Aufregen, Nerven, Psychologie: Ein umfassender Blick auf Ärger und seine Bewältigung

Meckern und Jammern haben oft einen schlechten Ruf. Doch warum eigentlich? Und was steckt psychologisch dahinter, wenn wir uns aufregen oder genervt fühlen? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten von Ärger, seine Ursachen, Auswirkungen und Strategien zur Bewältigung.

Die Psychologie des Aufregens und Nervens

Brigit Salewski, Familientherapeutin, erklärt, dass Meckern und Jammern unterschiedliche Funktionen haben können, aber meistens einen gemeinsamen Nenner: Sie sind Ausdruck von Gefühlen wie Genervtheit, Überlastung, Wut, Angst, Unzufriedenheit und Gereiztheit. Diese Gefühle sind oft negativ konnotiert, und wir möchten sie tendenziell weniger in unserer Umgebung haben.

Salewski betont jedoch, dass alles, was wir tun, oft einen guten Grund hat. Jammern kann beispielsweise zur Entlastung dienen, um Stress und Anspannung abzubauen. Es kann auch der Kontaktaufnahme zu anderen Menschen dienen, um zu prüfen, ob sie eine Situation ähnlich beurteilen oder als gleich belastend empfinden. Dies schafft Zugehörigkeit und ermöglicht Solidarität, wenn wir uns von anderen Jammerern anstecken lassen.

Temperament, Persönlichkeit und der Umgang mit Ärger

Manche Menschen lassen besonders viel Dampf ab, während andere sich zurückhalten. Dies liegt laut Salewski an unterschiedlichem Temperament: Einige sind impulsiver, andere gelassener. Extrovertierte teilen sich gerne mit, während Introvertierte weniger von sich preisgeben. Zudem haben Menschen unterschiedliche Erfahrungen gemacht, wie sie am besten mit ihren Gefühlen umgehen. Einige haben gelernt, dass es ihnen guttut, Dampf abzulassen, während andere ihre Energie lieber nutzen, um nach Lösungen zu suchen.

Die Funktion von Ärger und die Frage nach dem "Was danach?"

Wer meckert, ist mit etwas unzufrieden. Es stellt sich die Frage, ob es besser ist, diese Unzufriedenheit rauszulassen. Salewski betont, dass Meckern und Jammern eine wichtige Funktion haben können. Entscheidend ist jedoch, was danach passiert: Beruhigt sich jemand und findet Lösungen für seinen Stress, sein Unbehagen, seine Belastung oder Wut? Oder findet jemand gleich den nächsten Aufreger? Ein zu starker Fokus auf das Außen kann dazu führen, dass man sich von kleinen Begegnungen, Informationen oder Situationen triggern lässt, anstatt zu überlegen, was einem selbst guttäte. Wer sich so leicht triggern lässt, ist manipulierbar.

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Die gesundheitlichen Auswirkungen von zu viel Gemecker

Eine Negativspirale aus Beklagen und Anschuldigen kann die eigenen Gefühle beeinträchtigen. Man kann sich negative Gefühle "herbeijammern" und nur noch das Schlechte, Besorgniserregende und Ängstigende wahrnehmen. Dies verengt den Fokus und lässt die schönen Seiten des Lebens in den Hintergrund rücken. Es ist wichtig, neben allem, was uns besorgt, auch die guten Dinge im Leben wahrzunehmen.

Die richtige Dosis an Jammern, Meckern und Fluchen

Sobald wir den Respekt vor anderen verlieren, wird es für unsere Beziehungen brenzlig. Wenn Lebenspartner, Angehörige oder Freunde signalisieren, dass es ihnen zu viel wird, braucht es Pausen und Ablenkung. Beziehungen sollten nicht von Gejammer und Gemecker überfrachtet werden. Beschimpfungen und Verletzungen sind tabu.

Tipps für mehr Positivität und Besonnenheit

Wer nicht mehr meckern will, sollte sich fragen, was ihn belastet: Sorgen um Kinder oder Finanzen, Stress im Job oder mit anderen Menschen, oder das Gefühl, keine Lösung für ein Problem zu finden. Was erhofft man sich vom Gemecker? Will man, dass sich jemand anders verhält, Dampf ablassen, Aufmerksamkeit oder Hilfe bekommen? Oder ist Meckern Teil der Familienkultur? Wenn man sich über das Problem und die Funktion des Gejammers oder Gemeckers klar geworden ist, kann man überlegen, was man stattdessen tun kann. Braucht man Hilfe, kann man darum bitten. Will man Dampf ablassen, kann man dies tun, ohne Angehörige anzumeckern.

