Rinderwahnsinn (BSE), Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) und Alzheimer: Ein Vergleich

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK), die bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE), besser bekannt als Rinderwahnsinn, und die Alzheimer-Krankheit sind neurodegenerative Erkrankungen, die das Gehirn betreffen und zu einem fortschreitenden Verlust der kognitiven und motorischen Fähigkeiten führen können. Obwohl sie unterschiedliche Ursachen und Merkmale haben, weisen sie auch einige Gemeinsamkeiten auf, insbesondere im Hinblick auf die zugrunde liegenden Mechanismen der Proteinfehlfaltung und -aggregation.

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK)

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) ist eine seltene, aber immer tödlich verlaufende Hirnerkrankung, die durch einen raschen Verfall der geistigen und körperlichen Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Sie gehört zu einer Gruppe von Hirnerkrankungen, den sogenannten transmissiblen spongiformen Enzephalopathien (TSE). Die Erkrankung tritt ungefähr einmal pro eine Million Einwohner auf. Laut RKI werden in Deutschland jährlich etwa 80 bis 120 Fälle gemeldet.

Ursachen und Formen der CJK

Die Erkrankung wird durch eine Fehlfaltung des zellulären Prion-Proteins (PrPC) ausgelöst. Die Prionen lagern sich allmählich in den Nervenzellen ab und bilden Klumpen. Dadurch werden die Funktionen der Nervenzellen beeinträchtigt und irgendwann sterben sie ab.

In mehr als 85 Prozent der Fälle ist Creutzfeldt-Jakob eine sporadisch auftretende Krankheit, d. h. es gibt keinerlei Hinweise darauf, warum sie ausbricht. Aber es gibt auch drei weitere Varianten:

  • Familiäre Form (fCJD): Bei der familiären Form von Creutzfeldt-Jakob (fCJD) ist die Krankheit genetisch bedingt. Ungefähr 15 Prozent aller Fälle sind auf diese Form zurück zu führen. Diese familiäre CJK wird autosomal-dominant vererbt, sie tritt um das 50. Lebensjahr herum auf, d. h. etwas früher als die sporadische CJK. Es sind mehrere molekulare Mutationen bekannt.
  • Iatrogene Form: Bei weniger als einem Prozent wird die Krankheit durch medizinische Eingriffe übertragen. Sie wird als iatrogene Form bezeichnet. Diese Sonderform wird durch ärztliche Prozesse (d. h. iatrogen) von Mensch zu Mensch übertragen, und zwar über direkten Kontakt mit infektiösem Gewebe oder kontaminierten neurochirurgischen Instrumenten. So kam es beispielsweise nach Transplantation von Augenhornhaut oder Hirnhaut verstorbener, unerkannt an CJK erkrankter Spender bei den Organempfängern zu CJK.
  • Variante CJK (vCJK): Die vierte Form tritt ebenfalls bei weniger als einem Prozent der Fälle auf. Sie gilt laut RKI als menschliche Entsprechung der beim Rind beobachteten Hirnerkrankung BSE (bovine spongiforme Enzephalopathie), auch bekannt geworden als "Rinderwahnsinn". Sie kann auftreten, wenn man mit Prionen verseuchte Lebensmittel wie kontaminiertes Rindfleisch verspeist. Diese Form wurde 1996 erstmals in England beschrieben. Weltweit gab es bisher mehr als 200 Fälle, die meisten davon in Großbritannien. Nach heutigem Kenntnisstand ist diese neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit die menschliche Form von BSE, der bovinen spongiformen Enzephalopathie, besser bekannt als Rinderwahnsinn. Übertragen wird die Erkrankung höchstwahrscheinlich vor allem durch den Verzehr des Fleischs erkrankter Rinder, denn durch Kochen werden die Prionen nicht abgetötet.

Symptome und Diagnose

Die Symptome ähneln dabei denen von Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Weil die Krankheit so selten auftritt und im Anfangsstadium die gleichen Symptome wie Demenzerkrankungen aufweist, ist es schwer sie frühzeitig zu erkennen. Erst wenn andere Demenzformen ausgeschlossen wurden, die geistige Funktionsfähigkeit der Betroffenen rapide abnimmt, die Muskeln unkontrolliert zucken und der Gang unsicher und torkelnd ist, vermuten Medizinerinnen und Mediziner Creutzfeldt-Jakob. Dann muss genauer nachgeschaut werden.

