Düngung fürs Gehirn: Wie Sie Ihre Gehirnleistung natürlich steigern können

Demenzprävention ist eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit. In Deutschland sind bereits über eine Million Menschen von Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen betroffen, und die Zahlen steigen weiter. Da es trotz intensiver Forschung noch keine heilende Therapie gibt, ist es umso wichtiger, rechtzeitig gegenzusteuern und die Gesundheit unseres Gehirns aktiv zu fördern.

Ein vielversprechender Ansatz liegt in der orthomolekularen Medizin, die auf den gezielten Einsatz von Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Fettsäuren setzt, um die Gehirnfunktion zu unterstützen und das Demenzrisiko zu senken. Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Nährstoffe und Lebensstilfaktoren nicht nur das Fortschreiten einer beginnenden Demenz verlangsamen, sondern auch präventiv wirken können, insbesondere wenn sie frühzeitig und individuell abgestimmt eingesetzt werden.

Dieser Artikel beleuchtet, wie orthomolekulare Mikronährstoffe bei der Demenzprävention helfen können.

Was ist orthomolekulare Medizin?

Die orthomolekulare Medizin, ein Begriff, der vom zweifachen Nobelpreisträger Linus Pauling geprägt wurde, konzentriert sich auf die Versorgung des Körpers mit optimalen Konzentrationen natürlicher Mikronährstoffe, um Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Pauling erkannte, dass biochemische Ungleichgewichte und Nährstoffmängel zur Entstehung vieler Krankheiten beitragen können. Ziel der orthomolekularen Medizin ist es, diese Ungleichgewichte durch gezielte Nahrungsergänzung zu korrigieren und so eine optimale physiologische Umgebung im Körper zu schaffen.

Besonders in der Prävention und Behandlung chronischer Erkrankungen, einschließlich neurodegenerativer Krankheiten, setzt die orthomolekulare Medizin auf hochwertige Vitalstoffe in teils hohen Dosierungen, stets unter individueller Anpassung an den Bedarf des Patienten. Die orthomolekulare Psychiatrie beschäftigt sich speziell mit der Rolle von Nährstoffen für die mentale Gesundheit und Gehirnfunktion. Dabei wird berücksichtigt, dass jeder Mensch eine einzigartige genetische Ausstattung und Biochemie besitzt, die den individuellen Nährstoffbedarf beeinflusst.

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Orthomolekulare Therapeuten erstellen personalisierte Nährstoffpläne, basierend auf Laborwerten und Anamnese, um Mängel auszugleichen und Schutzfaktoren zu optimieren.

Anfangs wurde die orthomolekulare Medizin als „alternative“ Methode belächelt, doch inzwischen stützen zahlreiche Studien die Bedeutung von Mikronährstoffen in Prävention und Therapie. Gerade bei komplexen Erkrankungen wie Alzheimer wächst die Erkenntnis, dass Multikomponenten-Ansätze erfolgreicher sein könnten als Monotherapien. Nachdem die bisherigen Medikamente gegen Alzheimer größtenteils enttäuscht haben, fordern Experten einen ganzheitlichen Ansatz, der mehrere Mechanismen gleichzeitig positiv beeinflusst. Die orthomolekulare Medizin kombiniert wissenschaftliche Evidenz mit einem ganzheitlichen Therapieverständnis, um durch Ernährung, Supplemente und Lebensstiländerungen die bestmögliche Gehirngesundheit zu erreichen.

