Taubheitsgefühl in der Backe beim Kauen: Ursachen und Linderung von Nackenverspannungen

In der heutigen schnelllebigen Zeit sind Stress und Anspannung für viele Menschen fast alltägliche Begleiter. Während einige körperliche Reaktionen auf Stress offensichtlich sind, manifestieren sich andere weniger sichtbar, jedoch ebenso problematisch. Eines dieser Symptome sind Kieferverspannungen. Sie beeinträchtigen nicht nur unsere Mundgesundheit, sondern können auch weitreichende Folgen für unser Wohlbefinden und unsere Lebensqualität haben.

Einführung: Das komplexe Zusammenspiel von Kiefer, Nacken und Wohlbefinden

Kieferverspannungen sind ein weit verbreitetes Problem, das oft mit Stress, Zähneknirschen und Fehlstellungen des Kiefers in Verbindung gebracht wird. Die Auswirkungen dieser Verspannungen können sich jedoch weit über den Mundbereich hinaus erstrecken und zu einer Vielzahl von Beschwerden im Kopf-, Nacken- und Rückenbereich führen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen von Kieferverspannungen, insbesondere im Zusammenhang mit Nackenverspannungen, und zeigt effektive Wege zur Linderung und Behandlung auf.

Ursachen von Kieferverspannungen und Taubheitsgefühl in der Backe

Kieferverspannungen können verschiedene Ursachen haben, die oft ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken.

  • Stress und Anspannung: Stress ist einer der Hauptauslöser für Kieferverspannungen. Eine gesamtkörperliche Anspannung durch Stress kann beispielsweise zu Verspannungen im Nackenbereich führen, die wiederum Kieferverspannungen auslösen können. Zudem kann Stress zu Zähneknirschen führen, das ebenfalls Kieferverspannungen verursachen kann. Hierbei beeinflussen und verstärken sich die Symptome häufig gegenseitig.
  • Fehlstellungen des Kiefers: Eine andere Ursache für Kieferverspannungen und Zähneknirschen ist, wenn der Biss nicht korrekt ist. Dazu kommt es zum Beispiel durch Fehlstellungen des Ober- und Unterkiefers.
  • Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): Macht das Kiefersystem Probleme, sprechen Medizinerinnen und Mediziner von Craniomandibulärer Dysfunktion (CMD). Vereinfacht übersetzt sind das Funktionsstörungen in Bezug auf die Bewegungen und die Beweglichkeit des Unterkiefers. Typische Beispiele: Die Zähne passen nicht richtig aufeinander, der Mund lässt sich nicht vollständig öffnen oder schließen, das Kiefergelenk knirscht beim Bewegen.
  • Zähneknirschen (Bruxismus): Unter Zähneknirschen (Bruxismus) wird das ständige Aufeinanderpressen oder Reiben der Ober- und Unterkieferzähne bezeichnet. In der Regel knirschen Betroffene unbewusst, häufig im Schlaf oder tagsüber in stark angespannten Situationen, mit den Zähnen. Mediziner sprechen beim nächtlichen Zähneknirschen vom Schlafbruxismus beziehungsweise vom nocturnalen Bruxismus. Dem gegenüber steht das stressbedingte Kieferpressen am Tag - der Wach- oder diurnale Bruxismus.
  • Muskuläre Probleme: Häufige Ursache: Betroffene knirschen mit den Zähnen oder pressen sie zu fest aufeinander. „Dabei werden die Kaumuskeln überlastet, sodass sie schmerzhaft verspannen können“, erklärt Imhoff.
  • Fehlhaltungen: Im Sitzen ziehen viele ihren Kopf zu weit nach vorn, wie eine Schildkröte“, erläutert die Physiotherapeutin. Entscheidend sei, dass die Patienten auch zu Hause trainieren, etwa Übungen zur Stabilisation oder Entspannung des Kiefers an die Hand bekommen.
  • Weitere Risikofaktoren: Doch nicht jeder, der mit den Zähnen knirscht oder den Kopf falsch hält, entwickle zwangsläufig eine CMD, sagt Zahnmediziner Imhoff. Ob Schmerzen im Kauapparat auftreten, hängt auch von einer genetischen Veranlagung ab. Das legen Ergebnisse einer US-Studie im Fachmagazin Journal of Pain nahe. Demnach sind rund acht Prozent der Bevölkerung betroffen.

