Gehirnwäsche: Techniken, Methoden und Schutzmaßnahmen

Gehirnwäsche, ein Begriff, der oft mit totalitären Regimen und Sekten in Verbindung gebracht wird, beschreibt den systematischen Versuch, das Denken und die Überzeugungen einer Person oder einer Gruppe zu verändern. Obwohl der Begriff selbst umstritten ist, da er suggeriert, dass das Gehirn tatsächlich "gewaschen" wird, was wissenschaftlich nicht haltbar ist, beschreibt er doch eine Reihe von Manipulationstechniken, die eingesetzt werden, um das Verhalten und die Meinungen von Menschen zu beeinflussen. In diesem Artikel werden wir uns mit den Techniken und Methoden der Gehirnwäsche auseinandersetzen, wie sie angewendet werden und wie man sich davor schützen kann.

Begriffsklärung: Gehirnwäsche oder Zersetzung

Der Begriff der Gehirnwäsche soll aus der Zeit um 1950 während des Koreakriegs stammen. Andere Quellen führen ihn auf den Schriftsteller George Orwell zurück, der im Jahre 1948 seinen Roman über den perfekten Überwachungsstaat unter dem Titel "1984" veröffentlichte. Allerdings konnte sich der Begriff ausschließlich im Volksmund durchsetzen. "Es ist eine sehr unseriöse Bezeichnung", führt der Psychologe Hans-Eberhard Zahn aus: "Denn es wird ja gar nichts aus dem Gehirn gewaschen oder getilgt, sondern im Gegenteil: Es wird einiges hineingesetzt." Daher hält Zahn die Begriffe der Zersetzung oder der Umprogrammierung für angemessen.

Historische Anwendung von Gehirnwäsche

Totalitäre Regime

Zersetzung einer Persönlichkeit: Wer nicht ins System passt oder gar gegen das System kämpft, der muss gleichgeschaltet werden. Das ist das Prinzip totalitärer Regime. Die chinesischen Kommunisten in der Kulturrevolution, der russische Geheimdienst KGB, aber auch der US-amerikanische Geheimdienst CIA in Guantanamo haben Praktiken der sogenannten Gehirnwäsche eingesetzt. Auch die Vereinten Nationen konnten Hans-Jürgen Breitbarth nicht schützen. Nur ein Jahr nachdem die UNO die Methode der "Gehirnwäsche" in ihre "Erklärung über den Schutz aller Personen vor Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe" (Nr. 3452, 9. Dezember 1975) einbezogen, wurde der DDR-Bürger von der Stasi verhaftet. Schon längst hatte das Ministerium für Staatssicherheit auf höchst systematischem Niveau manipulative Psychotechniken erarbeitet. Damit versuchte es ihre Bürger umzupolen, wenn sie aus Sicht der Stasi als feindlich-negativ einzustufen waren.

