Karies ist eine weit verbreitete chronische Zahnerkrankung, die durch Bakterien verursacht wird, welche Zucker in Säuren umwandeln. Diese Säuren demineralisieren den Zahnschmelz und führen zu Schäden, die bis ins Innere des Zahns reichen können. Es ist wichtig, die Ursachen, Stadien, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen von Karies zu verstehen, um die Zähne gesund zu erhalten.
Was ist Karies?
Der Begriff "Karies" stammt vom lateinischen Wort "caries", was so viel wie "Morschheit" oder "Fäulnis" bedeutet. Karies ist eine zerstörerische Erkrankung eines Zahnes, die durch Mikroorganismen entsteht. Sie ist ansteckend und kann für Betroffene mit starken Schmerzen verbunden sein. Die Infektion kann den Zahnschmelz, das härteste Material im menschlichen Körper, zerstören. Um Karies vorzubeugen und einzudämmen, ist eine gründliche Mund- und Zahnpflege unerlässlich. Dazu gehört auch die professionelle Zahnreinigung, die man zweimal jährlich durchführen lassen sollte.
Arten von Karies
Karies ist eine bakterielle Erkrankung der Zähne. Die drei unterschiedlichen Arten von Karies beziehen sich auf den jeweiligen Zahnbereich, der typischerweise durch die Krankheit geschädigt ist.
- Zahnhalskaries: Betrifft meist ältere Menschen ab 60 Jahren, bei denen sich das Zahnfleisch allmählich zurückzieht. Die dann ungeschützten Zahnhälse können besonders leicht von Kariesbakterien befallen werden.
- Grübchen- oder Fissurenkaries: Betrifft die Kauflächen der Backenzähne. Besonders bei unzureichender Mundhygiene lagern sich Beläge und Nahrungsreste in den kleinen Nischen und Mulden auf der Zahnkrone an. Diese schlecht zugänglichen Bereiche bieten den Bakterien ein Einfallstor für die Zersetzung des Zahnschmelzes.
- Oberflächenkaries: Betrifft die glatten Außenflächen der Zähne (Zahnoberfläche). Nicht entfernte Plaque bildet hier einen Belag, in dem sich Kariesbakterien ansiedeln können. Auch diese Art der Karies ist meistens durch regelmäßige und gründliche Zahnpflege vermeidbar.
- Approximalkaries (Zahnzwischenraumkaries): Bildet sich zwischen den Zähnen, wo sich Plaque und Speisereste ansammeln. Diese Bereiche werden beim normalen Zähneputzen oft vernachlässigt, was die Vermehrung der Bakterien begünstigt.
- Sekundärkaries (Randkaries): Entsteht rund um bestehende Zahnfüllungen oder Kronen. Dieser Typ ist häufig auf unzureichende Mundhygiene oder eine undichte bzw. beschädigte Füllung oder Krone zurückzuführen.
Stadien der Karies
Der Zahnarzt unterscheidet die Stadien der Karieserkrankung in vier Stufen:
- Initialkaries: Genau genommen noch eine Kariesvorstufe, die sich aber unbehandelt zu Karies entwickelt. Der Zahnschmelz ist an den betroffenen Stellen bereits entmineralisiert. Es zeigen sich weiße, transparente oder bräunliche Flecken. In diesem Stadium können die entstandenen Schäden zum Teil noch rückgängig gemacht werden.
- Dentinkaries (Schmelzkaries): Der Zahnschmelz hat deutliche Defekte, in denen sich beim Essen Speisereste ablagern können. Dies beschleunigt den Fortschritt der Erkrankung. Es sind braune Flecken auf den betroffenen Zähnen zu erkennen.
- Tiefer Karies: Hat den Zahnschmelz durchdrungen und bereits das darunterliegende Zahnbein erreicht. Es kann in diesem Stadium erstmals zu Zahnschmerzen kommen. Der Zahnbefall zeigt sich schwarz oder braun. Auch Mundgeruch entsteht oft.
