Die komplexe Interaktion zwischen Eierstöcken, Hormonen und dem Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen. Veränderungen in einem dieser Bereiche können sich auf die anderen auswirken und zu einer Vielzahl von Symptomen und Erkrankungen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Eierstockveränderungen, hormonellen Schwankungen und neurologischen Auswirkungen, um ein besseres Verständnis dieser komplexen Wechselwirkungen zu ermöglichen.
Eierstockzysten: Formen, Symptome und Behandlung
Eine Zyste am Eierstock ist ein Hohlraum im Gewebe, in dem sich Flüssigkeit ansammelt. Funktionelle Ovarialzysten sind in der Regel gutartige Veränderungen, die hormonabhängig sind und hauptsächlich während der Geschlechtsreife auftreten.
Arten von Eierstockzysten
Es gibt verschiedene Arten von Eierstockzysten, darunter:
- Follikelzysten (Bläschenzysten): Sie entstehen aus einem nicht gesprungenen Graaf-Follikel, der in der ersten Zyklushälfte heranreift. Bleibt der Eisprung aus, kann dieser Follikel erhalten bleiben und weiter Flüssigkeit produzieren.
- Corpus-luteum-Zysten (Gelbkörperzysten): Der Gelbkörper entsteht nach dem Eisprung aus den Resten des gesprungenen Graaf-Follikels und produziert Hormone. Bei fehlender Befruchtung geht er zugrunde.
- Luteinzysten: Sie treten häufig in beiden Eierstöcken auf und sind durch eine Verdickung der äußeren Schicht des Eierstocks gekennzeichnet, die den zyklischen Eisprung verhindert.
- Endometriosezysten: Bei dieser Erkrankung siedelt sich Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) in den Eierstöcken an. Diese Zystenart enthält typischerweise schokoladenfarbige, eingedickte Blutabbauprodukte.
- Dermoidzysten: Durch eine Fehlentwicklung werden von den Keimzellen im Eierstock verschiedene Gewebearten gebildet. Daher kann der Zysteninhalt Haare, Talg, Knorpel- und Knochengewebe aufweisen.
Symptome von Eierstockzysten
Viele Frauen bemerken Eierstockzysten nicht, da sie oft keine Symptome verursachen. Zu den möglichen Beschwerden gehören:
- Unklare Schmerzen im Unterbauch
- Zyklusstörungen (starke, ausbleibende oder Schmierblutungen)
- Druckgefühl, Bauchschwellung, Verstopfung oder Beschwerden beim Wasserlassen (bei sehr großen Zysten)
- Plötzlicher, stechender Schmerz (bei Aufplatzen einer Zyste)
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Diagnose und Behandlung von Eierstockzysten
Bei Verdacht auf eine Erkrankung der Eierstöcke wird in der Regel eine vaginale Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Viele Zysten bilden sich spontan zurück und bedürfen keiner Behandlung. Größere Zysten oder solche, die Beschwerden verursachen, können operativ per Bauchspiegelung (Laparoskopie) entfernt werden. In einigen Fällen kann eine ergänzende Hormonbehandlung sinnvoll sein, insbesondere bei Endometriosezysten.
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Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)
Eierstockkrebs ist ein bösartiger Tumor der weiblichen Geschlechtsorgane, von dem in Deutschland jährlich etwa 7.200 Frauen betroffen sind. Da sich zu Beginn der Erkrankung keine Beschwerden bemerkbar machen, wird Eierstockkrebs häufig erst spät erkannt.
Arten von Eierstockkrebs
Es gibt verschiedene Arten von Eierstockkrebs, die sich nach der Art der Zellen unterscheiden, aus denen sie entstehen:
- Epithelialer Eierstockkrebs: Er entsteht aus der äußeren Zellschicht der Eierstöcke (Epithel) und ist die häufigste Art von Eierstockkrebs (ca. 90 % der Fälle).
- Keimzelltumoren: Sie entwickeln sich aus den Eizellen und sind seltener (weniger als 2 % der Fälle). Betroffen sind eher jüngere Frauen.
- Stromatumoren: Sie entstehen im Bindegewebe der Eierstöcke (Stromazellen) und machen etwa 1 % der Fälle aus.
Risikofaktoren für Eierstockkrebs
Zu den Risikofaktoren für Eierstockkrebs gehören:
- Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.
- Erbliche Veranlagung: Familiäre Vorbelastung mit Eierstock- oder Brustkrebs sowie Mutationen in den Genen BRCA1 oder BRCA2 erhöhen das Risiko.
- Häufigkeit des Eisprungs: Vermehrte, nicht durch Schwangerschaft, Stillzeit oder hormonelle Verhütung unterbrochene Zyklen erhöhen das Risiko.
- Übergewicht: Übergewicht ist ein Risikofaktor für verschiedene Krebsarten, darunter auch Eierstockkrebs.
