Wenn wir uns verlieben, erleben wir eine Flut von Emotionen, die unser Verhalten und unsere Wahrnehmung verändern. Diese intensive Erfahrung wird von einem komplexen Zusammenspiel von Hormonen und Neurotransmittern gesteuert, die im Gehirn freigesetzt werden. Obwohl Liebe nicht einfach auf eine chemische Formel reduziert werden kann, spielen diese Botenstoffe eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung unserer romantischen Gefühle und Beziehungen.
Der Hormoncocktail der Verliebtheit
Verliebtsein ist Biochemie. Beim Verliebtsein ist das Glückshormon Dopamin ganz vorne mit dabei. Es flutet regelrecht unsere Kommandozentrale im Kopf. Gleichzeitig nimmt bei frisch Verliebten überraschenderweise das Glückshormon Serotonin ab. Forscher erklären das so: Verliebte verlieren den rationalen Blick und stellen den Partner voll und ganz in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit.
Wenn wir uns verlieben, schüttet der Körper einen Hormoncocktail mit Serotonin, Phenylethylamin, Dopamin und Oxytocin aus, der es in sich hat. Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch - dahinter stecken Dopamin und das "Verliebtheitshormon" Phenylethylamin. Es sorgt dafür, dass eine erotische Anziehungskraft zwischen Menschen entsteht. Zusätzlich macht Dopamin uns offen gegenüber anderen.
- Dopamin: Dieser Neurotransmitter ist ein zentrales "Glückshormon", das Euphorie und Motivation auslöst. Es aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn, wenn wir mit der geliebten Person zusammen sind, und verstärkt das Verlangen nach ihrer Nähe. Dopamin motiviert: Es hilft, ein Gespräch mit einer Person zu beginnen, die wir gut finden.
- Serotonin: Überraschenderweise sinkt der Serotoninspiegel bei frisch Verliebten. Dieser niedrige Spiegel ähnelt dem von Menschen mit Zwangsstörungen und könnte zu den obsessiven Gedanken und dem intensiven Fokus auf den Partner beitragen. Serotonin erzeugt eine Obsession. Der Mangel macht uns ganz verrückt und süchtig nach dem Partner.
- Oxytocin: Bekannt als das "Kuschelhormon", fördert Oxytocin Gefühle von Vertrauen, Bindung und Nähe. Es wird bei Körperkontakt, Umarmungen und sexueller Aktivität freigesetzt und spielt eine wichtige Rolle bei der Festigung langfristiger Beziehungen. Oxytocin ist eher ein sozialer Stoff: Es beruhigt das Angstzentrum im Gehirn, dadurch fällt es uns leichter, Kontakt aufzunehmen. Ist auch eher zu Beginn einer Beziehung wichtig.
- Phenylethylamin (PEA): Dieses natürlich vorkommende Amphetamin wird oft als "Verliebtheitshormon" bezeichnet, da es erotisches Interesse und Hochgefühl auslöst. Es trägt zu den körperlichen Symptomen der Verliebtheit bei, wie z. B. Herzrasen und Schmetterlinge im Bauch. Das "Verliebtheitshormon" Phenylethylamin löst erotisches Interesse und Hochgefühl aus. Jetzt wird die Produktion des Zelltreibstoffs Adenosintriphosphat kräftig angekurbelt - das sorgt für die nötige Energie, damit das Herz schneller schlägt.
- Adrenalin: Adrenalin wird ausgeschüttet und sorgt für Aufregung und Erregung. Adrenalin und Noradrenalin „putschen“ den Körper auf, sorgen für Herzrasen und Schweißausbrüche. entsteht ein positiver Stress, auch „Eustress“ genannt. Dieser verbessert kurzfristig sogar die Funktion des Immunsystems, strengt den Körper jedoch auch an. Glücklicherweise dauert diese intensive Phase der Verliebtheit maximal ein Jahr.