- Karies im Zahnmark mit Abszess in der Zahnwurzel: Das finale Stadium der Karies. Die Krankheit hat nun das gut durchblutete und sehr empfindliche Zahnmark erreicht. Starke Zahnschmerzen sind häufig die Folge, besonders im Zusammenhang mit einer Zahnwurzelentzündung. Um noch ernstere Komplikationen zu vermeiden, muss sofort eine zahnärztliche Behandlung erfolgen.
Die Stadien der Kariesentwicklung lassen sich auch wie folgt beschreiben:
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- Anfangsstadium: Die von Bakterien produzierten Säuren beginnen, Mineralien im Zahnschmelz aufzulösen. Dies führt zu weißen Flecken auf der Zahnoberfläche, dem ersten Anzeichen einer beginnenden Karies.
- Fortgeschrittenes Stadium: Wenn die Karies nicht behandelt wird, erreicht sie die zweite Schicht des Zahns - das Dentin. In dieser Phase können Zahnempfindlichkeit und Schmerzen auftreten.
- Befall der Pulpa (Zahnmark): Sobald die Karies die Pulpa erreicht, in der sich Nerven und Blutgefäße befinden, kann sie starke Schmerzen und Entzündungen verursachen.
Ursachen und Risikofaktoren
Kariesschäden entstehen durch die zerstörerische Wirkung bakterieller Stoffwechselprodukte. Die verursachenden Bakterien bilden einen klebrigen Biofilm, der vor allem an den Zähnen anhaftet. Dazu kommen noch Speisereste und Inhaltsstoffe des Speichels. Diese Plaque ist ein ideales Milieu für die Vermehrung der Bakterien. Sie ernähren sich von den Kohlenhydraten aus der menschlichen Nahrung. Dabei wandeln sie hauptsächlich Zucker in Säure um. Diese Säure entmineralisiert nach und nach den Zahnschmelz und macht ihn so porös. Dadurch gelingt es den Bakterien, in den Zahn einzudringen und auch das Zahninnere zu zersetzen.
Weitere Risikofaktoren für die Entstehung von Karies sind:
- Bakterien im Mundraum: Auf der Zahnoberfläche befinden sich Bakterien, die Säuren produzieren, wenn wir Zucker und Stärke zu uns nehmen. Manche Menschen haben eine besonders aktive Kariesform, die dauerhaft in ihrem Mund präsent ist. Eltern mit aktiver Karies können diese Bakterien leicht auf ihr Kind oder eine nahestehende Person übertragen - etwa durch gemeinsames Essen, Trinken aus einem Glas oder sogar durch Küssen.
- Zuckerreiche Ernährung: Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke liefern den Bakterien Nahrung, die diese zu Säuren umwandeln.
- Mangelhafte Mundhygiene: Werden Zähne nicht regelmäßig gründlich geputzt und Zahnseide nicht benutzt, lagert sich Plaque auf den Zähnen ab, was zu Karies führt.
- Mangel an Fluorid: Fluorid stärkt den Zahnschmelz und schützt Zähne vor Karies. Ein unzureichender Fluoridgehalt erhöht das Kariesrisiko.
- Schlechte Hygienegewohnheiten: Ermöglichen es Plaque und Zahnstein, sich auf den Zähnen anzusammeln, wodurch der Prozess der Kariesbildung beschleunigt wird.
- Reduzierter Speichelfluss: Speichel enthält mineralische Bestandteile, die dem Zahnschmelz notwendige Mineralien zuführen und daher einen Beitrag zur Reparatur des Schmelzes leisten. Zudem trägt Speichel aktiv zur Selbstreinigung des Mundes bei und verdünnt die von Kariesbakterien produzierte Säure. Medikamente, Rauchen und Diabetes können Ursachen für eine geringere Speichelproduktion sein. Im Laufe des Lebens nimmt der Speichelfluss ab.
