Die Alzheimer-Demenz, medizinisch auch Morbus Alzheimer genannt, ist die häufigste Form der neurodegenerativen Erkrankung Demenz. Sie wurde erstmals 1906 von dem Neurologen und Psychiater Alois Alzheimer beschrieben, der bei einer Patientin namens Auguste D. Veränderungen wie Gedächtnisverlust, Eifersuchtsideen und zielloses Umherirren beobachtete. Die steigende Lebenserwartung, insbesondere in den westlichen Industrieländern, führt dazu, dass der Anteil an Personen mit Demenzerkrankungen so hoch ist wie nie zuvor.
Was ist der Mini-Mental-Status-Test (MMST)?
Der Mini-Mental-Status-Test (MMST) ist ein international etabliertes und häufig eingesetztes Instrument zur Beurteilung des mentalen Status. Er dient als Schnelltest zur Erfassung kognitiver Störungen, insbesondere bei älteren Menschen, und hat eine hohe Aussagekraft über die Diagnose Demenz. Der MMST, auch bekannt als Mini-Mental-State-Examination (MMSE), wurde 1975 von Marshal F. Folstein entwickelt. Er wird oft als erster Test angewendet, wenn der Verdacht auf eine Demenz besteht, und wird auch genutzt, um den Krankheitsverlauf zu verfolgen.
Ablauf des MMST
Der MMST besteht aus einfachen Fragen und Aufgaben, die alltägliche Denkprozesse abbilden sollen. Die Testperson soll sich beispielsweise drei Begriffe merken, einfache Rechenaufgaben lösen oder das aktuelle Datum nennen. Typisch für die Aufgaben und Fragen ist, dass sie von Menschen ohne kognitive Einschränkungen meist mühelos beantwortet werden können, während Menschen mit einer beginnenden Demenz sich mit der Beantwortung deutlich schwerer tun. Das etwa 10- bis 15-minütige Interview wird ausschließlich von Ärztinnen und Ärzten bzw. geschultem medizinischen Fachpersonal durchgeführt, zum Beispiel in einer Hausarztpraxis, einer neurologischen Praxis oder einer Gedächtnisambulanz. In Gedächtnisambulanzen arbeiten Fachleute, die auf die Abklärung von Gedächtnisstörungen spezialisiert sind. Der MMST erfasst mehrere Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit.
Durchführung des MMST
Der MMST-Test wird am besten von einem geschulten Experten durchgeführt und besteht aus einem Gespräch zwischen dem Experten und der betroffenen Person. In jeder der fünf Kategorien gibt es mehrere Fragen zu beantworten oder Aufgaben zu erledigen. Für jede richtig gelöste Aufgabe oder Frage gibt es einen Punkt, also maximal 30 Punkte. Sie haben bis zu 30 Minuten Zeit, den MMST-Test zu bearbeiten - in der Regel geht es aber deutlich schneller. Der MMST liefert ein zuverlässiges Bild von der kognitiven Leistungsfähigkeit des Probanden. Auf den Test selbst folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung. Stellen Sie der Testperson die Fragen und notieren Sie die Antworten. Um die Auswertung können Sie sich später kümmern.
Der Test umfasst 30 Fragen, die jeweils einen Punkt geben. Der Höchstwert beim MMST / MMSE liegt bei 30 Punkten.
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Der MMST beinhaltet folgende Aufgabenbereiche:
- Orientierung zur Zeit: Fragen nach dem aktuellen Datum, Wochentag, Monat, Jahr und Jahreszeit.
- Orientierung zum Ort: Fragen nach dem aktuellen Ort, Bundesland, Stadt, Krankenhaus/Einrichtung und Stockwerk.
- Merkfähigkeit: Der Testperson werden drei Begriffe genannt, die sie sich merken soll. Diese werden später im Test wieder abgefragt.
- Aufmerksamkeit und Rechnen: Die Testperson soll entweder von 100 beginnend fünfmal die Zahl 7 abziehen oder das Wort "S-T-U-H-L" rückwärts buchstabieren.
- Erinnerung: Die Testperson soll die drei Begriffe nennen, die sie sich zu Beginn des Tests merken sollte.
- Sprache: Benennen von Gegenständen (z.B. Stift, Uhr), Wiederholen eines Satzes, Befolgen von Anweisungen (z.B. "Nehmen Sie dieses Papier in die Hand, falten Sie es in der Mitte und legen Sie es auf den Boden"), Schreiben eines Satzes und Abzeichnen einer geometrischen Figur (zwei sich überschneidende Fünfecke).
Auswertung des MMST
Zur Auswertung zählen Sie für jede richtig gelöste Aufgabe einen Punkt und werten das Ergebnis anhand dieser Skala aus:
- 27 bis 30 Punkte: Höchstens leichte Beeinträchtigungen des Denkvermögens. Komplett gesunde und geistig fitte Menschen sollten 30 Punkte erreichen.
- 20 bis 26 Punkte: Leichte Alzheimer-Erkrankung.
- 10 bis 19 Punkte: Mittelschwere Alzheimer-Erkrankung.