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Als Hinweise auf die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit zu Lebzeiten gelten eine schnell fortschreitende Demenz zusammen mit den oben genannten Symptomen. Zusätzlich wird eine Elektroenzephalografie (EEG) durchgeführt, und die Gehirnflüssigkeit (Liquor) auf spezielle Proteine überprüft.

Eine Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit gibt Aufschluss. In dieser Flüssigkeit lässt sich unter anderem das Protein beta-Synuclein nachweisen. Dieses Protein ist bei Alzheimer-Erkrankten leicht und bei Creutzfeldt-Jakob-Erkrankten deutlich erhöht. In den vergangenen Jahren ist es gelungen, dieses Verfahren auf das Blut zu übertragen. Hier konnten nahezu ähnliche Werte wie im Nervenwasser erzielt werden und somit ein schonenderes Diagnoseverfahren für Patientinnen und Patienten geschaffen werden. Die Forschenden aus Halle, Ulm, Berlin, München, Alava, Bologna und Bratislava haben somit einen Bluttest entwickelt, mit dem sowohl die sporadische als auch die genetisch ausgelöste Creutzfeldt-Jakob-Krankheit frühzeitig diagnostiziert werden kann. Darüber hinaus planen die Forschenden die Methode auch für die Frühdiagnose der Alzheimer-Erkrankung zu etablieren.

Krankheitsverlauf und Behandlung

Nach Ausbruch der Erkrankung kommt es rasch zum Tod. Bei der häufigsten Form, der sporadischen CJK, versterben die Patienten meist innerhalb von 4 bis 6 Monaten. Alle Formen der CJK sind unheilbar. Myoklonien, also unwillkürliche Muskelzuckungen, sprechen in der frühen Krankheitsphase häufig auf die Gabe von Antiepileptika wie Clonazepam oder Valproat an. Der geistige Abbau kann in Einzelfällen mit der Einnahme von Flupiritin gebremst, aber nicht aufgehalten werden.

Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE) - "Rinderwahnsinn"

Die bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE), auch bekannt als "Rinderwahnsinn", ist eine übertragbare spongiforme Enzephalopathie (TSE), die Rinder betrifft. Sie wurde erstmals 1986 in Großbritannien entdeckt und breitete sich in den folgenden Jahren in vielen Ländern aus.

Ursachen und Übertragung

Die Ursache von BSE ist die Fehlfaltung von Prionproteinen. Man geht davon aus, dass die Krankheit durch die Verfütterung von Tiermehl, das aus BSE-infizierten Rindern gewonnen wurde, auf andere Rinder übertragen wurde.

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Auswirkungen auf den Menschen

Der Verzehr von BSE-kontaminiertem Rindfleisch kann beim Menschen zur Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) führen.

Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. In Deutschland haben 1,3 Millionen Menschen eine Demenzerkrankung, 2050 werden es wahrscheinlich doppelt so viele sein. Zwei Drittel dieser Demenzkranken leiden an Alzheimer. Pro Jahr werden etwa 120 000 neue Alzheimerdiagnosen gestellt. Weltweit sind derzeit 30 Millionen Menschen betroffen, im Jahr 2050 werden es Schätzungen zufolge 106 Millionen sein.

Ursachen und Risikofaktoren

Bei Alzheimer führen Ablagerungen (sogenannte Plaques) im Gehirn dazu, dass die Nervenzellen absterben. Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die das Auftreten der Krankheit begünstigen können:

  • Alter: Das Risiko für Menschen ab 65 Jahren erhöht sich deutlich. Bis zum 85. Lebensjahr hat etwa ein Drittel der Menschen eine Form der Demenz. Zwei Drittel aller an der Alzheimerkrankheit leidenden Menschen sind über 80 Jahre alt.
  • Genetische Veranlagung: Bei sehr wenigen Patienten ist die Krankheit klar vererbt worden, von den Eltern auf die Kinder. In manchen Familien kommt die Krankheit sporadisch vor: Eine Tante mütterlicherseits ist betroffen, ein Großcousin auf der väterlichen Seite. Auch der Urgroßvater war am Ende seines Lebens verwirrt. In diesen Familien gibt es keine Gene, die die Krankheit auf jeden Fall auslösen, sondern es gibt Erbmerkmale, die sie unter bestimmten Bedingungen begünstigen. Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, ist in diesen Fällen aber nur leicht erhöht im Vergleich zu Familien, in denen keine Fälle aufgetreten sind.
  • Ungesunder Lebensstil: Ein ungesunder Lebensstil scheint Demenzen zu fördern. Also beispielsweise Übergewicht, ein zu hoher Blutzuckerspiegel oder Bewegungsmangel.