- Genetische Faktoren: Forscher haben herausgefunden, dass ein schwacher bzw. defekter Zahnschmelz durch mutierte Gene verursacht werden kann.
- Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft sind werdende Mütter besonders gefährdet, Karies oder auch Zahnfleischerkrankungen zu entwickeln. Ursache dafür ist häufig die Hormonumstellung.
Symptome von Karies
Weißliche bis bräunliche Verfärbungen auf den Zähnen sind erste Anzeichen für eine Karies, die behandelt werden sollte. Die Entstehung von Initialkaries beginnt mit dem Auslösen der Mineralien aus dem Zahnschmelz. Mit Fluorid und guter Mundhygiene kann dem Fortschreiten zu diesem Zeitpunkt noch entgegengewirkt werden.
Bei gelber oder brauner Färbung des Zahnes liegt bereits eine Schmelzkaries vor und die Oberfläche wird so stark von Bakterien angegriffen, dass ein Loch entsteht. Von Dentinkaries sprechen Zahnärzte, wenn das Loch das Zahnbein (Dentin) erreicht. Dabei tritt Schmerzempfindlichkeit der Zähne bei Kaltem, Süßem oder Heißem auf.
Die letzte Phase heißt tiefe Zahnkaries. Die Zerstörung des Zahnes ist bis ins Zahnmark durchgedrungen. Dabei stellen sich heftige, anhaltende Schmerzen ein, Teile des Zahnes können abbrechen oder ein Abszess an der Wurzel entsteht.
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Weitere Symptome können sein:
- Empfindlichkeit der Zähne
- Rau oder weicher werdende Zahnoberfläche
- Pochende Zahnschmerzen oder leichtes Ziehen der Zähne
- Mundgeruch
Untersuchung und Diagnose
Beim Kontrolltermin untersucht der Zahnarzt das Gebiss, das Zahnfleisch und die Mundschleimhaut. Er erkundigt sich auch, ob der Patient Probleme im Mundraum hat. Mit einem kleinen Spiegel erkennt er selbst versteckte Kariesschäden zwischen den Zähnen. Unter Verwendung einer feinen Sonde prüft er, wie tief ein entdecktes Loch ist. So kann bestimmt werden, in welchem Stadium der Erkrankung sich die kariöse Stelle befindet.
In letzter Zeit sind neue Methoden hinzugekommen, um versteckte Kariesherde zu erkennen:
- Elektrische Widerstandsmessung: Hier wird mit einer Handelektrode geprüft, ob Veränderungen der Messwerte auf einen Kariesbefall hindeuten.
- Fluoreszenzverfahren: Hier werden die fluoreszierenden Eigenschaften des Zahnschmelzes genutzt, um kariöse Stellen sichtbar zu machen.
- Faseroptische Transillumination: Dabei leiten Zahnärzte Kaltlicht mittels (stumpfer) Sonde in den Zahn. Zerstörte Zahnsubstanz sorgt dafür, dass das Licht nicht weitergeleitet wird; es wird ein dunkler Fleck sichtbar, der die Karies darstellt.
- Laserfluoreszenz: Kariöse Anteile fluoreszieren nämlich stärker als gesunde. Um diese Unterschiede zu erkennen, wird der Zahn mit einer speziellen Lampe beleuchtet, die ein Licht mit einer speziellen Wellenlänge abstrahlt.
Röntgenuntersuchungen sind dagegen eher die Ausnahme, wenn es darum geht, Kariesbefall zu lokalisieren.
Kariesbehandlung
Die Behandlung von Karies hängt davon ab, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Grundsätzlich geht es darum, die geschädigte Zahnsubstanz zu entfernen und die Funktion sowie Stabilität des Zahns wiederherzustellen.
