Einführung in das Nervensystem: Aufbau und Funktion

Das menschliche Nervensystem ist ein komplexes und faszinierendes System, das nahezu alle Körperfunktionen steuert und koordiniert. Es ermöglicht uns zu atmen, zu verdauen, uns zu bewegen, zu denken, zu fühlen und uns zu erinnern. Es ist ein biologischer Supercomputer, der Tag und Nacht arbeitet, oft ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Ohne das Nervensystem wäre keine Interaktion mit der Umwelt, kein Bewusstsein und keine gezielte Handlung möglich. Es ist das übergeordnete Steuer-, Kommunikations- und Regulationssystem des Körpers.

Organisation des Nervensystems

Das Nervensystem lässt sich nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilen, hauptsächlich nach seiner Lage im Körper und seiner Funktion. Die grundlegendste Einteilung unterscheidet zwischen dem zentralen Nervensystem (ZNS) und dem peripheren Nervensystem (PNS).

Zentrales Nervensystem (ZNS)

Das zentrale Nervensystem umfasst das Gehirn und das Rückenmark. Es ist verantwortlich für die zentrale Verarbeitung von Reizen, die aus der Körperperipherie eintreffen, und für die Koordination aller motorischen, sensorischen und vegetativen Funktionen. Das Gehirn ist das oberste Steuerorgan und Sitz des Bewusstseins, der Sprache, der Emotionen, des Denkens, Lernens und Erinnerns. Anatomisch lässt sich das ZNS in graue und weiße Substanz unterteilen. Die graue Substanz enthält die Zellkörper der Nervenzellen und bildet im Gehirn die äußere Rinde, während sie im Rückenmark zentral liegt.

Peripheres Nervensystem (PNS)

Das periphere Nervensystem besteht aus sämtlichen Nerven, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegen. Es verbindet das ZNS mit Organen, Muskeln, Haut und Sinnesorganen. Dazu zählen die Hirnnerven (mit Ursprung im Gehirn) und die Spinalnerven (mit Ursprung im Rückenmark). Auch im PNS gibt es Ansammlungen von Nervenzellkörpern, sogenannte Ganglien, die insbesondere im vegetativen Nervensystem eine wichtige Rolle spielen.

Somatisches Nervensystem

Das somatische Nervensystem, auch animalisches oder willkürliches Nervensystem genannt, ermöglicht bewusste Wahrnehmung und willkürliche Bewegungen. Es steuert die Skelettmuskulatur und ist für die Weiterleitung von sensorischen Informationen aus der Umwelt - wie etwa Berührung, Temperatur oder Schmerz - verantwortlich. Es umfasst alle bewussten und willentlichen Prozesse im Körper, also jene, die man absichtlich steuern und beeinflussen kann. Dies sind zum Beispiel gezielte Bewegungen von Gesichtsmuskeln, Armen, Beinen und Rumpf.

Lesen Sie auch: Einführung Nervensystem

Vegetatives Nervensystem

Das vegetative Nervensystem, auch viszerales oder autonomes Nervensystem genannt, reguliert die unwillkürlichen Körperfunktionen wie Atmung, Verdauung, Stoffwechsel oder Herzschlag. Es agiert unabhängig vom bewussten Willen und funktioniert weitgehend autonom. Das vegetative Nervensystem (autonomes Nervensystem) regelt die Abläufe im Körper, die man nicht mit dem Willen steuern kann. Es ist ständig aktiv und reguliert beispielsweise Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel. Hierzu empfängt es Signale aus dem Gehirn und sendet sie an den Körper. In der Gegenrichtung überträgt das vegetative Nervensystem Meldungen des Körpers zum Gehirn, zum Beispiel wie voll die Blase ist oder wie schnell das Herz schlägt. Das vegetative Nervensystem kann sehr rasch die Funktion des Körpers an andere Bedingungen anpassen. Ist einem Menschen beispielsweise warm, erhöht das System die Durchblutung der Haut und die Schweißbildung, um den Körper abzukühlen. Sowohl das zentrale als auch das periphere Nervensystem enthalten willkürliche und unwillkürliche Anteile.

