Mobilität bedeutet Freiheit, Unabhängigkeit und die Möglichkeit, das Leben aktiv zu gestalten. Für Menschen mit Multipler Sklerose (MS) können Mobilitätseinschränkungen eine bedeutende Herausforderung darstellen. MS ist jedoch nicht grundsätzlich eine Einschränkung. Mit den richtigen Strategien, Hilfsmitteln und einer positiven Einstellung können Betroffene ihre Mobilität erhalten und ein erfülltes Leben führen.
MS im Alltag und auf Reisen: Herausforderungen annehmen
MS-Erkrankte stehen im Alltag und besonders auf Reisen häufig neuen Herausforderungen gegenüber, was die eigene Mobilität betrifft. Doch MS ist nicht grundsätzlich eine Einschränkung. Erkrankte können entspannt Urlaub machen und auch im Alltag ihre Mobilität aufrecht erhalten - mit den richtigen Tipps und Hilfsmitteln.
Urlaub mit MS: Planung ist alles
Ein Urlaub dient der Erholung und sollte keine zusätzliche Belastung darstellen. MS-Erkrankte sollten Extreme meiden, sowohl in Bezug auf klimatische Bedingungen als auch auf körperliche Anstrengungen. Hitze kann bei manchen Betroffenen die MS-Symptome verstärken. Es ist wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und die Reisepläne mit dem Arzt zu besprechen.
Nützliche Tipps für die Reiseplanung:
- Euro-Schlüssel: Ein allgemeingültiger Euro-Schlüssel für Behindertentoiletten in Deutschland, Österreich und der Schweiz erleichtert schwerbehinderten Menschen die Reise.
- Mobilitätsservice der Deutschen Bahn: Dieser Service bietet viele Unterstützungsleistungen für eingeschränkte Reisende bei Zugreisen.
- Reiseveranstalter informieren: Die meisten Airlines bieten Begleitung für Passagiere mit Gehbehinderung an.
- Mobilitätstest beim Arzt: Ein Mobilitätstest zeigt, ob Bewegungseinschränkungen vorliegen und welche Hilfsmittel die Mobilität unterstützen können.
- Barrierefreiheit beachten: Besonders bei öffentlichen Verkehrsmitteln ist Barrierefreiheit nicht immer selbstverständlich. Informieren Sie sich bei den einzelnen Verkehrsunternehmen.
Bewegung als Therapie: Aktiv gegen die Einschränkung
Bewegungsmangel ist bei MS-Betroffenen oft stärker ausgeprägt als bei Gesunden. Die Folgen der Inaktivität können die Krankheitssymptome verstärken. Die MOTOmed Bewegungstherapie bietet selbst für stark immobile Patienten tägliche Bewegung. MS-Betroffene können an dem motorbetriebenen Bewegungstherapiegerät vom Stuhl oder Rollstuhl aus aktiv mit und ohne Motorunterstützung trainieren oder sich passiv bewegen lassen.
Vorteile der MOTOmed Bewegungstherapie
Ein regelmäßiges MOTOmed Bein- und/oder Armtraining kann:
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- Spastik lindern
- Die Muskulatur lockern und stärken
- Kraft und Ausdauer fördern
- Die Mobilität verbessern
- Die Blasen- und Darmtätigkeit positiv beeinflussen
- Die Beindurchblutung fördern
- Wassereinlagerungen in den Beinen abführen
- Die emotionale Befindlichkeit stabilisieren
- Fatigue (abnorme Ermüdung) lindern
- Die Risiken von Bewegungsmangel wie Übergewicht, Herz-/Kreislauferkrankungen, Fraktur (Sturzgefahr), Diabetes mellitus und Osteoporose verringern.
Die motorunterstützte MOTOmed Bewegungstherapie ist in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen als Hilfsmittel anerkannt. Die Kosten können bei MS zu 100 % übernommen werden.
Individuelle Therapiegestaltung mit MOTOmed
Der MOTOmed Produktkonfigurator ermöglicht es, ein MOTOmed Gerät ganz nach den individuellen Bedürfnissen zu gestalten.
Therapie-Modi:
- Passiv: Motorbetriebene Bewegung ohne Kraftaufwand zur Regulierung des Muskeltonus, Lockerung der Muskulatur und Frühmobilisation nach langen Ruhezeiten. Fördert die Durchblutung, die Verdauung und die Gelenkbeweglichkeit.
