E-Mobilität für Menschen mit Spastik: Hilfsmittel für mehr Unabhängigkeit

Mobilität ist ein Schlüsselfaktor für Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe. Für Menschen mit Spastik, einer Form von Bewegungsstörung, kann die Fortbewegung jedoch eine besondere Herausforderung darstellen. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln im Bereich der E-Mobilität, die diesen Personenkreis unterstützen und ihnen mehr Unabhängigkeit im Alltag ermöglichen können. Dieser Artikel gibt einen Überblick über verschiedene Optionen und Aspekte, die bei der Auswahl und Nutzung von E-Mobilitätshilfen für Menschen mit Spastik zu berücksichtigen sind.

Elektromobile: Mehr Mobilität im Alltag

Elektromobile, oft auch als "Seniorenmobile" bezeichnet, sind eine beliebte Option für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Sie ermöglichen es, selbstständig Einkäufe zu erledigen, Freunde zu besuchen oder Ausflüge in die Umgebung zu unternehmen.

Arten von Elektromobilen

  • Dreirädrige Elektromobile: Sie sind oft kompakter und wendiger als vierrädrige Modelle und eignen sich gut für enge Innenräume. Allerdings sind sie kippempfindlicher und weniger für unwegsames Gelände geeignet.
  • Vierrädrige Elektromobile: Sie bieten mehr Stabilität und sind besser für längere Strecken und unebenes Gelände geeignet.
  • Zweisitzer-Elektromobile: Diese Modelle sind ideal, wenn mehrere Personen im Haushalt auf ein Elektromobil angewiesen sind. Die Sitzanordnung kann nebeneinander oder hintereinander erfolgen.
  • Klappbare Elektromobile: Sie lassen sich leicht zusammenklappen und im Auto transportieren.

Rechtliche Aspekte

In Deutschland gelten für Elektromobile bestimmte gesetzliche Vorschriften. Motorisierte Krankenfahrstühle, die ohne Führerschein und Zulassung gefahren werden dürfen, müssen folgende Merkmale erfüllen:

  • Einsitzig
  • Nach der Bauart zum Gebrauch durch körperlich behinderte Personen bestimmt
  • Kraftfahrzeug mit Elektroantrieb
  • Leermasse von nicht mehr als 300 kg (einschließlich Batterien, aber ohne Fahrer)
  • Zulässige Gesamtmasse von nicht mehr als 500 kg
  • Bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 15 km/h
  • Breite über alles: Maximal 110 cm
  • Heckmarkierungstafel (ECE-Regelung 69) rückseitig oben

Für alle anderen Fahrzeuge, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, ist je nach Fahrzeugart eine Prüfbescheinigung oder sogar ein Führerschein erforderlich.

Tipps für den Kauf

  • Reichweite: Wählen Sie ein Modell mit einer Reichweite, die Ihren üblichen Fahrstrecken entspricht.
  • Sitz: Achten Sie auf einen bequemen Sitz und ein komfortables Fahrwerk, besonders wenn Sie längere Strecken zurücklegen möchten.
  • Geschwindigkeit: Überlegen Sie, ob Sie ein E-Mobil mit höherer Geschwindigkeit benötigen. Beachten Sie jedoch, dass für diese Modelle möglicherweise ein Führerschein erforderlich ist.
  • Gewicht: Berücksichtigen Sie das zulässige Gesamtgewicht, wenn Sie häufig viel transportieren möchten oder über ein hohes Körpergewicht verfügen.
  • Licht: Achten Sie auf eine gute Beleuchtungsanlage, besonders in der dunklen Jahreszeit.
  • Bremsen: Wählen Sie ein Modell mit einem leichtgängigen und gut erreichbaren Bremssystem. Eine automatische Geschwindigkeitsbegrenzung bei Bergabfahrten und eine Feststellbremse sind empfehlenswert.
  • Sicherheit: Achten Sie auf Funktionen wie eine automatische Leistungsreduktion bei Kurvenfahrten.
  • Händler: Kaufen Sie Ihr E-Mobil bei einem Händler, der regelmäßige Wartung und Reparaturen anbieten kann.
  • Zubehör: Informieren Sie sich über Zubehör wie Gangstock- oder Rollator-Halter, Körbe oder Regen-Abdeckplanen.