Das vegetative Nervensystem wird weiter unterteilt in:

  • Sympathikus: Er aktiviert den Körper in Stresssituationen (zum Beispiel durch Erhöhung der Herzfrequenz oder Hemmung der Verdauung). Der Sympathikus bereitet den Organismus auf körperliche und geistige Leistungen vor. Er sorgt dafür, dass das Herz schneller und kräftiger schlägt, erweitert die Atemwege, damit man besser atmen kann, und hemmt die Darmtätigkeit.
  • Parasympathikus: Er fördert die Erholung und Regeneration (zum Beispiel durch Senkung des Blutdrucks oder Anregung der Verdauung). Der Parasympathikus kümmert sich um die Körperfunktionen in Ruhe: Er aktiviert die Verdauung, kurbelt verschiedene Stoffwechselvorgänge an und sorgt für Entspannung.
  • Enterisches Nervensystem (ENS): Auch als „Bauchhirn“ bekannt, steuert es weitgehend selbstständig die Bewegungen und Sekretionen des Magen-Darm-Trakts. Zahlreiche Zellen (108) des Darm-Systems in Serosa, Tunica bzw. Tela mucosa und submucosa (Plexus submucosus Meissner) sowie muscularis (Plexus muscularis Auerbach) werden als enterisches Nervensystem (ENS) zusammengefasst.

Das sympathische und parasympathische Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) wirken im Körper meist als Gegenspieler.

Zellen des Nervensystems

Das Nervengewebe besteht primär aus zwei Zelltypen: Nervenzellen (Neuronen) und Gliazellen.

Neuronen

Neuronen sind die funktionellen Grundeinheiten des Nervensystems. Sie sind für die Aufnahme, Verarbeitung und Weiterleitung von Informationen verantwortlich. Sie bestehen aus einem Zellkörper (Soma), kurzen Fortsätzen (Dendriten) zur Reizaufnahme und einem langen Fortsatz (Axon) zur Weiterleitung der elektrischen Erregung. Das Gehirn besteht aus etwa 100 Milliarden Neuronen. Die Dendriten nehmen Signale aus dem Körper auf. Das Axon leitet Signale zu einem anderen Axon, zu einer Drüsenzelle oder einer Muskelfaser weiter. Umgeben ist das Axon von Gliazellen. miteinander verbunden. Sie geben das elektrische Signal des Axons an die nächste Nervenzelle weiter. Für die Weiterleitung eines Signals an der Synapse wird das elektrische Signal in ein chemisches Signal umgewandelt. - an die nächste Zelle.

Lesen Sie auch: Therapeutische Ansätze in der Neurobiologie

Gliazellen

Gliazellen erfüllen unterstützende und versorgende Funktionen. Sie stabilisieren das neuronale Netzwerk, isolieren Axone (zum Beispiel durch Myelinscheiden), versorgen Neuronen mit Nährstoffen und beteiligen sich an der Regulation des extrazellulären Milieus.

Erregungsleitung im Nervensystem

Die Erregung von Neuronen basiert auf elektrischen Signalen, die durch Änderungen des Membranpotentials (Depolarisation) entstehen. Diese Aktionspotenziale entstehen, wenn ein Reiz eine bestimmte Schwelle überschreitet, und breiten sich entlang des Axons fort. Myelinisierte Axone leiten Signale durch saltatorische Erregungsleitung besonders schnell. An Synapsen wird das elektrische Signal in ein chemisches umgewandelt. Botenstoffe wie Acetylcholin, Dopamin oder Serotonin überqueren den synaptischen Spalt und binden an Rezeptoren der Zielzelle, wo sie eine neue Erregung auslösen können.

Entwicklung des Nervensystems

Das Nervensystem entsteht im Verlauf der Embryonalentwicklung aus dem äußeren Keimblatt, dem Ektoderm. Bereits in der dritten Schwangerschaftswoche formt sich die Neuralplatte, aus der sich die Neuralrinne und schließlich das Neuralrohr bildet. Dieses entwickelt sich weiter zum zentralen Nervensystem. Die Neuralleiste, eine Zellstruktur seitlich der Neuralrinne, differenziert sich zum peripheren Nervensystem. Im Verlauf der Evolution hat sich das Nervensystem erheblich differenziert. Während einfache Tiere wie Quallen über ein diffuses Nervennetz verfügen, entwickelten sich bei komplexeren Organismen zentrale Steuerungsstrukturen, sogenannte Ganglien. Bei Wirbeltieren mündete dieser Prozess in einer hochgradigen Zentralisierung mit Ausbildung eines Gehirns und eines segmentierten Rückenmarks.

Erkrankungen des Nervensystems

Das Nervensystem kann von einer Vielzahl angeborener und erworbener Erkrankungen betroffen sein. Viele davon beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich oder führen zu dauerhaften Behinderungen. Neurologische Erkrankungen sind Erkrankungen des Nervensystems. Sie sind entweder durch einen Gendefekt angeboren oder entstehen im Laufe des Lebens. Hierfür können zum Beispiel eine Infektion, ein Trauma oder eine Rückbildung (Degeneration) verantwortlich sein.

