Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die vor allem durch motorische Symptome wie Zittern, Muskelsteifigkeit, verlangsamte Bewegungen und Haltungsinstabilität gekennzeichnet ist. Die Diagnose stützt sich hauptsächlich auf die klinische Beurteilung, aber bildgebende Verfahren und andere Tests können eingesetzt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen oder die Diagnose zu unterstützen. Ein häufig verwendetes diagnostisches Instrument ist die Elektroenzephalographie (EEG), die die elektrische Aktivität des Gehirns misst.
Was ist ein EEG?
Die Elektroenzephalographie (EEG), abgeleitet von den griechischen Wörtern "Encephalon" (Gehirn) und "Graphein" (Schreiben), ist eine nicht-invasive Methode der medizinischen Diagnostik, die zur Messung der summierten elektrischen Aktivität des Gehirns verwendet wird. Dies geschieht durch die Aufzeichnung von Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche. Die Aufzeichnung der Hirnströme erfolgt über Elektroden, die mit einem leitfähigen Gel an bestimmten Punkten der Kopfhaut angebracht werden.
Wann wird ein EEG durchgeführt?
In der Neurologie dient das EEG vor allem der Überprüfung der Gehirnaktivität. Diese kann bei verschiedenen Erkrankungen des Gehirns gestört sein. Für ein Routine-EEG sind bis zu 21 Elektroden notwendig, die meist in einer Art Haube eingearbeitet sind. Die Elektroden werden mit einem Kontaktgel eingestrichen, nach einem standardisierten Schema auf der Kopfhaut der Patientin oder des Patienten befestigt und über Kabel verbunden. Durch kurze Anweisungen seitens der technischen Assistenz wie zum Beispiel die Augen zu öffnen, können Änderungen der Hirnaktivität simuliert und im EEG aufgezeichnet werden. Zur Hyperventilation bittet die Ärztin/der Arzt die Patientin/den Patienten für drei bis fünf Minuten möglichst tief ein- und auszuatmen. Bei der Photostimulation wird die Patientin / der Patient hellen Lichtblitzen ausgesetzt. Sowohl während der Hyperventilation als auch der Photostimulation leitet die Ärztin/der Arzt direkt ein EEG ab. Zum Schlafentzug hingegen soll die Patientin/der Patient während einer gesamten oder ein Teil der Nacht wach bleiben. Koffeinhaltige Getränke sind nicht erlaubt. Die Ärzt:innen der Neurologie beurteilen das EEG nach Form, Frequenz und Amplitude der Wellen. Ein sogenannter Herdbefund, also eine örtlich begrenzte Veränderung der Hirnaktivität, spricht hingegen für Tumore oder Hirnschäden durch Verletzungen (Schädel-Hirn-Trauma).
Ein EEG wird zum Beispiel bei der Diagnostik von Epilepsien angewendet. Das sind typische EEG-Veränderungen bei Neigung zu epileptischen Anfällen. Hierin liegt die Hauptbedeutung der EEG-Diagnostik. Allerdings ist das EEG häufig zwischen den Krampfanfällen normal. Daher muss es ggf. mehrfach und unter Bedingungen, welche die Krampfbereitschaft erhöhen, wie z. B. Das sind Veränderungen der Hirnstromwellen, die v. a.
Die Rolle des EEG bei der Parkinson-Diagnostik
Im Gegensatz zu anderen neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie, bei denen das EEG eine entscheidende Rolle bei der Diagnose spielt, ist das EEG bei der Parkinson-Krankheit oft unauffällig. Das bedeutet, dass die aufgezeichnete Hirnaktivität innerhalb normaler Grenzen liegt und keine spezifischen Muster zeigt, die typisch für Parkinson sind.
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Warum ist das EEG bei Parkinson oft unauffällig?
Die Parkinson-Krankheit ist primär durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Zellen in der Substantia nigra, einer Struktur im Mittelhirn, gekennzeichnet. Diese Veränderungen wirken sich hauptsächlich auf die tieferen Hirnstrukturen aus, während die kortikale Aktivität, die vom EEG erfasst wird, oft nicht direkt betroffen ist. Dennoch können subtile Veränderungen im EEG bei Parkinson-Patienten auftreten, insbesondere im Zusammenhang mit kognitiven Beeinträchtigungen oder Schlafstörungen.
EEG zur Differentialdiagnose
Obwohl das EEG bei der Parkinson-Krankheit selbst oft unauffällig ist, kann es dennoch eine wichtige Rolle bei der Differentialdiagnose spielen. Dies bedeutet, dass das EEG verwendet werden kann, um andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome wie Parkinson verursachen können.
Wichtiger Hinweis auf ein atypisches Parkinson-Syndrom ist z. B.
Atypische Parkinson-Syndrome
Atypische Parkinson-Syndrome sind eine Gruppe von neurodegenerativen Erkrankungen, die ähnliche motorische Symptome wie die Parkinson-Krankheit aufweisen, aber auch zusätzliche Merkmale haben, die auf andere zugrunde liegende Pathologien hindeuten. Einige Beispiele für atypische Parkinson-Syndrome sind:
- Multiple Systematrophie (MSA): Eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die autonome Dysfunktion (z. B. Probleme mit Blutdruck, Blasen- und Darmkontrolle), Parkinsonismus und zerebelläre Ataxie umfasst.
- Progressive supranukleäre Blickparese (PSP): Eine seltene Hirnstörung, die durch Probleme mit dem Gleichgewicht, der Bewegung, dem Denken und der Stimmung gekennzeichnet ist.