Finanzierung

Unter Umständen übernimmt die Krankenkasse die Kosten für ein Elektromobil oder zumindest einen Teil davon. Im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen sind alle bezuschussbaren Hilfsmittel gelistet. Bevor Sie ein E-Mobil beschaffen, muss eine ärztliche Verordnung zur Notwendigkeit vorliegen. Klären Sie vorab mit Ihrer Krankenkasse, ob und in welcher Höhe die Kosten übernommen werden. In der Regel werden nur E-Mobile bis 6 km/h bezuschusst.

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Elektrorollstühle: Individuelle Anpassung für mehr Komfort

Elektrorollstühle sind eine ideale Lösung für Menschen mit eingeschränkter Körperkraft und Beweglichkeit der Arme und Hände. Sie ermöglichen ein selbstbestimmtes Leben und eine hohe Mobilität.

Arten von Elektrorollstühlen

Es gibt eine Vielzahl von Elektrorollstuhlmodellen, die individuell auf die Bedürfnisse und Anforderungen jedes Einzelnen abgestimmt werden können. Wichtige Fragen bei der Auswahl sind:

  • Soll der Antrieb von vorn oder hinten erfolgen?
  • Ist eine permanente oder nur gelegentliche Nutzung geplant?

Vorteile von Elektrorollstühlen

  • Erhöhte Selbstständigkeit und Mobilität: Ein E-Rollstuhl ermöglicht es, tägliche Aktivitäten weitgehend unabhängig zu bewältigen.
  • Reduzierte Abhängigkeit: Der Einsatz eines E-Rollstuhls hilft, die Abhängigkeit von Hilfeleistungen anderer zu minimieren.
  • Wichtige Rolle in der Rehabilitation: Ein E-Rollstuhl spielt eine bedeutende Rolle bei der Rehabilitation und Gesundung von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.
  • Müheloses Navigieren: Fortschrittliche Technologien ermöglichen ein müheloses Navigieren in verschiedenen Umgebungen, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich.
  • Individuell einstellbare Sitze und Steuerungen: Viele Modelle sind mit individuell einstellbaren Sitzen und Steuerungen ausgestattet, was den Komfort erheblich erhöht.
  • Moderne Sicherheitsfunktionen: Automatische Bremsen und stabile Fahrwerke sorgen für ein Plus an Sicherheit während der Fortbewegung.

Praktische Tipps für die Nutzung

  • Regelmäßige Wartungen: Führen Sie regelmäßige Wartungen durch, um die Funktionsfähigkeit auf einem hohen Niveau zu halten.
  • Fahrtechniken erlernen: Das Erlernen von Fahrtechniken in unterschiedlichen Umgebungen kann Ihnen helfen, sicherer und selbstbewusster unterwegs zu sein.
  • Gewicht berücksichtigen: Berücksichtigen Sie das Gewicht Ihres Rollstuhls und die maximalen Tragfähigkeiten bei der Auswahl von Zubehör.

Finanzierung

Die Kosten für einen E-Rollstuhl können erheblich variieren. Oftmals übernehmen Krankenkassen die Kosten, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Es ist ratsam, sich im Vorfeld über die genauen Richtlinien und erforderlichen Nachweise zu informieren. In vielen Fällen ist auch eine Zuzahlung erforderlich, um ein höherwertiges Modell auszuwählen oder zusätzliche Ausstattung hinzuzufügen. Eine kostenfreie Beratung kann Ihnen helfen, alle erforderlichen Schritte nachvollziehbar zu gestalten und Ihre Ansprüche geltend zu machen.

Wartung und Reparatur

Ein E-Rollstuhl erfordert regelmäßige Wartung und Reparatur, um sowohl seine Funktion als auch die Sicherheit des Nutzers zu gewährleisten.