Die Auswirkungen von Kieferverspannungen auf den Körper

Kieferverspannungen sind also nicht nur ein lokal begrenztes Problem im Mundbereich. Ihr Einfluss auf die körperliche Gesundheit kann weitreichend sein. Beginnend im Kiefer können diese neben Nacken- und Rückenschmerzen auch Schmerzen beim Kauen, Kopfschmerzen oder Ohrenschmerzen auslösen. In einigen Fällen können sie zudem zu Tinnitus oder Schwindelgefühlen beitragen.

  • Auswirkungen auf die Mundgesundheit: Kieferverspannungen können darüber hinaus erhebliche Konsequenzen für unsere Mundgesundheit haben. Sie führen oftmals zu einem ungleichmäßigen Abrieb der Zahnflächen, besonders wenn diese Verspannungen in Verbindung mit Zähneknirschen stehen. Dies kann den Zahnschmelz schwächen und zu einer erhöhten Anfälligkeit für Karies und Zahnbruch führen. Darüber hinaus kann eine ständige Anspannung der Kaumuskulatur zu Schmerzen im Kiefergelenk und in den umliegenden Muskeln führen, was das normale Kauen und Sprechen beeinträchtigen kann. Ein verspannter Kiefer kann zudem das Risiko für Entzündungen und Erkrankungen des Kiefergelenks erhöhen, wie etwa einer temporomandibulären Dysfunktion (TMD).
  • Verbindung zum Nacken: Die tiefen Nackenmuskeln sind über die Halswirbelsäule eng mit dem Kiefer verbunden“, sagt Eisenschmid.
  • Taubheitsgefühl: Vermutlich würdest du bei diesem Beschwerdebild anfangs nicht an eine Fehlregulation des Kiefers denken, oder? Dennoch kann es bei CMD zu begleitenden Erkrankungen wie Taubheitsgefühlen, Zahnschmerzen oder Rückenschmerzen kommen.
  • Weitere Symptome: Als Folge vom regelmäßigen Zähneknirschen entwickelt sich oftmals eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Dahinter verbirgt sich eine Funktionsstörung, die das gesamte System aus Cranium (Schädel) und Mandibula (Unterkiefer), samt umgebender Sehnen, Nervenbahnen und Gesichtsmuskeln betrifft. Typische Anzeichen sind Kopfschmerzen und Schmerzen im Nacken- und Rückenbereich, bis hin zu Ohrgeräuschen (Tinnitus), Schwindel und Sehstörungen.

Diagnose von Kieferverspannungen

Darum ist es umso wichtiger, Kieferverspannungen und Zähneknirschen möglichst schnell zu erkennen. Denn obwohl Kieferverspannungen häufig mit anderen Symptomen verknüpft sind, können sie zu Beginn unbemerkt bleiben.

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  • Selbsttest: Doch es gibt einen simplen Test zur Überprüfung: Versuchen Sie, Ihren Unterkiefer seitlich oder in kreisförmigen Bewegungen zu bewegen. Einschränkungen hierbei könnten auf eine Verspannung hindeuten.
  • Ärztliche Untersuchung: Da es wichtig ist, eine genaue Ursache zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen zu treffen, sollte in jedem Fall ein Zahnarzt Ihres Vertrauens oder ein Kieferorthopäde konsultiert werden.

Behandlungsmöglichkeiten zur Linderung von Kieferverspannungen

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um Kieferverspannungen zu lindern.

  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme- oder Kältepackungen helfen, die Muskulatur zu entspannen.
  • Physiotherapie: Auch Physiotherapie kann durch gezielte Übungen die Muskulatur lockern und die Kieferbewegung verbessern.
  • Entspannungstechniken: Ist Stress der Auslöser der Kieferverspannungen helfen oft Entspannungstechniken wie Yoga oder progressive Muskelentspannung.
  • Botox-Injektionen: Eine weitere Option zur Behandlung von Kieferverspannungen ist die Anwendung von Botox-Injektionen. Botox, oder Botulinumtoxin, wird gezielt in die betroffenen Muskeln injiziert, um deren Aktivität zu hemmen. Dies führt zu einer vorübergehenden Entspannung der Muskulatur und kann somit Schmerzen und Spannungen im Kieferbereich reduzieren. Diese Methode kann besonders effektiv bei Fällen von Bruxismus (Zähneknirschen) oder unkontrolliertem Zähneknirschen während des Schlafes sein.
  • Aufbissschiene: Am häufigsten angewendet werde die Aufbissschiene. Auch effektiv: eine begleitende Physiotherapie oder Logopädie.
  • Manuelle Therapie: Zum Einsatz kommen Lockerungsübungen und manuelle Techniken, zudem wird oft die Koordination geschult - etwa wenn es Patienten schwerfalle, ihren Kiefer in bestimmte Richtungen zu bewegen.

