Wundermittel für das Gehirn: Studien und Fakten zur Leistungssteigerung

Der Wunsch, die eigenen Grenzen zu überwinden, ist tief im menschlichen Wesen verwurzelt. Seit jeher suchen Menschen nach Substanzen, die ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigern können. Dieser Artikel beleuchtet das Thema "Hirndoping" und untersucht die verschiedenen Substanzen, ihre Wirkungen und Nebenwirkungen sowie alternative Möglichkeiten zur Förderung der Hirnleistung.

Was ist Hirndoping?

In Anlehnung an den Begriff "Doping" im Leistungssport versteht man unter Hirndoping den Missbrauch von verschreibungspflichtigen oder verbotenen Substanzen zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit bei gesunden Menschen. Dazu gehören Medikamente wie Psychostimulanzien (z. B. Methylphenidat bei ADHS), Modafinil (bei Narkolepsie) sowie illegale Drogen wie Amphetamine oder Kokain.

Substanzen und ihre Wirkung

Koffein

Koffein ist das wohl bekannteste Mittel zur Steigerung von Wachheit und geistiger Leistungsfähigkeit. Es ist in Getränken wie Kaffee, Tee, Cola und Energydrinks enthalten. Koffeintabletten sind ebenfalls erhältlich. Eine Höchstdosis von 400 mg/Tag sollte nicht überschritten werden.

Wirkung: Koffein führt zu einer vermehrten Verfügbarkeit von zyklischem Adenosinmonophosphat (cAMP) mit verlängerter Adrenalinwirkung sowie einer Mobilisation von intrazellulärem Kalzium. Es verbessert Vigilanz und Aufmerksamkeit, beeinflusst die Reaktionsgeschwindigkeit möglicherweise positiv, hat aber keinen Einfluss auf Gedächtnisleistung oder Stimmung.

Nebenwirkungen: Höhere Dosen können zu Tremor, Erregung, Reizbarkeit, gastrointestinalen Beschwerden, Tachykardie, Herzrhythmusstörungen und Insomnie führen.

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Vitamine und Flavanole

Verschiedenen Vitaminen werden positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit zugeschrieben, wobei eine unmittelbare Wirkung nicht sicher nachgewiesen werden konnte. Flavanole, die in Kakao, Schokolade, Tee und Rotwein enthalten sind, bewirken eine periphere und zerebrale Gefäßerweiterung.

Ginkgo Biloba

Ginkgo biloba ist ein frei verkäufliches Produkt aus Blättern des asiatischen Ginkobaums, das vorwiegend als "Neuroenhancer" und Antidementivum eingesetzt wird. Als wirksame Inhaltsstoffe wurden Flavanole und Terpenoide identifiziert, die antioxidative Effekte zeigen.

Wirkung: Eine systematische Literaturrecherche über Publikationen mit gesunden Menschen konnte keine Verbesserung bei leistungstechnischen kognitiven Tests nachweisen. Neuere Metaanalysen zeigen in der Indikation leichte kognitive Störungen und Demenzen positive Effekte bei einem günstigen Nebenwirkungsprofil.

Methylphenidat (MPH)

Methylphenidat (MPH), bekannt als Ritalin®, ist eine Substanz aus der Gruppe der Phenylethylamine und als Komponente eines multimodalen Behandlungskonzepts des ADHS zugelassen.

Wirkung: Bei Gesunden kommt es zu einer Steigerung von Vigilanz und Aufmerksamkeit sowie zu einer Abnahme der Reaktionszeit, besonders bei Müdigkeit. Höhere Dosen wirken euphorisierend.

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Nebenwirkungen: Das Spektrum an Nebenwirkungen ist breit und umfasst Inappetenz, Schlafstörungen, innere Unruhe, Kopfschmerzen, Hautausschlag, Schwindel, Übelkeit, Hypertonie, Tachykardie, abdominelle Schmerzen, Gewichtsverlust, Tics und Dyskinesien. Es gibt Berichte über den Zusammenhang zwischen Stimulanzienkonsum und einem erhöhten Risiko für einen plötzlichen Herztod. Stimulanzien haben ein Abhängigkeitspotenzial.

Modafinil

Modafinil ist für die Behandlung der Narkolepsie mit exzessiver Tagesmüdigkeit zugelassen.

Wirkung: Modafinil kann Müdigkeit dämpfen; kognitives Leistungsvermögen und Stimmung werden angehoben. Es kommt zu einer Zunahme der Vigilanz, einer Abnahme der Reaktionszeit sowie einer Verbesserung von Aufmerksamkeit und Exekutivfunktionen.

Nebenwirkungen: Zu den unerwünschten Wirkungen gehören Nervosität, Kopfschmerzen, Palpitationen, Tremor, innere Unruhe, Schwindel, Schlafstörungen, Benommenheit und Mundtrockenheit. Auch über Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö wurde berichtet.

Cholinesterasehemmer (ChEH)

Cholinesterasehemmer (ChEH) der 2. Generation (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) sind symptomatisch bei leicht- und mittelgradiger Alzheimer-Demenz zugelassen.

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Wirkung: Untersuchungen an Gesunden liegen für Donepezil, Galantamin und Rivastigmin vor. Die Ergebnisse sind enttäuschend, da keinerlei Effekt beobachtet werden konnte; bei älteren Probanden fanden sich teilweise sogar Verschlechterungen der Gedächtnisfunktion.

Memantin

Memantin ist ein N‑Methyl-D-Aspartat(NMDA)-Rezeptor-Modulator, der für die Behandlung der mittelgradigen und schweren Alzheimer-Demenz zugelassen ist.

