Kortison-Stoßtherapie bei Multipler Sklerose: Aktuelle Therapieansätze und Überlegungen

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch Schübe gekennzeichnet sein kann. Ein akuter MS-Schub geht mit dem Auftreten neurologischer Funktionsstörungen einher, die sich in vielfältigen Symptomen äußern können. Die Behandlung eines akuten Schubs zielt darauf ab, die Symptome möglichst vollständig und schnell zu reduzieren. Eine gängige Therapieoption ist die Kortison-Stoßtherapie, bei der hochdosiertes Kortison, ein Glukokortikoid, verabreicht wird.

Was ist ein MS-Schub?

Nach der Diagnose einer Multiplen Sklerose (MS) ist es wichtig, mit Ihrem Arzt zu besprechen, welche typischen Symptome während eines Schubs auftreten können. Ein MS-Schub ist durch das Auftreten neurologischer Funktionsstörungen gekennzeichnet. Diese betreffen das Nervensystem und äußern sich häufig in Ausfallerscheinungen.

Ein Symptom tritt auf. Ist das der Fall, bedeutet das nicht, dass Sie sofort zur Ärztin/zum Arzt oder in die Notaufnahme müssen. Aber es empfiehlt sich, zeitnah eine Ihnen bekannte Ambulanz oder Ihre behandelnde Ärztin/Ihren behandelnden Arzt aufzusuchen. Das Ziel ist die möglichst vollständige und schnelle Rückbildung der Symptome des Schubs. Dabei ist die Stärke der Behandlung abhängig von der Art und Dauer des Schubs.

Die Kortison-Stoßtherapie: Standardtherapie beim akuten MS-Schub

Die Therapie der Wahl bei einem Schub ist die Gabe von Kortison, also einem Glukokortikoid. Glukokortikoide kommen auch als Hormone im Körper vor und wirken stark anti-entzündlich. In der Regel erfolgt eine Kortison-Stoßtherapie über die Blutgefäße in sehr hoher Dosierung für drei bis fünf Tage.

Die hochdosierte Kortison-Stoß-Therapie wird allgemein als Standardtherapie des akuten MS-Schubs empfohlen. Sie wird üblicherweise an drei bis fünf aufeinander folgenden Tagen morgens als intravenöse Infusion gegeben. Danach kann die Behandlung beendet werden; ein Ausschleichen mit Kortison-Tabletten ist in der Regel nicht notwendig.

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Wirkstoff: Methylprednisolon, Prednisolon, Prednison u.a.(bevorzugt wird aufgrund der Verträglichkeit Methylprednisolon eingesetzt, ein künstliches Glukokortikoid. Kortikoide (Kortison) sind Hormone der Nebennierenrinde)Handelsname: z. B. UrbasonIndikation: aktiver SchubStandardtherapie beim akuten MS-Schub, wenn auch offiziell in Deutschland für die MS-Behandlung nicht zugelassen.Verabreichungsform: intravenöse Infusion (i. v.), üblicherweise in einer Dosierung von 1000 mg an drei bis fünf aufeinander folgenden Tagen, stationär oder ambulant.Wirkweise: immunsupprimierendGlukokortikoide hemmen den Entzündungsprozess und das Immunsystem. Sie wirken direkt auf die beim MS-Schub vorliegende Störung der Blut-Hirn-Schranke ein.

Wirkweise von Kortison

Kortikoide (Kortison) sind Hormone der Nebennierenrinde, die als Medikamente entzündungshemmend und immunsupprimierend wirken. Sie greifen direkt in den Entzündungsprozess ein, der bei einem MS-Schub im zentralen Nervensystem abläuft. Glukokortikoide hemmen den Entzündungsprozess und das Immunsystem. Sie wirken direkt auf die beim MS-Schub vorliegende Störung der Blut-Hirn-Schranke ein.

Verabreichung und Dosierung

Die Kortison-Stoßtherapie wird üblicherweise als intravenöse Infusion (i.v.) verabreicht, wobei Methylprednisolon aufgrund seiner Verträglichkeit bevorzugt eingesetzt wird. Die Standarddosierung beträgt 1000 mg täglich über drei bis fünf aufeinanderfolgende Tage. Die Behandlung kann sowohl stationär als auch ambulant erfolgen.

Alternativen bei unzureichender Besserung

Bei ausgeprägten Symptomen, die sich nur unzureichend bessern, kann die dreitägige Kortison-Stoß-Therapie auf fünf Tage verlängert werden. Wenn sich nach etwa zwei Wochen die Symptome immer noch nicht ausreichend zurückgebildet haben, kann die Therapie wiederholt werden, und zwar mit einer Dosierung von bis zu 2000 mg über fünf Tage.

Führt auch diese zweite Therapie nicht zum Erfolg, kann in besonders schweren Fällen (Lähmung mit Rollstuhlpflichtigkeit oder schwere Sehnerv-Entzündung mit Blindheit) eine Plasmapherese (Blutwäsche) versucht werden. Dafür wird das Blut aus dem Körper durch ein Reinigungsgerät geleitet und dem Körper wieder zugeführt. Im Reinigungsgerät werden dem Blut schädliche Bestandteile (zum Beispiel Antikörper) entnommen.

