Durchschnittliche Wartezeit auf einen Termin beim Neurologen in Deutschland

Die Wartezeit auf einen Termin beim Neurologen kann in Deutschland sehr unterschiedlich sein. Sie hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Dringlichkeit des Falls, der Region, in der man wohnt, und der Art der Krankenversicherung. Es ist ein Problem, das viele betrifft und nach Lösungen verlangt.

Gründe für lange Wartezeiten

Es gibt mehrere Gründe für die langen Wartezeiten auf Facharzttermine in Deutschland:

  • Mangel an Fachärzten: Besonders in ländlichen Regionen gibt es zu wenige Fachärzte. Deutschland bildet nicht genug Ärzte aus, was unter anderem an den Zugangsbeschränkungen (Numerus Clausus) bei den Medizin-Studiengängen liegt.
  • Schlechte Arbeitsbedingungen: Bürokratie und unzureichende Vergütung führen dazu, dass viele Fachkräfte aussteigen. Gleichzeitig gehen viele ältere Ärzte in den Ruhestand, und der Nachwuchs reicht nicht aus, um diese Lücken zu schließen.
  • Unterscheidung zwischen Kassen- und Privatpatienten: Viele Fachärzte bevorzugen Privatpatienten, da diese höhere Honorare zahlen.
  • Budgetierung: Ärzte dürfen nur eine bestimmte Anzahl gesetzlich versicherter Patienten pro Quartal voll abrechnen. Sobald dieses Budget erreicht ist, sinkt der finanzielle Anreiz, neue Patienten schnell aufzunehmen.
  • Demografischer Wandel: Der Anteil der Bevölkerung im Alter von über 60 Jahren ist stark gestiegen, was zu mehr Behandlungsbedarf führt. Chronische Krankheiten haben in den letzten Jahren zugenommen, insbesondere psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen.
  • Verändertes Patientenverhalten: Viele Menschen gehen früher und häufiger zum Arzt, auch für Check-Up-Untersuchungen.

Durchschnittliche Wartezeiten

Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Termin beim Facharzt variiert je nach Fachrichtung und Region. Neurologen gehören oft zu den gefragtesten Fachärzten, was zu längeren Wartezeiten führen kann.

  • Laut einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion musste im vergangenen Jahr fast jeder dritte Krankenversicherte in Deutschland im Schnitt mehr als drei Wochen auf einen Termin beim Facharzt warten.
  • Beim Hausarzt erhielten mehr als die Hälfte der Patienten innerhalb von drei Tagen einen Termin, beim Facharzt kam nur jeder Vierte so schnell zum Zuge.
  • Eine Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ergab, dass im Jahr 2019 rund 67 Prozent der Befragten innerhalb von drei Wochen einen Termin beim Haus- oder Facharzt bekamen, rund ein Drittel sogar innerhalb eines Tages.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Zahlen Durchschnittswerte sind. In ländlichen Regionen können die Wartezeiten deutlich länger sein als in Großstädten.

Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV)

Seit Ende Januar sind die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) der einzelnen Länder verpflichtet, einen Terminservice anzubieten. Patienten, die dort anrufen, sollen innerhalb einer Woche einen Termin beim Facharzt genannt bekommen. Auf den Termin sollen sie insgesamt nicht länger als vier Wochen warten. Bei verschiebbaren Routineuntersuchungen und Bagatellerkrankungen darf es aber länger dauern. Wenn partout kein Termin innerhalb der Frist möglich ist, müssen die Interessenten zur ambulanten Behandlung an ein Krankenhaus vermittelt werden.

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Wie funktioniert der Terminservice?

  • Patienten können die Terminservicestelle telefonisch unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 116117 erreichen. Der Patientenservice ist bundesweit rund um die Uhr erreichbar.
  • Für die Vermittlung eines Facharzttermins innerhalb von vier Wochen ist in der Regel eine ärztliche Überweisung mit Dringlichkeitscode erforderlich. Davon ausgenommen sind Termine bei Augen- und Frauenärzten. Bei Überweisung ohne Code findet keine Vermittlung innerhalb von vier Wochen statt. Es besteht kein Anspruch für Bagatellerkrankungen oder Routineuntersuchungen.
  • Die Terminservicestelle vermittelt keine Wunschtermine bei einem bestimmten Arzt oder Therapeuten. Der vermittelte Termin wird nach der gesetzlich festgelegten Umkreissuche erfolgen, somit kann dies gegebenenfalls mit einer weiteren Anfahrt für Sie verbunden sein.
  • Die Terminservicestelle informiert Praxen tagesaktuell über Terminbuchungen und -absagen.

Erfahrungen mit dem Terminservice

  • "Finanztest" hat sich umgehört, wie gut das Angebot funktioniert. In Bremen und Brandenburg liegt die Vermittlungsdauer demnach im Schnitt bei höchstens zwei Wochen, in Niedersachsen bei einer Woche und in Westfalen-Lippe warten die Kranken zwischen zwei und vier Wochen.
  • Ganz oben auf der Wunschliste stehen fast überall Sprechstunden bei Neurologen. Auch für Rheumatologen, Radiologen und Kardiologen wird der Service eifrig genutzt.