Symptome von Eierstockkrebs
Eierstockkrebs verursacht zu Beginn keine Symptome. Erst wenn der Tumor größer ist und andere Organe beeinträchtigt, kommt es zu Beschwerden wie:
- Schmerzen im Bauch- oder Beckenbereich
- Ungewollte Gewichtsabnahme oder Zunahme des Bauchumfangs
- Blähungen oder Verstopfung
- Häufigerer Harndrang als üblich
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Zyklusstörungen oder Blutungen nach den Wechseljahren
Früherkennung und Behandlung von Eierstockkrebs
Eine bestimmte Früherkennungsmethode für Eierstockkrebs gibt es bislang nicht. Die Behandlungsmöglichkeiten und die Prognose sind jedoch besser, je eher ein Ovarialkarzinom festgestellt wird. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Operation und Chemotherapie.
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Hormonelle Veränderungen und ihre Auswirkungen
Die Eierstöcke produzieren die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron, die eine Vielzahl von Körperfunktionen steuern, darunter den Menstruationszyklus, die Fruchtbarkeit und die Knochengesundheit. Veränderungen im Hormonhaushalt können vielfältige Auswirkungen haben.
Der Menstruationszyklus und seine hormonelle Steuerung
Der Menstruationszyklus wird durch ein fein reguliertes Zusammenspiel von Hormonen gesteuert. Im Blut zirkulierende Östrogene unterdrücken die Ausschüttung von FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon). Ist die Östrogenkonzentration niedrig, werden vermehrt FSH und LH gebildet. FSH und LH stimulieren das Wachstum des Eibläschens (Follikel), das mit zunehmendem Wachstum immer mehr Östrogen produziert. Nach dem Eisprung wird aus dem Eibläschen der Gelbkörper, der das Gelbkörperhormon (Progesteron) bildet.
Der Zyklus lässt sich in verschiedene Phasen einteilen:
- Menstruationsphase: Die Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen, da der Gelbkörper sich zurückgebildet hat und die Produktion von Progesteron eingestellt wurde.
- Follikelreifungsphase: FSH regt in den Eierstöcken das Wachstum von Follikeln an, die Östrogene produzieren.
- Eisprung: Ein hoher LH-Spiegel veranlasst den überlebenden Follikel (Graaf-Follikel) dazu, die reife Eizelle in den Eileiter zu entlassen.
- Gelbkörperphase: Der Follikel wandelt sich in den Gelbkörper um, der Progesteron und Östrogen produziert. Diese Hormone hemmen die Ausschüttung von GnRH, FSH und LH. Tritt keine Schwangerschaft ein, geht der Gelbkörper zugrunde, wodurch die Hormonkonzentrationen abfallen und die Menstruationsblutung ausgelöst wird.
Hyperandrogenämie
Das vermehrte Auftreten männlicher Hormone (Androgene) im weiblichen Körper kann zu Akne, Hirsutismus (vermehrte Körperbehaarung) und Zyklusstörungen führen.
Post-Pill-Syndrom
Nach dem Absetzen der Pille kann es zu einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt kommen, das als Post-Pill-Syndrom bezeichnet wird. Die Symptome sind vielfältig und können von Zyklusstörungen über Akne bis hin zu Stimmungsschwankungen reichen. Ursache ist ein Kommunikationsproblem zwischen verschiedenen hormonbildenden Drüsen (Eierstöcke, Nebennieren, Schilddrüse, Hirnanhangsdrüse und Hypothalamus).
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Behandlung von hormonellen Ungleichgewichten
Die Behandlung von hormonellen Ungleichgewichten hängt von der Ursache und den Symptomen ab. Sie kann eine Hormontherapie, eine Ernährungsumstellung, die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder eine Kombination verschiedener Ansätze umfassen.
Neurologische Auswirkungen von Hormonschwankungen
Hormone haben nicht nur Auswirkungen auf den Körper, sondern auch auf das Gehirn und das Nervensystem. Östrogen beispielsweise beeinflusst die Stimmung, das Gedächtnis und die kognitiven Funktionen. Hormonschwankungen können daher neurologische Symptome verursachen.
PMS (Prämenstruelles Syndrom)
PMS ist eine häufige Erkrankung, die mit einer Vielzahl von körperlichen und psychischen Symptomen einhergeht, die in der zweiten Zyklushälfte auftreten und mit der Menstruation verschwinden. Zu den Symptomen gehören Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Angstzustände, Depressionen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Blähungen und Brustspannen. Ursache sind die hormonellen Veränderungen im Zyklusverlauf.
Menopause
Während der Menopause sinkt die Östrogenproduktion in den Eierstöcken stark ab. Dies kann zu Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Gedächtnisproblemen und anderen neurologischen Symptomen führen.
Behandlung von neurologischen Symptomen
Die Behandlung von neurologischen Symptomen, die durch Hormonschwankungen verursacht werden, kann eine Hormontherapie, Antidepressiva, angstlösende Medikamente oder andere Therapien umfassen. Auch Entspannungstechniken, Bewegung und eine gesunde Ernährung können helfen, die Symptome zu lindern.
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