Wirkung: Untersuchungen an Gesunden konnten keinen Einfluss auf Aufmerksamkeit, Vigilanz, Gedächtnisleistung oder Stimmung nachweisen.

Nootropika

Unter der Bezeichnung Nootropika werden zahlreiche Präparate zu Erhalt oder Steigerung der Hirnleistungsfähigkeit eingesetzt. Zielparameter ist meist die Verbesserung der Durchblutung. Auch eine Zunahme von Sauerstoff- und Glucoseutilisation wird angeführt, ebenso wie die Beeinflussung verschiedener Neurotransmitter.

Cerebrolysin®

Für das Neuropeptid Cerebrolysin®, das seit vielen Jahren für verschiedene Erkrankungen (Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Demenz) zugelassen ist, sind im Tiermodell pleiotrope Effekte nachgewiesen worden: Dieses Präparat wirkt antioxidativ, antiinflammatorisch, reduziert die Aktivierung von Mikroglia und die Ablagerung von β‑Amyloid ebenso wie die Apoptoserate; zudem wurden ein positiver Einfluss auf Synaptophysin und eine Steigerung der Neuroplastizität nachgewiesen.

Antidepressiva

Die stimmungsaufhellende und angstlösende Wirkung von Antidepressiva macht diese auch für Gesunde verlockend. Aufgrund des Nebenwirkungsprofils werden dazu vorrangig selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) verwendet.

Wirkung: Untersuchungen an gesunden Probanden zeigen allerdings keine wesentlichen Effekte auf die objektive und die subjektive geistige Leistungsfähigkeit; auch die Stimmung bleibt unbeeinflusst.

Nebenwirkungen: Nebenwirkungen umfassen gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö), Unruhe, Benommenheit, Schlafstörungen und Beeinträchtigung der Sexualfunktion.

Testosteron

Auch körpereigene Substanzen können zur Leistungssteigerung verabreicht werden; so soll Testosteron über kognitive und motivationale Faktoren zu einer verbesserten Hirnleistung beitragen.

Montelukast

Montelukast ist als Medikament zur Behandlung von Asthma bronchiale zugelassen. Im Tierversuch kam es zu einer signifikanten Zunahme von Lern- und Gedächtnisfunktionen bei älteren Tieren, daneben fand sich eine gesteigerte Neurogenese.

Spermidin

Spermidin kommt in allen lebenden Organismen vor und ist eng mit dem Zellwachstum verbunden. An Drosophila konnten Einflüsse auf das olfaktorische Gedächtnis nachgewiesen werden; ursächlich zeigten sich Wirkungen gegen altersbedingte Veränderungen der Synapsen und positive Wirkungen auf die Autophagie.

Methylenblau

Methylenblau wurde ursprünglich als Textilfarbstoff entwickelt und später in der Medizin verwendet. In der Biohacking-Community wird es als Nootropikum diskutiert. Es gibt begrenzte Beweise für positive Effekte auf Stimmung, Energieniveau und kognitive Funktion beim Menschen. Studien an Alzheimer-Patienten zeigen mögliche positive Effekte. Zu den Nebenwirkungen zählen die Färbung von Urin und Stuhl sowie Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten.

Die Rolle von Sport und Bewegung

Ein aktiver Lebensstil mit regelmäßiger geistiger und körperlicher Betätigung, sozialer Interaktion sowie qualitativ hochwertiger Ernährung hat positive Auswirkungen auf die Hirngesundheit. Aktivität führt zu einer Zunahme der Dendritenlänge sowie Komplexität und Dichte der Dendritendorne und fördert die Expression synaptischer Proteine.

Sport und Bewegung bringen das Gehirn auf Trab:

  • Bessere Durchblutung: Sport sorgt für einen größeren Hippocampus und damit für eine bessere Gedächtnisleistung.
  • Verbesserte Aufmerksamkeit und Konzentration: Körperliche Ertüchtigung hilft beim Lernen, indem es die Aufmerksamkeit und Konzentration auf Trab bringt.
  • Diabetesprävention: Sport kann sowohl bei der Prävention als auch der Behandlung von Diabetes helfen.
  • Struktur des Gehirns: Sport hinterlässt Spuren in der Struktur des Gehirns. Je fitter ein Mensch ist, umso größer ist sein Hirnvolumen.
  • Defokussierung: Der Sport selbst sorge für eine Defokussierung. Will heißen: Man geht ganz in der sportlichen Aktivität auf und vergisst alles andere.

Welche Art von Sport hilft am besten? Ausdauertraining, Krafttraining oder eine Mischung aus diesen Komponenten scheinen die kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Gesunde Alternativen zum Hirndoping

Anstatt auf "Wundermittel" zu setzen, gibt es zahlreiche gesunde Alternativen, um das Gehirn auf Hochtouren zu bringen:

  • Ausreichend Schlaf und Pausen: Sinnvolle Pausen zeichnen sich dadurch aus, dass man eine Tätigkeit wirklich unterbricht, aufsteht, die Gedanken schweifen lässt, etwas völlig anderes tut.
  • Gute Flüssigkeitsversorgung:
  • Reichlich Bewegung und frische Luft:
  • Gesunde Ernährung:
  • Stressmanagement:
  • Meditation:
  • Ginkgo: Für Ginkgo ist eine leichte Verbesserung der Gedächtnisleistung belegt.

Gehirndoping unter Studierenden

Gehirndoping nimmt unter Studierenden zu, um dem Lernpensum an der Universität besser gewachsen zu sein. Dafür finden unterschiedliche Substanzen Anwendung, angefangen bei eher harmlosen wie Koffein bis hin zu Arzneistoffen oder illegalen Drogen. Besonders Arzneistoffe und illegale Drogen können erhebliche Nebenwirkungen haben und abhängig machen.

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