- Assistiv: Motorunterstützte Bewegungstherapie mit der Funktion MOTOmed ServoTreten für einen leichten Übergang vom passiven zum aktiven Training. Fördert Kraft und Ausdauer schon bei geringsten Eigenkräften.
- Aktiv: Aktives Training mit eigener Muskelkraft gegen fein dosierbare Bremswiderstände zur Kräftigung der Bein-, Arm- und Oberkörpermuskulatur und Stärkung des Herz-/Kreislaufsystems.
Der Aktiv/Passiv-Wechsel ermöglicht durch abwechselnde Belastungs- und Erholungsphasen (Intervalle) einen höheren Trainingsreiz, der zu einem größeren Therapieerfolg führt.
Therapieziele:
- Gehen fördern
- Folgen von Bewegungsmangel mindern
- Spastik reduzieren
- Restmuskelkräfte aktivieren
- Psyche und Wohlbefinden stärken
- Fatigue entgegenwirken
Beurteilung des Krankheitsverlaufs und der Mobilität
Verschiedene Skalen und Tests helfen bei der Beurteilung des Krankheitsverlaufs und der Mobilität:
- Expanded Disability Status Scale (EDSS): Eine sechsstufige Skala zur Befundung von Multiple Sklerose, basierend auf der Beschreibung von Funktionsdefiziten.
- MS Walking Scale 12 (MSWS-12): Ein Fragebogen zur Gehfähigkeit, der von den Patienten selbst ausgefüllt wird.
- Timed 25-Foot Walk (T25-FW): Ein Test, bei dem die Zeit gemessen wird, die ein Patient benötigt, um eine Strecke von 7,62 Metern (25 Fuß) zweimal zurückzulegen.
- 6-Minuten-Gehtest (6MWT): Ein Test, bei dem der Patient innerhalb von 6 Minuten so viel Wegstrecke wie möglich zurücklegen soll.
- 2-Minuten-Gehtest: Eine Alternative zum 6MWT zur Beurteilung des Therapieerfolgs hinsichtlich der Ausdauer.
- Timed Up and Go (TUG): Ein Test zur Beurteilung der Gangsicherheit und Balance, bei dem der Patient von einem Stuhl aufsteht, 3 Meter geht, sich umdreht, zurückgeht und sich wieder hinsetzt.
- Falls Efficacy Scale-International (FES-I): Ein Fragebogen, der in 16 Fragen typische Alltagssituationen widerspiegelt, in denen ein Sturzrisiko vorhanden ist.
Bewegungseinschränkungen bei MS: Ursachen und Gegenmaßnahmen
Multiple Sklerose kann sich in vielfältigen Symptomen zeigen und die Beweglichkeit im Ganzen betreffen. Um beweglich zu sein, braucht man Kraft, Koordination, Gleichgewicht und Dehnung. Sobald einer dieser Bausteine betroffen ist oder sogar mehrere, nimmt die Beweglichkeit ab.
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Ursachen für Bewegungseinschränkungen:
- Muskelschwäche: Erschwert das Gehen oder das Tragen und Heben.
- Spastiken: Erhöhte Muskelspannung, die zu Verkrampfungen, Verhärtungen und steifen Bewegungen führt.
- Gleichgewichtsprobleme: Erschweren das Gehen und können Hilfsmittel erforderlich machen.
- Taubheitsgefühle in den Füßen: Fehlen der Rückmeldung vom Boden, was die Stolper- und Sturzgefahr erhöht.
- Koordinationsstörungen: Erschweren zielgerichtete Bewegungen wie Zähneputzen oder An- und Ausziehen.
- Fatigue: Chronische Müdigkeit, die die Kompensationsfähigkeit des Körpers einschränkt.
Was man dagegen unternehmen kann:
- Regelmäßiges Training: Kraft-, Dehnungs-, Gleichgewichts- und Koordinationstraining.
- Physiotherapie: Unterstützung und Anleitung durch einen Therapeuten, der gezielt auf die individuellen Schwachpunkte eingeht.
- Ergotherapie: Hilfe bei der Bewältigung des Alltags, Wiedererlernen verlorener Fähigkeiten oder Finden von Kompensationsstrategien.
- Hilfsmittel: Nutzung von Hilfsmitteln, um das Leben zu erleichtern und die Mobilität zu erhalten.
- Akzeptanz: Sich nicht schämen oder zurückziehen, sondern den Körper bestmöglich unterstützen.