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Beobachtung des Therapieerfolgs

Da das Ziel der Schubtherapie die Rückbildung der Symptome ist, sollten Sie beobachten, ob eine Besserung eintritt. Manchmal kann es auch einige Wochen bis Monate dauern, bis die Symptome endgültig abklingen.

Orale versus intravenöse Kortisontherapie: Eine vergleichende Studie

Eine multizentrische, doppelblind randomisierte Studie untersuchte, ob eine hochdosierte orale Steroidgabe bei einem akuten MS-Schub der intravenösen Stoßtherapie ebenbürtig ist. In die Studie wurden 199 Patienten mit schubförmiger MS und akutem Schub eingeschlossen, die innerhalb von 15 Tagen eine Zunahme von mindestens einem Punkt in einem oder mehreren Scores der Kurtzke-Funktionsskala aufwiesen. 100 Patienten erhielten Methylprednisolon 1000 mg täglich oral, 99 Patienten dieselbe Dosis i.v., jeweils an insgesamt drei Tagen.

Studienergebnisse

Im Mittel lag der Beginn des akuten MS-Schubs 7,0 bzw. 7,4 Tage in den Gruppen zurück. Der primäre Studienendpunkt war der Anteil der Patienten mit einer deutlichen Besserung um mindestens einen Punkt in der Kurtzke-Funktionsskala und ohne Notwendigkeit einer erneuten Steroidbehandlung.

In der Per-Protokoll-Gruppe erreichten 81 % unter oraler Behandlung und 80 % bei intravenöser Therapie den primären Endpunkt (absolute Therapiedifferenz: 0,5 %, 90-%-Konfidenzintervall: -9,5- 10,4). Die Nebenwirkungsrate war vergleichbar. Patienten mit oraler Therapie berichteten mit 77 % etwas häufiger über Insomnie als Patienten mit i.v. Behandlung (63 %).

Fazit der Studie

Die sorgfältig durchgeführte, verblindete Studie zeigt, dass orales Methylprednisolon der intravenösen Gabe beim akuten MS-Schub nicht unterlegen ist. Auch bei den Nebenwirkungen gab es keine relevanten Unterschiede. Damit stützen die Daten die kostengünstigere Schubbehandlung mit oralen Steroiden.

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Implikationen für die klinische Praxis

Die Umsetzung der Ergebnisse in die klinische Praxis könnte jedoch zur Folge haben, dass die MS-Schubbehandlung zunehmend ambulant durch Nicht-Spezialisten erfolge. Dies birgt die Gefahr, dass die Indikation nicht adäquat überprüft wird und die Konsequenzen aus einem akuten Schub nicht richtig gezogen werden. Damit könne die Qualität der Versorgung leiden. Es ist daher zu überlegen, ob tatsächlich eine orale Schubtherapie flächendeckend propagiert werden sollte. Hilfreich sind die Ergebnisse der Studie aber zweifelsohne in speziellen Situationen, wenn zum Beispiel im Urlaub nur eine orale Steroidgabe möglich ist oder eine Steroidtherapie über das Wochenende fortgeführt werden soll.

Mögliche Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen

Wie bei jeder medikamentösen Behandlung können auch bei der Kortison-Stoßtherapie Nebenwirkungen auftreten. Es ist wichtig, diese zu kennen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Gegenanzeigen: starke Erkältung, Allergie gegen Methylprednisolon (hier können unter Umständen andere Glukokortikoide eingesetzt werden), ausgeprägte Magen-Darm-Geschwüre, ausgeprägte psychische Störungen, reaktivierbare Tuberkulose.

Nebenwirkungen: Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Unruhe und Schlafstörungen, psychische Störungen, Unverträglichkeitsreaktionen. Bei Diabetikern Gefahr von erhöhten/entgleisenden Blutzuckerwerten. Das Risiko eines epileptischen Anfalls kann bei Patienten, die dazu neigen, erhöht werden. Gleiches gilt für das Thrombose-Risiko, insbesondere für Patienten mit Paresen (Lähmungen).

Nach einer Kortison-Stoßtherapie ist das Thromboserisiko erhöht. Um einer Thrombose vorzubeugen, sollten Sie ausreichend trinken und sich bewegen. Da Kortison die Haut lichtempfindlicher macht, ist ein ausreichender Sonnenschutz ebenfalls wichtig. Kortison kann als Nebenwirkung einige Blutwerte verändern. Gehen Sie daher regelmäßig zu Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt zur Blutabnahme. Während der Kortisontherapie sollte unbedingt ein Magenschutzmedikament angewendet werden.

Wichtig: Kurzzeittherapie Eine Dauertherapie mit Glukokortikoiden sollte wegen möglicher schwerwiegender, nicht rückgängig zu machender Nebenwirkungen vermieden werden. Zu diesen Nebenwirkungen können Bluthochdruck, Diabetes, Osteoporose, aseptische Knochennekrose (Zerstörung des Knochengewebes), Magengeschwüre, Thrombose, Wundheilungsstörungen, Hautschäden, Muskelerkrankungen und Erkrankungen des peripheren Nervensystems zählen. Solange die Corona Pandemie aktiv ist, sollten die Patienten über das bis zu 4x erhöhte Infektionsrisiko in den folgenden 3-4 Wochen nach Kortisongabe aufgeklärt werden.

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