Tipps für einen entspannten Kiefer

  • Kiefermuskeln schonen: Bei Beschwerden übermäßiges Kaugummikauen vermeiden.
  • Massieren: Der große Kaumuskel lasse sich gut selbst ausstreichen, sagt Physiotherapeutin Eisenschmid. „Finger am Kiefer, etwa auf Höhe des Ohres, ansetzen und mit konstantem Druck nach vorne unten ziehen. Sie werden spüren, wo Ihre Schmerzpunkte sind.“
  • Wärmen: Oft sind auch die Hals- und Nackenmuskeln verspannt. Zahnmediziner Imhoff rät: „Wickeln Sie ein feuchtwarmes Handtuch um Ihren Nacken, ein trockenes drum herum. Lassen Sie die Wärme im Liegen etwa eine Viertelstunde einwirken.“
  • Trainieren: Ausdauersport lockert die Muskulatur und verbessert die Haltung. Empfohlen werden fünf Einheiten pro Woche, jeweils mindestens 30 Minuten.
  • Gut schlafen: „Die Grundspannung der Muskeln sowie die Schmerzempfindlichkeit des Menschen hängen wesentlich von einer erholsamen Nachtruhe ab“, sagt Imhoff.
  • Tägliche Verhaltenskontrolle: tägliche Verhaltenskontrolle alle 30 Min. z.B. über eine Erinnerung im Handy. Zähne sollen sich nur beim Kauen berühren. Sonst nicht.
  • Schlafhygiene: Schlafhygiene (1 Stunde vor dem Schlafen keine Elektrogeräte wie TV, PC, Handy,… benutzen.

CMD-Behandlung: Ein interdisziplinärer Ansatz

Die Behandlung ist nicht von einer einzelnen Person zu leisten. An einer erfolgreichen CMD-Behandlung ist meist ein interdisziplinäres Team aus Zahnärzten, Kieferorthopäden, Osteopathen und Physiotherapeuten beteiligt. Außerdem muß der Patient selbst aktiv werden und mithelfen.

  • Ganzheitlicher Blick: Gerade weil chronische Kieferschmerzen ein vielschichtiges Problem darstellen, ist es für eine erfolgreiche Therapie unerlässlich, Begleiterkrankungen zu berücksichtigen und bei Bedarf interdisziplinär weitere Spezialisten hinzuziehen. Ein Orthopäde kann beispielsweise abklären, ob die Schmerzen im Kieferbereich mit Haltungsproblemen oder der Halswirbelsäule zusammenhängen, ein Schmerzmediziner wird wichtig, wenn sich die Kieferschmerzen bereits verselbstständigt und ein Schmerzgedächtnis gebildet haben, und da Stress und nächtliches Zähneknirschen oft die Kaumuskulatur überlasten, kann auch psychologische Unterstützung entscheidend sein.

Prognose und langfristige Linderung

„Bei der Behandlung von Kieferschmerzen im Rahmen einer CMD brauchen Patientinnen und Patienten oft einen langen Atem“, sagt Imhoff, denn die Therapie besteht selten aus einer einzigen Maßnahme, sondern ist ein Prozess. Die Aussicht auf eine nachhaltige Linderung der Kieferschmerzen sei aber gut - vorausgesetzt, die Betroffenen arbeiten aktiv mit, indem sie etwa Übungen diszipliniert durchführen oder eine Schiene konsequent tragen. Nach sechs, spätestens zwölf Monaten erfahren über 90 Prozent der Patientinnen und Patienten eine deutliche Besserung, die sich in geringerer Schmerzintensität und einer wiederhergestellten Funktion des Kiefers zeigt.

Hilfreiche Ressourcen

Für Betroffene, die unter Kieferschmerzen leiden, ist die Webseite der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) unter www.dgfdt.de eine zentrale Anlaufstelle. Hier finden Sie nicht nur fundierte Patienteninformationen zu den komplexen Ursachen und vielfältigen Symptomen von Kieferschmerzen, insbesondere im Zusammenhang mit Craniomandibulärer Dysfunktion (CMD), sondern auch eine gezielte Arztsuche.

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