Die Alzheimer-Demenz ist eine der größten Herausforderungen unserer alternden Gesellschaft. Über eine Million Deutsche leiden an dieser Krankheit, und die Tendenz ist steigend. Die Forschung nach Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten ist daher von immenser Bedeutung. In diesem Kontext soll an Prof. Dr. Dieter Hartmann von der Universität Bonn erinnert werden, dessen wissenschaftliches Interesse der Entwicklung des zentralen Nervensystems und den ultrastrukturellen Grundlagen krankheitsauslösender Mutationen galt.
Das Leben und Wirken von Prof. Dr. Dieter Hartmann
Am 17. Februar 2021 verstarb Prof. Dr. Dieter Hartmann im Alter von 58 Jahren. Seit 2006 war er Professor am Anatomischen Institut der Universität Bonn. Sein Engagement und seine Expertise trugen maßgeblich zur Forschung im Bereich der Neurowissenschaften bei.
Hartmanns Forschungsschwerpunkte
Hartmanns wissenschaftliches Interesse galt insbesondere der Entwicklung des zentralen Nervensystems und den ultrastrukturellen Grundlagen krankheitsauslösender Mutationen in diesem Bereich. Seine Arbeit trug dazu bei, die komplexen Prozesse im Gehirn besser zu verstehen und mögliche Ansatzpunkte für die Behandlung von neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer zu identifizieren.
Die Alzheimer-Forschung an der Universität Bonn
Die Universität Bonn hat eine lange Tradition in der Alzheimer-Forschung. Zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind hier aktiv, um die Ursachen der Krankheit zu erforschen und neue Therapieansätze zu entwickeln.
Gedächtnisambulanzen als wichtige Anlaufstelle
Ein wichtiger Bestandteil der Alzheimer-Forschung und -Versorgung sind die Gedächtnisambulanzen. Diese Einrichtungen sind auf die Diagnostik von Gedächtnisproblemen spezialisiert. Ärztinnen, Ärzte und andere Fachkräfte untersuchen dort, welche Ursachen den Gedächtnisproblemen zugrunde liegen und ob eine Demenzerkrankung wie Alzheimer vorliegt. In Deutschland gibt es rund 160 dieser Einrichtungen, die auch als Memory Kliniken oder Gedächtnissprechstunden bezeichnet werden. Die Überweisung erfolgt durch die Hausärztin oder den Hausarzt. Mit den neuen Alzheimer-Medikamenten kommt den Gedächtnisambulanzen eine zusätzliche Rolle zu: Erste Zentren koordinieren bereits die notwendigen Schritte für eine mögliche Behandlung mit Leqembi oder Kisunla und begleiten die erforderlichen Untersuchungen.
Lesen Sie auch: TV-Legende Dieter Thomas Heck im Porträt
Das Universitätsklinikum Bonn als Teil des Netzwerks
Auch das Universitätsklinikum Bonn ist in die Alzheimer-Forschung involviert, hier arbeiten beispielsweise Prof. I. Schmidt-Wolf und M. Neumann an "Creative Arts Therapies for oncology patients in acute treatment".
Die Bedeutung der Grundlagenforschung
Die Alzheimer-Forschung ist ein komplexes Feld, das auf den Erkenntnissen verschiedener Disziplinen aufbaut. Die Grundlagenforschung, wie sie von Prof. Dr. Dieter Hartmann betrieben wurde, ist dabei von entscheidender Bedeutung. Nur durch ein tiefes Verständnis der zellulären und molekularen Prozesse im Gehirn können wir die Ursachen von Alzheimer aufklären und wirksame Therapien entwickeln.
Herausforderungen im Umgang mit Alzheimer-Erkrankten
Die meisten Demenzkranken leben zuhause bei ihren Angehörigen. Das Erleben, wie sich der vertraute Mensch immer mehr in seiner Persönlichkeit verändert, ist für viele nur schwer zu ertragen. Das Zusammenleben und die Pflege von Menschen, die nach und nach ihre geistigen Fähigkeiten verlieren, überfordert viele Familien. Belastender noch als die zunehmenden Gedächtnislücken sind für viele Angehörige die unberechenbaren Verhaltensänderungen wie Unruhe, aggressives Verhalten, Feindseligkeit und das Nichterkennen der eigenen Kinder. Missverständnisse, Ablehnung und Streit sind dann vorprogrammiert. Und oft genug schlägt der Versuch, mit dieser belastenden Situation zurechtzukommen, um in Aggressivität und körperliche Gewalt gegenüber den demenzerkrankten Menschen.