Einige Beispiele für neurologische Erkrankungen sind:

Lesen Sie auch: Neurologie: Ein Leitfaden für die 11. Klasse

  • Schlaganfall (Apoplex): Eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn führt zu neurologischen Ausfällen.
  • Morbus Parkinson: Eine neurodegenerative Erkrankung mit Untergang dopaminerger Neurone in der Substantia nigra.
  • Multiple Sklerose (MS): Eine chronisch-entzündliche Erkrankung des ZNS mit Entmarkung von Axonen.

Das vegetative Nervensystem im Detail

Das vegetative Nervensystem (VNS) ist phylogenetisch älter als das zentrale Nervensystem (ZNS) mit Gehirn und Rückenmark. Es wird auch als autonomes Nervensystem bezeichnet, da es ohne willkürlichen Einfluss durch das menschliche Denken, also den bewußten Willen funktioniert.

Phylogenetische Entwicklung

Man findet in der Literatur u.a. Medien Beweise über das Vorhandensein von Nervenzellen bei niederen Tieren wie Hohl- bzw. Nesseltieren, wo es als Netz in der Haut liegt. Aber auch hier besteht schon eine Spezifizierung in Nervenzellen für die Bewegungsfunktion (Einfangen von Nahrung) und für die Speicherung von Informationen (Konzentration besonders empfindlicher Zellen am Kopfende). Bei Würmern ist dann ein Strickleitersystem und die weitere Trennung zwischen Kopf- und Bauchhirn erkennbar. Die Weichtiere besitzen ein lernfähiges Hirn und ein vegetatives Nervensystem mit einem „miterregendem“ Sympathikus, welcher bei Gefahr sofort reagiert (Fluchtverhalten). Bei den Gliedertieren, wozu auch die Fruchtfliege (drosophila) gehört, erfolgt eine stärkere Segmentierung sowie Knotenbildung (Ganglien). Ein auf die Verdauung spezifiziertes enterisches Nervensystem (ENS) arbeitet schon unabhängig, und neurosekretorische Zellen bilden ein primitives Hormonsystem. Schließlich erfolgt bei den Wirbeltieren eine beschleunigte Entwicklung und weitere Funktionsteilung des VNS in ein enterisches, (ortho)sympathisches und parasympathisches System. Bei den Säugetieren ist im Vergleich zu Reptilien eine Weiterentwicklung der Orientierungsreflexe sowie Kommunikation gefunden worden. Man führt dies auf die Existenz und Verschaltung nicht nur des limbischen Systems, sondern der Hirnstamm-Kerngebiete wie Ncl. ambiguus und tractus solitarius zurück. [11] Nach der von Ernst Haeckel (1834-1919, besuchte ab den 40er Jahren u.a. das Domgymnasium in Merseburg) erstmals formulierten biogenetischen Grundregel rekapituliert sich diese Phylogenese in der Ontogenese des Menschen.

Funktionelle Grundlagen

Die Funktion der Nervenzellen bzw. Neurone wird durch die Synapsen bzw. postsynaptischen Rezeptoren bestimmt. Mittlerweile sind zahlreiche Subtypen dieser Rezeptoren bzw. Neuro- u.a. Transmitter nachgewiesen worden. So findet man Neurone, welche Signale in verschiedene Richtungen orthograd und retrograd weiterleiten und solche, die diese hemmen. Dies liegt am Bau der Tubuli, intrazellulären Botenstoffen und an der Art der Verschaltung zum benachbarten Neuron (End-zu-End, End-zu-Seit bzw. End-zu-Soma). Andererseits können sie durch exhibitorisch und inhibitorisch wirkende Transmitter Impulse verstärken oder hemmen [1]. Verschiedene Netzwerke prägen schließlich die Funktion verschiedener Teile des Nervensystems. Die Funktion des VNS ist dabei stark von Impulsen des Subcortex bzw. limbischen Systems (Hippocampus, Gyrus cinguli und Mandelkörper bzw. Amygdala), wo alle Lernvorgänge im Laufe des gesamten Lebens gespeichert werden, geprägt.

Dreh- und Angelpunkt ist der Hypothalamus im Zwischenhirn. Die Steuerung erfolgt in den verschiedenen Kerngebieten, wobei man rostrale Kerne von medialen, lateralen und kaudalen Kernen unterscheidet. Sie regulieren spezifisch sympathische bzw. ergotrope oder parasympathische bzw. trophotrope oder Reaktionen.