Die Rolle des Gehirns
Die Schnulzen und Balladen liegen daneben: Mit der Frage, warum wir uns verlieben, haben weder Herz noch Magen etwas zu tun. Denn in Liebesdingen ist das wichtigste Organ das Gehirn. Die Anthropologin Helen Fisher konnte zeigen, dass Liebe und Verliebtheit zwei verschiedene Dinge sind, die sich in unterschiedlichen Gehirnarealen abspielen. Verliebtsein ist eher im Stammhirn verortet, dem älteren, archaischen Teil unseres Gehirns. Dieser Teil des Gehirns reagiert schneller als der jüngere Teil, der für rationales Denken oder Erinnerungen zuständig ist: die Großhirnrinde.
Die Forschung hat gezeigt, dass verschiedene Bereiche des Gehirns aktiviert werden, wenn wir verliebt sind. Dazu gehören das Belohnungssystem, das für positive Gefühle und Motivation zuständig ist, und der präfrontale Kortex, der normalerweise für rationale Entscheidungen zuständig ist, aber bei Verliebten weniger aktiv ist.
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Küssen: Ein Akt der Zuneigung und Gesundheit
Lust zu knutschen? Dann los! Küssen ist nicht nur schön, sondern auch gesund. Die Pulsfrequenz steigt und der Stoffwechsel verbessert sich. Frag doch! Was ist Liebe? Der ausgetauschte Speichel ist gut für das Immunsystem und die Zähne, weil antimikrobielle Enzyme Karies und Parodontose vorbeugen. Und auch um tiefe Falten brauchen sich eifrige Küsser weniger Sorgen zu machen.
Küssen ist Geste für Leidenschaft und Zärtlichkeit, über Kulturen hinweg. Aber was genau passiert dabei mit unserem Körper, mit unseren Hormonen und Emotionen?
Durch Küssen werden außerdem die Nervenzellen angeregt, Botenstoffe aktiviert und Hormone ausgeschüttet. Vor allem sind das Hormone wie Serotonin, Endorphin und Dopamin, die Glücksgefühle in uns auslösen. Und ein Kuss verbraucht, je nach Einsatz, etwa 20 Kalorien pro Minute, ihr tut also sogar etwas für euren Energieumsatz. Bei einem Kuss schlägt unser Herz schneller, der Puls steigt, wir fühlen uns beflügelt. Gleichzeitig wird uns warm, der Körper wird quasi in positiven Stress versetzt. Die Durchblutung wird gefördert und strafft sogar unsere Haut. Umgekehrt könne küssen aber auch helfen, den Cortisolspiegel zu senken und damit Stress zu reduzieren, sagt Julia Zwank.
Liebe und Bindung: Mehr als nur Hormone
Ob die Liebe hält, hängt allerdings von viel mehr ab als nur von den Hormonen. "Man darf die Hormone nicht isoliert betrachten", betont Schatz. "Verliebtheit hängt stark von der Psyche ab. Um die Liebe vor dem Alltag zu retten, rät Endokrinologe Schatz, gelegentlich zum Beispiel mal Achterbahn zu fahren: Gefahrensituationen schweißen Paare zusammen. Einen anderen Tipp hat der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth: öfter Komplimente machen. Ehrliche und nette Worte können die vermehrte Ausschüttung von neuronalen Wirkstoffen wie Oxytocin und Dopamin auslösen.
Während Hormone und Neurotransmitter eine wichtige Rolle bei der Verliebtheit spielen, sind sie nicht die einzigen Faktoren, die eine langfristige Beziehung bestimmen. Psychologische, soziale und kulturelle Aspekte tragen ebenfalls dazu bei, ob eine Beziehung Bestand hat.
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Die Bedeutung von Oxytocin und Vasopressin
Oxytocin und Vasopressin sind zwei Hormone, die für die Bindung und das Vertrauen in Beziehungen von entscheidender Bedeutung sind. Sie werden bei Körperkontakt, Umarmungen und sexueller Aktivität freigesetzt und fördern Gefühle von Nähe und Verbundenheit.
