Migräne im dritten Trimester: Ursachen und Behandlungsansätze

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke, meist einseitige Kopfschmerzen auszeichnet. Viele Frauen erleben während der Schwangerschaft eine Veränderung ihrer Migräne, oft zum Besseren, insbesondere im zweiten und dritten Trimester. Es ist jedoch wichtig, die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten im dritten Trimester zu verstehen, um das Wohlbefinden von Mutter und Kind zu gewährleisten.

Veränderungen der Migräne während der Schwangerschaft

Viele Frauen, insbesondere im zweiten und dritten Trimester, leiden während der Schwangerschaft seltener oder gar nicht an Migräne. Dies wird auf die veränderte Hormonlage zurückgeführt, insbesondere auf einen konstant hohen Spiegel der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. Eine veränderte Konzentration der Botenstoffe Serotonin und Endorphine sowie eine gesündere Lebensweise können ebenfalls eine Rolle spielen.

Ursachen von Migräne im dritten Trimester

Die Entstehung von Migräne ist multifaktoriell. Im Mittelpunkt stehen biochemische Veränderungen im serotonergen System sowie entzündliche Prozesse an den Gefäßen der Hirnhäute. Neben einer genetischen Veranlagung können auch Triggerfaktoren eine Migräneattacke begünstigen, jedoch ohne die eigentliche Ursache zu sein. Meist müssen mehrere Faktoren zusammenwirken, damit ein Migräneanfall entsteht.

Mögliche Ursachen und Auslöser von Migräne im dritten Trimester sind:

  • Hormonelle Veränderungen: Schwankungen des Östrogenspiegels können Migräne auslösen.
  • Stress und Verspannungen: Stress und Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich können Kopfschmerzen verstärken.
  • Schlafmangel: Unzureichender Schlaf kann Migräneattacken begünstigen.
  • Ernährung: Bestimmte Lebensmittel wie Käse, Rotwein, Schokolade und Zitrusfrüchte können als Trigger wirken. Auch ein Mangel an Eisen oder Magnesium kann Kopfschmerzen auslösen.
  • Flüssigkeitsmangel: Eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr kann zu Kopfschmerzen führen.
  • Wetterumschwünge: Wetterumschwünge können ebenfalls Migräneattacken auslösen.
  • Sensorische Reize: Plötzliche, intensive oder vielfältige Stimuli können eine übermäßige Aktivierung der Nervenzellen hervorrufen.

Symptome der Migräne

Zu den charakteristischen Symptomen der Migräne zählen mäßig bis sehr starke, meist einseitige Schmerzen. Diese haben in der Regel einen klopfenden oder pulsierenden Charakter. Eine hohe Licht- und Geräuschempfindlichkeit plagt die Patienten neben der Schmerzattacke zusätzlich, und viele Betroffene ziehen sich in abgedunkelte Räume zurück und müssen sich hinlegen. Dem vorausgehend tritt bei bis zu 30 Prozent der Migräniker eine sogenannte Aura auf. Üblicherweise kündigt sie einen Anfall an und ist u.a. durch Sensibilitätsstörungen, Augenflimmern bis hin zu Sprachstörungen geprägt.

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Risiken und Komplikationen

Migräne ist nicht mit einem negativen Schwangerschaftsverlauf oder erhöhten Fehlbildungsraten assoziiert. Sie stellt allerdings einen Risikofaktor für hypertensive (darunter auch Präeklampsie) und vaskuläre Erkrankungen während der Schwangerschaft dar. Schwere Migräneverläufe während der Schwangerschaft bedingen eine >50% höhere Wahrscheinlichkeit für Präeklampsie, Frühgeburt oder geringes Geburtsgewicht. Sie bewirken eine Risikoschwangerschaft.

Nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

Grundsätzlich sollten Schwangere auf Medikamente in der Schwangerschaft verzichten. Sind die Schmerzen erträglich, kann man bei Migräne in der Schwangerschaft möglicherweise ganz auf Medikamente verzichten. Wichtig ist es, sich viel Ruhe und vor allem Schlaf zu gönnen. Am besten gelingt das in einem abgedunkelten Raum. Ein gekühltes Tuch an Schläfen oder Stirn und eine Wärmeflasche auf dem Bauch empfinden viele Frauen ebenfalls als angenehm.

Weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Linderung von Migräne im dritten Trimester sind:

  • Ruhe und Entspannung: Ausreichend Schlaf und Ruhepausen sind wichtig. Entspannungsübungen wie Meditationen oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson können helfen.
  • Reizabschirmung: Sich in einem abgedunkelten und ruhigen Raum aufhalten.
  • Kühlende Maßnahmen: Kalte Kompressen oder Eispackungen auf Stirn und Nacken können Schmerzen lindern.
  • Akupressur: Akupressur der Schläfen kann ebenfalls helfen.
  • Pfefferminzöl: Pfefferminzöl auf Stirn oder Schläfen auftragen.
  • Magnesium: Einige Mediziner und Hebammen empfehlen die Einnahme von Magnesium - dies sollte jedoch nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
  • Biofeedback-Therapie und Akupunktur: Darüber hinaus können die Biofeedback-Therapie und Akupunktur weitere Behandlungsalternativen in der Schwangerschaft sein.
  • Regelmäßiger moderater Sport: Regelmäßiger moderater Sport, beispielsweise Walken, Schwimmen oder Yoga, kann helfen.
  • Viel trinken: Mindestens zwei Liter täglich trinken.
  • Geregelter Tagesablauf: Ein geregelter Tagesablauf mit Ruhepausen sowie ausreichend Nachtschlaf ist wichtig.
  • Massagen: Massagen zur Behandlung und Vorbeugung von Verspannungen können helfen.

Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

Grundsätzlich gilt: Versichere dich vor allem in der Schwangerschaft bei deinem Arzt, welche Mittel sich bei Migräne eignen und wie die richtige Dosierung ist. Bei starken Migräne-Kopfschmerzen oder lang andauernder Übelkeit ist es auch in der Schwangerschaft nicht sinnvoll, die Beschwerden auszuhalten und ganz auf Medikamente zu verzichten.

Nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko- Abwägung sollten Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Ibuprofen zur medikamentösen Therapie im 1. und 2. Trimester eingesetzt werden. Ihnen sollte bei der Medikamentenwahl nach Möglichkeit der Vorzug gegeben werden. In Ausnahmefällen kann die Verabreichung von Einzeldosen Metamizol im 1. und 2. Wichtig: Im 3.

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  • Paracetamol: Laut aktueller Leitlinie sind Bedenken gegen die Anwendung von Paracetamol (Acetaminophen) zur Behandlung akuter Migräneattacken in der Schwangerschaft nur noch eingeschränkt gerechtfertigt. Paracetamol kann im 1., 2. und 3. Trimenon zur Behandlung leichter bis mäßiger Migräneattacken eingesetzt werden, wobei seine Wirksamkeit jedoch begrenzt ist.
  • Triptane: Bei unzureichender Wirkung ist auch eine Behandlung mit Triptanen vertretbar. In diesem Fall sollte die Migräne jedoch eindeutig im Vorfeld vom behandelnden Arzt/in diagnostiziert und eine Behandlung mit Triptanen ausdrücklich empfohlen (Rezept) worden sein. Die Einnahme des Sumatriptans sollte möglichst früh, zu Beginn einer Attacke erfolgen. Jedoch nicht während der Aura, sondern erst nach Beendigung dieser, sobald der Schmerz eintritt. Das Wirkprinzip beruht auf einer Kontraktion der Hirngefäße sowie der Hemmung der neurogenen Entzündung.
  • Ibuprofen: Auch Ibuprofen kann im 1. und 2. Trimester empfohlen werden, sollte aber im 3.
  • Metoclopramid: Bei Übelkeit und Erbrechen kann Metoclopramid während der gesamten Schwangerschaft eingesetzt werden. Bei schwerer Übelkeit und Unwirksamkeit von Metoclopramid kann Ondansetron unter strenger Indikationsstellung während des 2. und 3.

Wichtig: Frauen sollten in der Schwangerschaft Schmerzmittel ausschließlich nach ärztlicher Rücksprache einnehmen, da einige Wirkstoffe ein Risiko für das ungeborene Kind darstellen können.

Vorbeugende Maßnahmen

Damit Kopfschmerzen und Migräne in der Schwangerschaft erst gar nicht entstehen, sollte man die Lebensumstände so weit wie möglich anpassen. Damit lassen sich leichte Beschwerden oftmals schon gut lindern:

  • Regelmäßiger moderater Sport
  • Entspannungsübungen wie Meditationen oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson
  • Migräne-Trigger vermeiden
  • Viel trinken, mindestens zwei Liter täglich
  • Geregelter Tagesablauf mit Ruhepausen sowie ausreichend Nachtschlaf
  • Massagen zur Behandlung und Vorbeugung von Verspannungen
  • Pfefferminzöl auf Stirn oder Schläfen auftragen

Migräne kurz vor und während der Geburt

Je näher der errechnete Geburtstermin rückt, desto mehr Unruhe verbreitet sich und Fragen tauchen auf: Wird mein Kind gesund auf die Welt kommen? Sind die Schmerzen erträglich für mich? Was ist, wenn ich während der Entbindung eine Migräne-Attacke bekomme? All diese Ungewissheiten kann dir niemand vor der Geburt beantworten, trotzdem gibt es Möglichkeiten, die Ängste zu reduzieren. Viele werdende Eltern besuchen zudem einen Geburtsvorbereitungskurs, in dem sie Fragen zum Geburtsablauf klären, Tipps bekommen und über ihre Bedenken im Hinblick auf die Entbindung sprechen. Dabei erlernen die Paare unter anderem Massagetechniken, die nicht nur bei Migräne-Patientinnen entspannend wirken können. Dadurch vermeidest du vielleicht auch Stress und Verspannungen als Auslöser von Migräne, die ansonsten kurz vor der Geburt Kopfschmerzen verursachen könnten.

Grundsätzlich gilt: Bei besonders starken Schmerzen gibt dir ein Arzt jedoch - auch bei der Entbindung - Akutmedikamente. Eine Schmerzlinderung gegen die Wehen, wie zum Beispiel eine Periduralanästhesie (PDA), kannst du ebenfalls bekommen.

Migräne nach der Geburt

Nach der Entbindung gibt es erneut Hormonumstellungen im Körper der Frau, wodurch eine Migräne, die eventuell während der Schwangerschaft seltener vorkam, wieder zunehmen kann. Sogar Frauen, die vor der Geburt nie von Migräne geplagt waren, können im Wochenbett erstmals darunter leiden.

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Wer sich während der Schwangerschaft bereits prophylaktisch auf das Wochenbett vorbereiten möchte, sollte vor allem Ruhe bewahren. Gut ist es immer, mögliche Migräne-Auslöser zu vermeiden. Bei der Behandlung der Migräne nach der Schwangerschaft müssen besonders stillende Mütter aufpassen, welche Medikamente sie einnehmen können, ohne ihrem Säugling zu schaden. Sprich die medikamentöse Behandlung immer zunächst mit deinem Arzt ab. So kannst du gemeinsam eine passende Therapie für deine individuelle Situation finden.

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