Symptome und Diagnose

Demenz ist der Überbegriff dafür, dass Menschen in ihrer geistigen Leistungsfähigkeit nachlassen und daher ihre alltagspraktischen Fähigkeiten verlieren. Sie haben beispielsweise keinen Überblick mehr über ihr Bankkonto, können die Geburtstage in der Familie nicht mehr behalten, keine Kino- oder Konzertkarten mehr kaufen. Das führt natürlich auch dazu, dass sie nicht mehr richtig am sozialen Leben teilnehmen; oft ziehen sich die Erkrankten zurück. Im weiteren Verlauf kann es dazu kommen, dass grundlegende Tätigkeiten wie das Kleinschneiden des Essens oder die Körperpflege nicht mehr bewältigt werden. Auch Schusseligkeit oder leichte Paranoia können ein Hinweis auf eine Demenz sein. Die Erkrankten verdächtigen dann etwa andere, Gegenstände versteckt zu haben - obwohl sie selbst es waren, die sie verlegt haben.

Die Diagnose Alzheimer setzt sich aus vielen Mosaiksteinchen zusammen: der neuropsychologischen Testung, der Einstufung der alltagspraktischen Fähigkeiten, einer Aufnahme in der "Röhre", also im Magnetresonanztomografen oder im Computertomografen vom Gehirn, auf der man Veränderungen des Gewebes oder der Durchblutung erkennen kann. Und dann sollten auch die allgemeinen Blutwerte gemessen werden, ob die Demenzanzeichen nicht auch eine andere Ursache haben können.

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Bei den neuropsychologischen Untersuchungen gibt es mittlerweile ein sehr gutes Repertoire an Fragen, die die Ärzte den Betroffenen stellen. Es gibt zum Beispiel den sogenannten Minimal-Mental-Health-Test. Darin werden das Merkvermögen, das Sprachvermögen, die räumliche und zeitliche Orientierungsfähigkeit gemessen. In seiner Grundform kann man maximal 30 Punkte erreichen. Aber dieser Test ist nur einer von mehreren Tests, die zusammen ein Gesamtbild der Leistungsfähigkeit des Gehirns ergeben.

Tatsächlich kann man im Nervenwasser bestimmte, für die Alzheimerkrankheit typische Eiweiße, nämlich A-Beta- und Tau-Proteine, erkennen. Die Entnahme des Nervenwassers tut nicht so weh wie beispielsweise eine Knochenmarkspunktion. Im unteren Bereich der Wirbelsäule, wo die Flüssigkeit gefahrlos entnommen wird, verlaufen keine Nervenfasern.

An wenigen Zentren wird derzeit auch ein nuklearmedizinisches Verfahren angeboten. Dabei wird ein radioaktiver Stoff injiziert, der sich an die Plaques im Gehirn anlagert. Mit einer speziellen Kamera lässt sich dann erkennen, ob ein Mensch die typischen Ablagerungen im Gehirn hat - oder nicht. Diese Methode ist allerdings noch teurer als die Untersuchung des Nervenwassers.Einen einfachen und seriösen Bluttest gibt es nicht, obwohl einige Unternehmen solche Tests vermarkten.