Vasopressin ist am Entstehen von Bindung beteiligt. im Tierversuch nachgewiesen. Präriewölfe. Wölfe sind von Natur aus monogam. gefunden, bleibt es in der Regel ein Leben lang zusammen. Single-Wölfen das Hormon Vasopressin gespritzt. und Besitz ergreifender Partner an. aber die körpereigene Vasopressin-Produktion im Gehirn unterbunden.
Komplimente und gemeinsame Erlebnisse
Um die Liebe vor dem Alltag zu retten, rät Endokrinologe Schatz, gelegentlich zum Beispiel mal Achterbahn zu fahren: Gefahrensituationen schweißen Paare zusammen. Einen anderen Tipp hat der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth: öfter Komplimente machen. Ehrliche und nette Worte können die vermehrte Ausschüttung von neuronalen Wirkstoffen wie Oxytocin und Dopamin auslösen.
Komplimente aktivieren Emotionszentrum im Gehirn. Besonders überzeugend findet sie Komplimente. Ihnen bescheinigt die Forscherin „einen ganz wunderbaren Effekt“. Die Erkenntnis basiert auf einer Studie, für die die Wissenschaftlerin einen Fragenkatalog erarbeitete, der unterschiedliche Facetten des Beziehungslebens einer Partnerschaft umfasste - etwa Alltag, Freizeit, Finanzen, Sex. Die Paare wurden gebeten, sich zu überlegen, was sie einander zu all diesen Rubriken Positives sagen könnten.
Die dunkle Seite des Oxytocins
Allerdings hat es auch seine schlechte Seiten: Es bewirkt, dass Menschen andere ausgrenzen.
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Oxytocin kann negative Auswirkungen haben. Bereits vor mehr als zehn Jahren gab es die ersten Bedenken, dass die Wirkung von Oxytocin womöglich zu einseitig betrachtet wird - nämlich durchweg positiv. Was aber, wenn das Kuschelhormon auch eine dunkle Seite besitzt?
Psychologische Tests an gesunden Männern wiesen darauf hin, dass Oxytocin zwar die Bindung zur eigenen sozialen Gruppe verstärkt. Das ist die „prosoziale“ Seite. Gleichzeitig, und das kam dann doch unerwartet, erhöht das Hormon aber die Bereitschaft, Außenstehende zurückzuweisen oder ihnen aggressiv zu begegnen. Und auch als Medikament zeigte sich das Hormon überraschend zweischneidig: Bei Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ergab eine Untersuchung, dass das Hormon anstelle von sozialer Annäherung das Gegenteil auslösen kann: Die Verlustängste der Betroffenen verstärkten sich sogar noch.
Liebe als soziales Konstrukt
Auf jeden Fall. Weil diese Geschichten prägen, was Menschen für akzeptable Liebe halten und was für inakzeptable, wie sie Liebe ausdrücken und sogar, wie sie sich anfühlt. In manchen Gesellschaften wird Liebe als etwas Schmutziges oder Schmerzliches, Unerwidertes empfunden. Wenn wir Leute hier fragen, was Liebe ist, reden sie von einer unglaublichen, fast psychotischen Erfahrung, von einer Euphorie, die sie von den Füßen gerissen hat, bla, bla, bla.
Die Idee gibt es seit ungefähr 250 Jahren. Vorher haben Kirche und Familie mitgeredet, und eine Heirat war eher unabhängig davon, wen man geliebt hat. Die meisten haben aus praktischen Gründen geheiratet: Wer übernimmt den Hof? Welche Heirat ist politisch vorteilhaft? Vor allem Frauen, die in der Regel weder ein Einkommen noch eigenen Besitz hatten, brauchten jemanden, der sie versorgt. Erst die Ehe, dann vielleicht die Liebe, das war das Gebot. Die Romantik hat das gedreht.