Tipps für den Umgang mit Dauernörglern

Wenn man von einem Dauernörgler umgeben ist, gilt es, innerlich ruhig zu bleiben und Anerkennung und Trost auszusprechen. Wenn Menschen belastet sind, reicht es nicht, schnell das Thema zu wechseln, da sie sich dann übergangen fühlen können. Man kann fragen, was sie sorgt oder belastet, Anerkennung und Trost spenden und Hilfe anbieten. Zudem ist es gut, Menschen auf andere Gedanken zu bringen und Ablenkung zu fördern. Wenn es einem zu viel wird, ist es wichtig, Grenzen aufzuzeigen.

Innere Unruhe und der Blick nach Innen

Wer sich ständig von seinem Mitmenschen getriggert fühlt, zeigt, wie unruhig es im Innern aussieht. Ewiges Beschweren über andere, ohne bei sich selbst zu schauen, führt nur zu noch mehr Frustration. Um das zu ändern, ist es wichtig, den Schmerz anzunehmen.

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Ständiges "genervt sein" deutet oft auf ein Ungleichgewicht hin. Wenn wir ständig über und mit anderen Menschen streiten oder uns immer von anderen missachtet und falsch verstanden fühlen, ist das ein Hinweis darauf, dass etwas in uns im Ungleichgewicht ist. Beschweren wir uns immer über andere, ohne bei uns selbst nachzuschauen, verfallen wir in einen Opferstatus, in dem wir die Kontrolle über unseren Gefühlszustand an andere abgeben.

Schmerz annehmen und Blockaden lösen

Werden wir häufig getriggert, können wir davon ausgehen, dass wir eine Art Energieblockade in uns haben. Diese wächst, wenn wir eine Emotion nicht im Inneren fühlen, sondern sie ins Außen tragen und gegen Andere richten. Der Weg zur Lösung führt über den Atem. Wir atmen ruhig, spüren, wo wir einen Druck, ein Ziehen, einen Schmerz wahrnehmen, atmen genau dort hinein und nehmen dieses Gefühl an, egal ob es Wut, Trauer, Einsamkeit oder ein anderes ist. Nur durch das Annehmen lassen sich Energieblockaden auflösen.

Die Welt liebevoll betrachten

Es wird immer wieder Situationen und Menschen geben, die uns triggern. Unsere Aufgabe ist es, unseren eigenen Umgang damit zu finden. Wir sollten uns weniger über andere aufregen, sondern sie mit einem wohlwollenden, liebevollen Blick betrachten. Denn vielleicht ist ihr Weg viel mühsamer und leidvoller als unserer. Ein solcher Blick kostet weniger Energie und ist angenehmer für unser Seelenwohl. Klare Grenzen setzen lässt sich in reflektiertem Zustand ganz ohne Streit.

Nervige Kleinigkeiten und Vermeidungsstrategien

Unser Alltag ist voller nerviger Kleinigkeiten, über die wir uns aufregen könnten. An manchen Tagen schlängeln wir uns graziös durch die Kinderwagen, verbinden die Paket-Abholung mit einer Kugel Eis und schmunzeln über unsere Kollegin. An anderen Tagen nervt uns einfach alles. Wenn unwichtige Kleinigkeiten unsere Gedanken belagern und die Aufregung darüber unsere Gefühle dominiert, sind wir weit davon entfernt, uns den Dingen unseres Lebens zu widmen, die uns etwas bedeuten und mit Freude erfüllen.

Oft steckt eine Vermeidungsstrategie dahinter, wenn wir uns über belanglose Dinge übermäßig stark aufregen. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass es Themen in unserem Leben gibt, denen wir uns nicht stellen möchten oder können. Also regen wir uns lieber über unbedachte Kommentare auf, weil das leichter ist.

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Wut und das limbische System

Negative Emotionen wie Wut, Hass, Ärger, Zorn oder Aggression entstehen im limbischen System, einem evolutionär alten Bereich unseres Gehirns. Die Amygdala, eine Ansammlung von Nervenzellkörpern, ist verantwortlich für eine große Bandbreite an Emotionen und gilt als Schaltzentrale für die Gefühle Angst und Wut. Sie verarbeitet Reizinformationen von Augen und Ohren und setzt die hemmende Großhirnrinde außer Kraft.