Krankheitsverlauf und Behandlung

Die Krankheit verläuft, grob vereinfacht, in vier Phasen. In der ersten Phase sind die Patienten oft aggressiv. Sie merken, dass sie Dinge vergessen oder verschusseln, und sind sauer auf sich selbst. Die Angehörigen bekommen oft gar nicht viel mit, da die Alzheimerkranken sich tausend Zettel schreiben, um alles irgendwie hinzubekommen. In der zweiten Phase merken sie dann, dass wirklich etwas mit ihrem Gehirn nicht stimmt, dass sie krank sind und nichts mehr klappt. Dann weinen die Patienten viel, sind unsicher, verwirrt und haben Angst. In der dritten Phase erkennen sie dann ihre Angehörigen nicht mehr. Sie wissen auch nicht mehr viel von sich selbst. Wenn sie viele Sprachen gesprochen haben, dann können sie sich nicht mehr daran erinnern. Sie sitzen stundenlang vor einem Teller mit Essen und wissen nicht, was sie damit machen sollen. Das, was sie früher als Person ausgemacht hat, bricht dann weg. Die Patienten bekommen das aber selbst gar nicht mit. Sie werden dann eher ruhig, sind ausgeglichen. Es ist ihnen egal, ob sie von Angehörigen oder von Pflegern versorgt werden. Für die Angehörigen ist dieser Moment sehr, sehr schwer. In der vierten und letzten Phase schließlich werden sie wieder wie Babys. Sie werden inkontinent, viele vergessen sogar das Schlucken oder Atmen. Wie lange die einzelnen Phasen dauern, ist individuell unterschiedlich.

Es gibt die sogenannten Acetylcholin-Esterase-Hemmer. Davon sind in Deutschland drei verschiedene Präparate zugelassen. Sie sollen den Abbau des Hirnbotenstoffs Acetylcholin im Gehirn verhindern. Ist dadurch mehr von diesem Botenstoff im Gehirn, bleiben die Zellen länger aktiv. Der Verlauf der Krankheit kann dadurch zwar nicht verhindert werden - aber die Patienten bleiben bis zu zwei Jahre länger auf einem einigermaßen gleichen Level. Wirksam ist auch der Stoff Memantine, der in den späteren Stadien der Demenz das Gehirn noch ein kleines bisschen aktivieren kann.

Aktuelle Forschung und potenzielle Therapieansätze

Seit etwa zehn Jahren gibt es die Idee, dass man gegen Alzheimer einen Impfstoff entwickeln könnte. Mittlerweile sind weltweit etwa 10 000 Alzheimer-Patienten in wissenschaftlichen Studien geimpft worden. Die Idee stammt aus dem Tiermodell: Hier hat man herausgefunden, dass man das Immunsystem so aktivieren kann, dass es die schädlichen Ablagerungen im Gehirn "wegputzt". Zwei Ansätze gibt es da - die passive und die aktive Impfung. Bei der passiven Impfung bekommt der Patient über ein Jahr alle vier Wochen eine Infusion mit Antikörpern. Diese finden im Körper die Plaques und sorgen für ihre Entfernung. Zwei verschieden passive Impfstoffe werden gerade in Phase-III-Studien auf ihre Wirksamkeit geprüft. Bei der aktiven Impfung wird das Immunsystem der Patienten "aufgeweckt". Diese Studien sind aber noch im Phase-II-Stadium, wären aber, sollten sie sich als wirksam erweisen, eine Methode zur Alzheimer-Prophylaxe. Der Stand dieser Studie ist, dass man weiß, dass das Prinzip funktioniert. Man muss aber ganz genau kontrollieren, ob sie wirklich auch helfen.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Obwohl CJK, BSE und Alzheimer unterschiedliche Krankheiten sind, gibt es einige Gemeinsamkeiten:

  • Neurodegenerative Erkrankungen: Alle drei Krankheiten führen zu einer fortschreitenden Schädigung des Gehirns.
  • Proteinfehlfaltung und -aggregation: Bei allen drei Krankheiten spielen fehlgefaltete Proteine eine wichtige Rolle. Bei CJK und BSE sind es Prionproteine, bei Alzheimer Amyloid-beta- und Tau-Proteine.
  • Demenz: Alle drei Krankheiten können zu Demenz führen.

Die wichtigsten Unterschiede sind:

  • Ursache: CJK wird durch Prionen verursacht, BSE durch den Verzehr von kontaminiertem Rindfleisch und Alzheimer hat komplexe und noch nicht vollständig geklärte Ursachen.
  • Übertragbarkeit: CJK ist in seltenen Fällen durch medizinische Eingriffe übertragbar, BSE durch den Verzehr von kontaminiertem Rindfleisch, während Alzheimer nicht übertragbar ist.
  • Verlauf: CJK verläuft in der Regel sehr schnell, während Alzheimer einen langsameren, fortschreitenden Verlauf hat.

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