Weitere Möglichkeiten, die Wartezeit zu verkürzen

Neben dem Terminservice der KVen gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Wartezeit auf einen Termin beim Neurologen zu verkürzen:

  • Hausarzt einschalten: Gehen Sie zunächst zu Ihrem Hausarzt. In vielen Fällen kann der Hausarzt Ihnen die nötige Hilfe leisten und die Medikamente verschreiben, die Sie brauchen. Hausärzte kennen das regionale Facharzt-Angebot gut und können Ihnen gezielt weiterhelfen - oft auch durch persönliche Kontakte zu Fachkollegen. Bitten Sie bei medizinischer Notwendigkeit um eine Überweisung mit einem sogenannten Dringlichkeitscode.
  • Krankenkasse kontaktieren: Viele Krankenversicherungen (sowohl gesetzliche als auch private) bieten inzwischen einen eigenen Terminservice für Facharztbesuche an. Dieser Service ist oft weniger bekannt, aber sehr hilfreich: Ihre Krankenkasse kann direkt mit Vertragsärzten sprechen, Termine priorisieren oder Sie an Praxen vermitteln, die noch Kapazitäten haben.
  • Offene Sprechstunden nutzen: Viele Facharztpraxen bieten feste Zeiten an, zu denen gesetzlich Versicherte ohne Termin behandelt werden. Bei akuten Beschwerden auf die Akutsprechstunde bestehen. Fachärzte sind verpflichtet, für akute Fälle kurzfristige Termine bereitzuhalten.
  • Auf Wartelisten setzen lassen: Bitten Sie darum, auf eine Warteliste für kurzfristige Absagen gesetzt zu werden. Je flexibler Sie in Bezug auf Tageszeit und Standort sind, desto eher ergibt sich eine freie Lücke - auch in benachbarten Städten oder Randzeiten.
  • Online-Terminportale verwenden: Plattformen wie arzt-direkt, doctolib oder jameda bieten oft kurzfristige Online-Termine an.
  • Videosprechstunde nutzen: Viele Fachärzte bieten heute digitale Sprechstunden per Video an - besonders in den Bereichen Dermatologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Innere Medizin und Allgemeinmedizin.
  • Selbstzahlertermin vereinbaren: Wenn Sie bereit sind, die Kosten selbst zu tragen, bieten manche Fachärzte sogenannte Privat- oder Selbstzahlertermine an.
  • Termine während der Arbeitszeit wahrnehmen: Wer bereit ist, einen Termin vormittags oder früh am Nachmittag wahrzunehmen, hat oft eine deutlich bessere Chance auf eine schnelle Vergabe. Arbeitnehmer haben in vielen Fällen Anspruch darauf, medizinisch notwendige Arztbesuche während der Arbeitszeit wahrzunehmen.
  • Facharztzentren oder MVZs anrufen: MVZs verfügen über mehrere Ärzte pro Fachrichtung und haben oft mehr Flexibilität bei der Terminvergabe. Dort kommt man häufig schneller dran als in Einzelpraxen.
  • Private Kliniken und Privatpraxen in Betracht ziehen: Diese Einrichtungen haben oft kürzere Wartezeiten, da sie keiner Budgetierung durch die Krankenkassen unterliegen und somit mehr Kapazitäten für private Patienten bereitstellen können.
  • Auch Ärzte mit weniger guten Online-Bewertungen kontaktieren: Diese Praxen haben oft kürzere Wartezeiten, weil andere absagen.
  • Immer freundlich, aber bestimmt auftreten: Sagen Sie klar, was Sie brauchen - z. B. „Ich habe starke Beschwerden und würde gern auf eine kurzfristige Warteliste kommen“ - aber bleiben Sie freundlich und respektvoll.
  • Termine frühzeitig melden: Es empfiehlt sich, die Termine für einen längeren Zeitraum und einige Wochen vorab zu melden. Dabei bitte Urlaubs- und anderen Abwesenheitszeiten in der Praxis beachten.

Software zur Terminverwaltung

Die Terminverwaltungssoftware des 116117 Terminservice macht es leicht, Termine selber zu pflegen und den Aufwand möglichst gering zu halten. Die KV Berlin empfiehlt deshalb allen Praxen verstärkt auf diese Terminverwaltungssoftware für die Meldung von Terminen an die Terminservicestelle zu setzen. Der 116117 Terminservice ist über das Online-Portal erreichbar. Wichtig: Die Anwendung erfordert die Einwahl über die Telematikinfrastruktur (TI) oder einen alternativen Zugang zum Sicheren Netz der KVen (SNK).

Was tun bei akuten Beschwerden?

Wenn Sie akut und dringend ärztliche Hilfe benötigen, aber kein Fall für den Rettungsdienst sind, bekommen Sie über die 116117 oder das Online-Angebot docdirekt eine qualifizierte Ersteinschätzung Ihrer Beschwerden und gegebenenfalls eine Behandlungsempfehlung. Außerhalb der Sprechzeiten erhalten Sie ohne vorherige Terminvereinbarung in den Bereitschaftspraxen in Ihrer Nähe ärztliche Hilfe.

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