Unterstützung für Angehörige
Die Frage, ob die eigenen Eltern einer Pflegeeinrichtung anvertraut werden, gehört zu den schwerwiegendsten Entscheidung überhaupt. Sind doch die eigenen vier Wände das, was sich älter werdende Menschen sehnlich wünschen. Wie können Familien eine optimale Betreuung und Pflege auch in den eigenen vier Wänden organisieren, ohne dass die Angehörigen völlig überfordert werden? Oder ist ein gutes Pflegeheim eine gute Alternative?
Es gibt zahlreiche Organisationen und Initiativen, die sich der Unterstützung von Alzheimer-Erkrankten und ihren Angehörigen widmen. Dazu gehören unter anderem:
Lesen Sie auch: Dieter Hallervorden über sein langes Leben
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft
- Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter e.V.
- Kuratorium Deutsche Altershilfe
- Aktion Demez e. V.
- Alzheimer's Disease International
Diese Organisationen bieten Informationen, Beratung und praktische Hilfestellungen für Betroffene und ihre Familien.
Der Alzheimer-Forschungspreis der Hans und Ilse Breuer-Stiftung
Ein wichtiger Förderer der Alzheimer-Forschung ist die Hans und Ilse Breuer-Stiftung. Seit 2006 vergibt die Stiftung den mit 100.000 Euro dotierten Alzheimer-Forschungspreis an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Alzheimer-Forschung oder ähnlicher Demenzerkrankungen erbringen. Dem Scientific Advisory Board gehören aktuell Dr. Daniel Fleck, Prof. Christian Haass, Prof. Dr. Manuela Neumann, Prof. Dr. Dr. Pierluigi Nicotera, Prof. Dr. med. Steffi G. Riedel-Heller und Dr. Stacie Weninger an.
Sphingolipide und ihre Rolle bei Alzheimer
Ein weiterer wichtiger Forschungsansatz betrifft die Rolle von Sphingolipiden bei der Entstehung und dem Verlauf von Alzheimer. Sphingolipide sind eine Klasse von Lipiden, die in allen Zellen des Körpers vorkommen und wichtige Funktionen in der Zellmembran und bei der Signalübertragung haben. Es gibt Hinweise darauf, dass Veränderungen im Sphingolipid-Stoffwechsel eine Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielen könnten.
Die Arbeit von Gerhild van Echten-Deckert
In diesem Zusammenhang ist die Arbeit von Prof. Dr. Gerhild van Echten-Deckert von der Universität Bonn von Bedeutung. Sie forscht seit vielen Jahren auf dem Gebiet der Sphingolipid-Biochemie und hat wichtige Beiträge zum Verständnis der Rolle von Sphingolipiden bei neurologischen Erkrankungen geleistet. Junhua Xiao and Gerhild van Echten-Deckert sind Guest editors für "Sphingolipid metabolism and signaling in the central nervous system: Effects on brain health" Neurobiol. Dis. SI (2025).
Ihre Forschung umfasst unter anderem:
Lesen Sie auch: Dieter Bohlen im Fokus
- Die Untersuchung des Sphingosin-1-phosphat-Stoffwechsels im Gehirn und seine Auswirkungen auf die Gesundheit des Gehirns.
- Die Rolle von Sphingolipiden bei der Autophagie im Gehirn.
- Die Auswirkungen von Sphingosin-1-phosphat-Lyase-Mangel auf den Glukosestoffwechsel und seine Bedeutung für die Entstehung von Krebs.
- Die Entwicklung einer Methode zur MALDI-Massenspektrometrie-Bildgebung von bioaktiven Lipiden, die Phosphat-Monoester enthalten.
Ihre Arbeit hat dazu beigetragen, die komplexen Zusammenhänge zwischen Sphingolipid-Stoffwechsel und neurologischen Erkrankungen besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln.
Weitere Todesfälle an der Universität Bonn
Neben Prof. Dr. Dieter Hartmann trauerte die Universität Bonn um weitere verstorbene Persönlichkeiten: Gärtnermeister Klaus-Jürgen Bahr, Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider, Prof. Dr. Wolfgang Drescher, Prof. Dr. Josef Engemann, Prof. Dr. Dr. h.c. Siegfried Heitz, Prof. Dr. Andreas Hoeft, Prof. Dr. Gisbert Knopp, Prof. Dr. Hans-Jürgen Liebscher, Prof. Dr. Hubert Wartenberg und Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhard Wirth.