Eine Verschaltung mit den vegetativen Kernen des Sympathikus in den Seitenhörnern des Rückenmarks und denen des Parasympathikus im Mittelhirn erfolgt vom Corpus mamillare über den Tractus mamillotegmentalis bzw. Fasciculus longitudinalis posterior Schütz zu retikulären Mittelhirnstrukturen (Formatio reticularis). Hier befinden sich wichtige Kerngebiete (Ncll. raphe, tegmentalis, ambiguus, tractus solitarius und der Locus coeruleus), welche für Raumorientierung, Koordination der Nahrungsaufnahme, Verdauung und Ausscheidung, Atmung, Herz-Kreislauf, aber auch Kommunikation, Mimik und Gestik zuständig sind. Im aufsteigenden bzw. aszendierendem retikulärem aktivierendem System (ARAS) der Formatio reticularis werden zusätzlich Bewusstseinslage bzw. Wachheitszustand und somit die Sensibilität gegenüber Schmerz, allen Afferenzen, optischen und akustischen Reizen gesteuert. [3,4] Eine weitere Verschaltung findet über Interneurone bis zum Sacralmark statt.

Der Hypothalamus hat die Fähigkeit, entweder durch vegetativ-nervöse Einzel-Reaktionen per interneuronale Synapsen oder durch endokrin-vaskuläre „Massenreaktion“ auf alle Gewebe je nach Stress homöodynamisch zu reagieren. So beeinflußt er die Hypophyse bei der Sekretion von Hormonen für Gewebe und Drüsen (Wachstum, Stoffwechsel, Streßverarbeitung, Schlaf-Wach-Rhythmus, Fortpflanzung usw.) aus der Adenophypophyse (Vorderlappen) und Neurohypophyse (Hinterlappen) in ein Gefäßsystem.

Histochemisch dominieren zentral als Transmitter Acetylcholin (cholinerges System) und beim monoaminergen System Noradrenalin (adrenerg) bzw. Dopamin (dopaminerg) sowie Serotonin (serotonerg). Darüberhinaus fand man GABA-erge, glutaminerge, histaminerge und weitere peptiderge (z.B. Neuropeptid Y) Synapsen. Noradrenerge (u.a. im Locus coeruleus) und serotonerge Kerne (u.a. Raphé-Kern) beeinflussen sich zentral dabei sehr stark. Dopamin wurde auch im Tegmentum, in sympathischen Ganglien und der Nebenniere nachgewiesen. [7] Peripher dominieren das cholinerge und adrenerge System mit nicotinergen und muscarinergen sowie alpha- und beta-adrenergen Subtypen.

Sympathikus im Detail

Der „Mit-Erreger“ wird auch als Hauptsympathikus bzw. nur als Sympathikus bezeichnet. Sein erstes Neuron ist kurz und sein zweites lang. Dieses befindet sich außerhalb des ZNS.

Zentrifugale Efferenzen:

Die zentrale Bahn beginnt wahrscheinlich auch im Hypothalamus. Cholinerge und dopaminerge Verbindungen wurden bis zu den Zellkernen des 1. bzw. präganglionären Neurons in den Ncl. intermediolaterales der Seitenhörner des Rückenmarks (RM) nachgewiesen. [7] Die Topographie der Kerne wird von C7 oder C8 bis L2 oder L3 angegeben (siehe Literatur der topographischen Anatomie).

Die Fasern sind schwach myelinisiert und verlassen das Vorderhorn des RM über die Radices ventrales C(7)8-L2(3), aber auch über die dorsale Wurzel. Ihr Signal passiert die Wirbelsäule als Nervus spinalis durch den Recessus bzw. das Neuroforamen und gelangt über den R. communicans albus (also weiß) zum Truncus sympathicus im Segment. Dieser beiderseits paravertebral gelegene Grenzstrang (mit pars cervicalis, thoracalis, lumbalis und sacralis) besteht aus Ganglien (z.B. Ggl. cervicale superius (GCS), medius und inferius (bei 70%er Verschmelzung mit 1. thorakalem heißt es Ggl. cervicothoracicum bzw. stellatum), weitere 11 thorakale, 4 lumbale und mind. 3 sacrale Ganglien sowie einem unpaarem Ggl impar am kaudalen Verschmelzungspol. [4]

