Der Verlauf des Nervus Oculomotorius (III. Hirnnerv): Anatomie, Funktion und klinische Bedeutung

Die Hirnnerven stellen eine essenzielle Verbindung zwischen dem Gehirn und verschiedenen Regionen des Kopfes, Halses und des Rumpfes dar. Insgesamt existieren zwölf Paare von Hirnnerven, die jeweils spezifische Funktionen erfüllen, von sensorischen Wahrnehmungen wie Sehen, Hören und Schmecken bis hin zur Kontrolle der Gesichtsmuskulatur. Diese Nerven werden in einer Reihenfolge von rostral nach kaudal mit römischen Ziffern nummeriert, basierend auf ihrem Ursprung im Gehirn. Der Nervus oculomotorius, auch bekannt als der dritte Hirnnerv (N. III), spielt eine zentrale Rolle bei der Steuerung der Augenbewegung und der Pupillenfunktion. Dieser Artikel beleuchtet den Verlauf, die Funktion und die klinische Bedeutung des Nervus oculomotorius.

Überblick über die Hirnnerven

Die zwölf Hirnnerven lassen sich nach ihrer Funktion in sensorische, motorische und gemischte Nerven unterteilen. Hier eine Übersicht:

  • Nervus olfactorius (I): Riechnerv (sensorisch)
  • Nervus opticus (II): Sehnerv (sensorisch)
  • Nervus oculomotorius (III): Augenmuskelnerv (motorisch und parasympathisch)
  • Nervus trochlearis (IV): Augenmuskelnerv (motorisch)
  • Nervus trigeminus (V): Drillingsnerv (sensibel und motorisch)
  • Nervus abducens (VI): Augenmuskelnerv (motorisch)
  • Nervus facialis (VII): Gesichtsnerv (sensorisch, parasympathisch und motorisch)
  • Nervus vestibulocochlearis (VIII): Hörnerv und Gleichgewichtsnerv (sensorisch)
  • Nervus glossopharyngeus (IX): Zungen-Rachen-Nerv (sensorisch, parasympathisch und motorisch)
  • Nervus vagus (X): Umherschweifender Nerv (sensorisch, parasympathisch und motorisch)
  • Nervus accessorius (XI): Halsnerv (motorisch)
  • Nervus hypoglossus (XII): Zungennerv (motorisch)

Anatomie und Verlauf des Nervus Oculomotorius (III)

Ursprung und Kerngebiete

Der Nervus oculomotorius entspringt aus zwei Kernkomplexen im Mittelhirn (Mesencephalon):

  • Nucleus nervi oculomotorii: Ein somatomotorischer Kern, der für die Steuerung der quergestreiften äußeren Augenmuskeln verantwortlich ist. Diese Muskeln umfassen den Musculus obliquus inferior, die Musculi recti superior, inferior und medialis sowie den Musculus levator palpebrae superioris.
  • Nucleus accessorius nervi oculomotorii (Nucleus Edinger-Westphal): Ein viszeroefferenter Kern, der die inneren glatten Augenmuskeln, insbesondere den Musculus sphincter pupillae und den Musculus ciliaris, steuert.

Verlauf durch den Schädel

Nach dem Verlassen des Mesencephalons in der Fossa interpeduncularis zieht der Nervus oculomotorius ventral zur Sella turcica. Hier durchbricht er die Dura vor dem Eintritt in den Sinus cavernosus. Innerhalb des Sinus cavernosus verläuft der Nerv in der lateralen Wand. Viszeroefferente Nervenfasern, die die innere Augenmuskulatur versorgen, liegen peripher mit pialer Gefäßversorgung, während somatoefferente Fasern, die die äußeren Augenmuskeln versorgen, zentral liegen und durch die Vasa nervorum versorgt werden.

Eintritt in die Orbita

Vom Dach und über die Seitenwand des Sinus cavernosus gelangt der Nervus oculomotorius durch die Fissura orbitalis superior in die Orbita und durchläuft den Anulus tendineus. Nach diesem Durchtritt teilt er sich in drei Anteile:

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  • Ramus superior: Innerviert den Musculus levator palpebrae superioris (Lidheber) und den Musculus rectus superior (oberer gerader Augenmuskel).
  • Ramus inferior: Innerviert den Musculus rectus medialis (innerer gerader Augenmuskel), den Musculus rectus inferior (unterer gerader Augenmuskel) und den Musculus obliquus inferior (unterer schiefer Augenmuskel).
  • Parasympathische Fasern: Diese Fasern ziehen zum Ganglion ciliare und innervieren den Musculus sphincter pupillae (Pupillenverenger) und den Musculus ciliaris (Ziliarmuskel).

