Die Vorstellung eines "Dritten Auges" fasziniert seit Jahrhunderten und findet sich in verschiedenen spirituellen und philosophischen Traditionen wieder. Doch was hat es mit diesem mystischen Konzept auf sich, und wie ist es mit dem Gehirn und insbesondere der Zirbeldrüse verbunden? Dieser Artikel beleuchtet die vielschichtigen Aspekte des Dritten Auges, seine Verbindung zur Zirbeldrüse, die Rolle des DMT und die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die diese Konzepte untermauern.
Das Konzept des Dritten Auges
Das Dritte Auge, auch bekannt als "Inneres Auge", ist eine mystisch-esoterische Vorstellung von einem unsichtbaren, astralen Auge, das eine Wahrnehmung ermöglichen soll, die über das normale Sehen hinausgeht.
In Dharma-bezogenen Traditionen wie dem Hinduismus wird das Dritte Auge als Stirnchakra oder Ajna Chakra bezeichnet. Es wird verortet in der Mitte der Stirn, zwischen den beiden physischen Augen. Im Yoga spielt das dritte Auge eine wichtige Rolle als das Auge der Intuition, dessen Sitz zwischen den Augenbrauen bzw. in der Mitte der Stirn ist. Shiva und Krishna werden oft mit einem dritten Auge dargestellt. Der rote Punkt (Bindi), den indische Frauen tragen, symbolisiert traditionell die Öffnung des dritten Auges.
In der New-Age-Terminologie symbolisiert das Dritte Auge oft den Zustand der Erleuchtung. Es soll Geistesbilder und Visionen hervorrufen, die eine spirituelle oder psychologische Bedeutung haben können. Religiöse Visionen und Hellsichtigkeit werden oft mit dem Dritten Auge assoziiert. Es wird auch mit der Fähigkeit in Verbindung gebracht, Chakren und Auren wahrzunehmen, Vorahnungen zu haben oder außerkörperliche Erfahrungen zu machen.
Die Zirbeldrüse: Sitz des Dritten Auges?
In der Theosophie wird das Dritte Auge mit der Zirbeldrüse gleichgesetzt. Die Zirbeldrüse (Epiphyse) ist eine kleine, erbsengroße Struktur im Vorderhirn, deren Hauptfunktion die Regulierung des Schlafrhythmus durch die Produktion von Melatonin ist.
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Die Zirbeldrüse hat eine bemerkenswerte Geschichte. Im alten Ägypten repräsentierte sie das Auge des Himmelsgottes Horus, während in Indien das "dritte Auge" mit ihr verbunden wurde - einem mythischen Zugang zu höheren Bewusstseinszuständen.
Die Idee, dass die Zirbeldrüse eine Verbindung zum Dritten Auge darstellt, basiert auf der Theorie, dass Menschen in grauer Vorzeit tatsächlich ein drittes Auge am Hinterkopf gehabt hätten, das sie sowohl physisch als auch spirituell einsetzen konnten.
Die Zirbeldrüse als lichtempfindliche Hormondrüse
Die Zirbeldrüse ist höchst lichtempfindlich und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus. Sie produziert das Hormon Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert und auch antioxidative Eigenschaften besitzt. Melatonin wird vor allem in den Abend- und Nachtstunden ausgeschüttet.
Die Zirbeldrüse ist bei vielen Tieren, wie Fischen, Amphibien und Reptilien, direkt lichtempfindlich. Sie nimmt Licht über eigene Zellen wahr und setzt diese Informationen in hormonelle und neuronale Antworten um. Bei Säugetieren gelangen Lichtreize indirekt über die Retina, den Sehnerv und den Hypothalamus zur Zirbeldrüse.
Verkalkung der Zirbeldrüse
Mit zunehmendem Alter kann es zu Verkalkungen der Zirbeldrüse kommen. Diese Verkalkungen können durch verschiedene Faktoren wie Fluoride, Hormone, Quecksilber, Koffein, Tabak, Alkohol und raffinierten Zucker ausgelöst werden. Auch Strahlungsfelder können eine zerstörerische Wirkung auf die Zirbeldrüse haben.
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Es gibt verschiedene Massnahmen, um die Zirbeldrüse zu entgiften und ihre Funktion zu unterstützen, wie z.B. das Meiden von Fluoriden, die Einnahme von Mineralerde, die Entlastung der Leber, eine Darmreinigung, die Einnahme von Chlorella-Algen, ausreichendes Trinken von Quellwasser, das Einatmen von ätherischem Neroliöl, Sonnenlicht und Meditation.
DMT: Die "Spirit Molecule"
Dr. Rick Strassman hat die Theorie aufgestellt, dass die Zirbeldrüse für die Produktion und Ausscheidung von Dimethyltryptamin (DMT) zuständig ist, einer halluzinogenen Substanz, die auch in Pflanzen wie Psychotria viridis vorkommt. DMT führt zu einer ausgeprägten Veränderung des visuellen Erlebens.
Strassman ist der Überzeugung, dass die Zirbeldrüse diese halluzinogene Substanz sowohl während mystisch-spiritueller Rituale als auch bei der Geburt und dem Tod ausschüttet.