Alzheimer verstehen: Pathophysiologie und Angriffspunkte für Mikronährstoffe

Alzheimer-Demenz ist eine komplexe neurodegenerative Erkrankung, bei der über Jahrzehnte schleichend Gehirnzellen (Neuronen) absterben und geistige Fähigkeiten verloren gehen. Typisch sind Eiweißablagerungen im Gehirn - Beta-Amyloid-Plaques außerhalb der Zellen und Tau-Fibrillen innerhalb der Neuronen. Diese Veränderungen gehen mit chronischen Entzündungsreaktionen, oxidativem Stress, Störungen im Energiestoffwechsel und Synapsenverlust einher. Viele Faktoren tragen dazu bei, dass diese Pathologie entsteht: Genetische Veranlagung (z.B. APOE4-Gen), ein höheres Lebensalter, aber auch Lebensstil und Umweltfaktoren. Letztere sind zugleich Ansatzpunkte für Prävention: Durch positive Einflussnahme auf Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stress und Nährstoffversorgung lassen sich die schädlichen Prozesse im Gehirn abschwächen.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass pathologische Veränderungen bei Alzheimer Jahrzehnte vor den ersten Symptomen beginnen. Diese lange stille Phase eröffnet ein entscheidendes Zeitfenster für präventive Maßnahmen. Mikronährstoffe können an verschiedenen Stellen dieser Krankheitsentwicklung ansetzen:

  • Antioxidativer Schutz: Das Gehirn verbraucht sehr viel Sauerstoff und Energie, wodurch viele freie Radikale entstehen. Oxidativer Stress schädigt Nervenzellen und fördert Plaquebildung. Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Carotinoide und Selen neutralisieren freie Radikale und schützen die Zellen. In Alzheimer-Studien fand man tatsächlich oft niedrige Spiegel dieser Antioxidantien bei Patienten. Eine ausreichende Versorgung hiermit könnte die Hirnzellen resistenter machen und das Risiko kognitiven Abbaus reduzieren.
  • Entzündungshemmung: Chronische Neuroinflammation (Entzündung im Gehirn) trägt wesentlich zur Alzheimer-Entstehung bei. Einige Nährstoffe wirken entzündungsmodulierend - z.B. Omega-3-Fettsäuren (DHA, EPA) aus Fischöl, die als Vorstufe von entzündungsauflösenden Botenstoffen dienen. Auch Vitamin D und bestimmte Pflanzenstoffe (z.B. Curcumin aus Kurkuma oder Resveratrol aus Trauben) haben antientzündliche Effekte im Nervensystem gezeigt.
  • Homocystein und Gefäßgesundheit: Ein oft übersehener Risikofaktor ist der Aminosäurestoffwechsel. Hohe Homocysteinspiegel im Blut korrelieren mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko und verstärktem Gehirnabbau. Homocystein schädigt Gefäße und fördert Neurodegeneration, hemmt sogar die Bildung neuer Nervenzellen (Neurogenese) im Hippocampus. Ursache erhöhter Homocysteinwerte ist meist ein Mangel an B-Vitaminen (B₆, B₁₂ und Folsäure), die Homocystein abbauen. Fehlen diese Vitamine, kann Homocystein sich anreichern. B-Vitamine sind daher ein wichtiger Angriffspunkt: Studien zeigen, dass eine Homocystein-Senkung durch Vitamin B6, B12 und Folsäure den Hirnabbau bei gefährdeten Personen verlangsamen kann. Merke: Ein hoher Homocysteinwert ist ein Warnsignal und sollte durch entsprechende Vitamin-Gaben normalisiert werden.
  • Energiehaushalt und Insulinsignalwege: Das Gehirn von Alzheimer-Patienten weist Zeichen einer Insulinresistenz und mitochondrialen Dysfunktion auf - teils wird Alzheimer sogar als „Diabetes Typ 3“ bezeichnet. Die Neuronen können Glukose schlechter verwerten und „verhungern“ sozusagen inmitten von Überfluss. Hier könnten ketogene Ansätze helfen, aber auch Mikronährstoffe: B-Vitamine, Coenzym Q10, Magnesium und L-Carnitin unterstützen den Energiestoffwechsel der Zellen. Eine Meta-Analyse ergab, dass z.B. Acetyl-L-Carnitin (ein Nährstoff zur Mitochondrien-Unterstützung) bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und mildem Alzheimer zu einer leichten Verbesserung von Kognition, Stimmung und Gehirnenergie führte. Auch NADH (ein Coenzym) zeigte in ersten klinischen Tests, dass es den Krankheitsverlauf stabilisieren und die geistige Leistungsfähigkeit etwas verbessern kann. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Verbesserung der Hirn-Energieversorgung durch orthomolekulare Nährstoffe ein aussichtsreicher Pfad ist.
  • Neurotransmitter und Synapsen: Gewisse Vitamine und Aminosäuren sind Bausteine für Neurotransmitter (Botenstoffe im Gehirn). Zum Beispiel benötigt die Bildung von Acetylcholin (wichtig für Gedächtnis) ausreichend Cholin und Vitamin B5. Vitamin B1 (Thiamin) ist essenziell für die Glukoseverwertung im Gehirn; Thiaminmangel (Wernicke-Korsakow-Syndrom) führt zu schweren Gedächtnisstörungen. In kleinen Alzheimer-Studien verbesserten sich kognitive Funktionen unter hochdosierter Thiamin-Gabe. Orthomolekulare Therapie achtet daher auf eine optimale Versorgung aller neuralen Bausteine, um Neurotransmitterhaushalt und Synapsenfunktion zu unterstützen.
  • Amyloid-Clearance: Ein Ziel ist auch, die Entsorgung von Amyloid-Proteinen zu fördern. Das Immunsystem im Gehirn (Mikroglia) sowie spezifische Enzyme sind daran beteiligt. Vitamin D hat sich hier als wichtig herausgestellt: Es moduliert die Immunabwehr und fördert in Laborversuchen die Aufnahme und den Abbau von Amyloid-β durch Immunzellen. Ein guter Vitamin-D-Status könnte somit helfen, Amyloid-Ablagerungen vorzubeugen oder zu vermindern. Zusätzlich wird diskutiert, dass Curcumin (Gelbwurz) an Amyloid binden und dessen Verklumpung hemmen kann (zumindest im Tierversuch). Pflanzliche Polyphenole generell unterstützen zelluläre Reinigungs- und Reparaturprozesse.