- Unter 10 Punkte: Schwere Alzheimer-Erkrankung.
Grenzen des MMST
Der MMST ist eine erste Orientierung, keine sichere Diagnose. Bildungsniveau, Muttersprache, psychische Belastungen oder andere Erkrankungen können das Ergebnis beeinflussen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass Menschen mit einem sehr hohen Bildungsniveau trotz beginnender Demenz die volle Punktzahl erreichen, während andere, aufgrund geringerer Bildung oder Sprachbarrieren schlechter abschneiden, ohne an Demenz erkrankt zu sein. Auch wird von Menschen mit einer Depression häufig nicht die volle Punktzahl erreicht, obwohl sie keine Demenz haben. Ebenso kann der MMST bei bestimmten Demenzformen wie der Frontotemporalen Demenz oder der Lewy-Körperchen-Demenz unauffällig ausfallen, obwohl kognitive Veränderungen bestehen. Nicht zuletzt können auch Tagesform oder persönliche Anspannung eine Rolle spielen.
Der Mini-Mental-Status-Test kann die ausführliche Diagnose und Untersuchung bei einem Arzt nicht ersetzen. Denn zu einem professionellen Demenz-Test gehört immer auch eine ausführliche körperliche Untersuchung durch einen Arzt. Der MMST wird häufig in Hausarztpraxen eingesetzt, in denen das Personal oder der Arzt speziell in der Anwendung dieses Tests geschult sind. Wichtig ist dabei, dass sich der Arzt zuvor im Gespräch ein gutes Bild des Patienten machen konnte.
Stadieneinteilung der Alzheimer-Demenz
Die Stadieneinteilung der Alzheimer-Demenz kann auf verschiedene Weisen erfolgen. Ein häufig genutztes Modell ist die Reisberg-Skala (Global Deterioration Scale, GDS). Der MMST wird auch verwendet, um den Verlauf einer Demenz zu messen. Dafür wird der Test in regelmäßigen Abständen wiederholt.
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Reisberg-Skala (Global Deterioration Scale, GDS)
Die Reisberg-Skala beschreibt sieben Stadien der Demenz:
- Stadium 1: Keine kognitiven Einschränkungen erkennbar.
- Stadium 2: Subjektive kognitive Leistungsminderung (z.B. Vergessen von Namen oder Gegenständen).
- Stadium 3: Leichte kognitive Beeinträchtigungen (z.B. Wortfindungsstörungen, Schwierigkeiten beim Beschreiben von Gegenständen).
- Stadium 4: Moderate kognitive Beeinträchtigungen (z.B. Kurzzeitgedächtnis betroffen, Vergessen wichtiger Ereignisse aus der Vergangenheit).
- Stadium 5: Mittelschwere kognitive Beeinträchtigungen (z.B. Desorientierung bezüglich Zeit und Ort, Erkennen von Verwandten und Freunden nicht immer möglich).
- Stadium 6: Schwere kognitive Beeinträchtigungen (z.B. starke Verminderung des Denk- und Wahrnehmungsvermögens, Veränderungen der Persönlichkeit, Unverzichtbarkeit von Hilfe bei alltäglichen Handlungen).
- Stadium 7: Sehr schwere kognitive Beeinträchtigungen (z.B. Verlust der Sprachfähigkeit, Kontrollverlust über den Körper, vollständige Pflegebedürftigkeit).
ADL-Skala (Activities of Daily Living)
Neben der Reisberg-Skala kommen bei der Einstufung einer Demenzerkrankung auch weitere Skalen zum Einsatz, unter anderem die ADL-Skala. ADL steht für „Activites of Daily Living“, zu Deutsch: „Aktivitäten des täglichen Lebens“. Hierbei handelt es sich um alltägliche, wiederkehrende Tätigkeiten, deren Zweck die Erfüllung der menschlichen Grundbedürfnisse (physisch und psychisch) ist. Die Skala dient also der Messung der Alltagskompetenz von Patient:innen mit Demenzerkrankungen sowie ganz allgemein von Pflegebedürftigen.
Es gibt verschiedene ADL-Systeme, wobei die ADL-Skala nach Barthel - der sogenannte Barthel-Index - besonders weit verbreitet ist. Bei der Demenz-Einstufung nach Barthel werden verschiedene Kategorien mit 0, 5 oder 10 Punkten bewertet, der maximal erreichbare Score-Wert beträgt 100. Je höher die erreichte Punktzahl, umso selbstständiger ist die Person. Die Bewertungskategorien sind:
- Essen
- Baden
- Körperpflege
- An- und Auskleiden
- Stuhlkontrolle
- Urinkontrolle
- Toilettenbenutzung
- Bett-/Stuhltransfer
- Mobilität
- Treppensteigen
Allerdings ist die ADL-Skala allein nicht aussagekräftig, denn selbst aus einem Score-Wert von 100 ergibt sich lediglich, dass eine Person die genannten Aktivitäten selbstständig durchführen kann.