Die körperlichen Reaktionen auf Wut

Sind wir wütend, verändern wir Merkmale unserer Mimik. Unser Gesicht wird zu einer Fratze - die Augenbrauen ziehen sich zusammen, die Augen kneifen, unser Unterkiefer schiebt sich nach vorne und wir zeigen unsere Zähne. Studien belegen, dass wir ärgerliche Gesichter schneller wahrnehmen als freundliche. Für unseren Körper ist das seine Art zu sagen: „Vorsicht, am besten gerade nicht nähern.“

Auslöser für Wut und Aggression

Die Wut entsteht im Laufe des Lebenszyklus auf viele verschiedene Arten und Weisen. Bei Erwachsenen gibt es verschiedene Auslöser, wie z. B. Ungerechtigkeit, Respektlosigkeit, Angriff auf die eigene Persönlichkeit, Ausnutzen, Enttäuschung, unangemessene Kritik, Verletzung des Selbstwertgefühles oder Überforderung und Belästigungen. In Kombination mit Rachegedanken ist Wut eine explosive Mischung, die in Aggression münden kann.

Ärger zulassen und akzeptieren

Ärger gehört zum Leben dazu wie Freude und Schmerz. Wie alle Emotionen hat er einen biologischen Sinn. Er zeigt uns selbst und anderen, dass uns etwas stört. Und er bereitet uns auf Kampf und Auseinandersetzung vor. Deshalb steigen Blutdruck und Muskelspannung, wenn wir uns ärgern.

Lassen Sie zu, dass Sie sich ärgern. Ist der Ärger erst einmal da, drücken Sie ihn nicht weg. Erlauben Sie sich, den Ärger zu fühlen, ohne gleich aktiv zu werden. Das hilft, Distanz zu gewinnen.

Sich selbst befragen und Bedürfnisse erkennen

Gefühle sind Signale. Der Ärger sagt Ihnen, dass Sie etwas stört. In der Regel steckt ein Bedürfnis dahinter, etwas, was Ihnen wichtig ist. Welches Bedürfnis ist das? Wenn Sie das herausfinden, können Sie entspannter nach Wegen suchen, es zu befriedigen.

Gespräche führen und Feedback geben

Wollen Sie, dass die andere Person sich anders verhält, sagen Sie es ihr. Am besten ohne Drohungen, Vorwürfe oder Unterstellungen. Erklären Sie ihr, was Sie gern anders hätten und warum das für Sie wichtig ist. Gelingt Ihnen ein solch sachliches Feedback, haben Sie eine gute Chance, dass der andere Ihre Wünsche in Zukunft berücksichtigt und Ihr Ärger sich sogar zum Positiven wendet.

Ablenkung und Perspektivenwechsel

Wenn Sie nichts tun können oder wollen, um die Ursachen für Ihren Ärger zu ändern, dann ist auch Ablenkung keine schlechte Idee. Widmen Sie sich voll und ganz einer anderen Tätigkeit, zum Beispiel Sport, Gartenarbeit, Spielen oder etwas anderem. Das hilft, schnell wieder gut drauf zu sein, und auch der Blutdruck sinkt. Ist die Situation es wirklich wert, dass Sie sich darüber aufregen? Wenn nicht, lassen Sie Ihren Ärger vorüberziehen und vergessen Sie ihn. Sie können das unterstützen, indem Sie sich fragen: Wie werde ich einem Monat über diese Situation denken? Oder in einem Jahr?

Humor und das Sehen der komischen Seite

Glücklich sind diejenigen, die in der Lage sind, die komische Seite der Situation zu sehen. Humor ist nicht nur sehr effektiv, um Ärger zu bewältigen, er bringt auch die gute Laune schnell zurück.

Unterordnung vermeiden und Ärger nicht hemmungslos ausleben

Wer dauernd nachgibt und nicht einmal versucht, Ihre Wünsche geltend zu machen, wird in der Regel nicht damit glücklich werden. Ihr Ärger bleibt und macht sich anderweitig bemerkbar. Ärger hemmungslos auszuleben, ist allerdings auch keine gute Idee. Wer dauernd seinem Ärger unkontrolliert Luft macht, baut ihn nicht etwa ab, sondern bleibt auf einem hohen Ärgerniveau stecken.