  • Herstelleranweisungen befolgen: Es ist von großer Bedeutung, die Anweisungen des Herstellers genau zu befolgen.
  • Regelmäßige Kontrollen: Führen Sie regelmäßige Kontrollen durch, um mögliche Probleme frühzeitig zu entdecken.
  • Wartung einplanen: Planen Sie regelmäßige Wartungen ein, um sicherzustellen, dass der E-Rollstuhl stets in einem einwandfreien Zustand ist.

Bei aufkommenden Problemen oder Defekten ist es wichtig, schnell zu handeln. Kontaktieren Sie einen Fachhändler oder den Hersteller, um eine schnelle und effektive Reparatur sicherzustellen.

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E-Handbikes: Sportliche Betätigung und mehr Mobilität

E-Handbikes sind eine innovative Möglichkeit, die Mobilität und Teilhabe von Menschen mit Körperbehinderung zu steigern. Sie werden mit den Armen angetrieben und verfügen über einen elektrischen Antrieb, der das Fahren erleichtert.

EMOB-REHA Projekt

Das Forschungsprojekt "EMOB-REHA" hat das Ziel, ein Fahrzeugkonzept für körperlich behinderte Menschen zu entwickeln, das das gleichzeitige Steuern und Antreiben zulässt, über eine elektrische Unterstützung verfügt, einen kleinen Wendekreis hat, über eine gute Traktion verfügt und Reifenbreiten zulässt, die auch ein Befahren von losem Untergrund ermöglichen.

Vorteile von E-Handbikes

  • Steigerung der eigenständigen Mobilität und Teilhabe im Alltag
  • Gleichzeitiges Steuern und Antreiben
  • Elektrische Unterstützung
  • Kleiner Wendekreis
  • Gute Traktion
  • Befahren von losem Untergrund möglich

Handbike-Ergometer

Im Rahmen des Projekts wurde ein Handbike-Ergometer entwickelt, das die stufenlose Positionierung von Probanden relativ zum Antrieb ermöglicht. Dank einer mobilen Scan-Messzelle lassen sich biometrische Daten direkt erfassen.

Zielgruppe

Das E-Handbike soll einer möglichst großen Gruppe körperlich behinderter Menschen und insbesondere auch Kindern die Nutzung ermöglichen.

Weitere Hilfsmittel

Neben den genannten E-Mobilitätshilfen gibt es noch weitere Optionen, die für Menschen mit Spastik in Frage kommen können:

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  • Rollatoren: Sie bieten Stabilität und Unterstützung beim Gehen.
  • Aktivrollstühle: Sie sind leicht und wendig und ermöglichen eine aktive Lebensgestaltung.
  • Multifunktionsrollstühle: Sie bieten hohe Einstellbarkeit und maximale Flexibilität.
  • Sitz- und Positionierungssysteme: Sie fördern den Erhalt der Muskulatur, die Durchblutung und die Verdauung und beugen Fehlhaltungen vor.
  • Aufsteh- und Umsetzhilfen: Sie vereinfachen den Transfer zwischen sitzenden Positionen.
  • 3D-Sitzkissen: Sie werden individuell auf die Bedürfnisse der Nutzer abgestimmt und hergestellt.

Sicherheitshinweise

Unabhängig von der gewählten E-Mobilitätshilfe ist es wichtig, einige Sicherheitshinweise zu beachten:

  • Sichere Beherrschbarkeit: Stellen Sie sicher, dass Sie die Mobilitätshilfe sicher beherrschen, bevor Sie am Straßenverkehr teilnehmen.
  • Höhere Grundgeschwindigkeit: Seien Sie sich der höheren Grundgeschwindigkeit der elektrisch betriebenen Mobilitätshilfen bewusst.
  • Reaktionsfähigkeit: Berücksichtigen Sie eine möglicherweise herabgesetzte Reaktionsfähigkeit im Alter.
  • Abstand: Halten Sie einen ausreichenden Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern.
  • Rechtsvorschriften: Beachten Sie die geltenden Rechtsvorschriften für die Nutzung von Elektrokleinstfahrzeugen.

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