Trainingsempfehlungen
- Krafttraining: Stärkung der Muskeln, um Einschränkungen zu kompensieren und präventiv zu wirken.
- Dehnung: Gezieltes Dehnen der betroffenen Partien zur Entspannung und Verbesserung der Beweglichkeit.
- Faszientraining: Ergänzung zur Dehnung, um den Körper beweglicher zu machen.
- Gleichgewichtstraining: Übungen zur Verbesserung der Balance und Koordination, ggf. mit Unterstützung durch einen Therapeuten.
- Gangtraining: Gezieltes Training zur Verbesserung des Gangbildes, ggf. mit Hilfsmitteln.
Wichtig: Immer in dem Bereich trainieren, wo es anstrengt, aber nicht überfordert. Beim Gleichgewicht ist eine Übung zu leicht, wenn man gar nicht ins Wackeln kommt, aber auch zu schwer, wenn man immer gleich umkippt.
Ergotherapeutische Maßnahmen
- Feinmotoriktraining: Schulung der Feinmotorik und Anregung von Nerven in tauben Händen oder Füßen.
- Koordinationstraining: Verbesserung der Koordination, um Gegenstände besser greifen und halten zu können.
- Haltungsschulung: Abtrainieren ungesunder Schonhaltungen, Stabilisierung des Rumpfes und Schulung des Gleichgewichtssinns.
- Handkrafttraining: Stärkung der Handkraft, falls diese zu gering ist.
Zusätzliche Maßnahmen
- Sportarten wie Yoga, Tai Chi oder Qigong: Schulen die Balance und helfen, innerlich gelassener zu werden, was den Stress auf Körper und Psyche reduziert.
- Meditation, progressive Muskelentspannung und autogenes Training: Können bei einem unsicheren Gang oder Zittern bei bewussten Bewegungen helfen.
- Medikamentöse Behandlung: Gangstörungen können medikamentös behandelt werden, am besten in Kombination mit intensivem Gangtraining.
- Antispastika: Können bei Spastiken die Beweglichkeit verbessern.
Hilfsmittel: Unterstützung für mehr Mobilität
Hilfsmittel sind dazu da, das Leben zu erleichtern. Es gibt spezielle Schienen, die das Gehen erleichtern, Unterarmstützen, Gehstöcke, Krücken, Rollatoren oder Rollstühle in verschiedensten Ausführungen. Diese Hilfsmittel sollen vor Stürzen bewahren und weiterhin Mobilität ermöglichen.
Hilfsmittel im Überblick:
- Gehstock: Bietet Halt und erleichtert die Fortbewegung. Wichtig sind die richtige Höhe und die Wahl des Griffes.
- Nordic-Walking-Stöcke: Können Gleichgewichtsstörungen ausgleichen.
- Rollator: Bietet zusätzlichen Halt und Sicherheit. Modelle mit drei Rädern sind leichter und beweglicher, aber auch instabiler. Wichtig sind gute Bremsen, eine Feststellbremse, Profilräder und Reflektoren. Eine integrierte Sitzfläche kann für Pausen nützlich sein.
- Gehgestell: Bietet Sicherheit bei starken Geheinschränkungen.
- Scooter / Elektromobile: Drei- oder vierrädrige Elektrofahrzeuge für den Außenbereich.
- Rollstühle: Können ein großes Stück Mobilität, Lebensqualität und Selbstständigkeit zurückgeben. Es ist wichtig, den passenden Rollstuhl individuell auszuwählen und anzupassen.
- Fahr- und Therapieräder: Verschiedene Modelle stehen zur Verfügung, z.B. Dreiräder, Fahrräder mit vier Rädern, Handbikes oder Adaptivbikes.
Zusätzliche Leistungen für Schwerbehinderte
Schwerbehinderte können unter bestimmten Voraussetzungen verschiedene Erleichterungen erhalten, die die Mobilität betreffen:
- Beförderung im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV): Kostenlos bei Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen „H“ und „Bl“; mit Merkzeichen „G“, „aG“ und Gl“ ist die kostenlose Beförderung nach Erwerb einer Wertmarke beim Versorgungsamt und einer Eigenbeteiligung von 91 Euro im Jahr ebenfalls möglich.
- Kraftfahrzeugsteuer: Befreiung der Steuer bei Merkzeichen „H“ „Bl“ oder „aG“, Reduzierung um 50% bei Merkzeichen „G“ und „Gl“.