Projektion und die eigenen Schattenseiten

Es gibt Menschen, die uns regelrecht zur Weißglut treiben können - und das, ohne dass wir so richtig benennen können, was uns denn an ihnen so nervt. Psycholog:innen sind sich einig, dass die Antwort ganz woanders liegt: in uns selbst. In vielen Fällen projizieren wir unsere eigenen Gefühle, Eigenschaften und inneren Konflikte auf Situationen mit anderen Menschen. Anstatt uns damit auseinanderzusetzen, spiegeln wir unsere Traumata - und laden sie damit auf die Person ab, die uns vermeintlich schon mit ihrer bloßen Existenz furchtbar aufregt.

Wenn wir eine sehr starke Reaktion auf eine Person haben, kann das oft eine Projektion sein. Wir projizieren Schattenelemente unserer selbst auf die Situation. Solche Aspekte unserer Persönlichkeit sind meist gänzlich unbewusst, es handelt sich dabei oft um ungelöste Konflikte, innere Verletzungen oder Eigenschaften, die wir lieber verdrängen möchten.

Akute Belastungsreaktion und Nervenzusammenbruch

Wenn sich die innere Anspannung über längere Zeit aufbaut und schließlich in einem körperlich-seelischen Zusammenbruch entlädt, spricht man umgangssprachlich von einem Nervenzusammenbruch. In der Medizin wird dieser Begriff zwar nicht offiziell verwendet, doch er beschreibt den Zustand einer akuten psychischen Krise, die meist Ausdruck von chronischem Stress oder einer seelischen Überforderung ist. Umso wichtiger ist es, Warnsignale rechtzeitig zu erkennen und sich Hilfe zu holen.

Ein Nervenzusammenbruch wird in der Fachsprache als akute Belastungsreaktion bezeichnet. Gemeint ist damit eine vorübergehende, aber extreme Reaktion auf ein ebenso extremes Ereignis. Diese Reaktion tritt meist wenige Minuten nach dem Auslöser ein. Andere Bezeichnungen für diese Reaktion sind zum Beispiel auch psychischer oder seelischer Schock.

Ursachen und Symptome einer Belastungsreaktion

Die Ursachen, die eine Belastungsreaktion auslösen können, sind sehr vielfältig. Jedes Ereignis, das ein Trauma auslösen kann, kann auch einen Nervenzusammenbruch zur Folge haben. Ein schwerer Unfall oder Körperverletzung, Krieg oder kriegsähnliche Ereignisse wie ein Terroranschlag, Flucht, Vertreibung, Gewalt oder eine Naturkatastrophe - all diese Dinge können sich auf die Psyche eines Menschen auswirken.

Die typischen Anzeichen sind: Sprachlosigkeit, veränderte Wahrnehmung, Einengung des Bewusstseins, Nacherleben der Situation in Form von Alpträumen und Flashbacks, Lücken in der Erinnerung, Überreizung, Stimmungsschwankungen und körperliche Reaktionen wie Schweißausbrüche, Herzrasen, Blässe und Übelkeit.

Hilfe bei einer Belastungsreaktion

Traumatische Erlebnisse kommen unvorhergesehen und man kann ihnen nicht vorbeugen. Umso wichtiger ist schnelle, professionelle Unterstützung im Falle ihres Eintretens. Anlaufstellen dafür sind zum Beispiel eine psychiatrische Praxis oder Klinik, der bundesweite Bereitschaftsdienst, die Telefonseelsorge oder die Nummer gegen Kummer für Jugendliche und Kinder. Die akute Hilfe kann fließend in eine längerfristige Therapie übergehen.

Nervenzusammenbruch durch Stress

Ein akuter Zusammenbruch in einer Stresskrise, begleitet vom Gefühl „Ich kann nicht mehr“, kann das Resultat von langanhaltendem psychischem Stress sein. Er äußert sich durch ein Gefühl von Ungleichgewicht zwischen den eigenen Leistungsmöglichkeiten, Zielen, Bedürfnissen und den äußeren Ansprüchen. Hält der Stress länger an, reagiert der Körper darauf mit Gegenwehr, denn er möchte den Alarmzustand möglichst schnell beenden. Langfristig führt dieser Zustand dann zur Erschöpfung verschiedener körperlicher Prozesse. Das hat wiederum zur Folge, dass sich weitere körperliche und seelische Krankheiten entwickeln können, etwa Allergien, Burnout oder Stoffwechselerkrankungen.