- Kortikobasale Degeneration (CBD): Eine seltene neurologische Erkrankung, die zu fortschreitenden Schwierigkeiten mit Bewegung, Sprache und Kognition führt.
- Lewy-Körperchen-Demenz (DLB): Eine Form der Demenz, die durch visuelle Halluzinationen, fluktuierende Kognition und Parkinsonismus gekennzeichnet ist.
Im Gegensatz zur idiopathischen Parkinson-Krankheit, weisen atypische Parkinson-Syndrome häufiger EEG-Veränderungen auf. Diese Veränderungen können helfen, die Diagnose zu stellen und die Erkrankung von der Parkinson-Krankheit zu unterscheiden.
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Weitere diagnostische Verfahren bei Parkinson
Da das EEG bei der Parkinson-Krankheit oft unauffällig ist, sind andere diagnostische Verfahren erforderlich, um die Diagnose zu stellen und andere Erkrankungen auszuschließen. Zu den wichtigsten diagnostischen Verfahren gehören:
- Klinische Untersuchung: Eine gründliche neurologische Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt ist entscheidend für die Diagnose der Parkinson-Krankheit. Die Untersuchung umfasst die Beurteilung von motorischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteifigkeit, Bradykinese (verlangsamte Bewegungen) und Haltungsinstabilität.
- Anamnese: Eine detaillierte Anamnese, einschließlich der Erfassung von Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und familiärer Vorbelastung, kann wichtige Hinweise auf die Diagnose liefern.
- Bildgebende Verfahren:
- MRT des Kopfes: Das MRT des Kopfes ist unauffällig und ist im Rahmen der Parkinsondiagnostik nur zum Ausschluß anderer Erkrankungen notwendig.
- DAT-Scan: Am verbreitetsten ist der DAT-Scan bei dem die Dopamin-Transportermoleküle dargestellt werden. Nur der sehr aufwendige Dat-Scan eine nuklearmedizinische Untersuchung mit radioaktiven Medikament ist vergleichbar genau mit dem Ultraschall des Hirnstammes.
- Spezielle Hirnstammsonographie: Durch die spezielle Hirnstammsonographie können früh Veränderungen im Hirnstamm erkannt werden. Als Screeningverfahren in der Vorsorge biete sich die Ultraschalluntersuchung. Insbesondere wenn in der Familie Parkinson bekannt ist, kann mit Ultraschall eine regelmäßige Vorsorgediagnostik erfolgen. Parkinson tritt gehäuft im Alter auf, kann aber schon mit dem 50. Lebensjahr oder früher beginnen. Somit können in jüngeren Jahren die Abstände der Ultraschalluntersuchungen größer sein, als im fortgeschrittenen Alter. Im Rahmen der Untersuchung der Gefäße oder des Herzen ist es üblich regelmäßige Kontrollen durchzuführen, damit der Zeitpunkt für rechtzeitige Behandlung nicht verpasst wird. Dies kann man auch auf die Erkennung von Parkinson übertragen.
Frühwarnzeichen und Risikofaktoren
Neben den typischen motorischen Symptomen gibt es auch Frühwarnzeichen, die auf eine mögliche Parkinson-Erkrankung hindeuten können:
- Veränderungen oder Verlust des Geruchssinnes
- Änderungen im Schriftbild
- Verstopfung
- Schlafstörungen, insbesondere Albträume
Eine Untersuchung der Universität Birmingham liefert Hinweise darauf, dass Albträume im Vorfeld der Erkrankung verstärkt auftreten und so ein frühes Warnsignal sein könnten. Für die Untersuchung verfolgte das Team um Dr. Abidemi I. Otaiku Daten von 3818 Männern über einen Zeitraum von insgesamt 12 Jahren. Die Teilnehmer waren zu Beginn der Studie im Schnitt 77 Jahre alt, ohne Parkinsondiagnose und in der Lage, ihr Leben eigenständig und unabhängig zu gestalten. 91 von ihnen erkrankten im Studienzeitraum an Parkinson. Die Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen Albtraumfrequenz und Parkinsonrisiko. So erkrankten die 368 Teilnehmer, die mindestens einmal wöchentlich schlecht träumten, mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb von fünf Jahren an Parkinson, wie jene Teilnehmer, die nur selten oder nie Albträume hatten.
Zu den bekannten Risikofaktoren für die Parkinson-Krankheit gehören:
- Alter: Parkinson tritt gehäuft im Alter auf, kann aber schon mit dem 50. Lebensjahr oder früher beginnen.
- Genetische Faktoren: Die Krankheit ist meist erblich bedingt.
- Geschlecht: Männer erkranken mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit daran wie Frauen.
- Kopfverletzungen: Häufigere Kopf- und Hirnverletzungen, beispielsweise bei Boxern und Football-Spielern, können Parkinson begünstigen.
- Andere Faktoren: Schlaganfälle, Vergiftungen und Tumore können ebenfalls Parkinson begünstigen.
Therapie
Die Parkinson-Krankheit ist nicht heilbar, jedoch durch eine engmaschig kontrollierte medikamentöse Therapie in Kombination mit spezieller Krankengymnastik und speziellem Stimm- und Sprechtraining über viele Jahre mit gut zu erhaltender Lebensqualität behandelbar. Im Verlauf ist es jedoch möglich, dass diese Behandlungen nicht ausreichen, um den betroffenen Patienten die erwünschte Selbstständigkeit und Lebensqualität zu ermöglichen. In diesem Fall können Eingriffe wie das Einsetzen einer Medikamentenpumpe oder die Tiefe Hirnstimulation („Hirnschrittmacher“) notwendig werden.
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