Zusammengefasst: Alzheimer entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel schädlicher Prozesse, die jedoch an vielen Stellen durch Nährstoffe positiv beeinflusst werden können. Orthomolekular bedeutet, alle Puzzleteile zu berücksichtigen: Oxidativen Stress reduzieren, Entzündungen dämpfen, Mitochondrien stärken, Gefäßgesundheit und Homocystein optimieren, Neurotransmitter unterstützen und schädliche Proteine abbauen. Kein einzelnes Vitamin wird Alzheimer verhindern - aber das orchestrierte Zusammenspiel vieler Mikronährstoffe plus eines gesunden Lebensstils kann ein robustes Schutznetz spannen, das den Ausbruch der Demenz verzögert oder im Idealfall ganz verhindert.

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Wichtigste Mikronährstoffe zur Demenz-Prävention

Im Folgenden werden die bedeutendsten Vitamine, Mineralstoffe und Nährstoffe vorgestellt, die laut Forschung eine Rolle bei der Vorbeugung von Alzheimer-Demenz spielen. Dabei betrachten wir jeweils ihre Funktion im Gehirn, Anzeichen eines Mangels sowie aktuelle Studienergebnisse zur Alzheimer-Prävention.

B-Vitamine (B₆, B₉, B₁₂): Homocystein senken, Gehirn schützen

Die Vitamine B₆ (Pyridoxin), B₉ (Folat) und B₁₂ (Cobalamin) sind Schlüsselstoffe für das Nervensystem. Sie werden für die Myelinisierung (Schutzschicht der Nervenfasern), die DNA-Reparatur und die Bildung von Neurotransmittern benötigt. Besonders bekannt ist ihre Rolle im Homocystein-Stoffwechsel: Gemeinsam wandeln sie das Zellgift Homocystein in Methionin bzw. Cystein um.

Ein Überschuss an Homocystein wirkt gefäßschädigend (Arteriosklerose) und ist neurotoxisch - es fördert die Apoptose (Zelltod) und stört die Entstehung neuer Gehirnzellen. Erhöhte Homocysteinspiegel werden bei Alzheimer-Patienten überdurchschnittlich häufig gefunden. In der renommierten Framingham-Studie hatten Personen mit hohem Homocystein ein doppelt so hohes Risiko, an Demenz zu erkranken.

