Methylphenidat, der Wirkstoff in Medikinet, ist ein Psychostimulans, das häufig zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt wird. Obwohl es wirksam bei der Behandlung von ADHS-Symptomen sein kann, bestehen Bedenken hinsichtlich seiner Sicherheit, insbesondere im Zusammenhang mit Epilepsie. Dieser Artikel untersucht das potenzielle Risiko von Medikinet bei Patienten mit Epilepsie und beleuchtet die verfügbaren Forschungsergebnisse und klinischen Überlegungen.
Methylphenidat: Anwendung und Wirkmechanismus
Methylphenidat wurde 1954 unter dem Namen Ritalin auf dem Markt eingeführt und wird heute in verschiedenen Darreichungsformen angeboten, die sich hauptsächlich durch ihre Freisetzungsmechanismen unterscheiden. Diese Unterschiede beeinflussen die Wirkstofffreisetzung und -dauer, wobei sofort freisetzende Präparate Flexibilität bei der Dosierung bieten, aber häufigere Einnahmen erfordern, während Retardpräparate eine stabilere und längere Wirkung gewährleisten.
Der genaue Wirkmechanismus von Methylphenidat ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass es die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin in die präsynaptischen Neuronen hemmt, was zu einer Erhöhung der Konzentration dieser Neurotransmitter im synaptischen Spalt führt. Diese erhöhte Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin führt zu einer verbesserten Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und einer aktivierenden Wirkung auf das zentrale Nervensystem.
ADHS und Epilepsie: Eine Komorbide Verbindung
Bisher war über die Komorbidität von ADHS und Epilepsie noch wenig bekannt. Metaanalysen und Praxisdaten zeigen jedoch ein drei- bis fünffach erhöhtes Risiko von Kindern mit Epilepsie für eine Entwicklung von ADHS. Umgekehrt besteht bei Kindern mit ADHS ein dreimal so hohes Risiko für eine Epilepsie-Erkrankung. Der träumerische ADHS-Typ überwiegt bei dieser Komorbidität bei weitem, wobei beide Geschlechter etwa gleich viel daran erkranken.
Die Ursachen des ADHS sind noch nicht endgültig geklärt. Sowohl genetische, neurobiologische als auch psychosoziale Faktoren scheinen zusammen mit Umwelteinflüssen eine Rolle zu spielen. Die Krankheit hat Auswirkungen auf das gesamte familiäre und schulische Umfeld der Betroffenen.
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Medikinet und das Risiko für epileptische Anfälle
Gemäß der Gebrauchsinformation kann Methylphenidat die Krampfbereitschaft erhöhen. Eine Arbeitsgruppe aus Hongkong fand in einer Studie Hinweise darauf, dass das Risiko eines epileptischen Anfalls in den ersten 30 Tagen der Methylphenidattherapie erhöht ist.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Fachinformationen einen Warnhinweis für den Einsatz von Stimulanzien bei Epilepsie enthalten. Bislang wurde der Einsatz von Stimulanzien bei einer Komorbidität von Epilepsie und ADHS vermieden.
Expertenmeinungen und klinische Beobachtungen
Die jetzt vorgestellten Ergebnisse legen eine Assoziation von ADHS und Minorepilepsie nahe. Deshalb werden zurzeit Konsequenzen für die Diagnostik diskutiert. Jetzt muss diese therapeutische Zurückhaltung überprüft werden. Die Experten konnten aus eigener Erfahrung keine Anfallszunahme bei Epilepsie-kranken Kindern unter Stimulanzientherapie beobachten. Es ist aber bei wirksamer ADHS-Behandlung eine Verbesserung der sozialen Langzeitprognose von juvenilen Epileptikern mit ADHS zu erwarten.
Professor Dr. Gerhard Kurlemann von der Uniklinik Münster erklärte, dass es für die medikamentöse Therapie der ADHS unerheblich sei, ob das betroffene Kind zusätzlich auch eine Epilepsie hat oder nicht. Kinder mit ADHS und Epilepsie sprächen zwar im Allgemeinen etwas schlechter auf die Therapie mit Stimulanzien an als Kinder mit ADHS ohne Epilepsie. Es gebe jedoch keine Hinweise darauf, dass die Behandlung mit Stimulanzien epileptische Anfälle provoziere. »Die Therapie mit Methylphenidat ist sicher«, sagte Kurlemann.
Weitere Aspekte der ADHS-Behandlung mit Medikinet
Neben der Frage des Epilepsie-Risikos gibt es weitere Aspekte, die bei der Behandlung von ADHS mit Medikinet berücksichtigt werden müssen:
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- Nebenwirkungen: Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen (≥ 1/10) zählen Appetitverlust, Schlaflosigkeit, Nervosität, Konzentrationsmangel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Mundtrockenheit und Schwitzen. Bei Langzeitanwendung kann es auch bei angemessener Dosierung zu Wachstumsverzögerungen und reduzierter Gewichtszunahme kommen.
- Wechselwirkungen: Bei der Anwendung von Methylphenidat sind Wechselwirkungen mit Antikoagulanzien, Antikonvulsiva, Antidepressiva, blutdrucksenkenden Medikamenten und Alkohol zu beachten.
- Kontraindikationen: Methylphenidat darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit, Glaukom, Phäochromozytom, Behandlung mit MAO-Hemmern, Hyperthyreose, schweren Depressionen, Anorexia nervosa, Suizidneigung, psychotischen Symptomen, schweren affektiven Störungen, Manie, Schizophrenie, psychopathischen/Borderline-Persönlichkeitsstörungen, schweren bipolaren affektiven Störungen, vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zerebrovaskulären Erkrankungen.
Medikinet Adult: Spezielle Hinweise für Erwachsene
Medikinet adult wird zur Behandlung einer seit Kindesalter fortbestehenden ADHS bei Erwachsenen ab 18 Jahren angewendet. Es verbessert die Aktivität bestimmter nicht ausreichend aktiver Teile des Gehirns und kann helfen, die Aufmerksamkeit und Konzentration zu erhöhen und impulsives Verhalten zu verringern.
Medikinet adult darf nicht eingenommen werden, falls eine Allergie gegen Methylphenidat oder einen der sonstigen Bestandteile vorliegt, ein Schilddrüsenproblem besteht, ein erhöhter Augeninnendruck (Glaukom) vorliegt, ein Nebennierentumor (Phäochromozytom) vorliegt, eine Essstörung besteht, ein sehr hoher Blutdruck oder eine Verengung der Blutgefäße vorliegt, Herzprobleme vorliegen oder Probleme mit den Blutgefäßen im Gehirn bestehen.
Vor der Einnahme von Medikinet adult sollte der Arzt über Leber- oder Nierenprobleme, Anfälle (Krampfanfälle, Epilepsie) oder ein anormales EEG (Hirnstromaufzeichnungen), Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch, das Vorliegen von Tics, hohen Blutdruck oder eine psychiatrische Erkrankung informiert werden.
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