Funktion des Nervus Oculomotorius

Der Nervus oculomotorius ist essenziell für die Koordination des Sehens und der Augenmotorik. Seine Hauptfunktionen umfassen:

  • Steuerung der Augenmuskeln: Der Nervus oculomotorius steuert die meisten äußeren Augenmuskeln, die für die Bewegung des Auges nach oben, unten und zur Mitte verantwortlich sind. Er ermöglicht auch die Drehung des Augapfels nach außen und oben.
  • Lidhebung: Der Nervus oculomotorius versorgt den Musculus levator palpebrae superioris, der für das Heben des oberen Augenlids zuständig ist.
  • Pupillenreflex: Die parasympathischen Fasern des Nervus oculomotorius kontrollieren die Pupillenverengung (Miosis) und die Anpassung der Linse für das Sehen in der Nähe (Akkommodation).

Klinische Bedeutung: Läsionen des Nervus Oculomotorius

Eine Schädigung des Nervus oculomotorius kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, abhängig davon, welche Fasern betroffen sind. Läsionen können durch verschiedene Ursachen entstehen, darunter:

  • Trauma: Schädel-Hirn-Trauma kann den Nervus oculomotorius beschädigen, insbesondere aufgrund seines langen intrakraniellen Verlaufs.
  • Vaskuläre Ursachen: Mikrovaskuläre Erkrankungen, Aneurysmen der Arteria communicans posterior oder der Basilarisbifurkation können den Nerv komprimieren.
  • Tumore: Tumore im Bereich des Mittelhirns, der Hirnanhangsdrüse oder des Sinus cavernosus können den Nervus oculomotorius beeinträchtigen.
  • Entzündungen: Entzündliche Prozesse wie das Tolosa-Hunt-Syndrom können den Nerv schädigen.
  • Einklemmung: Intrakranielle Volumenzunahme kann zur Einklemmung des Nervs führen, beispielsweise bei einer Tentoriumherniation.

Symptome einer Oculomotoriusparese

Die Symptome einer Oculomotoriusparese können in zwei Hauptkategorien unterteilt werden:

  • Ophthalmoplegia externa: Lähmung der äußeren Augenmuskeln. Dies führt zu:
    • Ptosis: Herabhängendes Oberlid aufgrund der Lähmung des Musculus levator palpebrae superioris.
    • Diplopie: Doppelbilder aufgrund der gestörten Augenbewegung. Das Auge ist typischerweise nach außen und unten abgewichen.
    • Schielstellung: Der Augapfel ist nach außen und unten gerichtet.
  • Ophthalmoplegia interna: Lähmung der inneren Augenmuskeln. Dies führt zu:
    • Mydriasis: Erweiterte Pupille, die nicht auf Lichteinfall reagiert (lichtstarre Pupille).
    • Akkommodationslähmung: Schwierigkeiten beim Scharfstellen auf nahe Objekte.
    • Anisokorie: Ungleiche Pupillengröße.

Diagnostik

Die Diagnose einer Oculomotoriusparese umfasst eine gründliche neurologische Untersuchung, einschließlich:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, einschließlich der Art und des Beginns der Symptome.
  • Untersuchung der Augenbewegung: Beurteilung der Fähigkeit des Patienten, den Augenapfel in verschiedene Richtungen zu bewegen.
  • Pupillenreflexprüfung: Überprüfung der Pupillenreaktion auf Licht.
  • Bildgebung: Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns, um Ursachen wie Tumore, Aneurysmen oder Entzündungen auszuschließen.

Therapie

Die Therapie einer Oculomotoriusparese richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:

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  • Konservative Therapie: Bei mikrovaskulären Ursachen kann eine konservative Behandlung mit Beobachtung und gegebenenfalls Okklusionstherapie (Abdecken eines Auges) zur Linderung der Doppelbilder ausreichend sein.
  • Medikamentöse Therapie: Bei entzündlichen Ursachen können Kortikosteroide eingesetzt werden.
  • Chirurgische Therapie: Bei Aneurysmen oder Tumoren kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu dekomprimieren oder die Ursache zu beseitigen. In einigen Fällen kann eine Schieloperation durchgeführt werden, um die Augenfehlstellung zu korrigieren.

Differenzialdiagnose

Bei der Diagnose einer Oculomotoriusparese müssen andere Ursachen für ähnliche Symptome ausgeschlossen werden, darunter:

  • Myasthenia gravis: Eine Autoimmunerkrankung, die zu Muskelschwäche führt, einschließlich der Augenmuskeln.
  • Thyreotoxische Orbitopathie: Eine Augenerkrankung, die im Zusammenhang mit einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten kann.
  • Internukleäre Ophthalmoplegie: Eine Störung der Augenbewegung, die durch eine Schädigung der Nervenfasern zwischen den Hirnnervenkernen verursacht wird.

Die Bedeutung der Lokalisation bei Hirnnervenparesen

Die Lokalisation der Schädigung entlang des Verlaufs des Nervus oculomotorius ist entscheidend für die Diagnose und die Bestimmung der Ursache. Supranukleäre Störungen betreffen die kortikale Koordination der Hirnnervenkerne, während internukleäre Störungen durch fehlerhafte Kommunikation zwischen den Kernen verursacht werden. Infranukleäre Störungen betreffen den Nerv selbst oder seine Äste.

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