Die neurologische Notfallversorgung spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Patienten mit akuten neurologischen Erkrankungen. Ein diensthabender Neurologe ist ein Facharzt für Neurologie, der außerhalb der regulären Sprechzeiten, beispielsweise nachts, an Wochenenden oder Feiertagen, für die Versorgung von Notfällen zuständig ist. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Aufgaben und Verantwortlichkeiten eines diensthabenden Neurologen, die Organisation der neurologischen Notfallversorgung und wichtige Informationen für Patienten.
Aufgaben und Verantwortlichkeiten des diensthabenden Neurologen
Der diensthabende Neurologe ist die erste Anlaufstelle für Patienten mit akuten neurologischen Beschwerden, die eine sofortige medizinische Behandlung erfordern. Zu den häufigsten Aufgaben gehören:
- Diagnostik und Behandlung akuter neurologischer Erkrankungen: Dazu gehören beispielsweise Schlaganfälle, epileptische Anfälle, akute Kopfschmerzen, Meningitis oder Enzephalitis.
- Beurteilung der Dringlichkeit: Der Neurologe muss schnell entscheiden, welche Patienten sofort behandelt werden müssen und welche etwas Zeit haben. Die Reihenfolge der Behandlung richtet sich nach der medizinischen Dringlichkeit und nicht nach dem Zeitpunkt des Eintreffens.
- Einleitung notfallmedizinischer Maßnahmen: Dazu gehören beispielsweise die Thrombolyse bei Schlaganfällen, die Behandlung von Status epilepticus oder die Stabilisierung von Patienten mit Bewusstseinsstörungen.
- Koordination der weiteren Behandlung: Der Neurologe entscheidet, ob der Patient stationär aufgenommen werden muss oder ambulant weiterbehandelt werden kann. Er koordiniert auch die Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen, wie beispielsweise der Radiologie oder der Neurochirurgie.
- Beratung von Kollegen: Der diensthabende Neurologe steht auch anderen Ärzten, beispielsweise in der Notaufnahme oder auf anderen Stationen, beratend zur Seite.
Organisation der neurologischen Notfallversorgung
Die neurologische Notfallversorgung ist in Deutschland unterschiedlich organisiert. In vielen Krankenhäusern gibt es eine neurologische Notaufnahme, die rund um die Uhr besetzt ist. In anderen Krankenhäusern ist der diensthabende Neurologe über die allgemeine Notaufnahme erreichbar.
Ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Notfallversorgung ist die Stroke Unit, eine spezialisierte Station für die Behandlung von Schlaganfallpatienten. Auf der Stroke Unit arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Sozialarbeitern zusammen, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Die Qualität der Stroke Unit wird regelmäßig durch die Deutsche Schlaganfallgesellschaft überprüft und zertifiziert.
Die Rolle der 116117 im neurologischen Notfall
Die bundesweite Rufnummer 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst und der 116117 Terminservice. Sie bietet Patienten rund um die Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen, ärztliche Hilfe an, wenn die eigene Arztpraxis geschlossen ist und die Erkrankung nicht lebensbedrohlich ist, aber nicht bis zum nächsten Tag warten kann.
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Bei neurologischen Beschwerden kann die 116117 eine erste Anlaufstelle sein. Geschulte Mitarbeiter nehmen die Beschwerden auf und können den Patienten an den geeigneten Arzt oder das geeignete Krankenhaus verweisen. In einigen Regionen gibt es auch einen speziellen neurologischen Bereitschaftsdienst, der über die 116117 erreichbar ist.
Die 116117 arbeitet mit einer strukturierten medizinischen Ersteinschätzung (SmED), auch bekannt als Patienten-Navi. SmED ist eine zertifizierte Software, die durch gezielte Fragen eine fundierte Empfehlung zur Behandlungsdringlichkeit und zum geeigneten Behandlungsort ermöglicht.
Wichtige Informationen für Patienten
Wenn Sie plötzlich neurologische Beschwerden haben, wie beispielsweise:
- Plötzliche Lähmungen oder Schwäche in Arm oder Bein
- Sprachstörungen
- Sehstörungen
- Starke Kopfschmerzen
- Schwindel
- Bewusstseinsstörungen
- Krampfanfälle
sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.
Bei lebensbedrohlichen Symptomen, wie beispielsweise Bewusstlosigkeit oder schwerer Atemnot, rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112.
Wenn die Beschwerden nicht lebensbedrohlich sind, aber auch nicht bis zum nächsten Tag warten können, wählen Sie die 116117.
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Anlaufstellen für neurologische Notfälle
- Rettungsdienst: 112 (bei lebensbedrohlichen Zuständen)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116117 (bei nicht lebensbedrohlichen, aber dringenden Beschwerden)
- Neurologische Notaufnahme: In vielen Krankenhäusern vorhanden
- Hausarzt oder Facharzt: Während der Sprechzeiten
Spezialisierte Zentren und Ambulanzen
Für bestimmte neurologische Erkrankungen gibt es spezialisierte Zentren und Ambulanzen, die eine besondere Expertise bieten. Einige Beispiele sind:
- Neuroimmunologische Ambulanz: Für Patienten mit Erkrankungen des Nervensystems, die durch Autoimmunprozesse verursacht werden.
- Epileptologie: Für Patienten mit Epilepsie.
- Neuromuskuläre Erkrankungen: Für Patienten mit Erkrankungen der Muskeln und Nerven.
- Neuroonkologie: Für Patienten mit Hirntumoren.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Für Patienten mit Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson.
Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen
In der Neurologie arbeiten verschiedene Berufsgruppen eng zusammen, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Dazu gehören:
- Ärzte: Neurologen, Neurochirurgen, Radiologen
- Pflegekräfte: Auf der Stroke Unit und in der Notaufnahme
- Therapeuten: Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden
- Sozialarbeiter: Zur Unterstützung der Patienten und ihrer Angehörigen
Qualitätsstandards und Zertifizierungen
Um eine hohe Qualität der neurologischen Versorgung zu gewährleisten, gibt es verschiedene Qualitätsstandards und Zertifizierungen. Die Deutsche Schlaganfallgesellschaft zertifiziert beispielsweise Stroke Units. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) sind verpflichtet, Terminservicestellen zu betreiben und Versicherten unter bestimmten Voraussetzungen Behandlungstermine bei einem Vertragsarzt zu vermitteln.
Fazit
Der diensthabende Neurologe spielt eine wichtige Rolle bei der Versorgung von Patienten mit akuten neurologischen Erkrankungen. Eine schnelle und kompetente Behandlung kann entscheidend sein, um bleibende Schäden zu vermeiden. Die neurologische Notfallversorgung ist in Deutschland gut organisiert, aber es ist wichtig, die richtigen Anlaufstellen zu kennen. Bei akuten neurologischen Beschwerden sollte man nicht zögern, einen Arzt aufzusuchen oder den Rettungsdienst zu rufen. Die 116117 ist eine wichtige Anlaufstelle für nicht lebensbedrohliche, aber dringende Beschwerden.
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