Gamma Knife bei Trigeminusneuralgie: Kosten, Verfahren und Erfahrungen

Die Trigeminusneuralgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die durch heftige Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist, die durch harmlose Auslöser wie Berührung oder Kauen ausgelöst werden können. Eine mögliche Behandlungsoption ist die Gamma Knife-Bestrahlung der Trigeminusnerven. Dieser Artikel beleuchtet die Gamma Knife-Behandlung bei Trigeminusneuralgie, ihre Funktionsweise, Anwendungsgebiete, Kosten und die Erfahrungen von Patienten.

Was ist Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie ist ein Gesichtsschmerz im Versorgungsbereich des Nervus trigeminus (5. Hirnnerv), meist im Versorgungsgebiet des II. oder III. Trigeminusastes. Sie verursacht plötzliche, blitzartig einschießende, heftigste Schmerzattacken im Gesicht, die Sekunden, selten länger als zwei Minuten, andauern. Die Attacken treten spontan oder durch Reize getriggert auf. Häufige Auslöser sind Kauen, Sprechen, Schlucken, Zähneputzen, Berührung im Gesicht, kalter Luftzug sowie Bewegungen der Gesichtsmuskulatur. Zwischen den Attacken besteht in der Regel Beschwerdefreiheit.

Die Attacken treten mehrmals pro Tag über Wochen, manchmal drei bis vier Mal pro Minute, und über Monate auf. Zu Beginn sind auch wochen- bis monatelange schmerzfreie Intervalle möglich. In der Regel ist der Verlauf progredient. Die Schmerzen erreichen auf einer Schmerzskala von 1 bis 10 (VAS) in der Selbsteinschätzung durch den Patienten fast immer den höchsten Wert. Begleitend zu den Schmerzen können sich Teile der Gesichtsmuskulatur zusammenziehen (Tic douloureux = gelegentlich den Schmerz begleitendes reflektorisches Zucken der Gesichtsmuskulatur), ferner treten Hautrötung und Augentränen auf.

Nach der aktuellen Klassifikation der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet man zwischen der klassischen (idiopathischen) Trigeminusneuralgie und der symptomatischen Trigeminusneuralgie. Bei letzterer können auch Sensibilitätsstörungen im Dermatom des betroffenen Trigeminusastes vorhanden sein, und es wird keine Schmerzfreiheit zwischen den Attacken gefordert.

Ursache der klassischen Trigeminusneuralgie ist wahrscheinlich ein pathologischer Gefäß-Nerven-Kontakt zwischen dem Nervus trigeminus und der Arteria cerebelli superior, wodurch es zu einer Irritation der Wurzel des Nervus trigeminus im Kleinhirnbrückenwinkel kommt. Symptomatische Trigeminusneuralgien treten als Symptom von Raumforderungen (Akustikusneurinome, Metastasen), bei umschriebenen Hirnstammischämien, Angiomen des Hirnstamms oder bei der Multiplen Sklerose auf. Bei einem Teil der symptomatischen Trigeminusneuralgien bedingen die Raumforderungen einen pathologischen Gefäß-Nerven-Kontakt. Bei der Multiplen Sklerose führt die Schädigung der Myelinscheide im Bereich der Eintrittsstelle der Nervenwurzel zu den Schmerzattacken.

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Mögliche Differentialdiagnosen der Trigeminusneuralgie sind beispielsweise die postzosterische Neuralgie, der Cluster-Kopfschmerz, die kraniomandibuläre Dysfunktion oder die Trigeminusneuropathie (mit Dauerschmerz und Gefühlsstörungen, kein Triggereffekt, oft nach Gesichtsverletzungen).

Die Gamma Knife-Behandlung: Eine innovative Therapieoption

Die radiochirurgische Behandlung mit dem Gamma Knife stellt eine innovative Therapiealternative dar. Es handelt sich dabei um eine einmalige, ambulant durchzuführende Behandlung, die nach bisherigen Erfahrungen ohne wesentliche perioperative Morbidität oder gar Mortalität einhergeht. In den Vereinigten Staaten werden inzwischen über 1.000 Behandlungen dieser Art jährlich durchgeführt. Die initiale Schmerzfreiheit wird dabei mit 90 Prozent und mehr angegeben, bei Fünf-Jahres-Verläufen in Bezug auf die Schmerzkontrolle. Diese Behandlung steht den klassischen Verfahren in nichts nach, ohne aber deren hohes Nebenwirkungsniveau zu erreichen.