Die Stasi-Methoden der Zersetzung

Perfektioniert, weil konzentriert, hat das MfS jedoch seine Zersetzungsmaßnahmen in den Untersuchungsgefängnissen eingesetzt. Konzentrierte Zersetzungsmaßnahmen mit System: Die Verhaftung kommt plötzlich, der Verhaftete wird stundenlang in einer winzigen Zelle in einem dunklen Transporter umher gefahren, bis er nicht mehr weiß, wo er ist. Dann plötzlich blendende Helligkeit, vollständiges Ausziehen, peinlich genaue Kontrolle sämtlicher Körperöffnungen, der Verlust des Namens im Tausch gegen eine Nummer, eine karge Zelle, stundenlange Verhöre. An die ersten Momente erinnert sich Hans-Jürgen Breitbarth nur allzu gut: "Sie gehen durch diese Gänge, gehen in Ihre Zelle, Sie nehmen links, rechts überhaupt nichts mehr wahr. Sie stehen neben sich. Sie können keinen klaren Gedanken fassen." Mehrere Monate lang erlebte er unter anderem in Plauen die zerstörerische Macht der Stasi. "Nichts war vorhersehbar; alles änderte sich von einer Sekunde zur nächsten", beschreibt Breitbarth das Erlittene. Die Stasi-Mitarbeiter erstellten zuvor eine genaue Analyse der Persönlichkeitsstruktur des Opfers. Sie kannten jede Vorliebe und jede Schwäche, studierten sogar die Krankenakten, wie im Fall von Mario Röllig. Jeder gegen Jeden: Die Verhörten sollten einsehen, dass sie gegen die angeblich moralisch einwandfreien Gesetze der DDR verstoßen hatten - und sie sollten sich selbst oder andere verraten. Jeder sollte gegen Jeden ausgespielt werden. "Darin liegt die Perfektion dieses Systems: Jeder Überwachte sollte zum Überwacher des anderen werden. Keiner kann keinem mehr trauen", erläutert Hans-Eberhard Zahn. Denn die DDR missbrauchte sämtliche Erkenntnisse aus Psychologie und Psychiatrie; schließlich war die explizit körperliche Folter im Selbstverständnis der DDR verboten. Das Ministerium für Staatssicherheit erhob diese Form der Manipulation sogar zur Wissenschaft. An der Juristischen Hochschule des MfS, auf dem Gelände der heutigen Universität Potsdam-Golm, erforschten und lehrten Stasi-Mitarbeiter die Technik der Zersetzung. Die Juristische Hochschule sammelte unter anderem die Erkenntnisse aus der Misshandlung politischer Gefangener in der gesamten DDR und wertete sie akribisch aus.

Auswirkungen der Zersetzung

Die Zersetzungsmaßnahmen konnten zwar in vielen Fällen den Widerstandswillen der Opfer brechen. Doch es gelang der Stasi nicht, diese sogenannten "feindlich-negativen Kräfte" zu überzeugten DDR-Sozialisten umzuprogrammieren. Oftmals erreichte sie das genaue Gegenteil, weil ihr Umgang mit den Menschen deren Regimekritik bestätigte und untermauerte. Rund 300.000 politische Gefangene gab es bis zum Mauerfall. Die gesamte Zahl der Zersetzungsopfer ist aber ungleich höher, da sie nicht ausschließlich hinter Gittern stattfand. Seit Jahren suchen und finden Betroffene Hilfe in Beratungsstellen wie Gegenwind in Berlin. Dort betreut der Psychologe Stefan Trobisch-Lütge politisch Traumatisierte der DDR-Diktatur. Selbst zwanzig Jahre nach dem Ende der DDR ist das noch nötig: „Man muss wirklich sagen, dass ein Großteil der Personen, die die Untersuchungshaft der Staatssicherheit durchlebt haben, nachhaltig geschädigt ist“, stellt Trobisch-Lütge immer wieder fest. Dennoch ist die weitere finanzielle Förderung mit öffentlichen Mitteln für 2010 unsicher. Das politische Interesse scheint an Anlaufstellen wie Gegenwind nachzulassen.

Lesen Sie auch: Faszination Nesseltiere: Wie sie ohne Gehirn leben

Psychologische Techniken der Beeinflussung

Anhand gut erforschter psychologischer Phänomene erklären Franca und Christian, wie Menschen durch charismatische Führungsfiguren, psychologische Effekte, soziale Dynamiken und gezielte Beeinflussung ihre Meinung und ihr Denken radikal ändern sollen.

Wiederholung

Wiederholungen sind nicht nur gut, um beim Lernen Sachverhalte zu verinnerlichen. Je öfter wir etwas hören, sehen oder lesen, umso selbstverständlicher wird es. Aus diesem Grund werden in Werbeblöcken z. B. im Fernsehen oder Radio auch immer wieder dieselben Spots gezeigt und uns so suggeriert, dass wir dieses oder jenes Produkt unbedingt brauchen, weil es gute Qualität hat oder unser Ansehen steigert. Die täglichen Werbesendungen im Fernsehen und Radio sind ein gutes Beispiel für diese Form der Manipulationstechnik: Keine Firma käme auf die Idee, einen Werbespot nur ein einziges Mal zu senden.

