Furosemid und seine Nebenwirkungen: Kribbeln und Taubheitsgefühl im Fokus

Furosemid ist ein stark wirksames Diuretikum, das häufig zur Behandlung von Ödemen und Bluthochdruck eingesetzt wird. Es gehört zur Gruppe der Schleifendiuretika und wirkt auf das Röhrensystem der Niere, um die Ausscheidung von Flüssigkeit zu erhöhen. Obwohl Furosemid effektiv sein kann, ist es wichtig, sich der möglichen Nebenwirkungen bewusst zu sein, einschließlich Kribbeln und Taubheitsgefühl.

Was ist Furosemid und wie wirkt es?

Furosemid ist ein Diuretikum, das die Nieren dazu anregt, mehr Salz und Wasser auszuscheiden. Es wirkt auf die Henlesche Schleife in der Niere, einem Bereich, der für die Filterung und Zusammensetzung des Harns verantwortlich ist. Durch die Hemmung der Filterung wird mehr Flüssigkeit ausgeschieden, was Ödeme reduziert und den Blutdruck senkt, da das Blutvolumen verringert wird. Aufgrund seiner entwässernden Wirkung wird Furosemid umgangssprachlich auch als "Wassertablette" bezeichnet.

In Deutschland sind alle Medikamente, die Furosemid enthalten, rezeptpflichtig. Die übliche Anwendung besteht darin, einmal täglich eine Tablette einzunehmen, meistens morgens. Furosemid beginnt innerhalb einer Stunde zu wirken und verursacht normalerweise keine Magenverstimmung.

Häufige Nebenwirkungen von Furosemid

Die wichtigste Nebenwirkung von Furosemid ist der häufigere Harndrang, der von vielen Patienten als unangenehm empfunden wird. Dieser erhöhte Harndrang kann zu einem Absenken der Spiegel von Natrium und Kalium im Blut führen, was manchmal Muskelkrämpfe, Müdigkeit, Verstopfung und Herzrhythmusstörungen verursachen kann.

Zu den weiteren häufigen Nebenwirkungen gehören:

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  • Trockener Mund: Kann recht unangenehm sein.
  • Kopfschmerzen: Sorgen Sie für ausreichend Ruhe und bleiben Sie hydratisiert.
  • Häufiges Wasserlassen: Normalerweise für etwa 6 Stunden nach der Einnahme.
  • Ständiger Durst: Vermeiden Sie Dehydrierung, indem Sie genügend Flüssigkeit zu sich nehmen.
  • Verwirrtheit oder Schwindel: Stehen Sie langsam auf, um Schwindel zu vermeiden.
  • Übelkeit oder Erbrechen: Die Einnahme von Furosemid während oder direkt nach einer Mahlzeit kann helfen.

Kribbeln und Taubheitsgefühl als mögliche Nebenwirkungen

In seltenen Fällen können Parästhesien, also unangenehme Körperempfindungen wie Kribbeln, "Ameisenlaufen" oder Taubheitsgefühl, als Nebenwirkung von Furosemid auftreten. Dieses Kribbeln oder Taubheitsgefühl kann verschiedene Ursachen haben:

  • Elektrolytungleichgewicht: Furosemid kann zu einem Ungleichgewicht von Elektrolyten wie Kalium, Magnesium und Kalzium führen, die für die Nervenfunktion essentiell sind. Ein Mangel dieser Elektrolyte kann Nervenirritationen und Missempfindungen verursachen.
  • Dehydration: Ein durch Furosemid verursachter Flüssigkeitsmangel kann ebenfalls die Nervenfunktion beeinträchtigen und zu Kribbeln oder Taubheitsgefühl führen.
  • Direkte Wirkung auf die Nerven: In seltenen Fällen kann Furosemid eine direkte toxische Wirkung auf die Nerven haben, was zu Neuropathie und den genannten Symptomen führen kann.
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Die gleichzeitige Einnahme von Furosemid mit anderen Medikamenten kann Wechselwirkungen hervorrufen, die sich als Kribbeln oder Taubheitsgefühl äußern.

Was tun bei Kribbeln und Taubheitsgefühl?