Ein Durchbruch war die VITACOG-Studie in Oxford: Ältere Menschen mit leichten Gedächtnisproblemen erhielten hochdosiert B₆, B₁₂ und Folsäure oder Placebo. Ergebnis: In der B-Vitamin-Gruppe schrumpfte das Gehirn (Hippocampusregion) um 30% langsamer als in der Placebogruppe - bei den Patienten mit erhöhtem Homocystein. Die kognitiven Fähigkeiten blieben stabiler. Dies legt nahe, dass B-Vitamine besonders dann wirken, wenn tatsächlich ein Mangel oder erhöhter Homocysteinspiegel vorliegt.

Eine weitere Auswertung zeigte zudem, dass der Effekt der B-Vitamine am größten war, wenn gleichzeitig genügend Omega-3-Fettsäuren im Blut vorhanden waren. Offenbar ergänzen sich B-Vitamine und Omega-3 in ihrem neuroprotektiven Effekt (Omega-3 stabilisiert Zellmembranen, B-Vitamine senken Homocystein und liefern Methylgruppen für Reparaturprozesse).

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Im Rahmen der Demenzprävention wird empfohlen, bei Erwachsenen (insbesondere ab 50+) den Homocysteinwert im Blut bestimmen zu lassen. Ist dieser erhöht (>10-12 µmol/L), sollte nach Rücksprache mit dem Arzt eine B-Vitamin-Supplementierung erfolgen, typischerweise: Folsäure 400-800 µg, B₆ ca. 20 mg, B₁₂ ca. 500-1000 µg täglich. Oft werden Kombipräparate eingesetzt. Auch ohne Homocystein-Erhöhung kann eine moderate Supplementierung sinnvoll sein, wenn z.B. ein niedrig-normaler B₁₂-Spiegel (<300 pg/ml) oder wenig B-vitaminreiche Kost vorliegt (typisch bei vegetarischer/veganer Ernährung, hier insbesondere auf B₁₂ achten!). Da B-Vitamine wasserlöslich sind, werden überschüssige Mengen ausgeschieden; dennoch sollte eine hochdosierte Einnahme mit dem Therapeuten abgestimmt werden.

Vitamin B₁₂ sollte im Alter regelmäßig kontrolliert werden - schätzungsweise 10-30% der Senioren haben einen Mangel, der zu irreversiblen Nervenschäden führen kann. Ein unbehandelter B₁₂-Mangel kann demenzähnliche Symptome hervorrufen. Hier hilft ggf. eine gezielte hochdosierte Therapie (oral oder per Spritze).

Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA): Entzündungshemmende "Brain Food"-Fette

Omega-3-Fettsäuren, insbesondere DHA (Docosahexaensäure) und EPA (Eicosapentaensäure), sind essentielle Bestandteile der Hirnmembranen und spielen eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung zwischen den Gehirnzellen. Sie wirken entzündungshemmend und können so dazu beitragen, chronische Entzündungen im Gehirn zu reduzieren, die mit der Entstehung von Alzheimer in Verbindung gebracht werden.

Studien haben gezeigt, dass ein höherer Konsum von Omega-3-Fettsäuren mit einem niedrigeren Demenzrisiko korreliert. Menschen, die regelmäßig Fisch essen (eine Hauptquelle für Omega-3-Fettsäuren), erkranken seltener an Demenz. Eine Beobachtungsstudie deutete darauf hin, dass Fischöl-Supplementierung mit etwa 9% weniger Demenzfällen über einen Zeitraum von 11 Jahren assoziiert war.

Vitamin D: Das "Sonnenvitamin" für Immunfunktion und Gehirnschutz

Vitamin D, auch bekannt als das "Sonnenvitamin", spielt eine wichtige Rolle für die Immunfunktion und die Schutzmechanismen im Gehirn. Es moduliert die Immunabwehr und fördert in Laborversuchen die Aufnahme und den Abbau von Amyloid-β durch Immunzellen. Ein guter Vitamin-D-Status könnte somit helfen, Amyloid-Ablagerungen vorzubeugen oder zu vermindern.

Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass ein Vitamin-D-Mangel das Alzheimer-Risiko deutlich erhöhen kann. Eine große Studie zeigte eine um 40% geringere Demenzrate bei älteren Menschen mit Vitamin-D-Supplementierung.

Antioxidantien (Vitamin C, E, Selen): Schutz vor freien Radikalen

Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E und Selen neutralisieren freie Radikale im energiehungrigen Gehirn und schützen so die Nervenzellen vor oxidativem Stress. Bei Alzheimer-Patienten wurden häufig zu niedrige Spiegel dieser Antioxidantien gemessen. Eine ausreichende Versorgung mit Antioxidantien könnte die kognitive Verschlechterung verlangsamen.

Magnesium: Wichtig für Signalübertragung und Gedächtnisbildung

Magnesium ist wichtig für die Signalübertragung zwischen Gehirnzellen und die Gedächtnisbildung. Tiermodelle deuten an, dass Magnesiumpräparate die Lernfähigkeit verbessern können. Epidemiologische Daten verknüpfen eine höhere Magnesium-Aufnahme mit einer besseren Hirnleistung im Alter.

Zink & Selen: Spurenelemente für Wachstum und Reparatur von Nervenzellen

Zink und Selen sind Spurenelemente, die essentiell für das Wachstum und die Reparatur von Nervenzellen sind. Ein Mangel an Zink oder Selen stört die Bildung neuer Neuronen und erhöht das Demenzrisiko.

Coenzym Q10 & L-Carnitin: Unterstützung der Mitochondrien

Coenzym Q10 und L-Carnitin unterstützen die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle. Erste Studien bei Demenz zeigen verbesserte Energieversorgung und leichte kognitive Vorteile.

Lithium (Spurenelement): In kleinen Mengen essentiell fürs Gehirn

Lithium ist in sehr kleinen Mengen essentiell fürs Gehirn. Regionen mit lithiumarmem Trinkwasser verzeichnen mehr Demenz und Suizide. Mikrodosierungen Lithium könnten das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen.

Neuroplastizität: Das Gehirn ist formbar

Bis weit in die 1990er Jahre galt das Dogma, dass das menschliche Gehirn starr und unveränderlich sei und die Gehirnentwicklung mit etwa 20 Jahren abgeschlossen sei. Diese Vorstellung ist jedoch überholt. Der Neurowissenschaftler Eric Kandel, der im Jahr 2000 den Nobelpreis für Medizin erhielt, zeigte durch seine Forschungen, dass sich das Gehirn durch Erfahrungen und Lernprozesse ständig strukturell verändert. Kandel entdeckte, dass sich Nervenzellen im Gehirn durch Lernen vermehren und neue Verbindungen (Synapsen) bilden können - ein Konzept, das als Neuroplastizität bekannt geworden ist.

Solange wir leben, kann sich unser Gehirn verändern und weiterentwickeln und auch neue Nervenzellen hervorbringen. Das Gehirn kann sich in gewissem Umfang sogar selbst reparieren.

Damit Neurogenese (Neubildung von Nervenzellen) und Neuroplastizität stattfinden können, benötigt unser Gehirn Moleküle in Form von Wachstumsfaktoren. Ein entscheidender Faktor ist der Nervenwachstumsfaktor Brain Derived Neurotropic Factor (BDNF). Er steuert bzw. stimuliert stärker als andere Wachstumsfaktoren den Vorgang der Nervenentwicklung vor allem beim Erwachsenen, aber auch in früher Kindheit. Muttermilch enthält große Mengen an BDNF, und das kindliche Gehirn, das sich bis zum 20. Lebensjahr rasant entwickelt, benötigt entsprechend große Mengen davon.

BDNF wurde bereits in den 1950er Jahren entdeckt, aber erst in den letzten Jahren beginnen Wissenschaftler zu verstehen, welche Bedeutung dieses Molekül wirklich hat. Es scheint der zentrale Faktor für die Neubildung, die Differenzierung sowie den Schutz und den Erhalt der Nervenzellen zu sein. Psychiater erforschen derzeit den Zusammenhang zwischen niedrigen BDNF-Spiegeln und Krankheiten wie Multiple Sklerose, Alzheimer und Parkinson. Ein hoher Spiegel korreliert mit einer guten Auffassungsgabe, einem verlässlichen Gedächtnis und einer hohen Neuroplastizität.

