahrsbeschwerden und Angstzuständen bewirkt. Auch bei Schlafstörungen können mit dem Heilpilz Verbesserungen erzielt werden.

Zunderschwamm (Fomes fomentarius)

Der Zunderschwamm, der auch von Ötzi mitgeführt wurde, findet traditionell Anwendung zur Wundversorgung und zum Feuermachen. Seine potenziellen medizinischen Eigenschaften sind jedoch weniger umfassend erforscht als die anderer Vitalpilze.

Vitalpilze und Multiple Sklerose (MS)

Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung und eine chronische neurologische Erkrankung, bei der Entzündungsherde im Gehirn und Rückenmark entstehen. Bislang gibt es keine Heilung für MS, und die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt.

Im Kontext von MS-Therapien wird immer wieder Hericium erinaceus erwähnt. Dr. Ivan Jakopovich, ein führender europäischer Forscher auf dem Gebiet der Vitalpilze, lobt Hericium dafür, die Produktion von Nervenwachstumsfaktoren (NGF) zu stimulieren.

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Mögliche Wirkmechanismen von Vitalpilzen bei MS

Im MS-Geschehen können Vitalpilze immunstärkend, entzündungshemmend, stoffwechselanregend und entgiftend wirken. Ihr antioxidativer Charakter ist von besonderer Wichtigkeit, da sie Zellschädigungen durch freie Radikale vorbeugen und so zur Zellgesundheit des gesamten Organismus beitragen.

Jeder Vitalpilz hat sein spezielles Wirkspektrum und wird auf die individuelle Situation der Betroffenen abgestimmt verabreicht.

  • Agaricus: Kann auf das gesamte Immunsystem regulierend und stärkend einwirken und ist durch seinen sehr hohen Anteil an Beta-Glucanen für die Therapie von Fehlsteuerungen in der körpereigenen Abwehr gut geeignet.
  • Cordyceps: Wird überwiegend zur Stärkung der Kraft, Leistungsfähigkeit, Stressresistenz, bei Erschöpfungszuständen, zur Muskelregeneration und Stimmungsaufhellung eingenommen. Er unterstützt zudem Lunge, Herz und Nieren.
  • Coriolus: Wird zur vorbeugenden Stärkung des Immunsystems und bei chronischen Infektionen eingesetzt.
  • Hericium: Sein Inhaltsstoff Erinacin hilft nachweislich, Nervenwachstumsprozesse durch die Produktion von Nervenwachstumsfaktoren (NGF) positiv zu beeinflussen. Durch MS geschädigte Nervenzellen können repariert, Schäden so minimiert und Funktionen des Nervensystems besser unterstützt werden.

Darreichungsformen und Qualität von Vitalpilzen

Vitalpilze werden häufig als Kapseln angeboten, die entweder Pulver oder Extrakt enthalten. Das Pulver besteht aus dem getrockneten und gemahlenen Fruchtkörper, während in einem Extrakt die das Immunsystem verändernden Substanzen in bis zu 20-facher Konzentration enthalten sind. Für Menschen, die keine Kapseln nehmen können, existieren auch sogenannte Liquids, also Flüssigextrakte, die mit ihrer sehr hohen Inhaltsstoffkonzentration schneller im Körper aufgenommen werden können. Die gleichzeitige Einnahme von Vitamin C kann die Aufnahme der pilzspezifischen Inhaltsstoffe verbessern.

Bei der Qualität von Vitalpilzen sollte auf folgende Kriterien geachtet werden:

  • Eigener Anbau (Kontrolle der gesamten Produktionskette)
  • Bio-Qualität
  • Schonende Verarbeitung
  • Dualextraktion
  • GMP-Siegel (oder anderes Reinheitssiegel)
  • Chemische Analysen
  • Schadstoffanalysen
  • 100 % Rückverfolgbarkeit
  • Transparenz

Wichtiger Hinweis

Vitalpilze sind in Deutschland bisher nicht als Arzneimittel zugelassen, da die Datenlage hinsichtlich klinischer Studien am Menschen nach internationalen Standards wohl bisher nicht umfassend genug ist, um sie offiziell als wirksam und sicher bezeichnen zu können. Vitalpilze, die zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden, sollten daher zwingend von zertifizierten Herstellern stammen und durchweg von Bio-Qualität sein. Aufgrund der oben genannten Problematik, der Möglichkeiten von Wechselwirkungen mit Medikamenten sowie der Vielzahl der Vitalpilze und deren Kombinationsmöglichkeiten empfiehlt sich vor der Einnahme in jedem Fall die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sowie eine umsichtige und umfassende Begleitung durch erfahrene Therapeuten, die hochwertige Zubereitungen, Dosierungen und Kombinationen individuell und auf das jeweilige Krankheitsbild abgestimmt zusammenstellen können.

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