- GdB von mindestens 70: Steuervorteile durch Recht auf Fahrtkostenpauschale in Höhe von 900 Euro für Privatfahrten (bei Merkzeichen „aG“ 4.500 Euro) oder Absetzen tatsächlicher Kosten für Fahrten zur Arbeit (ebenfalls auch bei Merkzeichen „aG“) und Anspruch auf ermäßigte Bahnfahrten/Bahn-Cards.
- Orangefarbener Parkausweis: Parkerleichterungen wie bspw. Parken bis zu drei Stunden an Stellen, an denen das eingeschränkte Halteverbot gilt oder das Parken bis zu drei Stunden auf Parkplätzen für Anwohner.
- Blauer Parkausweis: Berechtigt zum Parken auf Parkplätzen für Schwerbehinderte bei Vorliegen von Merkzeichen „aG“ oder „Bl“.
- Regionale Vergünstigungen: Zum Teil bieten einzelne Land und Stadtkreise kostenlose Inanspruchnahme von Fahrdiensten für Menschen mit Behinderung an, verfügen über Listen mit rollstuhlgerechten Fahrdiensten und Taxiunternehmen oder geben Fahrgutscheine aus.
- Fahrgutscheine und Krankentransporte: Fahrgutscheine sollen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen; für Krankenfahrten zu stationären bzw. ambulanten medizinischen oder therapeutischen Fahrten, die medizinisch notwendig sind, können Fahrkosten übernommen werden, sofern eine ärztliche Verordnung vorliegt.
Mit dem Auto unterwegs: Selbstständigkeit erhalten
Auch mit MS kann man Auto fahren. Wenn aufgrund von Einschränkungen kein herkömmliches Fahrzeug mehr bedient werden kann, gibt es die Möglichkeit, ein Auto behindertengerecht umzubauen oder ein neues, angepasstes Fahrzeug zu kaufen.
Finanzielle Unterstützung:
Unter Umständen kann die sogenannte Kraftfahrzeughilfe, eine Leistung der beruflichen Reha, in Anspruch genommen werden.
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MS und Sport: Bewegung als Therapie
Sport kann für Menschen mit Multipler Sklerose (MS) eine wichtige Rolle spielen, um Beschwerden zu lindern und am Leben teilzuhaben. Sport - vor allem Mannschaftssport - kann Menschen mit MS aus ihrer Isolation holen und ihre Gesundheit verbessern.
Vorteile von Sport bei MS:
- Verbesserung der Muskelkraft
- Steigerung der Mobilität
- Stärkung des Gleichgewichts und der Körperstabilität
- Förderung des Selbstvertrauens
- Steigerung der Lebensqualität
Empfehlenswerte Sportarten:
- Wassergymnastik: Stabilisiert die Mobilität und unterstützt das Herz-Kreislauf-System. Besonders gut geeignet bei spastischen MS-Symptomen.
- Outdoor-Sportarten wie Nordic Walking: Verbessern Bewegungsabläufe, Koordination sowie Lungenfunktion und können Fatigue-Beschwerden lindern.
- Tai Chi und Qi Gong: Rhythmische und langsame Bewegungen helfen besonders bei Ataxie, also bei Störungen in der Bewegungskoordination.
- Kanufahren oder Stand-up-Paddling: Trainieren den ganzen Körper, fördern den Gleichgewichtssinn sowie Bewegungsabläufe.
Generelle Tipps für Sport bei MS:
- Sprechen Sie mit Ihrer behandelnden Fachperson.
- Stecken Sie sich realistische Ziele und trainieren Sie regelmäßig.
- Achten Sie gut auf Ihre Grenzen.
- Starten Sie langsam und steigern Sie immer zuerst die Dauer der körperlichen Aktivität, dann die Häufigkeit und schließlich die Intensität.
- Achten Sie dabei auf Ihren Körper und unterbrechen Sie bei auftretenden Symptomen wie Müdigkeit oder Gleichgewichtsproblemen das Training.
- Vermeiden Sie Überhitzung.
- Trainieren Sie nicht an heißen Tagen.
- Trainieren Sie nicht während eines akuten Schubes und sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, ehe Sie nach einem Schub wieder mit dem Training beginnen.
- Wärmen Sie sich gut auf und dehnen Sie sich ausgiebig nach dem Sport.