Stressfaktoren und Symptome bei Dauerstress

Zu den häufigsten belastenden Stressauslösern zählen: beruflicher Druck, Konflikte im privaten oder beruflichen Umfeld, Mehrfachbelastungen, ständiger Termindruck, kritische Lebensereignisse, eigene Ansprüche, Sorgen und Ängste, sowie das Fehlen sozialer Unterstützung.

Typische Symptome bei psychischem Dauerstress sind körperliche Anzeichen wie Zittern, starkes Weinen oder Weinkrämpfe, begleitet von Schwitzen, Übelkeit, Herzklopfen und Kopfschmerzen. Betroffene fühlen sich oft nervös, innerlich unruhig, niedergeschlagen oder kraftlos. Auch Schlafprobleme, Schwindel, Muskelverspannungen, Atembeschwerden oder ein Kloßgefühl im Hals sind typische Begleiterscheinungen. Nicht zuletzt leidet auch die geistige Leistungsfähigkeit: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sind häufige Folgen von anhaltendem psychischem Druck.

Ärztliche Hilfsangebote und Vorbeugung

Können Sie einige der genannten Symptome bei sich beobachten, sollten Sie nicht zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erste Anlaufstelle ist in der Regel der Hausarzt. Je nach Befund kann dieser eine Überweisung an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ausstellen.

Versuchen Sie sowohl beruflich als auch privat kürzer zu treten. Unter ständiger Belastung sinken Konzentration, Kreativität und Entscheidungsfähigkeit. Ein gesunder Lebensstil bildet dabei die Basis: Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung sowie bewusste Entspannungstechniken helfen dabei, die innere Balance zu erhalten. Lernen Sie, „Nein“ zu sagen: Nicht jede zusätzliche Aufgabe muss übernommen werden. Auch der Austausch mit anderen, das Pflegen von Freundschaften oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann helfen, belastende Situationen besser zu bewältigen.

Bewegung, Ernährung und Ruhepausen

Bewegung bringt Segen - das gilt auch bei nervösen Unruhezuständen. Untersuchen zeigen beispielsweise, dass beim Sport ein Hormon (ANP) gebildet wird, das Panik lindert. Lebensmittel sind Nahrung für Körper und Geist. Was Menschen essen, bestimmt, wie sie sich fühlen. Ein ausgeglichener Geist und ein leistungsfähiger Körper brauchen ausreichend Ruhepausen. Dazu gehört ausreichend Schlaf.

Gedanken und Gefühle bewusst wahrnehmen

Gedanken und Bewertungen entstehen aus Sinneswahrnehmungen und/oder Erinnerungen. Sie beeinflussen, wie sich etwas anfühlt und rufen dadurch unmittelbare Körper- und Verhaltensreaktionen hervor. Wer sich dieser Verbindung von Körper und Geist bewusst ist, fühlt sich weniger ausgeliefert und lernt zielgerichteter mit Grübelei und Sorgen umzugehen.

Leidvolle Gefühle wie Angst oder Unsicherheit rauben Energie und trüben die Lebensfreude. Sie haben aber auch einen Nutzen: Angst beispielsweise setzt Adrenalin frei. Dadurch steigt das Energielevel, der Körper macht sich bereit zur Flucht oder Verteidigung. Wie im Umgang mit den Gedanken lohnt es sich Gefühle, bewusst wahrzunehmen und nicht wegzuschieben.

Jähzorn: Wenn Wut außer Kontrolle gerät

Es gibt „normale“ und nachvollziehbare Wut - auf Menschen oder bestimmte Situationen. Und es gibt unkontrollierte Wutanfälle. Im Deutschen sprechen wir auch von Jähzorn. Jähzorn ist ein nicht zu bändigendes Zorngefühl. Jähzornige verschweigen meist ihren Groll, wenden das Gefühl des Ärgers gegen sich und platzen jäh vor Zorn, um die Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen. Jähzorn schwächt, während mitgeteilter Ärger und Wut uns stärken. Trotzdem: Jähzorn ist ein Versuch, das Gefühlsleben wieder in Fluss und Balance zu bringen.