DMT als Neurotransmitter
Aktuelle Forschung geht über die romantisierte Idee von der DMT-Freisetzung in der Zirbeldrüse bei Nahtoderfahrungen hinaus. Die Untersuchung einzelner Neuronen ergab den Hinweis, dass DMT eine Rolle als nichtkanonischer Neurotransmitter spielen könnte und so zum Schutz des menschlichen Gehirns vor physischem und psychischem Stress beiträgt.
Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die im Nervensystem freigesetzt werden, um Informationen zwischen Neuronen zu übertragen. Viele Neurotransmitter gehören zur Gruppe der Monoamine, zu der auch DMT gehört. Zwar kann DMT spurenweise im Nervensystem von Tieren nachgewiesen werden, eine Funktion als endogener Neurotransmitter wurde jedoch noch nicht belegt.
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DMT und Nahtoderfahrungen
Forschungsergebnisse zeigen, dass das Gehirn von Ratten DMT enthält und dessen Konzentration nach einem induzierten Kreislaufstillstand erhöht ist. Dies könnte bedeuten, dass die Ratten eine Nahtoderfahrung durchleben. Es ist jedoch unklar, ob die Konzentrationszunahme mit einer exogenen psychedelischen Dosis vergleichbar war und welche biologische Funktion von dieser Freisetzung ausgelöst werden könnte.
Einige Forscher spekulieren, dass das absterbende Gehirn endogenes DMT freisetzen könnte, um sich selbst so lange wie möglich am Leben zu erhalten. Die allgemein berichteten Empfindungen bei Nahtoderfahrungen - einschließlich Visionen und "das Leben an sich vorbeiziehen sehen" - könnten simple Nebenwirkungen sein.
DMT und der Sigma-1-Rezeptor
Der multifunktionale Sigma-1-Rezeptor (Sig1R) wurde als ein Ziel von DMT identifiziert. Sig1R ist ungewöhnlich, da er Signale von Neurotransmittern über die Zellmembran, innerhalb der Zelle oder im Zellkern weiterleiten kann. An der Membran kann er mit anderen Neurotransmitter-Rezeptoren interagieren und deren Funktion verändern. Innerhalb der Zelle bindet er Anti-Stress-Proteine und unterstützt sie bei der Ausführung ihrer Funktionen. Im Zellkern rekrutiert er andere Proteine, die an die DNA binden und über epigenetische Mechanismen verschiedene Gene aktivieren oder deaktivieren.
Forschungsergebnisse mit Zellkulturen haben gezeigt, dass DMT an Sig1R binden kann und dass sich das Verhalten von Mäusen unter DMT-Einfluss nicht veränderte, wenn Serotonin- und Dopamin-Rezeptoren blockiert wurden. Wurde jedoch Sig1R inaktiviert, zeigten die Mäuse keine Reaktion mehr auf das DMT.
Studien haben eine Rolle für DMT sowohl in der Immunantwort als auch in der Anti-Stress-Reaktion einzelner menschlicher Zellen gefunden. So konnte eine Behandlung mit DMT und die anschließende Aktivierung von Sig1R einem höheren Anteil von Neuronen in Zellkultur helfen, zu überleben, wenn ihnen der Sauerstoff entzogen wurde.
DMT und Traumaverarbeitung
Dr. Antonio Inserra formulierte eine Hypothese über die Rolle, die Sig1R bei Gehirnaktivitäten unter dem Einfluss von DMT und Ayahuasca spielen könnte. Er spekuliert, dass Sig1R Komplexe mit anderen Rezeptoren bildet und die Signalübertragung sowie die neuronale Plastizität in Gedächtniszentren verstärken könnte, welches beim Abrufen und Verarbeiten traumatischer Erinnerungen helfen könnte.
Dr. Simon Ruffell stellte ebenfalls eine Verbindung zwischen DMT, Sig1R und epigenetischer Regulation her. Seine Forschung könnte einen Hinweis darauf liefern, wie DMT mit Sig1R auf epigenetischer Ebene interagiert, sondern auch über die Epigenetik des Gedächtnisses als solches.
Wissenschaftliche Erkenntnisse über das Sehen im Gehirn
Der Sehsinn liefert uns rund 80 Prozent aller Informationen über unsere Umgebung. Informationen, die an den Sinneszellen ankommen, werden über den Sehnerv direkt an das Gehirn weitergegeben. Der überwiegende Anteil des Sehens geschieht allerdings nicht im Auge, sondern im Gehirn. Erfahrungen, Erinnerungen und Gefühle spielen beim Sehen eine große Rolle.
Einige Anbieter suggerieren sehbehinderten und blinden Menschen in Seminaren, dass sie ihre Augen zum Sehen nicht benötigen, sondern dass Seheindrücke nur über das dritte Auge aufgenommen und an das Gehirn übermittelt werden. Sie behaupten, dass Menschen mit verbundenen Augen Farben erkennen und Buchstaben lesen können, indem sie ihre Intuition stärken und ihr Bewusstsein erweitern. Diese Behauptungen sind jedoch wissenschaftlich nicht haltbar.