Funktionsweise des Gamma Knife

Das Leksell Gamma Knife bietet eine nichtinvasive, hochpräzise Methode, die das umgebende gesunde Gewebe schont und sich durch eine niedrige Strahlendosis auszeichnet. Es gilt als Goldstandard für die Behandlung von Hirnerkrankungen und setzt neue Maßstäbe in der Radiochirurgie. Im Gerät befinden sich Cobalt-60-Quellen, die halbkugelförmig angeordnet sind. Aus 192 Quellen werden Strahlen auf den Zieltumor gerichtet, sodass sich diese dort treffen und dort gezielt ihre Energie freisetzen. Während der Bestrahlung überwachen zwei Röntgenkameras die Lage des Patienten und korrigieren in Echtzeit etwaige Schwankungen zu den Planungsbildern.

Entwicklung und Innovation

Das Leksell Gamma Knife wurde von dem schwedischen Neurochirurgen Lars Leksell entwickelt und verbindet die Präzision der Neurochirurgie mit den Vorteilen der fokussierten Strahlentherapie. Seit seiner Einführung im Jahr 1968 wurde die Technologie kontinuierlich weiterentwickelt. Das aktuelle Icon-System nutzt modernste Computertechnik und Bildgebung, um Behandlungen noch präziser, sicherer und effizienter zu gestalten.

Anwendungsgebiete des Gamma Knife

Das Leksell Gamma Knife wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt, darunter:

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  • Hirnmetastasen
  • Meningeome
  • Akustikusneurinome/Vestibularisschwannome
  • Hirntumoren
  • Trigeminusneuralgie
  • Arteriovenöse Malformationen
  • Hypophysenadenome

Individuelle Behandlung: Maske oder Ring

Die Bestrahlung kann entweder mit einer Maske oder durch eine komfortable Ringanlage durchgeführt werden, bei der das Gesicht frei bleibt. Die Entscheidung zwischen beiden Methoden erfolgt in enger Absprache mit dem Patienten und berücksichtigt sowohl die optimale Technik als auch die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Behandlung erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen den Fachdisziplinen Neurochirurgie, Radioonkologie und Neurologie. Dieser interdisziplinäre Ansatz garantiert eine umfassende Betreuung auf höchstem universitärem Niveau.

Gamma Knife Zentrum Bochum

Die Therapie bei Trigeminusneuralgie ist aus einer wissenschaftlichen Kooperation der Neurologie des Universitätsklinikums Bergmannsheil Bochum und der Klinik für Strahlentherapie und Radio-Onkologie des Universitätsklinikums Marien Hospital Herne entstanden. Das Gamma Knife Zentrum Bochum ist auf die Behandlung von Hirntumoren (Neuroonkologie) spezialisiert und arbeitet eng mit den medizinischen Fachrichtungen Neuroonkologie, Strahlentherapie, Neuroradiologie und Neurochirurgie zusammen.

Radiochirurgie im Vergleich zur herkömmlichen Strahlentherapie

Die Radiochirurgie ermöglicht die präzise Therapie von Körperregionen, die chirurgisch nur schwer zugänglich sind. Außerdem können Körperstellen behandelt werden, die mitten im Körper „versteckt“ sind, sodass im Gegensatz zur konventionellen Strahlentherapie das Gewebe auf dem Weg der Strahlen von der Haut bis zum Tumor nicht mitgeschädigt wird. Durch den Dosisabfall an der Tumorgrenze wird das umliegende Gewebe geschont, sodass die zu erwartenden Nebenwirkungen geringer sind und die Therapie insgesamt besser verträglich ist. Dies eröffnet neue Therapieoptionen für Menschen höheren Alters oder Patienten mit Begleiterkrankungen.