Der Unterschied zwischen Wut und Zorn

Wut kann eine heilende Kraft nach emotionalen Verletzungen sein. Wut im Bauch bekommen wir, wenn unser Gerechtigkeitssinn verletzt wurde. Zorn dagegen ist eine Grundemotion. Im Zorn wird etwas aufgerissen, etwas gespalten. Es kann sein, dass dieses Gespaltensein durch einen Zornanfall gespürt und erkannt wird.

Jähzorn als Impulskontrollstörung

Diagnostisch könnte Jähzorn in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) zu den Impulskontrollstörungen gehören. Jähzorn ist ein nicht zu bändigendes Zorngefühl. Jähzornige verschweigen meist ihren Groll, wenden das Gefühl des Ärgers gegen sich und platzen jäh vor Zorn, um die Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen. Jähzorn schwächt, während mitgeteilter Ärger und Wut uns stärken. Trotzdem: Jähzorn ist ein Versuch, das Gefühlsleben wieder in Fluss und Balance zu bringen.

Wie äußert sich Jähzorn?

Im Jähzorn werden wir von dem bis dahin unterdrückten Zorn überwältigt. Der gesund mitgeteilte Zorn stärkt unser Selbst und ermöglicht es uns, unsere persönlichen und sozialen Grenzen zu schützen. Es ist eine kontinuierliche Lebensaufgabe, den eigenen jähen Zorn so abzubauen, dass unser Zorn andere nicht mehr versehrt. Sich in seinen wahren Gefühlen zu zeigen, ist für viele, vor allem Männer, üblicherweise ein riskantes Unterfangen. Gefühle zeigen wird oft gleichgesetzt mit Schwäche zeigen.

Jähzorn bei Kindern und Erwachsenen

Viele Kinder zerstören in ihrem Jähzorn Dinge, schmeißen sie herum. Kinder trampeln mit den Füßen und brüllen entsetzlich. Wenn wir erkennen, als Kinder (und danach als Erwachsene), dass wir uns durch diese Art, den Zorn auszuleben, kurzfristig durchsetzen können, gebrauchen wir gerne auch später den Jähzorn als Inszenierung, um anderen emotional oder physisch weh zu tun.

Die Ursachen von Jähzorn

Zorn wird durch das Schaltnetz unseres Nervensystems ausgelöst, wobei die primären Gefühlssysteme von Zorn und Furcht ineinander vermischt sind. Unsere durch evolutionäre Prozesse und Erfahrung geprägten Gehirne wurden konditioniert, die Gründe für starke Gefühle außerhalb von uns zu suchen.

Jähzorn als Überlebensstrategie

Bevor wir Menschen dank unserer Entwicklung von Waffen zu raubtierartigen Jägern wurden, waren wir gejagte Beutetiere. Jähzorn sind wuchtige Energieschübe, die eventuell eine letzte lebensrettende Flucht ermöglichen können. Wir müssen diese dominierende Kraft des Gehirns, die wir als inneren Zornes-Druck erleben, annehmen und spüren, ehe sie uns dazu verleitet, zum Beispiel jemanden ins Gesicht zu schlagen.

Ist Jähzorn erblich?

Jede Person ist fähig, Zorn zu spüren. Ob sie ihn ausdrücken kann oder nicht, kommt auf verschiedene Faktoren an. Eltern übertragen ihren Zorn oder ihre Wut auf uns als Kinder. Oft können wir uns nicht davon lösen. Wir übernehmen diese Verhaltensweise. Wir nennen das in der Psychotherapie eine transgenerationale Delegation von Gefühlen.

Hilfe für Menschen mit Jähzorn

Erstens muss ich mir meinen Jähzorn eingestehen. Zweitens hilft das Erkennen der Auslöser meines Jähzorns. Wissen, wie und wann sich mein Jähzorn immer wieder zeigt. Erst dann kann ich Maßnahmen zur Linderung meiner Attacken kultivieren. Unter anderem hilft eine Psychotherapie, eigenes Musikmachen, Sport und Bewegung allgemein, sowie Meditation und innere Selbstwahrnehmung. Es braucht lebbare Alternativen, um das Gefühl von Zorn nicht jäh und aggressiv destruktiv, sondern positiv und kraftvoll ausleben zu können.

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