Diagnose und Behandlung
Die endgültige Diagnose Alzheimer-Demenz wird von einem Spezialisten für Neurologie oder Psychiatrie gestellt. Wenn Sie vermuten, dass jemand an einer Demenzerkrankung leidet, sollten Sie sich jedenfalls an einen Arzt wenden, der die weiteren Schritte initiiert.
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Der Diagnoseprozess umfasst in der Regel:
- Anamnese: Ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten, bei dem Informationen zu Vorerkrankungen und Lebensumständen erhoben werden. Auch eingenommene Medikamente werden besprochen, denn diese können sich möglicherweise auf die Gehirnleistung auswirken.
- Körperliche Untersuchung und Labordiagnostik: Allgemeine Methoden wie Blutdruck- und Pulsmessungen, Prüfungen des Herzschlags, der Muskel- oder Pupillenreflexe. Auch das Seh- und Hörvermögen wird getestet. Im Zuge der Labordiagnostik werden umfassende Blut-, Urin- und Stuhlanalysen durchgeführt. Die ermittelten Werte geben Auskunft über den Gesundheitszustand des Körpers. Dadurch können alternative Erkrankungen ausgeschlossen werden.
- Psychometrische Tests: Gezielte Tests, bei denen das Erinnerungs- und Denkvermögen mittels kleiner Fragen oder Aufgaben überprüft wird. Dabei kann außerdem das Stadium der Erkrankung festgestellt werden. Beispiele hierfür sind der Uhrentest und der Mini-Mental-Status-Test (MMST).
- Bildgebende Verfahren: Wenn sich die Vermutung durch die psychometrischen Tests erhärtet hat, wird das Gehirn durch bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) sowie Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht. So können andere Erkrankungen ausgeschlossen werden.
- Liquordiagnostik: Eine Untersuchung der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) weist eine Erkrankung mit Alzheimer mit einer hohen Sicherheit nach. Dabei wird der Liquor auf das Auftreten bestimmter Proteine untersucht.
- Gentests: Wie bereits beschrieben, wird die Alzheimer-Demenz nur in sehr wenigen Fällen über die Gene weitervererbt. Im „Normalfall“ ist das Alter der bedeutendste Faktor für den Ausbruch der Krankheit. Bricht diese aber relativ früh, also vor dem 65. Lebensjahr, aus, kann ein Gentest sinnvoll sein.
Bislang gibt es keine wirksame Heilungsmethode für Demenzerkrankungen. Die Ziele der Pflege und Therapie bei Alzheimer-Demenz liegen darin, dass die Patienten ihren Alltag so lange wie möglich selbstständig gestalten können. Antipsychotika bzw. Antidementiva werden für die Verlangsamung des Krankheitsverlaufs eingenommen. Sie sollen den Abbau des Denk- und Erinnerungsvermögens verzögern. Die Symptome der Alzheimer-Erkrankung werden durch Antipsychotika behandelt. Ein hoher Stellenwert in der Pflege bei Demenzerkrankungen kommt der nicht-medikamentösen Therapie zu. Das Training der geistigen Fähigkeiten erhält die Selbstständigkeit im Alltag.
Prävention
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken deutlich zu verringern. Ein gesunder Lebensstil umfasst regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung. Auf Alkoholmissbrauch sollte ebenso verzichtet werden, wie auf den Konsum von Zigaretten. Auch die Psychohygiene dient als wesentliche Maßnahme. Darunter versteht man unter anderem die Verringerung von Stressfaktoren oder rechtzeitige Behandlung von psychischen Erkrankungen. Der Vereinsamung und dem fehlen sozialer Kontakte wirkt die regelmäßige Pflege von Beziehungen zu Familie und Freunden entgegen. Dies stimuliert auch die Gedächtnisleistung.
Leben mit Alzheimer
Eine Erkrankung an Alzheimer hat oftmals nicht nur gravierende Auswirkungen auf den Betroffenen, sondern für die gesamte Familie und das Umfeld. Der Gedächtnisverlust von Alzheimer-Patienten umfasst alle Bereiche. Dies stellt eine besonders große Herausforderung für Pflegende dar, wenn die Person nicht nur an Alzheimer leidet, sondern auch noch an weiteren Krankheiten, die behandelt werden müssen. Wenn eine Erkrankung an Alzheimer frühzeitig diagnostiziert wird, kann der Krankheitsverlauf effektiv verzögert werden. Es ist vor allem möglich, den Gedächtnisverlust zu verlangsamen. Zum anderen soll aber auch die sogenannte aktivierende Pflege zu einer Verlangsamung des Voranschreitens der Krankheit beitragen. Pflegende ermutigen den Erkrankten dabei, selbst zu handeln. Ziel ist es, eine größtmögliche Selbstständigkeit zu ermöglichen. Dies geschieht allerdings immer ohne Zwang oder Überforderung. Die Kommunikation ist ein wichtiger Baustein in der Pflege von Alzheimer-Patienten. Die Erkrankung führt häufig zu einem Verlust der Sprachfähigkeit. Gleichzeitig verstehen sie die Welt um sich herum nicht mehr. Durch den Gedächtnisverlust wissen sie nicht mehr, wieso sie genug trinken oder sich waschen müssen.
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