Kosten und Kostenübernahme

Typische Kosten für eine Gamma Knife-Behandlung liegen in der Größenordnung von 7.000 bis 10.000 Euro. In vielen Ländern ist die Radiochirurgie fester Bestandteil der Regelversorgung und wird von der Krankenkasse übernommen. In Deutschland werden die Kosten für eine radiochirurgische Behandlung noch nicht durch den allgemeinen ambulanten Vergütungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen abgebildet, sodass eine automatische Abrechnung über die Versichertenkarte nicht möglich ist. Grundsätzlich können gesetzliche Krankenkassen aber die Kosten für die Therapie übernehmen. Zum einen können Einzelfallentscheidungen herbeigeführt und zum anderen Verträge zur Integrierten Versorgung mit medizinischen Leistungserbringern abgeschlossen werden. Private Krankenversicherungen übernehmen in der Regel die Behandlungskosten. Viele Kliniken haben Vereinbarungen zur Kostenübernahme mit Kostenträgern und Krankenversicherungen getroffen und unterstützen Patienten bei der Antragstellung.

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Erfahrungen von Patienten

Viele Patienten berichten von einer deutlichen Verbesserung ihrer Lebensqualität nach der Gamma Knife-Behandlung. Sie sind dankbar, dass sie von jahrelangen Schmerzen befreit wurden und wieder ein normales Leben führen können. Einige Patienten berichten von anfänglichen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel und Taubheitsgefühl, die jedoch im Laufe der Zeit abklingen. Die interdisziplinäre Betreuung und die persönliche Zuwendung durch das medizinische Personal werden von den Patienten sehr geschätzt.

Einige Patienten schildern ihren Leidensweg vor der Diagnose und Behandlung der Trigeminusneuralgie. Sie berichten von zahlreichen Arztbesuchen und erfolglosen Therapien, bis schließlich die Diagnose gestellt wurde und die Gamma Knife-Behandlung in Erwägung gezogen wurde. Die positiven Erfahrungen nach der Behandlung haben ihr Leben grundlegend verändert und ihnen neue Hoffnung gegeben.

Fallbeispiele und Studien

Eine Studie mit 25 Trigeminusneuralgie-Patienten zeigte, dass die Gamma Knife-Bestrahlung bei 23 Patienten zu einer Schmerzverbesserung und damit zu einer signifikanten Zunahme der Dichte der grauen Substanz geführt hat. Schmerzreduktion geht also mit einer Verbesserung der Hirnfunktion einher. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich Schmerzen negativ auf die Gehirnfunktion auswirken und damit sogar zu Depressionen führen könnten.

Spezialisten für Radiochirurgie

Wer einen Arzt benötigt, möchte für sich die beste medizinische Versorgung. Da diese Frage objektiv nicht zu beantworten ist, kann man sich nur auf die Erfahrung eines Arztes verlassen. Es gibt Experten für Radiochirurgie, die auf ihre herausragende Spezialisierung in diesem Bereich überprüft wurden.

Gamma Knife Standorte in Deutschland und der Schweiz

Gamma Knife Behandlungen für den Kopf sind in Deutschland möglich in:

  • Krefeld: Gammaknife Zentrum Krefeld
  • Aachen: Universitätsklinikum RTWH Aachen
  • Frankfurt: Gammaknife Frankfurt
  • Hannover: Gammaknife Center Hannover
  • Hamburg: ICERA Gammaknife Hamburg

Gamma Knife Zentren in der Schweiz:

  • Zürich: Klinik im Park und Klinik Hirslanden
  • Lausanne: Hirslanden und Clinique Cecil

Cyberknife als Alternative

Das Cyberknife ist ein weiteres radiochirurgisches Strahlentherapiegerät. Im Gegensatz zum Gamma-Knife, dessen Anwendungsgebiet auf den Kopf beschränkt ist, kann es zur Behandlung von Tumoren am ganzen Körper eingesetzt werden. Diese Technologie nutzt hochdosierte Photonenstrahlung aus einem Linearbeschleuniger und richtet diese mit Hilfe eines frei beweglichen Roboterarms präzise auf das definierte Ziel.

Cyberknife Standorte in Deutschland und der Schweiz sind:

  • München: Europäisches Cyberknife Zentrum München-Großhadern
  • Güstrow: Saphir Radiochirurgie Zentrum Norddeutschland
  • Frankfurt: Saphir Radiochirurgie Zentrum Frankfurt am Main
  • Bochum: Deutsches Cyberknife Zentrum
  • Berlin: Charité Cyberknife Zentrum
  • Hamburg: Cyberknife Zentrum Hamburg
  • Köln: Cyberknife der Universitätsklinik Köln
  • Erfurt: Cyberknife Centrum Mitteldeutschland
  • Soest: CyberKnife-Zentrum in Soest
  • Universitätsspital Bern
  • Gammaknife Zentrum Zürich

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