Verknappung

Wenn ein Produkt, was wir attraktiv finden, nur noch schwer zu kriegen ist, dann steigert das unser Bedürfnis, es haben zu wollen. Ein gutes Beispiel hierfür sind Verkaufssendungen im Fernsehen: Wir sehen einen Countdown, der sich gnadenlos der Null nähert und die Person im TV erschlägt uns mit Argumenten, warum wir jetzt unbedingt zugreifen müssen. Wir wissen, wenn der Timer abläuft, ist das vermeintliche Spitzenangebot beendet. Vielleicht brauchen wir das Produkt eigentlich gar nicht, aber bei diesem Preis sollten wir vielleicht doch zugreifen, sonst ärgern wir uns, wenn es teurer wird.

Soziale Bewährtheit (Herdenverhalten)

Jeder, der schon einmal etwas im Internet gekauft hat, kennt es: Wir interessieren uns für ein Produkt und schon bekommen wir auf der Webseite diverse Vorschläge, was andere Kund:innen gemeinsam mit unserem Produkt gekauft haben und werden so zu einem weiteren Kauf verleitet. Diese Manipulation zielt auf einen ganz bestimmten Wunsch ab: Etwas ganz Menschliches ist das Bestreben nach Integration in die Gesellschaft und nicht selten entsteht dadurch ein Herdenverhalten. Was viele andere tun, kann für mich nicht schlecht sein. Wenn alle hier lang gehen, sollte ich das auch tun.

Reziprozität

Nehmen wir das Prinzip der Reziprozität. Wir bekommen ein kleines Geschenk, das wir vielleicht gar nicht wollen (z.B. einen Kugelschreiber), um damit bewegt zu werden, an einer Befragung teilzunehmen, was wir auch nicht wollen. Stellen Sie sich vor: Sie sind mit Ihrer Familie essen. Die Servicekraft ist freundlich und aufmerksam, Sie bestellen die Rechnung und haben vor, drei Euro Trinkgeld zu geben. Bleiben Sie bei Ihrem Vorhaben, drei Euro Trinkgeld zu geben? Wahrscheinlich nicht. Sie möchten die Wertschätzung erwidern und die Chance ist groß, dass Sie das Trinkgeld erhöhen. Diese Manipulationstechnik nennt man Reziprozität. Jetzt, wo Sie diese Technik kennen, fragen Sie sich vielleicht, was Sie tun können, um diese abzuwehren. Eigentlich ist es ganz einfach: Nehmen Sie ein Geschenk oder eine Geste - wie in unserem Beispiel ein Absacker - einfach an. Bedanken Sie sich und versuchen Sie sich nicht zu einer Mehrausgabe hinreißen zu lassen.

Lesen Sie auch: Lesen Sie mehr über die neuesten Fortschritte in der Neurowissenschaft.

Angst

Menschen sind selten objektiv und lassen sich sehr stark von Gefühlen leiten. Angst lähmt das logische Denken und verstärkt sich psychologisch selbst. Je intensiver ein Präsentator diese Manipulationstechnik nutzt und die schrecklichen Folgen eines Verhaltens ausmalt, umso größer wird unsere Angst davor (wiewohl wir uns objektiv überhaupt nicht in Gefahr befinden!).

Autorität

Für viele Menschen ist es ein Problem, die Fakten bzw. Interpretationen eines Sachverhalts im Gesamtzusammenhang zu betrachten und zu bewerten. Deshalb sind solche Personen besonders dankbar, wenn man ihnen sagt, dass etwas „so oder so“ ist und in Verbindung mit einem guten Rapport.

Bedürfnisbefriedigung

Jeder von uns strebt permanent nach der Befriedigung irgendwelcher Bedürfnisse. das Bedürfnis erst wecken (klassisch in der Werbung, die uns suggeriert, dass wir das unbedingt haben müssen, ansonsten können wir ja keinen weiteren Tag mehr leben).