In diesen Ganglien erfolgt entweder die Umschaltung von prä- auf postganglionäre Fasern über Acetylcholin oder der „Durchlauf“ zu anderen unpaaren prävertebralen, präaortalen bzw. peripheren Ganglien. [4,8]

Nach cholinerger Umschaltung verlaufen zahlreiche Fasern erst entlang des Grenzstrang nach kranial oder kaudal (bis zu 5 Segmenten) und dann über Verzweigungen in andere Segmente oberhalb C8 und unterhalb L2 (primäre Divergenz des Grenzstrangs). Da diese Verzweigungen nicht myelinisiert sind, erscheinen sie als Rr. communicantes grisei (also grau). Nun verzweigen sich die Nn. spinales nochmal in die Peripherie über rami dorsales und ventrolaterales (sekundäre Divergenz der Spinalnerven). Dadurch gelangen sympathische Impulse entlang der Nerven und schließlich Gefäße (tertiäre Divergenz der Gefäße) in die Peripherie. So ist die sympathische Versorgung durch die Kerngebiete über andere Segmente in die Regionen von Kopf-Hals (C8-D3), Armen (D3-7), Becken (D10-12) und Beinen (L1-3) gewährleistet. [4,8]

Bis auf die weitere cholinerge Umschaltung in den Schweißdrüsen erfolgt die periphere Umschaltung adrenerg über Noradrenalin.

Plexus:

Vernetzungen des Grenzstrangs bestehen cervical zum prävertebralem Plexus caroticus et thyroideus. Über das GCS gibt es Verbindungen zu Art. carotis, Nn. trigeminus, glosspharyngeus, vagus et hypoglossus sowie phrenicus und weiter zu Ggl. ciliare, N. petrosus major und Ggl. spheno(pterygo)platinum (Palatinum). Über das Stellatum erreichen Fasern N et Art. vertebralis, Nn. vagus, laryngeus recurrens und Art. subclavia. [4]

Im thorakalen Teil bestehen Verbindung zu prävertebralen Plexus cardiacus, pharyngeus, pulmonalis, coeliacus und zu einem gel. vorkommednen Pl. splanchnicum. [4]

Lumbal sind die Plexus aorticus abdominalis, mesenterialis und hypogastricus superior sowie sacral der Plexus hypogastricus inferior vernetzt. [4]

Weiterhin ziehen sympatische Fasern als Nn. splanchnici major (beginnt an den Grenzstrangganglien Th5-9) et minor (Th10-11), gel. auch imus (Th12) in das prävertebrale Ggl coeliacus (besser Plexus) und dann zur Niere als Plexus renalis. Als Nn. splanchnici lumbales et sacrales verlaufen Fasern in die Peripherie und anastomosieren variabel mit dem Parasympathikus (z.B. im Plexus hypogastricus). [4]

Ohne nachgewiesene Bedeutung sind Paraganglien wie das sich zurückbildende Zuckerkandl-Organ an der Art. mes. inf. sowie andere chromaffine Paraganglien in Drüsen und dem Peritoneum.

Eine Sonderrolle spielt das umgewandelte sympathische Ganglion „Nebennierenmark“. Ohne Umschaltung im Grenzstrang wird über die Segmente Th10-L2(3) bei jeglichem Stress (Schmerz, Verletzung, Hypotension und Hypothermie sowie starke Angst) über die sympathiko-medulläre Achse (SMA) in Sekundenschnelle Adrenalin aus dem Nebennierenmark für die adrenerg versorgten Organe bereitgestellt, um der Gefahr phylogenetisch gerecht zu werden (fight or flight). [8,9]

Zentripedale Afferenzen:

Durch Nozizeptoren von freien Nervenendigungen im Bindegewebe (extrazelluläre Matrix), Thermorezeptoren oder Mechanorezeptoren glatter Muskelzellen (besonders der Gefäße und Hohlorganen) gelangen Signale aus der Peripherie nach zentral sowie Noradrenalin endokrin an α1-Rezeptoren [9]. 80% aller sympathischer Afferenzen werden über den Ramus dorsales des N. spinalis in den Laminae des Hinterhorns verschaltet. Die übrigen gelangen wie der Großteil der sensorischen Afferenzen über den ventrolateralen Ast in das Hinterhorn des RM und werden nach zentral oder kontralateral weitergeleitet, gehemmt oder reflektorisch beantwortet. Die verhältnismäßig langsame Leitung erfolgt über marklose C-Fasern entlang der Gefäße, peripheren und o.g. Eingeweide-Nerven zum Grenzstrang bzw. nach „Durchlauf“ über die Spinalganglien (pseudounipolare Zellen) in die hinteren Wurzeln der Segmente C(7)8 bis L2(3). Durch diese Konvergenz werden sympathische Afferenzen zentral „unsegmental“ empfunden, jedoch über reflektorische Efferenzen polysegmental oder auch streng segmental in Dermatome als referred pain nach Head, als Verquellungen in „Subkutome“ nach Kibler, Kohlrausch, Aschner, Gleditsch etc., faszio-muskulär in Triggerpunkte nach Travell, kinetischen Muskel-Ketten nach Mackenzie bzw. als arthrogene Blockierungen projiziert.