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- Frühe Stadien (Initialkaries): In diesem Stadium kann der Zahnarzt noch versuchen, den Zahn durch Fluoridbehandlungen oder spezielle Lacke zu remineralisieren. Spezielle Mundspüllösungen oder Zahnpasten mit hohem Fluoridgehalt können helfen. Mit guter Zahnpflege kann sich der Zahnschmelz in diesem Stadium wieder stabilisieren.
- Kariesinfiltration (Infiltrationstherapie): Wenn die Karies etwas weiter fortgeschritten ist, aber noch kein Loch entstanden ist, kann die sogenannte Kariesinfiltration oder Icon-Therapie angewendet werden. Dabei wird die poröse Zahnoberfläche mit einem sauren Gel leicht geöffnet. Anschließend wird auf das verbleibende Loch ein dünnflüssiger Kunststoff (Icon) aufgebracht und durch UV-Licht ausgehärtet. Der Kunststoff zieht in die feinen Poren ein und versiegelt den Zahn von innen.
- Fortgeschrittene Karies: Wenn die Karies tiefer geht und schon ein Loch entstanden ist, reicht Fluorid allein nicht mehr. Die kranke Zahnsubstanz wird mit einem Bohrer oder modernen Techniken (z. B. Laser oder feine Instrumente) vom Zahnarzt entfernt. Anschließend wird das Loch mit einer Füllung verschlossen, damit keine neuen Bakterien eindringen können. Für Füllungen gibt es verschiedene Materialien: Kunststoff (Komposit), Keramik oder Gold.
- Sehr fortgeschrittene Karies: Wenn die Karies schon viel Zahnsubstanz zerstört hat, reicht eine normale Füllung nicht mehr aus. Der Zahnarzt kann dann eine Krone einsetzen, die den ganzen Zahn wie eine Schutzkappe umhüllt und ihn stabilisiert.
- Karies hat den Zahnnerv (Pulpa) erreicht: In diesem Fall ist eine Wurzelbehandlung notwendig. Der Zahnarzt entfernt das entzündete oder abgestorbene Nervengewebe. Die feinen Wurzelkanäle werden gründlich gereinigt und desinfiziert. Danach werden sie mit einer dichten Füllung verschlossen, damit keine Bakterien mehr eindringen.
- Nicht mehr erhaltbare Zähne: Manchmal ist der Zahn so zerstört, dass selbst eine Wurzelbehandlung nicht mehr hilft. In diesem Fall muss der Zahn gezogen (extrahiert) werden. Um die Lücke zu schließen, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Implantat, Brücke oder Prothese.
Karies vorbeugen
Um Karies vorzubeugen und einzudämmen, ist eine gründliche Mund- und Zahnpflege unerlässlich. Dazu gehört auch die professionelle Zahnreinigung, die man zweimal jährlich durchführen lassen sollte.
Weitere wichtige Schritte zur Kariesprävention sind:
- Regelmäßige Mundhygiene: Zähneputzen (mindestens zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta), Verwendung von Zahnseide (täglich, um Plaque und Speisereste zwischen den Zähnen zu entfernen) und Mundspülungen (fluoridhaltige Mundspülung zur Stärkung des Zahnschmelzes und Reduzierung der Bakterienzahl).
- Richtige Ernährung: Reduktion von Zucker und Säuren (Begrenzung des Konsums von zucker- und säurehaltigen Lebensmitteln und Getränken) und ausgewogene Ernährung (viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Proteine und Milchprodukte).
- Regelmäßige Zahnarztbesuche: Vorsorgeuntersuchungen (mindestens zweimal im Jahr), Fluoridbehandlungen (zur Stärkung des Zahnschmelzes) und Fissurenversiegelungen (zum Schutz der Kauflächen der hinteren Zähne).
- Weitere präventive Maßnahmen: Kauen von zuckerfreien Kaugummis (nach dem Essen, zur Anregung der Speichelproduktion), Zahnschutz beim Sport (um Zahnverletzungen vorzubeugen) und Maßnahmen gegen Mundtrockenheit (bei Bedarf).