Wie Sekten und Kulte Gehirnwäschetechniken einsetzen

Sekten und Kulte nutzen eine Kombination aus psychologischen und sozialen Techniken, um ihre Anhänger zu manipulieren und zu kontrollieren. Dazu gehören:

  • Isolation: Die Person wird von ihrem sozialen Umfeld isoliert, um den Einfluss der Gruppe zu verstärken.
  • Wiederholung: Die Doktrinen der Gruppe werden ständig wiederholt, um sie im Gedächtnis zu verankern.
  • Schuld und Angst: Die Person wird durch Schuldgefühle und Angst vor den Konsequenzen eines Abfalls von der Gruppe kontrolliert.
  • Liebesbomben: Die Person wird mit Aufmerksamkeit und Zuneigung überschüttet, um eine starke Bindung zur Gruppe aufzubauen.
  • Kontrolle der Informationen: Der Zugang zu Informationen wird kontrolliert, um die Person vor gegensätzlichen Meinungen zu schützen.

Manipulation in den sozialen Medien

In den letzten Jahren hat die Manipulation in den Sozialen Medien enorm zugenommen. Hier geht es nicht nur um Konsumverhalten, sondern auch um politische Einflussnahme. Fake News sind Manipulation. Es werden Lügen verbreitet, um Menschen zu beeinflussen. Leider ist es auch in Demokratien auf höchster politischer Ebene kein Tabubruch mehr, wenn systematisch gelogen wird, Trump ist hier leider kein Einzelfall. Um sich vor Einflussnahme in sozialen Medien zu schützen, sollte man sehr genau prüfen, aus welcher Quelle die Information stammt.

Lesen Sie auch: Tinnitus und Gehirnaktivität: Ein detaillierter Einblick

Schutzmaßnahmen gegen Gehirnwäsche und Manipulation

Wie schützt man sich vor Manipulation? Zunächst müssen wir uns damit auseinandersetzen, wie Manipulation funktioniert. Hier sind einige Strategien, die helfen können, sich vor Gehirnwäsche und Manipulation zu schützen:

  • Kritisches Denken: Hinterfragen Sie Informationen und Behauptungen, anstatt sie einfach zu akzeptieren.
  • Informationsquellen prüfen: Seien Sie sich bewusst, woher Ihre Informationen stammen, und suchen Sie nach zuverlässigen und unabhängigen Quellen.
  • Soziale Kontakte pflegen: Halten Sie Kontakt zu Familie und Freunden, um ein unterstützendes soziales Netzwerk zu haben.
  • Selbstbewusstsein stärken: Kennen Sie Ihre Werte und Überzeugungen und lassen Sie sich nicht von anderen davon abbringen.
  • Achtsamkeit: Achten Sie auf Ihre Gefühle und Gedanken und erkennen Sie, wenn Sie sich unwohl oder manipuliert fühlen.
  • Bei Bedarf Hilfe suchen: Wenn Sie das Gefühl haben, manipuliert zu werden, suchen Sie professionelle Hilfe bei einem Therapeuten oder Berater.

NLP-Techniken erkennen

Sie erkennen eine NLP-Technik, wenn Ihr Gegenüber auffällig spiegelt, gezielt Pausen oder Stimmlagen nutzt, Emotionen bewusst verstärkt oder Verhaltensänderungen provoziert, die Sie selbst nicht aktiv angestoßen haben.

Vorsicht bei schnellem Zuspruch

Ich sollte immer dann stutzig werden, wenn der Verkäufer oder die Verkäuferin mir zu sehr nach dem Mund redet. Jemand der mir in allem Recht gibt, ist schon mal verdächtig. Da hilft ein einfacher Test: Sagen Sie einfach mal, das genaue Gegenteil von dem was Sie meinen und was Sie bisher gesagt haben. Auch sollte man vorsichtig sein, wenn die Verkäuferin oder der Verkäufer einem zu schnell zu sehr sympathisch wird. Menschen, die uns sympathisch sind, kaufen wir lieber etwas ab. Sympathie können wir befördern, indem wir unserem Gegenüber möglichst ähnlich erscheinen. Erwähne ich beispielsweise, wie gerne ich schwimmen gehe, dann geht mein Gegenüber auch gerne schwimmen. Schwärme ich von meinem letzten Italienurlaub, macht mein Gegenüber auch sehr gerne Urlaub in Italien. Das funktioniert nach dem Prinzip: wer mir ähnlich ist, ist mir auch sympathisch. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde es wunderbar, wenn mir Menschen sympathisch sind, das ist immer besser als unsympathische Zeitgenossen.

tags: #ein #gehirn #wascht #das #andere