Der Bauplan für dieses Protein liegt auf dem Chromosom 11 im menschlichen Genom. Leider befinden sich bei etwa 20% bis 30% aller europäisch-stämmigen Menschen kleine Fehler im Bauplan, so dass der BDNF-Spiegel dauerhaft zu niedrig ist.

Das menschliche Gehirn badet leider oft nur in der Stillzeit in BDNF, wenn die Muttermilch diesen Faktor in rauen Mengen liefert. Nach dem Abstillen bis zum Lebensende müssen wir selbst einiges für den Nachschub an BDNF tun, damit unser Gehirn die allerbesten Voraussetzungen hat sich zu formen, zu wachsen und sich zu schützen.

Weitere Faktoren für die Gehirngesundheit

Neben der gezielten Zufuhr von Mikronährstoffen gibt es weitere Faktoren, die eine wichtige Rolle für die Gehirngesundheit spielen:

  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns, regt die Bildung neuer Nervenzellen an und kann das Risiko für Demenz verringern. Studien haben gezeigt, dass bereits moderate Bewegung, wie z.B. Spaziergänge oder Radfahren, positive Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten haben kann.
  • Geistige Aktivität: Fordern Sie Ihr Gehirn regelmäßig heraus, indem Sie neue Dinge lernen, Rätsel lösen, lesen oder ein Instrument spielen. Geistige Aktivität hilft, die Synapsen im Gehirn zu stärken und die kognitive Reserve zu erhöhen.
  • Soziale Kontakte: Pflegen Sie soziale Kontakte und verbringen Sie Zeit mit Freunden und Familie. Soziale Interaktion stimuliert das Gehirn und kann das Gefühl von Einsamkeit und Isolation verringern, das mit einem erhöhten Demenzrisiko in Verbindung gebracht wird.
  • Stressmanagement: Chronischer Stress kann sich negativ auf die Gehirnfunktion auswirken. Finden Sie gesunde Wege, um Stress abzubauen, wie z.B. Meditation, Yoga oder Spaziergänge in der Natur.
  • Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Gehirns und die Konsolidierung von Gedächtnisinhalten. Achten Sie auf eine regelmäßige Schlafroutine und schaffen Sie eine entspannende Schlafumgebung.

Begeisterung als Dünger fürs Gehirn

Der Hirnforscher Gerald Hüther betont die Bedeutung von Begeisterung für die Gehirnleistung. Er sagt: "Wir lernen nur das, was für uns wichtig ist." Wenn wir uns für etwas begeistern, werden im Mittelhirn neuroplastische Botenstoffe ausgeschüttet, die die neuronalen Netzwerke ausbauen und verstärken, die für die jeweilige Tätigkeit benötigt werden.

Hüther erklärt, dass das Gehirn so wird, wie und wofür man es mit Begeisterung benutzt. Deshalb ist es wichtig, die eigene Begeisterungsfähigkeit wachzuhalten und sich für Dinge zu interessieren, die einem am Herzen liegen.

Kaffeesatz als Dünger - nicht nur für den Garten

Kaffeesatz kann nicht nur als Dünger im Garten verwendet werden, sondern auch für die Hirnforschung interessant sein. Ein Forschungsteam an der Universität von Cincinatti hat herausgefunden, dass recycelter Kaffeeabfall verwendet werden kann, um Dopamin, den Botenstoff in unserem Gehirn, viel besser zu erkennen. Das Team nutzte den Kaffeesatz, um Kohlefaser-Elektroden mit einer Schicht aus porösem Kohlenstoff zu versehen. Diese Elektroden waren in der Lage, Dopaminmoleküle vorübergehend in den Spalten der Elektrode festzuhalten und so kleinste elektrische Entladungen besser zu erkennen.

Die Forschenden hoffen, dass sie damit die traditionellen Mikroelektroden, die Neurowissenschaftler bei der Hirnforschung verwenden, ablösen können.

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