Wenn Sie während der Einnahme von Furosemid Kribbeln oder Taubheitsgefühl verspüren, sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:

  1. Arzt informieren: Informieren Sie umgehend Ihren Arzt über die Beschwerden. Er kann die Ursache feststellen und geeignete Maßnahmen empfehlen.
  2. Elektrolytwerte überprüfen: Lassen Sie Ihre Elektrolytwerte, insbesondere Kalium, Magnesium und Kalzium, überprüfen. Ein Mangel kann durch eine Anpassung der Medikation oder durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln behoben werden.
  3. Ausreichend trinken: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um Dehydration zu vermeiden.
  4. Medikation überprüfen: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob andere Medikamente, die Sie einnehmen, die Ursache für die Beschwerden sein könnten.
  5. Dosisanpassung: In einigen Fällen kann eine Dosisanpassung von Furosemid erforderlich sein, um die Nebenwirkungen zu reduzieren.
  6. Nahrungsergänzung: In Absprache mit dem Arzt können Kalium- oder Magnesiumpräparate eingenommen werden, um einem Mangel entgegenzuwirken. Kaliumreiche Ernährung (Bananen, Gemüse, Nüsse) kann ebenfalls hilfreich sein.
  7. Alternative Medikamente: In seltenen Fällen kann es notwendig sein, auf ein anderes Diuretikum umzusteigen, das weniger Nebenwirkungen verursacht.

Weitere wichtige Hinweise zu Furosemid

  • Überdosierung: Bei Verdacht auf eine Überdosierung sollte sofort ein Notarzt gerufen werden (Nummer 112). Erste Maßnahmen sind viel trinken und Aktivkohle verabreichen.
  • Wechselwirkungen: Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln, die mit Furosemid interagieren können, darunter Lithium, Antibiotika, Herz- und Blutdruckmedikamente, Abführmittel, Steroide und Salicylate wie Aspirin.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Frauen, die schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen, sollten kein Furosemid einnehmen. Furosemid geht in die Muttermilch über und kann die Laktation hemmen.
  • Regelmäßige Kontrollen: Während einer Langzeitbehandlung mit Furosemid sind regelmäßige Blutuntersuchungen erforderlich, um die Elektrolytwerte, die Nierenfunktion und den Blutzucker zu überwachen.
  • Einnahme: Nehmen Sie Furosemid immer genau nach Anweisung des Arztes ein. Die Tabletten sollten morgens unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden.

Alternativen zu Furosemid

Es gibt verschiedene Alternativen zu Furosemid, die je nach Grunderkrankung und individuellen Bedürfnissen in Betracht gezogen werden können:

  • Thiaziddiuretika: Hydrochlorothiazid (HCT) ist ein Thiaziddiuretikum, das häufig bei Bluthochdruck und Ödemen eingesetzt wird. Es wirkt ähnlich wie Furosemid, ist aber in der Regel weniger stark.
  • Kaliumsparende Diuretika: Triamteren und Amilorid sind kaliumsparende Diuretika, die oft in Kombination mit anderen Diuretika eingesetzt werden, um Kaliumverluste zu vermeiden.
  • Andere Schleifendiuretika: Torasemid ist ein weiteres Schleifendiuretikum, das eine längere Wirkdauer als Furosemid hat.

Die Wahl des geeigneten Diuretikums sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Fallbeispiel

Lisa, eine aktive Frau, die regelmäßig Sport treibt, bemerkt in letzter Zeit vermehrt Kopfschmerzen und Schwindel. Bei einer Untersuchung wird ein erhöhter Blutdruck festgestellt, und ihre Ärztin verschreibt Furosemid in Kombination mit einem anderen Blutdrucksenker. Nach einigen Tagen bemerkt Lisa ein Kribbeln und Taubheitsgefühl in ihren Händen und Füßen. Sie informiert ihre Ärztin, die eine Überprüfung ihrer Elektrolytwerte anordnet. Es stellt sich heraus, dass Lisa einen Kaliummangel hat. Ihre Ärztin empfiehlt ihr, kaliumreiche Lebensmittel zu essen und ein Kaliumpräparat einzunehmen. Nach einigen Wochen verschwinden die Beschwerden wieder.

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