Vorm Erreichen des N. spinalis kann aber auch ein axonaler Reflex mit Umschaltung in Ephapsen auf eine Efferenz zu reflektorisch-vegetativen bzw. algetische Krankheitszeichen (u.a. triple response nach Lewis mit red spot (zentrale Rötung), spreading flare (Umgebungsreaktion der Gefäße) und wheal (Ödem) lokal [12] und einer so genannten neurogenen Entzündung systemisch führen, wobei hier die Substanz P eine entscheidende Rolle spielt. [8]

Parasympathikus im Detail

Der „Nebensympathikus“ weist meist ein langes erstes Neuron und kurzes zweites Neuron auf. Die Umschaltung in einem Ganglion erfolgt meist intramural.

Zentrifugale Efferenzen:

Topographisch unterscheidet man hier die Pars encephalica von der sacralis. Die zentralen Ursprungskerne der 1. bzw. präganglionären Neurone vom N. occulomotorius (Edinger-Westphal), chorda tympani n. facialis (salivatorius superior), glossopharyngeus (salivatorius inferior) und vagus (dorsalis n. vagi, ambiguus et tractus solitarius) befinden sich im Mittel- bzw. Rautenhirn. [11] Sie verlaufen weiter vagabundierend mit diesen Hirnnerven III, VII, IX und X, anderen Hirnnerven (z.B. N. trigeminus) und entlang von Gefäßen bis zu den Erfolgsorganen (z.B. Drüsen und Muskeln). Die Umschaltung von prä- auf postganglionäre Fasern erfolgt über Acetylcholin in Ganglien (Ggll. ciliare, oticum, spheno(pterygo)palatinum), submandibulare) und nicht-chromaffinen Paraganglien (Glomus caroticum et aorticum). Über den N. vagus, welcher einerseits aus dem Ncl. dorsalis n. vagi entspringt, zu Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien, Herz und Magen sowie zum Gatrointestinaltrakt bis zum Cannon-Böhm’schen Punkt verläuft, erreicht der parasympathische Einfluss die Organe, welche für die Aufnahme von Sauerstoff und Nahrung sowie deren Verteilung verantwortlich sind. Im Rahmen der Poly-Vagal-Theorie nach Proges werden über den „smarteren“ N. vagus, welcher sich erst im Laufe der letzten Schwangerschafts- und ersten Lebensmonate entwickelt, myelinisiert ist und vorwiegend aus dem Ncl. ambiguus Impulse erhält, v.a. kommunikative und soziale Fähigkeiten wie Modulation der Muskeln von Biss (N. V), Auge und Gesicht (N. III, IV, VI und VII), Ohr (N. VIII), Rachen und Kehlkopf (N. IX) vermittelt. Dieser phylogenetisch jüngste Teil des VNS moduliert v.a. linksseitg die subdiaphragmalen Organe und rechtsseitig die o.g. supradiaphragmalen „Organe“ einschl. Sinusknoten und damit die Herzvariabilität. Ein weiterer vagaler Einfluss v.a. auf die Respiration beim Sprechen wird durch den Ncl. tractus solitarii ausgeübt. [11] Ein Einfluss besteht auch auf die vom N. accessorius (XI) versorgten Muskeln Sternocleidomastoideus und Trapezius (die häufigsten Triggerpunkte) und scheint sich durch die enge anatomische und phylogenetische Beziehung der so genannten Vagusgruppe zu ergeben.

Die sacralen Kerne befinden sich wie beim Sympathikus in den Ncll. intermediolaterales, jedoch in den RM-Segmenten S2-4. Die Fasern verlassen das RM über die Radices ventrales und bilden die Nn. splanchnici pelvici. Diese ziehen zu den intramuralen Ganglien der Beckenorgane und des Colon descendens, sigmoideum und Rectum.

tags: #einfuhrung #in #das #nervensystem