Die Gefahr und Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist eine Schmetterlingsart, deren Raupen in den letzten Jahren aufgrund steigender Temperaturen und ausbleibender Nachtfröste in Europa, insbesondere in Deutschland, immer häufiger auftreten. Diese Entwicklung stellt eine zunehmende Gefahr für Mensch und Tier dar, da die Brennhaare der Raupen ein Nesselgift enthalten, das heftige allergische Reaktionen und andere gesundheitliche Probleme auslösen kann.

Was macht den Eichenprozessionsspinner gefährlich?

Die Problematik des Eichenprozessionsspinners liegt in den feinen Brennhaaren der Raupen, die mit dem Nesselgift Thaumetopoein gefüllt sind. Dieses Gift kann bei Menschen und Tieren heftige Reaktionen der Haut und Atemwege auslösen. Die Brennhaare brechen leicht ab und verteilen sich in Massen in den Nestern der Tiere. Zudem werden sie durch den Wind verbreitet, was bedeutet, dass ein direkter Kontakt mit den Raupen oder ihren Nestern nicht erforderlich ist, um die feinen Härchen auf die Haut oder in die Atemwege zu bekommen. Dort setzen sie sich mit ihren Widerhaken fest.

Symptome nach Kontakt

Der Kontakt mit den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners kann verschiedene Symptome auslösen, darunter:

  • Hautausschlag: Juckende Quaddeln und Rötungen auf der Haut, auch bekannt als Raupendermatitis.
  • Reizungen der Atemwege: Husten, Atembeschwerden bis hin zu Asthmaanfällen.
  • Augenreizungen: Konjunktivitis (Bindehautentzündung), in seltenen Fällen Keratitis oder Uveitis.
  • Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen Fieber und Kreislaufreaktionen bis hin zu einem allergischen Schock.

Die Symptome können, unbehandelt, oft ein bis zwei Wochen anhalten. Meist sind alle Hautbereiche betroffen, die nicht bedeckt waren.

Risikogruppen

Besonders gefährdet sind folgende Personengruppen:

Lesen Sie auch: Forschung zu Übergewicht und Gehirnveränderungen

  • Spielende Kinder
  • Spaziergänger im Wald und an Waldrändern
  • Benutzer von Freizeiteinrichtungen im Grünen (Campingplätze, Schwimmbäder etc.)
  • Anwohner betroffener Waldgebiete oder von Grundstücken mit Eichenbestand
  • Waldarbeiter, Arbeitskräfte in der Landschaftspflege und bei Straßenmeistereien in befallenen Gebieten
  • Ofen- und Kaminbesitzer beim Hantieren mit Brennholz

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose einer Raupendermatitis oder Allergie durch den Eichenprozessionsspinner ist nicht einfach, da ähnliche Symptome auch andere Auslöser haben können. Ein direkter Nachweis des Kontakts mit dem Gift ist nicht möglich. Daher ist es wichtig, im Gespräch mit dem Arzt auf einen möglichen Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner oder seinen Gespinsten hinzuweisen.

Die Behandlung der Hautreaktionen erfolgt meist mit Kortisolpräparaten. Gegen den Juckreiz helfen Antihistaminika. Bei Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut können Bronchitis, schmerzhafter Husten und Asthma auftreten.

Vorbeugende Maßnahmen

Um Beschwerden durch den Eichenprozessionsspinner zu vermeiden, sollten folgende Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden:

  • Nicht anfassen: Raupen oder ihre Gespinste nicht berühren.
  • Abstand halten: Areale, die vom Eichenprozessionsspinner befallen sind, weiträumig meiden.
  • Kleidung wechseln und duschen: Nach Kontakt mit Raupenhaaren sofort die Kleidung wechseln und duschen.
  • Holzschlagen und Baumpflegemaßnahmen vermeiden: Solange Raupennester sichtbar sind, auf Holzschlagen und Baumpflegemaßnahmen verzichten.
  • Bekämpfung Fachleuten überlassen: Die Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner-Raupen und ihrer Nester Fachleuten überlassen.

Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners

Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners sollte von Fachleuten durchgeführt werden, die ihre Maßnahmen dem Entwicklungsstadium der Raupen anpassen und entsprechend ausgerüstet sind. Die Verbraucherzentrale NRW rät bei starkem Befall dazu, sich an den Verein zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung oder den Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband zu wenden.

Die Kosten für die Bekämpfung müssen Hauseigentümer in der Regel selbst bezahlen, wobei ein Teil der Lohn- und Anfahrtskosten steuerlich absetzbar ist.

Lesen Sie auch: "SOKO Wismar" entlarvt die neun Gehirne des Oktopus

Natürliche Feinde: Der Große Puppenräuber

Eine positive Entwicklung im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner ist die Rückkehr des Großen Puppenräubers (Calosoma sycophanta) nach Südbayern. Dieser Käfer ist ein natürlicher Feind der Schmetterlingsraupen, insbesondere des Eichenprozessionsspinners.

Der Große Puppenräuber ist leicht an seinem metallischen Glanz, dem goldenen Panzer und dem blau-metallischen Halsschild zu erkennen. Er profitiert vom Klimawandel, der die Vermehrung von Schmetterlingen wie dem Eichenprozessionsspinner begünstigt. Der Käfer ist ein „Wanderer“ und kann große Distanzen zurücklegen, um sich mit Raupen zu versorgen.

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) bittet die Bevölkerung, Sichtungen des Großen Puppenräubers zu melden, um die Verbreitung des Käfers weiter zu dokumentieren und Schutzmaßnahmen zu entwickeln.

Frühwarnsysteme und Verbreitungskarten

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bietet ein Frühwarnsystem mit einer Larven-Verbreitungskarte an, die Behörden vor Ort rechtzeitig vor einem Befall mit den Problemlarven warnen soll. Die Karte basiert auf den aktuellen Werten der gemessenen Lufttemperatur, die maßgeblich die Entwicklung der Falterraupen steuert. Bislang ist Deutschland das einzige Land, in dem eine solche Larven-Verbreitungskarte existiert.

Die Rolle von Museen und Bildungseinrichtungen

Museen und Bildungseinrichtungen spielen eine wichtige Rolle bei der Aufklärung über den Eichenprozessionsspinner und seine Auswirkungen. Sie bieten Führungen und Workshops an, die globale Zusammenhänge veranschaulichen und die Bedeutung von Ökosystemen und Lebensräumen von Tier und Mensch hervorheben.

Lesen Sie auch: Gehirntransplantation: Eine kritische Analyse

tags: #die #zwolf #gehirne #der #seidenspinnerraupen